Leitzins

Kurz & knapp:

Der Leitzins wird von einer Zentralbank festgelegt und bestimmt die Konditionen, zu denen sich Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank ausleihen können.

Mehr zum Leitzins:

Der Leitzins ist ein Instrument einer Zentralbank zur Steuerung der Geldpolitik innerhalb eines Wirtschaftsraumes, also eines Landes oder zum Beispiel der Europäischen Union. Durch den Einsatz der geldpolitischen Instrumente soll das Preisniveau stabil gehalten werden. Die Höhe des Leitzinses hat Einfluss auf das Zinsniveau am Finanzmarkt und damit auch auf den Wirtschaftsverlauf sowie die Preisstabilität.

Zuständige Zentralbank

In der Europäischen Union ist die Europäische Zentralbank, kurz EZB, für die geldpolitische Steuerung zuständig. Daher legt auch die EZB die Höhe des leitenden Zinssatzes im Euroraum in Prozent fest. In den USA hat die US-Notenbank Federal Reserve (kurz Fed diese Aufgabe. Eine Zentralbank ist für die Entwicklung des Preisniveaus zuständig und soll unabhängig von den Regierungen der einzelnen Länder agieren.

Der EZB-Rat ist ein Organ der europäischen Zentralbank. Er entscheidet darüber, welche geldpolitischen Instrumente in der Europäischen Währungsunion eingesetzt werden.

Einfluss auf das Zinsniveau

Bei der Festlegung des Zinssatzes für Kunden orientieren sich die Geschäftsbanken am Leitzins. Ist dieser niedrig, können sich europäische Banken zu guten Konditionen Guthaben bei der EZB leihen und den Bankkunden Kredite mit entsprechenden Zinsen zur Verfügung stellen. In diesem Fall freuen sich Haushalte und Unternehmen über günstige Kreditzinssätze. Die Zinsen für Guthaben orientieren sich ebenfalls an den Vorgaben der Notenbank. Zinsen auf Sparguthaben fallen bei einem niedrigen Leitzins gering aus.

Ist der vorgegebene Zinssatz der Zentralbank hoch, ist es umgekehrt. Das bedeutet hohe Zinsen auf Guthaben, jedoch auch teurere Prozente für Kredite. Werden die Leitzinsen angehoben, dann steigt entsprechend die Zinslast. Daher sollte man sich als Darlehensnehmer möglichst langfristig niedrige Zinsen durch eine lange Zinsbindung sichern.

Einfluss auf die Geldmenge

Die EZB hat die Aufgabe, den europäischen Geldmarkt zu regulieren. Durch die Veränderung des Leitzinses steuert die EZB ebenfalls die Menge des sich im Umlauf befindlichen Geldes. Werden mehr Kredite ausgegeben, so steigt die Geldmenge im Wirtschaftsraum. Werden hingegen aufgrund hoher Kreditzinsen wenig Kredite aufgenommen, so sinkt die Geldmenge.

Einfluss auf die Wirtschaft

Durch eine Änderung des Leitzinses beeinflusst die Europäische Zentralbank entscheidend die wirtschaftliche Entwicklung der Länder des Euroraums und damit auch das Erreichen der Ziele des magischen Vierecks. Durch einen niedrigen Zins soll die Wirtschaft angekurbelt werden. Da sich die Banken günstig Guthaben bei der Zentralbank leihen können, bringen Sie diese Geldwerte zu günstigen Konditionen in Umlauf. Die Unternehmen nehmen vermehrt Darlehen auf und tätigen Investitionen.

Auch bei den privaten Anlegern erwartet man einen Konsumanstieg, da für klassische Sparanlagen nur niedrige Zinsen erwirtschaftet werden können. Niedrige Zinsen erhöhen daher die Nachfrage und steigern so die Wirtschaftsleistung eines Landes.

Konsum und Investitionen sinken hingegen, wenn die Zinssätze für Kredite teuer sind. In dem Fall nehmen Unternehmen weniger Darlehen auf. Auch Haushalte sparen lieber zum höheren Guthabenzins, statt zu konsumieren. Die Nachfrage sinkt, was das Wirtschaftswachstum einschränkt.

Einfluss auf die Preisstabilität

Eine der wichtigsten Aufgaben der Europäischen Zentralbank ist es, das Preisniveau zu sichern und die Inflationsrate stabil zu halten. Durch die Steuerung der Geldpolitik soll Preisstabilität im Wirtschaftssystem erreicht werden. Die Preise sollen also weder dauerhaft steigen noch dauerhaft fallen. Mit den Instrumenten der Zentralbank soll eine zu starke Inflation (Geldentwertung) beziehungsweise Deflation (Geldaufwertung) verhindert werden.

Bei einem niedrigen Leitzins rechnet man mit einem Preisanstieg. Denn aufgrund der niedrigen Zinssätze ist immer mehr Geld im Umlauf, während das Angebot an Gütern gleichbleibt. Die Bürger können sich mehr leisten – die Nachfrage steigt. Da aber die Menge an angebotenen Gütern gleichbleibt, erhöhen sich auch die Preise. Das bedeutet, dass man sich für den gleichen Geldwert weniger kaufen kann (Inflation). Dies gilt es zu verhindern. Die EZB muss darauf achten, dass die Inflationsrate angemessen bleibt. Das kann sie durch den entsprechenden Einsatz der geldpolitischen Instrumente erreichen.

Bei hohen Leitzinsen ist hingegen weniger Geld im Umlauf, da weniger Kredite in Anspruch genommen werden. Die Nachfrage geht zurück und das Preisniveau fällt. Es kommt zu einer Geldaufwertung. Daher sinkt die Inflationsrate bis hin zur Deflation. Man kann sich für die gleiche Geldmenge mehr leisten als zuvor. Ein starker Preisfall ist für die Wirtschaft ebenfalls nicht wünschenswert.

Unterschied zum Einlagezins

Der Einlagezins ist der Zins den Geschäftsbanken erhalten, wenn Sie kurzfristig Geld bei der Europäischen Zentralbank anlegen - sozusagen der Guthabenzins, den Banken für ihre Einlagen erhalten. Man spricht deshalb von Einlagenfazilität.

Der Leitzins hingegen ist der Zinssatz, den Kreditinstitute an die EZB zahlen müssen, um Geld zu erhalten, quasi der Kreditzins. Die Einlagenfazilität zählt ebenfalls zu den geldpolitischen Instrumenten der Notenbank. Seit 2014 ist der Einlagezins jedoch negativ. Das bedeutet, dass Banken Zinsen zahlen müssen, wenn Sie kurzfristig bei der EZB Geld einlagern wollen.