EU-Ölembargo: Wo jetzt das Benzin knapp werden könnte

Bundeswirtschaftsminister Habeck erwartet Engpass – aber keine Krise

Das von der Europäischen Union (EU) geplante Ölembargo gegen Russland könnte konkrete Folgen für Ostdeutschland haben. Vor allem im Großraum Berlin-Brandenburg könnte laut Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Benzinversorgung zeitweise eng werden und die Preise deutlich ansteigen. Grund dafür sei eine mögliche Verknappung des Öls in der Raffinerie im brandenburgischen Schwedt, die mehrheitlich dem russischen Staatskonzern Rosneft gehört.

Ein Arbeiter in einer Ölraffinerie

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das von der EU-Kommission vorgeschlagene Ölembargo gegen Russland könnte zu einer zeitweisen Verknappung der Öl- und Benzinversorgung in Teilen Ostdeutschlands führen.
  • Sprunghafte Preisanstiege könnten ebenfalls Folge davon sein.
  • Alternativen zum russischen Öl stellen Lieferungen von internationalen Exporteuren aus Polen dar.

Embargo soll spätestens zum Jahresende in Kraft treten

Unternehmen aus Deutschland und anderen Staaten der EU sollen in Zukunft kein russisches Öl mehr importieren. Diesen Plan hat die EU-Kommission aufgrund des russischen Krieges in der Ukraine Anfang Mai vorgelegt. Konkret sei ein schrittweiser Importstopp für Rohöl und Ölprodukte aus Russland bis zum Jahresende vorgesehen. Das heißt, dass nach einer Auslaufphase von sechs Monaten ein Einfuhrverbot für Rohöl gelten soll – nach acht Monaten für jegliche Ölprodukte.

Das geplante Embargo könnte dazu führen, dass der Osten Deutschlands – vor allem Berlin und Brandenburg – zeitweise nicht ausreichend mit Öl versorgt wird. Das sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck im Anschluss an die Bekanntgabe der Embargopläne während eines Fernsehinterviews. Grund dafür sei, dass diese Region von einer Großraffinerie im brandenburgischen Schwedt versorgt wird, die bislang ausschließlich russisches Öl verarbeitet. Mehrheitseigentümer der Raffinerie PCK ist der russische Staatskonzern Rosneft.



Verknappung, aber keine Krise

Es könne passieren, dass „für eine begrenzte Zeit zu wenig Öl und damit zu wenig Benzin verfügbar ist“, so Habeck. Das könne auch zu Sprüngen der Öl- und Benzinpreise führen, weil das russische Öl durch wahrscheinlich teurere Alternativen aus anderen Ländern ersetzt werden müsse. Zudem bedeute die Umstellung von Raffinerien und Lieferwegen Aufwand und Kosten. Aber wann und wie stark Tanken oder Heizen teurer werden, sei noch unklar.

Dennoch steht Deutschland auch ohne russische Lieferungen offensichtlich keine Ölkrise bevor: „Wir sind mittlerweile einigermaßen gewappnet“, sagte Habeck bereits Ende April. Denn der Anteil russischen Öls am deutschen Verbrauch ist seinen Angaben zufolge binnen weniger Wochen von 35 auf 12 Prozent gesunken. Die Häfen in Westdeutschland, die russisches Öl importiert hätten, hätten sich neue Verträge besorgt. Der verbliebene Anteil russischen Öls von zwölf Prozent entfalle ausschließlich auf Schwedt.

Lieferungen für Schwedt aus Polen

Um den drohenden Engpass auszugleichen, könnte nun der polnische Ostseehafen Danzig die Raffinerie in Schwedt mit Öl von globalen Exporteuren versorgen. Der Hafen ist für die Aufnahme von Supertankern ausgerüstet.

Er ist über eine separate, von Polen betriebene Verbindung mit der russischen Pipeline verbunden. Das bedeutet, dass die Öleinfuhren nach Danzig sofort durch die Pipeline zur Raffinerie in Schwedt geleitet werden könnten. So könnten die russischen Lieferungen ersetzt werden.

(Stand: 11.05.2022)


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