Vegan ist im Trend

So viel Potenzial steckt im veganen Markt

Auch wenn der Veganuary – also der vegane Januar – vorbei ist, verzichten immer mehr Menschen auf tierische Lebensmittel und ernähren sich vegetarisch oder vegan. Generell steigen die Nachfrage und das Angebot an fleischlosen Produkten – nicht nur zum Jahreswechsel. Schafft es die Vegan-Branche aus der Nische oder ist sie längst eine attraktive Investmentmöglichkeit?

Man sieht alle Euro-Scheine

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rund acht Millionen Menschen in Deutschland ernähren sich fleischlos. Veganismus und Vegetarismus haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Beliebtheit gewonnen.
  • Etliche Unternehmen erweitern ihr Sortiment um vegane sowie vegetarische Produkte. Der Umsatz stieg von 736 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2019.
  • Während internationale vegane Unternehmen wie Impossible, Beyond Meat oder Oatly schon länger an der Börse agieren, stieg der Lebensmittelhersteller Veganz im vergangenen Jahr als erstes deutsches Unternehmen ein.  

Die Nachfrage an vegetarischen und veganen Produkten steigt

Ins Leben gerufen wurde die Aktion Veganuary von der gleichnamigen gemeinnützigen Organisation, die Menschen weltweit ermutigen will, vegane Ernährung auszuprobieren. Im Januar 2020 gab es mehr als 580.000 offiziell angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie mehr als 100 beteiligte Unternehmen – gefolgt von etlichen Aktionen und neuen Produkten, die von großen Supermärkten wie Aldi, Lidl und Penny beworben wurden. Die „Dunkelziffer“ der teilnehmenden Personen dürfte um ein Vielfaches höher sein – schließlich meldet sich nicht jede Person, die sich im Januar vegan ernährt, offiziell an.

Doch nicht nur der Veganuary belegt, dass die vegane Ernährung immer beliebter wird. Mittlerweile essen rund acht Millionen Personen in Deutschland kein Fleisch. Das geht aus einer Umfrage des IfD Allensbach aus dem Jahr 2020 hervor. Im Vergleich zu 2016 nahm der Anteil an Vegetarierinnen und Vegetariern in der Bevölkerung um 1,3 Millionen Menschen zu – ein Anstieg von 23 Prozent. Der Veganismus konnte 300.000 Menschen mehr überzeugen – ein Zuwachs von 41 Prozent. Damit ernähren sich insgesamt rund 1,1 Millionen Menschen in Deutschland vegan. 

Vor allem Milch wird ersetzt

Eine Veganz-Umfrage aus dem Jahr 2019 mit 24.000 Befragten zeigt, dass Milch am häufigsten durch vegane Alternativen ersetzt wird. Fast 81 Prozent der Personen zwischen 15 und 64 Jahren sehen sich lieber nach tierfreien Möglichkeiten um. Am beliebtesten sind Soja, Hafer, Mandel oder Reis. An zweiter Stelle kommen Fleisch- mit fast 72 Prozent und anschließend Joghurt- oder Quarkprodukte mit fast 70 Prozent. Weniger oft werden Alternativen für Honig (24,1 Prozent), Eier (20,6 Prozent) oder andere Getränke (17,2 Prozent) genutzt. 

Vegane Ernährung ist klarer Sieger bei den CO2-Emissionen

Neben Tier- wird auch der Umweltschutz immer stärker zur Motivation für vegane Ernährung. Denn Massentierhaltung schadet nachweislich nicht nur den Tieren, sondern auch dem Klima. In einer Erhebung des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2020 wird deutlich, dass die omnivore Ernährung („Allesfresser“) am meisten CO2-Emissionen verursacht – jährlich 1.730 Kilogramm. Die vegetarische Ernährung folgt mit 1.280 Kilogramm an zweiter Stelle. Am wenigsten CO2 wird mit einer veganen Ernährung verbraucht – mit 1.040 Kilogramm gut 40 Prozent weniger als bei den Omnivoren.  

Unternehmen erzielen immer mehr Umsatz mit veganen Produkten

Hafermilch, Chili sin Carne, vegane Chicken Nuggets: Nicht nur die Nachfrage an vegetarischen und veganen Produkten steigt. Auch das Angebot wird immer vielfältiger. Zahlreiche Unternehmen erweitern erfolgreich ihre Produktlinien. Eins der bekanntesten Beispiele ist die Firma Rügenwalder Mühle. Während das Familienunternehmen bis vor wenigen Jahren noch vor allem als Vertreiber von Wurst und anderen fleischhaltigen Lebensmittel galt, gilt es heute als Marktführer für Fleischersatz-Produkte.

Während im Jahr 2012 lediglich 1 Prozent der Supermarktprodukte als vegan deklariert waren, sind es 2018 bereits 14 Prozent. Den größten Sprung erlebt die Branche von 2013 mit 4 Prozent auf 2016 mit 13 Prozent.

Bis heute nimmt die Summe der veganen Möglichkeiten im Supermarkt stetig zu. Im Jahr 2020 erhöhte sich die Produktion in Deutschland um knapp 39 Prozent. Waren es 2019 rund 60,4 Tausend Tonnen, sind es 2020 gut 83,7 Tausend Tonnen.

Auch wenn fleischessende Menschen bei den verschiedenen Ernährungsformen nach wie vor die führende Gruppe sind, lohnt sich das Angebot veganer und vegetarischer Alternativen für viele Unternehmen finanziell. Der Umsatz stieg von 736 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2019. Das Unternehmen Rügenwalder Mühle verzeichnet inzwischen sogar mehr Umsatz mit vegetarischen und veganen Produkten als mit klassischer Wurst.

Mehrere vegane Unternehmen sind an der Börse

Vegan-Hersteller wie Impossible oder Oatly agieren längst an der Börse und sind attraktive Anlageziele von Investoren. Allein im Jahr 2020 flossen laut dem Good Food Institute über drei Milliarden Dollar in die Branche. Das US-Unternehmen Beyond Meat wird beispielsweise mit mehr als acht Milliarden Dollar bewertet – obwohl es bislang lediglich rote Zahlen schreibt.

Im Herbst 2021 ging der erste deutsche vegane Lebensmittelhersteller Veganz auf dem Aktienmarkt.  Der Start verlief etwas holprig: Der erste Kurs der Aktien blieb mit 86,90 Euro leicht unter dem Ausgabepreis von 87 Euro. Inzwischen liegt die Aktie im Vergleich zur Erstausgabe mit 8,7 Prozent im Plus.

Die Boston Consulting Group (BCG) geht davon aus, dass der Markt für Fleischalternativen bis 2035 auf 290 Milliarden US-Dollar weltweit wächst. Benjamin Morach, Partner der BCG, vermutet, dass in den kommenden 10 bis 15 Jahren jedes zehnte Produkt durch eine fleischfreie Proteinquelle ersetzt wird. 

Risiko Rohstoffknappheit

Doch der Nachfrageboom auf pflanzliche Lebensmittel hat Folgen: Auch auf diesem Markt rechnen einige Unternehmen wie die Rügenwalder Mühle mit Rohstoffknappheit und möglichen Lieferproblemen in einigen Jahren. Der Klimawandel führe zu unkalkulierbareren Ernten und ein nationaler Anbau müsse erst aufgebaut beziehungsweise deutlich ausgeweitet werden.

(Stand: 01.02.2022)


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