Privatinsolvenz: Das sollten Sie wissen

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Schulden machen ist nicht schwer. Sie leihen sich Geld fürs Mittagessen bei Ihrem Kollegen? Sie borgen sich einen größeren Betrag, um eine Reparatur zu bezahlen? Schon stehen Sie bei jemandem in der Kreide. Insolvent sind Sie deshalb aber noch nicht. Doch ab wann spricht man von Insolvenz? Das sollten Sie wissen:

 

Selbst, wenn es die große Schnitzelplatte mit Pommes ist: So ein Mittagessen auf Pump ist schnell zurückgezahlt. Wer gut plant, stottert auch die Reparatur seiner Heizung irgendwann ab. Schulden an sich sind in der Regel nichts Schlimmes.

Brenzlig wird es jedoch, wenn die Schulden zu groß werden. Können Sie  Ihre Verbindlichkeiten bei Gläubigern nicht mehr aus Ihren Einnahmen oder Ihrem Vermögen zurückzahlen, spricht man von Überschuldung.

 

Überschuldung – und jetzt?

Kommen Sie aus eigener Kraft nicht mehr aus Ihren Schulden heraus, sollten Sie Hilfe bei einem qualifizierten Schuldnerberater suchen. Die gibt es sogar kostenlos, zum Beispiel bei Verbraucherzentralen und Kommunen. Aber auch die Sozialämter der Gemeinden, Städte und Landkreise bieten gratis Beratung an.

Bestätigt sich der Verdacht einer Überschuldung, geht es so weiter: Gemeinsam mit Ihrem Berater versuchen Sie im ersten Schritt eine außergerichtliche Lösung mit Ihren Gläubigern zu finden. Dieser Zwischenschritt ist für zahlungsunfähige Privatpersonen vorgesehen, während Unternehmen gleich zu einem Insolvenzgericht gehen können.

Ein solches Schuldenbereinigungsverfahren führt im besten Fall dazu, dass sich Ihre Gläubiger darauf einlassen, ausstehende Rechnungen weiter aufzuschieben, sie zu stückeln oder sogar zu erlassen. Voraussetzung für den Erfolg dieses Verfahrens: Alle Gläubiger müssen sich darauf einlassen.

 

So eröffnen Sie ein Privatinsolvenzverfahren

Lassen sich Gläubiger nicht auf eine gemeinsame Lösung ein, ist ein Privatinsolvenzverfahren oft der letzte Ausweg. Dafür stellen Sie mit Ihrem Schuldnerberater einen Antrag beim Amtsgericht.

Darin müssen Sie alle wichtigen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen. Was verdienen Sie? Haben Sie Vermögen?

Ein wichtiger Teil des Antrags ist auch die sogenannte Restschuldenbefreiung. Nur damit sind Sie nach Ende des Insolvenzverfahrens schuldenfrei.

 

Die Wohlverhaltensphase

Das Gericht versucht zunächst erneut eine Einigung mit den Gläubigern zu erwirken. Lassen sich diese wieder nicht auf den Schuldenbereinigungsplan ein, eröffnet das Gericht das Insolvenzverfahren.

In diesem Moment beginnt die sogenannte Wohlverhaltensphase. In dieser Zeit verwaltet ein Treuhänder Ihre Einkünfte und Ausgaben. Ihr Einkommen wird bis auf 1.133,80 Euro für die Tilgung Ihrer Schulden verwendet. Außerdem darf der Treuhänder darüber entscheiden, ob Sie sich von gewissen Besitztümern, zum Beispiel von Ihrem Auto, trennen müssen.

Natürlich wird Ihnen nichts weggenommen, das Sie für Ihren Lebensbedarf brauchen.  Können Sie Ihre Arbeitsstelle beispielsweise nur mit dem Auto erreichen, dürfen Sie dieses behalten.

Wohlverhaltensphase bedeutet außerdem: Sie müssen sich an gewisse Regeln halten. Ansonsten wird es mit der Schuldenfreiheit im Anschluss nichts. Sie müssen zum Beispiel …

  • … einer angemessenen Arbeit nachgehen oder sich darum bemühen
  • … eventuelle Erbschaften (zumindest zum Teil) abgeben
  • … Ihren Treuhänder über einen Wohnortwechsel informieren
  • … regelmäßig Angaben zu Ihrem Vermögen und/oder Einkommen machen

Endlich schuldenfrei

In der Regel dauert die Wohlverhaltensphase sechs Jahre. Wer über diesen Zeitraum seine Schulden getilgt und die Ansprüche der Insolvenzverwalter erfüllt hat, dem werden die restlichen Schulden erlassen.

Seit einer Reform 2014 kann die Wohlverhaltensphase auch auf drei Jahre reduziert werden. Die Auflagen, die ein Schuldner dann zu erfüllen hat, sind jedoch noch strenger. Zum Beispiel müssen Sie nach drei Jahren bereits 35 Prozent Ihrer Schulden beglichen haben.

 

Die Vor- und Nachteile einer Verbraucherinsolvenz

Ja, ein Insolvenzverfahren ist eine Chance auf einen Neuanfang. Mit Beginn der Wohlverhaltensphase müssen Sie keine Angst mehr vor Kontopfändungen haben. Auch der Gerichtsvollzieher wird nicht vor Ihrer Tür stehen. Alles rund ums Geld ist über Ihren Treuhänder geregelt, und für Sie bleibt ausreichend zum Leben übrig.

Ein weiterer Vorteil: Negative Schufa-Einträge werden drei Jahre nach Ablauf der Wohlverhaltensphase gelöscht. Das bedeutet, Sie sind wieder kreditwürdig.

Eine Privatinsolvenz hat jedoch auch Nachteile. Sowohl Ihr Arbeitgeber als auch Ihr Vermieter werden informiert. Das hat praktische Gründe: schließlich wird ein Teil Ihres Lohns gepfändet. Auch Geld aus einer Kaution würde eingezogen werden, falls Sie Ihren Mietvertrag kündigen. Das Abschließen neuer Verträge ist während der Insolvenzverfahrens grundsätzlich schwierig.

Sie haben Schwierigkeiten, mit Ihrem Geld auszukommen? Auch Ihr Sparkassen-Berater kann Ihnen helfen.

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