Gibt es nie wieder Zinsen?

9 wichtige Fragen und Antworten zum Negativzins

Nullzins oder Negativzins – was ist das und was heißt das für mich? Wir erklären, was hinter den Begriffen steckt, welchen Ausweg Aktien bieten und was die Coronakrise für Ihr Geld bedeutet.

Für junge Menschen sind Zinsen aufs Ersparte fast so schwer vorstellbar wie eine Welt ohne Internet. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins gesenkt hat, bekommen Sparerinnen und Sparer so gut wie keine Zinsen mehr. Ändern wird sich daran so schnell leider nichts: Zinssparerinnen und -sparer werden noch lange leer ausgehen.

Aber die niedrigen Zinsen haben auch einen Vorteil: Wer sich momentan Geld leiht, bekommt dies zu extrem günstigen Konditionen.

1. Was sind Negativzinsen?

Negativzinsen sind Entgelte, die Kreditinstitute auf die Einlagen ihrer Kundinnen und Kunden erheben. Mittlerweile erheben die meisten Banken und Sparkassen diese Entgelte – zumindest ab einer gewissen Summe. Parken Kundinnen und Kunden höhere Beträge wie zum Beispiel ab 25.000 Euro oder 50.000 Euro auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto, werden unter Umständen Negativzinsen fällig. In diesem Fall sind es die Sparerinnen und Sparer, die Geld für ihre Spareinlagen an Bank oder Sparkasse zahlen müssen, statt wie früher Zinsen auf ihr Erspartes zu bekommen. 

2. Wie entstehen Negativzinsen?

Die Entstehung von Negativzinsen ist an die Geldpolitik der EZB gekoppelt. Denn: Bei der EZB können Banken und Sparkassen ihr überschüssiges Geld (also das Geld, das sie nicht an andere Banken oder Kundinnen und Kunden verleihen) parken. Eine beliebte Lösung, denn das Geld ist dort sicher verwahrt. Allerdings erhebt die EZB Gebühren für eben diese Einlagen – es fällt der sogenannte Einlagensatz an. Das ist der Zins, zu dem Banken und Sparkassen kurzfristig Geld bei der Zentralbank aufbewahren können.

Schon im September 2019 senkte die EZB den Einlagensatz von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent; verändert hat sich der Einlagensatz seitdem nicht. Die Maßnahme hat einen guten Grund: Die EZB sorgt sich um die lahmende europäische Konjunktur – nicht nur wegen der Coronakrise. Also setzt sie mit ihrer Geldpolitik monetäre Anreize, um die Konjunktur anzukurbeln.

Die Überzeugung dahinter: Je höher der Strafzins für Banken, desto größer ihr Anreiz, Geld in Form von günstigen Krediten an Unternehmen zu verleihen. So will die EZB zugleich Firmen und Gewerbe motivieren zu investieren. In Maschinen, Autos oder andere Dinge, die die Wirtschaft antreiben.

Ein weiteres Motiv der Zentralbank ist die Preisentwicklung: Laut Satzung hat die EZB die Aufgabe, die Preise stabil zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es knapp zwei Prozent Inflation. Zwischen Juli und Dezember 2020 rutschte der Wert allerdings unter die Nullmarke. Erst Anfang 2021 stieg die Inflationsrate wieder. Aktuell liegt der Wert bei rund zweieinhalb Prozent (Stand: Mai 2021).

3. Was ist der Leitzins und wofür ist er wichtig?

Zentralbanken nutzen nicht nur den Einlagensatz, sondern auch die Leitzinsen, um die wirtschaftliche Entwicklung zu beeinflussen. Sie gelten unmittelbar nur für Geschäfte zwischen der Zentralbank und den Kreditinstituten und legen fest, zu welchen Konditionen sich Kreditinstitute bei ihnen Geld leihen oder anlegen können.

Im März 2016 senkte die EZB den zentralen Leitzins erstmals auf 0,0 Prozent, um mit günstigem Kapital Konjunktur und Inflation in der Euro-Zone anzukurbeln. Seitdem verharrt der Leitzins auf diesem historischen Rekordtief.

Zugleich will die EZB über die Senkung den Preis für das Leihen von Geld reduzieren, dadurch günstige Kredite ermöglichen und mehr Geld in Umlauf bringen. Dies soll, so der Plan, Investitionen und Wachstum anregen.

Allerdings hat das Vorgehen der EZB noch einen zusätzlichen Effekt: Je niedriger der Leitzins, desto weniger Zinsen bekommen die Sparerinnen und Sparer. 

Infografik: Die Entwicklung des Leitzins

4. Wer profitiert eigentlich von Negativzinsen?

Vom Negativzins profitieren in erster Linie die Staaten der Euro-Zone – auch Deutschland: Die Bundesregierung kann sich so günstig verschulden wie nie zuvor und bekommt sogar noch Geld fürs Schuldenmachen. Von den Negativ- und Nullzinsen profitieren aber auch all jene, die sich Geld für einen Kredit leihen – Unternehmen ebenso wie Verbraucherinnen und Verbraucher. Wer momentan zum Beispiel einen Immobilienkredit aufnimmt, kann sich über historisch niedrige Zinsen freuen.

Ein Verlustgeschäft ist der Negativzins dagegen für Deutschlands Zinssparerinnen und Zinssparer: Vor allem diejenigen, die sich Geld fürs Alter über festverzinsliche Anlagen auf die Seite legen wollen. Klassische Sparanlagen wie Tages-, Termin- oder Festgeld sowie Anleihen bleiben wegen des Minuszinses auf absehbare Zeit unattraktiv.

Betroffen sind aber auch institutionelle Anlegerinnen und Anleger, wie etwa Versicherungen oder Pensionsfonds: Sie müssen ebenfalls alternative Anlagemöglichkeiten finden, um das Ersparte ihrer Kundinnen und Kunden zu vermehren.

5. Was bedeutet das für Bundesanleihen?

Im August 2019 fielen die Staatsanleihen mit einer Laufzeit von dreißig Jahren erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik unter null Prozent Rendite. Mit der Coronakrise hat sich diese Entwicklung weiter verfestigt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Zwar testen Bundesanleihen zum ersten Mal seit Langem wieder den Nullpunkt – eine Anlage lohnt sich in absehbarer Zeit aufgrund der Geldpolitik der EZB aber nicht. „Bundesanleihen haben in einem Vermögen, das auf Werterhalt oder Wertsteigerung ausgelegt ist, nichts mehr zu suchen“, erklärt Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka.

Anlegerinnen und Anleger, die dem deutschen Staat Geld leihen, zahlen also weiterhin drauf. Eine Zäsur am Finanzmarkt – vor zehn Jahren hatten die zehnjährigen Bundesanleihen noch mit über drei Prozent rentiert, zu Beginn des Jahrtausends lag ihre Rendite sogar bei rund fünf Prozent.

Infografik: Die Zinsen von Bundesanleihen

6. Wie wirken sich negative Zinsen auf Banken und Sparkassen aus?

Kreditinstitute müssen für Geldeinlagen bei der Europäischen Zentralbank derzeit eine Gebühr von 0,5 Prozent pro Jahr zahlen. Das summiert sich: Die Negativzinszahlungen deutscher Banken und Sparkassen an die EZB belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro im Jahr.

Sparkassen haben in der Vergangenheit bereits große Anstrengungen unternommen, um ihre Kundinnen und Kunden vor Verwahrentgelten – das heißt vor Negativzinsen auf ihre Einlagen – zu schützen. Doch je länger das derzeitige Minuszinsumfeld andauert, desto schwieriger wird es für sie, Zinsen auf Sparguthaben und Kredite unabhängig vom Marktumfeld zu gestalten. Aus diesem Grund haben viele Kreditinstitute damit begonnen, die Negativzinszahlungen der EZB an ihre Kundinnen und Kunden weiterzugeben. 

7. Welche Rolle spielt die Inflation?

Eine Aussicht auf höhere Zinsen wird es nur geben, wenn die Inflation steigt. Momentan ist dies zwar der Fall – allerdings ist der Umstand größtenteils auf die Coronakrise zurückzuführen und deshalb nicht zwangsläufig von Dauer. In Zahlen: 2019 betrug die Inflation 1,4 Prozent. Im April 2020 fiel die Teuerungsrate im Zuge der Coronakrise dann plötzlich auf 0,8 Prozent und rutschte von dort aus ins Minus.

Zum Jahresbeginn 2021 stieg die Inflationsrate dann wieder kräftig – auf 1,3 Prozent. Dazu beigetragen hat zum Beispiel die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer, aber auch die Verteuerung der Energiepreise. Letztere sind auf die steigenden Rohölpreise zurückzuführen sowie die Einführung des CO2-Preises für fossile Brennstoffe.

Aktuell (Stand: Mai 2021) liegt die Inflationsrate bei 2,5 Prozent – dem höchsten Wert seit 2011. Voraussichtlich wird sich die Inflation bis Ende des laufenden Jahres sogar noch einmal beschleunigen. Allerdings dürfte sich der rein konjunkturelle Preisanstieg (gemessen am Verbraucherpreisindex ohne Energie) laut Expertinnen und Experten um die 1,4 Prozent bewegen.

Allerdings will die EZB bis auf Weiteres – trotz der höheren Inflationsrate – an der aktuellen Niedrigzinspolitik festhalten. Priorität sei es, die Konjunktur nach der Coronakrise wieder anzukurbeln, heißt es aus Frankfurt. 

Infografik: Entwicklung von Sparguthaben unter Berücksichtigung der Inflation

8. Wie beeinflusst die Coronakrise die Märkte?

In Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie ist es wichtig, die Aktienkurse genau zu beobachten: Nachdem die Börsen mit Bekanntwerden der rasanten Virusverbreitung Anfang 2020 weltweit eingebrochen waren, erholten sie sich schnell und befanden sich bereits nach wenigen Wochen wieder auf dem Weg zu alten Höchstständen.

Ende April 2020 stieg der Deutsche Aktienindex DAX auf den höchsten Stand seit dem ersten Einbruch. Anfang Mai verloren die Werte vorerst wieder spürbar – notierten aber weiterhin deutlich über dem Jahrestief von Mitte März.

Inzwischen hat sich der Markt mehr als erholt. So erzielen zum Beispiel die im DAX enthaltenen Unternehmen heute schon höhere Gewinne als noch vor der Krise. Auch die Gewinnaussichten verbessern sich weiterhin deutlich. Die rasante Aufholbewegung der Weltwirtschaft soll sich laut Expertinnen und Experten in den kommenden Monaten weiter festigen.

9. Wie lassen sich Negativzinsen vermeiden?

Die Deutschen parken ihr Geld vorwiegend auf dem Tagesgeld- oder dem Girokonto. In Nullzins- oder gar Negativzinszeiten eine mutlose Strategie. Risikolose Anlagen bieten schlichtweg keine Aussicht auf positive Erträge mehr.

Anleger sollten also auf Alternativen ausweichen: Vor allem Aktien können einen Ausweg aus der Ertragsmisere bieten.

Tabelle: Prognose internationaler Aktienmärkte

Aktien sind eine sinnvolle Lösung für Sparerinnen und Sparer

Wer vor zehn Jahren sein Geld in Wertpapierfonds angelegt hat, kann sich heute über gute Ergebnisse freuen. Kursgewinne und Dividenden summieren sich in den meisten Fällen zu einem erfreulichen Gesamtergebnis.

Mehr noch: Laut Wertpapierexpertinnen und -experten sind die Aktienmärkte der einzige Weg für Anlegerinnen und Anleger, positive Erträge zu erwirtschaften. Und das zahlt sich aus: „Die komfortable Gewinnsituation der Unternehmen wird im kommenden Jahr zu neuen Rekordausschüttungen der DAX-Unternehmen führen“, so Joachim Schallmeyer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie der Deka. Dabei werden Anlegerinnen und Anleger nicht nur von höheren Ausschüttungen in Form von Dividenden profitieren – auch die Aktienkurse sollen in den nächsten zwölf Monaten auf neue Rekordhöhen steigen.  

Häufige Fragen und Antworten

Negativzins bedeutet, dass Sparerinnen und Sparer Entgelte auf ihr Erspartes zahlen müssen, das sie zum Beispiel auf Girokonto oder Tagesgeldkonto bei Banken und Sparkassen geparkt haben. 

Die Einführung von Negativzinsen ist stark an die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gekoppelt. Die EZB verlangt von Kreditinstituten, die ihr überschüssiges Geld dort parken, Gebühren in Form von Entgelten. Diese Entgelte belasten Banken und Sparkassen und werden deshalb zumindest ab einer bestimmten Einlagensumme an Kundinnen und Kunden weitergegeben.

Wer Negativzinsen zahlen muss, unterscheidet sich von Kreditinstitut zu Kreditinstitut. Meist sind entsprechende Regelungen an die Höhe der Einlagen gekoppelt. Bewahren Sparerinnen und Sparer höhere Summen, etwa 25.000 Euro oder 50.000 Euro auf Girokonto oder Tagesgeldkonto auf, können bei einigen Instituten bereits Negativzinsen anfallen. Bei anderen Banken oder Sparkassen ist dies beispielsweise erst ab einer Einlagensumme von 100.000 Euro der Fall – oder gilt nur für Neukundinnen und Neukunden. 

Berechnet werden Negativzinsen meist erst ab einer bestimmtem Einlagensumme. Die meisten Kreditinstitute verlangen das Entgelt zudem nur von Neukundinnen und Neukunden. Bestandskundinnen und Bestandskunden sollten sich bei Fragen direkt an ihre Bank oder Sparkasse wenden.


Sie möchten trotz Negativzins das Beste aus Ihrem Geld rausholen? Wir beraten Sie gern vor Ort.


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