Immer weniger Minijobs: Das müssen Sie wissen

Corona-Folgen wirbeln den Arbeitsmarkt durcheinander

Im vergangenen Jahr haben mehr als 800.000 Menschen durch die Corona-Pandemie Ihre Arbeit im Minijob-Bereich verloren. Als geringfügig Beschäftigte erhalten sie in der Regel kein Kurzarbeitergeld. Wir informieren Sie über die aktuellen Entwicklungen und geben Ihnen fünf Tipps, die Sie als Minijobberin oder Minijobber beachten sollten.

Eine Frau steht in einem Café am Kaffee-Automaten

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die 450-Euro-Jobs sind vor allem in den Branchen verbreitet, die von der Coronakrise am härtesten getroffen wurden. Im März 2021 gab es 5,57 Millionen Minijobber im gewerblichen Bereich – 811.000 weniger als noch im Jahr 2020.
  • Minijobber haben oft keine soziale Absicherung. Betroffen sind zu einem großen Teil Frauen, die 60 Prozent der ausschließlich geringfügig Beschäftigten ausmachen.
  • Die Politik debattiert aktuell über Verbesserungen im Bereich der Minijobs. Darunter der Vorschlag, die abgabefreie Grenze auf 550 Euro zu erhöhen und Minijobs nur an Schülerinnen und Schüler, Studierende und Senioren zu vergeben.
  • Wer einen Minijob ergreifen möchte, sollte sich im Vorfeld genaustens darüber informieren, ob das Modell für die jeweilige Lebenssituation passend ist. Dauerhaft kann ein Minijob viele Schwierigkeiten mit sich bringen. 

Durch Corona vom Minijob zu Hartz IV

Hotellerie, Gastronomie und Handel sowie Gesundheit und Soziales – gerade Branchen, die von der Coronakrise am härtesten getroffen wurden, sind zeitgleich auch die größten Arbeitgeber im Minijob-Bereich. Im März dieses Jahres gab es 5,57 Millionen Minijob-Beschäftigte, 811.000 weniger als noch im Jahr 2020.

Da bei Minijobs keine soziale Absicherung vorhanden ist und Minijobber nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, erhalten die Beschäftigten weder Kurzarbeitergeld noch Arbeitslosengeld. Die Folgen waren während der Pandemie deutlich zu spüren.

Viele verloren Ihre Arbeit und rutschten zum Teil in Hartz IV. Besonders Frauen sind betroffen. Sie machen rund 60 Prozent aller geringfügig Beschäftigten aus, was sich mitunter auf parallele Kinderbetreuung zurückführen lässt. 

Mehr Schein als Sein

Auf den ersten Blick mag ein Minijob verlockend klingen. Das monatliche Einkommen lässt sich steuerfrei und mit verhältnismäßig geringem Zeitaufwand um 450 Euro aufstocken. Gerade für Personen, die sich parallel um die Kinderbetreuung kümmern, neben dem Hauptberuf das verfügbare Einkommen aufstocken wollen oder sich auf dem Weg zur Selbstständigkeit ein Zubrot verdienen möchten, scheint dies ideal. Allerdings gibt es einige Tücken, die nicht außer Acht gelassen werden sollten und von der Politik derzeit debattiert werden. 

Plan und Umsetzung widersprechen sich

Minijobs wurden im Jahr 2003 nach der Arbeitsmarktreform eingeführt. Das Modell sollte arbeitslosen Menschen den Schritt in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis erleichtern. Allerdings geschieht dies selten. Die meisten Menschen finden sich eher in einem Kreislauf aus unterschiedlichen Minijobs wieder, dem sie nur schwer entkommen können.

Minijobber erhalten oft keinen regulären Arbeitsvertrag oder nur einen befristeten Vertrag, weshalb sie bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage schnell den Job verlieren und keine Überbrückungshilfen anfordern können. Außerdem investieren manche Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber wenig in geringfügig Beschäftigte. Qualifikationen sind teilweise weder gefordert noch werden sie gefördert. Dadurch wird ein beruflicher Aufstieg blockiert. 

Lösungsvorschläge der Politik

Derzeit wird über das Thema debattiert, vor der Wahl ist aber auf politischer Ebene nicht mit Änderungen bei den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen zu rechnen.

Erste Vorschläge gibt es bereits: So sollen künftig die abgabefreien Arbeitsverhältnisse nur noch von Schülerinnen und Schülern, Studierenden und Senioren sowie Übungsleiterinnen und -leitern in Sportvereinen wahrgenommen werden dürfen. Dies soll das Feststecken in einem Kreislauf aus Minijobs verhindern und den Schritt ins reguläre Arbeitsleben fördern. Zusätzlich könnte der Mindestlohn deutlich steigen und die abgabefreie Grenze auf 550 Euro erhöht werden.

Trotz der Risiken, die ein Minijob mit sich bringt, kann das Modell eine Alternative sein. Sollten Sie sich gerade nach einem Minijob umsehen, können Ihnen die nachfolgenden Tipps helfen.

5 Tipps für Minijobberinnen und Minijobber

1. Behalten Sie Ihre Altersvorsorge im Blick

Als Minijobberin oder Minijobber haben Sie nur einen geringen Rentenanspruch. Allerdings besteht die Möglichkeit, beispielweise durch Mehrarbeit Ihre Altersvorsorge aufzustocken. Geleistete Überstunden werden dann nicht ausgezahlt, sondern fließen direkt in die zusätzliche Altersvorsorge (Betriebsrente). Von der Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit profitieren Sie dennoch. 

2. Anmeldung ist Pflicht

Dies gilt besonders für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die mit der ersten Abrechnung (oder spätestens sechs Wochen nach Beginn des Arbeitsverhältnisses) ihren Minijobber anmelden müssen. Sollten Sie Arbeitslosengeld (ALG I) beziehen, müssen Sie dem Jobcenter die Beschäftigung melden und dürfen nicht mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiten – andernfalls erlischt Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld. Außerdem ist der Freibetrag geringer und liegt bei 165 Euro. 

3. Bevorzugen Sie Minijobs mit möglichst breitem Aufgabenspektrum

Um ein Feststecken im Kreislauf der Minijobs zu vermeiden, sollten Sie darauf achten, einen Minijob zu wählen, der Ihnen Abwechslung bietet und Weiterbildung ermöglicht. Sinnvoll ist auch, den Minijob in einem Bereich zu wählen, der Ihren Interessen entspricht und den Sie sich möglicherweise später als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorstellen können.  

4. Verlangen Sie einen schriftlichen Arbeitsvertrag

Nach spätestens einem Monat haben Sie Anspruch auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag. Von diesem Recht sollten Sie Gebrauch machen. Schließlich bestätigt Ihnen dieser nicht nur die Beschäftigung und das Gehalt sowie die zu leistenden Stunden, sondern dient auch als Nachweis, dass Sie die Arbeit wirklich ausführen. 

5. Der Mindestlohn steht Ihnen in der Regel zu

Egal ob Minijob oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – die Zahlung des Mindestlohns ist als unterste Grenze verpflichtend. Lassen Sie sich daher nicht mit weniger abspeisen. Seit 1. Juli 2021 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 9,60 Euro. Beachten Sie außerdem, dass sich die zu leistende Stundenzahl mit den Anpassungen des Mindestlohns verändert.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Ist der oder die Beschäftigte unter 18 Jahre alt, gerade in der Ausbildung oder im Studium oder ohne Abschluss, so gilt der gesetzliche Mindestlohn nicht. Praktikantinnen und Praktikanten haben ebenfalls keinen Anspruch auf Vergütung. 

(Stand 30.08.2021)


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