Vegan ins neue Jahr

So viel Potenzial steckt im pflanzenbasierten Markt

Nicht nur anlässlich des "Veganuary" verzichten immer mehr Menschen auf tierische Lebensmittel und ernähren sich vegetarisch oder vegan. Generell steigen die Nachfrage und das Angebot an fleischlosen Produkten – nicht nur zum Jahreswechsel. Längst ist die Vegan-Branche aus der Nische gekrochen und avanciert sich auch als attraktive Investmentmöglichkeit.

Mann beißt in eine Karotte

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rund acht Millionen Menschen in Deutschland ernähren sich fleischlos. Veganismus und Vegetarismus haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Beliebtheit gewonnen.
  • Etliche Unternehmen erweitern ihr Sortiment um vegane sowie vegetarische Produkte. Der Umsatz stieg von 736 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2019.
  • Während internationale vegane Unternehmen wie Impossible, Beyond Meat oder Oatly schon länger an der Börse agieren, stieg der Lebensmittelhersteller Veganz 2021 als erstes deutsches Unternehmen ein.  

Die Nachfrage an vegetarischen und veganen Produkten steigt

Ins Leben gerufen wurde die Aktion Veganuary von der gleichnamigen gemeinnützigen Organisation, die Menschen weltweit ermutigen will, eine vegane Ernährung auszuprobieren. In 2022 gab es mehr als 629.000 offiziell angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer – gefolgt von etlichen Aktionen und neuen Produkten, die von großen Supermärkten wie Aldi, Lidl und Penny beworben wurden. Die „Dunkelziffer“ der teilnehmenden Personen dürfte um ein Vielfaches höher sein – schließlich meldet sich nicht jede Person, die sich im Januar vegan ernährt, offiziell an.

Doch nicht nur der Veganuary belegt, dass die vegane Ernährung immer beliebter wird. Mittlerweile essen rund acht Millionen Personen in Deutschland kein Fleisch. Das geht aus einer Umfrage des IfD Allensbach aus dem Jahr 2020 hervor. Im Vergleich zu 2016 nahm der Anteil an Vegetarierinnen und Vegetariern in der Bevölkerung um 1,3 Millionen Menschen zu – ein Anstieg von 23 Prozent. Immer mehr Menschen leben zudem vegan: In Deutschland waren es in 2022 1,5 Millionen Menschen. Im Vorjahr waren es noch 170.000 Menschen weniger.

Vor allem Fleisch, Wurst und Milch werden ersetzt

Die beliebteste Alternative für tierische Produkte sind Fleisch- und Wurstersatzprodukte. 76 Prozent der befragten Verbraucher und Verbraucherinnen einer Statista-Umfrage haben im Jahr 2022 bereits Ersatzprodukte dieser Kategorie gekauft.

Gerne wurde auch auf Milchersatzprodukte zurückgegriffen. Laut einer Umfrage von Appinio aus dem Jahr 2020 gaben rund 25 Prozent der befragten Verbraucherinnen und Verbraucher an, in den letzten sechs Monaten bewusst eine Alternative zu Kuhmilch gekauft zu haben.

Dabei ist Hafermilch am beliebtesten. Laut einer Umfrage von POSpulse aus dem Jahr 2021 gaben rund 75 Prozent der befragten Personen an, Hafermilch als Milchersatz zu nutzen. Mehr als 30 Prozent greifen auf Mandelmilch zurück.

Vegane Ernährung ist klarer Sieger bei den CO2-Emissionen

Neben Tier- wird auch der Umweltschutz immer stärker zur Motivation für vegane Ernährung. Denn Massentierhaltung schadet nachweislich nicht nur den Tieren, sondern auch dem Klima. In einer Erhebung des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2020 wird deutlich, dass die omnivore Ernährung („Allesfresser“) am meisten CO2-Emissionen verursacht – jährlich 1.730 Kilogramm. Die vegetarische Ernährung folgt mit 1.280 Kilogramm an zweiter Stelle. Am wenigsten CO2 wird mit einer veganen Ernährung verbraucht – mit 1.040 Kilogramm gut 40 Prozent weniger als bei den Omnivoren.  

Unternehmen erzielen immer mehr Umsatz mit veganen Produkten

Hafermilch, Chili sin Carne, vegane Chicken Nuggets: Nicht nur die Nachfrage an vegetarischen und veganen Produkten steigt. Auch das Angebot wird immer vielfältiger. Zahlreiche Unternehmen erweitern erfolgreich ihre Produktlinien. Eins der bekanntesten Beispiele ist die Firma Rügenwalder Mühle. Während das Familienunternehmen bis vor wenigen Jahren noch vor allem als Vertreiber von Wurst und anderen fleischhaltigen Lebensmittel galt, gilt es heute als Marktführer für Fleischersatzprodukte. Das Unternehmen verzeichnet inzwischen sogar mehr Umsatz mit vegetarischen und veganen Produkten als mit klassischer Wurst.

Bis heute nimmt die Summe der veganen Möglichkeiten im Supermarkt stetig zu. Im Jahr 2021 stellten 44 Unternehmen vegane und vegetarische Produkte her. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Anzahl um zehn Unternehmen gestiegen.

Auch wenn fleischessende Menschen bei den verschiedenen Ernährungsformen nach wie vor die führende Gruppe sind, lohnt sich das Angebot veganer und vegetarischer Alternativen für viele Unternehmen finanziell. Im Jahr 2020 lag laut einer BRC-Studie der weltweite Marktwert veganer Lebensmittel bei rund 14 Milliarden US-Dollar. Prognosen zufolge soll der Umsatz bis 2025 auf rund 22 Milliarden US-Dollar steigen.

Mehrere vegane Unternehmen sind an der Börse

Vegan-Hersteller wie Impossible oder Oatly agieren längst an der Börse und sind attraktive Anlageziele von Investoren. Allein im Jahr 2020 flossen laut dem Good Food Institute über drei Milliarden Dollar in die Branche. Das US-Unternehmen Beyond Meat wird beispielsweise mit mehr als acht Milliarden Dollar bewertet – obwohl es bislang lediglich rote Zahlen schreibt.

Im Herbst 2021 ging der erste deutsche vegane Lebensmittelhersteller Veganz auf dem Aktienmarkt.  Der Start verlief etwas holprig: Der erste Kurs der Aktien blieb mit 86,90 Euro leicht unter dem Ausgabepreis von 87 Euro. Inzwischen liegt die Aktie im Vergleich zur Erstausgabe mit 83,8 Prozent im Minus.

Die Boston Consulting Group (BCG) geht davon aus, dass der Markt für Fleischalternativen bis 2035 auf 290 Milliarden US-Dollar weltweit wächst. Benjamin Morach, Partner der BCG, vermutet, dass in den kommenden 10 bis 15 Jahren jedes zehnte Produkt durch eine fleischfreie Proteinquelle ersetzt wird. 

Risiko Rohstoffknappheit

Doch der Nachfrageboom auf pflanzliche Lebensmittel hat Folgen: Auch auf diesem Markt rechnen einige Unternehmen wie die Rügenwalder Mühle mit Rohstoffknappheit und möglichen Lieferproblemen in einigen Jahren. Der Klimawandel führe zu unkalkulierbareren Ernten und ein nationaler Anbau müsse erst aufgebaut beziehungsweise deutlich ausgeweitet werden.

(Stand: 04.01.2023)


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