Mythos oder Wahrheit: Sind Frauen die besseren Anleger?

Wie Frauen ihre Geldanlage selbst in die Hand nehmen

Frauen legen ihr Geld deutlich seltener in Aktien an als Männer. Nur 9,5 Prozent der Frauen halten aktuell Aktien und Wertpapiere in ihrem Portfolio. Zu wenig, sagen Experten. Denn: Wenn Frauen ihr Geld an der Börse anlegen, tun sie das sehr erfolgreich.

Stereotypen zum Anlageverhalten von Frauen gibt es viele: Frauen seien intuitiver, vorsichtiger, weniger risikobewusst. Männer sagen, sie seien die besseren Anleger, weil sie schneller reagieren. Frauen sagen, das sei empirisch nicht bewiesen. Was stimmt denn nun? Sind Frauen wirklich die besseren Anleger?

Wie Frauen vom Kapitalmarkt profitieren

Laura Simmons liebt Zahlen. Und sie liebt das schnelle Agieren an der New Yorker Börse, sagt sie der BBC . Die Börsenmaklerin ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich: erst 23 Jahre alt, afroamerikanisch und die erste Frau, die in Vollzeit auf dem New Yorker Börsenparkett handelt. Ein Vorbild für private Anlegerinnen?

Laura Simmons ist Profi, sie hat keine Scheu vor der Finanzwelt. Ganz anders sieht es bei den deutschen Privatanlegerinnen aus: Nur 12 Prozent investieren 2003 an der Börse. Bei den Männern waren es 21 Prozent. Dieser Unterschied hat sich inzwischen deutlich vergrößert: Nur noch 9,5 Prozent der Frauen legen ihr Geld aktuell in Aktien an.

Die Skepsis ist groß: 72 Prozent der Frauen lehnen Investments in Wertpapiere ab. Bei den Männern sind es 59 Prozent. Den Frauen entgeht dadurch viel Geld. Denn wenn Frauen in Aktien investieren, erzielen Sie höhere Renditen als Männer .

Die Datenplattform Openfolio wertet regelmäßig aus, wie amerikanische Anleger abschneiden. 2016 übertrafen weibliche Investoren die männliche das dritte Jahr in Folge. Bei der Untersuchung von 60.000 Nutzern fand die Plattform heraus, dass im Jahr 2015 weibliche Anleger 0,4 Prozent mehr Rendite erzielten als männliche.

Auch eine andere Untersuchung kamen zu dem Ergebnis, dass Frauen die besseren Anleger sind. So schafften weibliche Investoren 2015 eine Rendite von 5,8 Prozent. Die männlichen Anleger kamen im selben Zeitraum nur auf 4,1 Prozent. Die Studie untersuchte 600.000 Wertpapier-Depots.

Warum ist das so?

Forscher der Universität Berkeley haben in psychologischen Tests festgestellt, dass Männer anfälliger sind für Selbstüberschätzung als Frauen. Das gelte besonders in männlich dominierten Bereichen wie Finanzen. Die Folge: vorschneller Aktionismus. Männer kaufen und verkaufen ihre Aktien schneller.  Das sei an der Börse kontraproduktiv:  Die Erträge der Männer reduzieren sich so mehr als bei Frauen.

Ein weiterer Grund: Wenn Frauen am Kapitalmarkt teilnehmen, mögen sie vor allem Fonds. Während Männer mehr Geld in Einzelaktien anlegen, kaufen Frauen eher Dutzende verschiedener Aktien und streuen so das Risiko stärker.

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Gleiches Vermögen, gleiches Risiko

Sind Frauen weniger bereit, ihr Geld in riskante Aktien- oder Fondsinvestments zu stecken? Das können Experten in der Beratungspraxis nicht bestätigen. Wenn eine Frau investieren möchte, dann ist sie auch bereit, ein Risiko einzugehen. Das deckt sich mit einer wissenschaftlichen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) . Demnach nehmen Frauen und Männer bei gleichem Vermögen auch gleich hohe Risiken in Kauf.

Es kommt also auf das Wissen an. Je mehr jemand über Wertpapiere weiß, desto eher verlieren sie ihren Schrecken.  Und: Je ähnlicher das Vermögen der Geschlechter, desto eher sind Frauen auch bereit, ihr Geld an der Börse zu investieren.

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Sparverhalten ist nicht genetisch veranlagt

Viele Frauen glauben den Mythos, sie seien nicht gut in Mathe oder ihnen fehle die finanzielle Bildung. Das ist ein Irrtum, denn: Alle Menschen, auch Männer, brauchen mehr finanzielles Wissen. Das Sparverhalten ist nicht genetisch veranlagt. Es wird vorgelebt durch Familie und Vorbilder.

Doch die wenigsten Menschen wissen, dass sich der Einstieg an der Börse schon bei kleinen Beträgen lohnt. Mit Fondssparen können Anleger gute Finanzprodukte über lange Zeit liegen lassen und so vom Zinseszinseffekt profitieren.

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Jüngere Anlegerinnen stärken

Inzwischen sind laut der Erfahrung von Beratern vor allem jüngere Frauen bereit, sich mit dem Thema Aktien zu beschäftigen. Wichtig ist es deshalb, das Bewusstsein der Frauen für Finanzen und Geldanlage zu stärken. Dazu gehört auch mehr Finanzbildung in der Gesellschaft und an Schulen.

Das bestätigt eine aktuelle Jugendstudie des Bankenverbands 2018 gleichermaßen für Mädchen wie für Jungen: Obwohl sich das Wirtschafts- und Finanzwissen der Jugend seit 2015 leicht verbessert hat, zeigen sich weiterhin noch große Lücken. Laut Jugendstudie wünschen sich 84 Prozent der jungen Leute mehr Informationen über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Schule. Zwei Drittel fordern sogar die Einführung eines eigenen Unterrichtsfachs.

Die Botschaft an junge Frauen – und Männer – muss also lauten: Du kannst es schaffen, fang heute an. Sie sollten wissen, was eine Rendite ist, wie eine Börse funktioniert und dass es ihre Aufgabe ist, sich selbst um ihre finanzielle Unabhängigkeit zu kümmern. Hauptsache ist, überhaupt etwas aus seinem Geld zu machen.

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Mythos oder Wahrheit?

Sind Frauen nun tatsächlich die besseren Anleger? Empirisch finden sich dafür vereinzelte Belege, aber kein klares Gesamtbild. Aber: Ob Frauen wirklich erfolgreicher sind oder nicht, sollte am Ende keine Rolle spielen. Entscheidend ist, die Finanzen in die eigene Hand zu nehmen. Die persönliche finanzielle Unabhängigkeit ist ein Ziel, das für alle gilt.

Für Lauren Simmons bleibt die Welt der Zahlen jedenfalls ihre Berufung. Fast niemand habe geglaubt, dass sie die Prüfung zur Börsenhändlerin schaffen würde, sagt Simmons dem amerikanischen Fernsehsender CNBC . Auch sie hatte Augenblicke des Zweifels. Als sie die Prüfung bestand, lösten sich langsam ihre Bedenken, ob sie die Rolle bewältigen könnte. Denn sie weiß: Frauen müssen selbstbewusster werden und an sich glauben.

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