Flugausfall infolge der Corona-Krise – diese Rechte haben Sie

So können Sie Ihr Geld zurückbekommen

Die Corona-Pandemie brachte den Flugverkehr Mitte März fast vollständig zum Erliegen. Viele Airlines haben ihre Flüge annulliert und tun dies weiterhin. Tausende Fluggäste warten auf die Rückerstattung des Ticketpreises. Fluggesellschaften verzögern die Zahlungen oder vertrösten ihre Kunden. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Ansprüche gegenüber Fluglinien geltend machen können.

Eine Frau sitzt am Flughafen vor einer Anzeige mit stornierten Flügen

Das Wichtigste vorab:

  • Wurde Ihr Flug aufgrund der Corona-Pandemie gestrichen, wenden Sie sich zuerst an die Airline Ihres Fluges, auch wenn Sie den Flug über ein Reiseportal gebucht haben. (Pauschalreisende müssen sich direkt an Ihren Reiseveranstalter wenden.)
  • Fordern Sie die Erstattung des Ticketpreises schriftlich bei der Airline ein und setzen Sie eine Frist von 7 beziehungsweise 14 Tagen. Einen Musterbrief bietet zum Beispiel die Verbraucherzentrale an.
  • Die Airline muss Ihnen den Ticketpreis erstatten. Das gilt auch für Tickets, die nicht stornierbar waren.
  • Es gibt momentan keine Gutscheinpflicht! Bietet die Airline Ihnen einen Gutschein an, können Sie diesen akzeptieren, müssen es aber nicht.

Bei Flugannullierungen ist die Rechtslage klar: Sie bekommen Ihr Geld zurück. Während der Corona-Pandemie halten sich die Fluggesellschaften aber kaum daran. Im Folgenden erklären wir, was Ihnen zusteht und welche Möglichkeiten Sie haben, Ihre Ansprüche gegenüber den Airlines durchzusetzen.

Flugticketerstattung – drei Szenarien sind möglich

1. Die Airline hat den Flug annulliert

Hat Ihre Fluggesellschaft den Flug aufgrund von Corona-Einschränkungen abgesagt, muss sie den Flugpreis in voller Höhe innerhalb der gesetzlichen Frist von sieben Tagen erstatten. Die Frist beginnt zu dem Zeitpunkt, in dem Ihre Zahlungsaufforderung bei der Fluggesellschaft eingeht. Juristen empfehlen, der Airline eine Frist von 14 Tagen zu setzen.

Grundlage für den Anspruch auf Rückerstattung ist die EU-Fluggastrechte-Verordnung. Alternativ kann die Airline Ihnen die Möglichkeit einer anderweitigen Beförderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder an einem Wunschtermin, soweit freie Plätze verfügbar, anbieten.

Ansprüche haben Sie gegenüber europäischen Fluggesellschaften oder gegenüber nichteuropäischen Airlines, die von einem Flughafen der EU aus gestartet wären.

Für andere Kosten, die aufgrund der Flugannullierung anfallen, zum Beispiel für die Unterkunft oder den Mietwagen, muss die Fluggesellschaft nicht aufkommen. Hier gelten die Stornierungsbedingungen des jeweiligen Vertrags.

2. Sie selbst haben den Flug aufgrund der Corona-Situation storniert

Auch Fluggäste haben während der Corona-Pandemie ihre Flüge storniert, weil Ihnen die Reise wegen Corona zu unsicher war oder sie am Ziel nicht für 14 Tage in Quarantäne wollten. Gehören Sie auch zu dieser Gruppe, richten sich Ihre Ansprüche nicht nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung, sondern es gelten die Stornierungsbedingungen der jeweiligen Fluggesellschaft. Geld bekommen Sie meist nur dann zurück, wenn Sie ein stornierbares Ticket gekauft haben. Sie können aber versuchen, die Steuern und Gebühren zurückzuverlangen.

Allerdings haben einige Länder besondere Regeln aufgrund von Corona erlassen. So ist es möglich, auch in diesem Fall den vollen Ticketpreis erstattet zu bekommen. Schauen Sie in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Ihres Fluganbieters, welches Recht gilt. Steht dazu nichts Explizites in den AGBs, gilt das Recht des Landes, in dem Sie wohnen, wenn der Flug entweder dort startet oder landet.

3. Sie haben storniert, der Flug fand aber schließlich nicht statt

Dieser Fall ist umstritten. Einige Fluggesellschaften erteilen ihren Gästen eine klare Absage auf Ihre Anfrage nach Erstattung des Ticketpreises. Da es für den Anspruch auf eine Erstattung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung aber ausreicht, dass die Fluggesellschaft den Flug annulliert hat, können Sie versuchen, wie unter Punkt 1, ebenfalls die volle Erstattung des Ticketpreises zu verlangen.

Sie müssen Gutscheine nicht annehmen

Etliche Fluganbieter wollten zunächst den Flugpreis nicht erstatten und boten Ihren Kunden stattdessen Reisegutscheine an. Die Bundesregierung wollte sogenannte Zwangsgutscheine durchsetzen, um die Zahlungsfähigkeit der Anbieter zu sichern. Dieses Vorhaben scheiterte an der EU-Kommission.

Folglich müssen Sie keinen Gutschein als Ersatz für Ihren Ticketpreis annehmen. Sind Sie allerdings mit einem Gutschein einverstanden, müssen Sie schriftlich Ihre Einverständniserklärung abgeben. Die Airline kommt somit der Erstattungspflicht nach.

Gutscheine können Sinn ergeben , wenn Sie genau wissen, dass Sie die Reise zu einem späteren Zeitpunkt nachholen werden. Dann müssen Sie sich nicht weiter mit der Airline rumärgern und haben sofort Ihre Entschädigung. Allerdings birgt dies ein gewisses Risiko im Fall einer Insolvenz der Fluggesellschaft. Die wenigsten Gutscheine sind bisher dagegen abgesichert.

Wichtig: Vergewissern Sie sich vorher, ob Sie die Möglichkeit auf Rückerstattung behalten, falls Sie den Gutschein doch nicht einlösen können oder wollen.

Die EU-Kommission hat Empfehlungen abgegeben, wie Entschädigungsgutscheine aussehen könnten, um sie für Verbraucher attraktiver zu machen: Die Gutscheine sollten vor Insolvenz des Beförderers geschützt und mindestens zwölf Monate gültig sein. 14 Tage nach Ablauf der Gültigkeitsdauer des Gutscheins soll der Gutscheinbetrag automatisch erstattet werden.

Was mache ich, wenn die Airline die Zahlung verweigert?

Weigert sich die Airline, Ihnen den Ticketpreis zu erstatten, sollten Sie schnell handeln. Gerät eine Fluggesellschaft infolge der Corona-Pandemie in die Zahlungsunfähigkeit, riskieren Sie, Ihre Erstattungsansprüche zu verlieren. Sie haben mehrere Möglichkeiten:

Kostenlose Schlichtung

Wenden Sie sich zum Beispiel an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). Die wird allerdings erst tätig, nachdem Sie die Airline erfolglos angeschrieben haben und zwei Monate nach Ihrem Schreiben vergangen sind. Das Schlichtungsverfahren ist für Sie kostenlos.

Gerichtliches Mahnverfahren

Sollte die Schlichtung keinen Erfolg haben, besteht für Sie die Möglichkeit, ein gerichtliches Mahnverfahren gegen die Airline zu führen. Das ist schnell und kostengünstig und Sie brauchen keinen Anwalt. Fordern Sie die Rückzahlung schriftlich mit einer zweiwöchigen Frist ein. Zur Hilfe können Sie sich hierfür an eine Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe wenden.

Klageverfahren – vor allem bei teureren Flügen

Bei teuren Flügen kann sich auch ein Klageverfahren lohnen. Hierbei sollten Sie allerdings die Kosten für so ein Verfahren und das Insolvenzrisiko im Blick behalten. Da ein Klageweg lang sein kann, können Sie es vorher auch erst einmal mit Fristverlängerungen versuchen. Sie haben drei Jahre Anspruch auf die Rückerstattung.

Fluggasthelferportale übernehmen für Sie die Arbeit

Wollen oder können Sie nicht auf Ihr Geld warten, bieten inzwischen auch einige Fluggasthelferportale Unterstützung an und übernehmen für Sie alle weiteren Schritte. Je nach Anbieter (Inkassoverfahren oder Sofortentschädigung) entstehen für Sie unterschiedlich hohe Gebühren. Lesen Sie sich vorab die Vertragsbedingungen genau durch.

*Unsere Tipps ersetzen keine Rechtsberatung. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

(Stand: 14.07.2020)


Sie wissen nicht genau, was für Rechte und Möglichkeiten Sie in der Corona-Krise haben? Wir beraten Sie gern.

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