Mietausfall durch die Coronakrise

Was Vermieter jetzt beachten sollten

Aufgrund der Coronakrise kann Ihr Mieter die Miete nicht mehr stemmen? Oder Ihre Ferienwohnung steht leer, weil Touristen nicht mehr anreisen können? Diese Rechte und Möglichkeiten haben Sie.

Eine Frau am Laptop

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwischen April und Juni 2020 durften Mieter ihre Mietzahlungen aussetzen; die fehlenden Monatsmieten müssen sie bis 2022 leisten. Seit Juli 2020 muss die Miete grundsätzlich wieder pünktlich überwiesen werden
  • Vermieter sollten bei Mietrückständen gemeinsam mit den Mietern versuchen Lösungen zu finden. Es gibt eine Reihe von Hilfsprogrammen für Privatpersonen und Selbstständige, die im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie unterstützen.

Wenn der Mieter wegen Corona nicht mehr zahlen kann

Plötzlich fehlt die Miete auf dem Konto. Dann ruft der Mieter an. Leider keine guten Nachrichten: Aufgrund der Coronakrise kann er momentan nicht arbeiten. Langsam geht das Geld aus. Für die letzten Monate haben die Ersparnisse noch gereicht, aber mit den neuerlichen verschärften Corona-Maßnahmen wird das Geld endgültig knapp, für die Miete reicht's schlicht nicht mehr. Für jeden Vermieter ist so eine Nachricht erstmal ein Schock! Vor allem, wenn das Haus oder die Wohnung noch nicht abbezahlt ist. Umso wichtiger, dass Sie jetzt Ruhe bewahren. Das können Sie tun.

Illustration: Frau sitzt am Laptop

1. Zeigen Sie Verständnis

Natürlich ist der Mieter grundsätzlich verpflichtet, seine Miete zu zahlen. Zahlt er nicht, gerät er in Verzug. Ab da kann der Vermieter Verzugszinsen berechnen. Kommt es zweimal hintereinander vor, dass die Monatsmiete nicht bezahlt wird, dürfen Sie die Kündigung aussprechen. Normalerweise!

Im Frühjahr 2020, als das öffentliche Leben im Kampf gegen Corona weitgehend heruntergefahren wurde, war das vorübergehend anders: Das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ hatte Vermietern untersagt, Mietern zu kündigen, wenn diese zwischen 1. April und 30. Juni 2020 ihre Miete aufgrund des Coronavirus nicht bezahlen konnten. Die Regelung ist zum mittlerweile ausgelaufen.

Für die fehlenden Zahlungen gab das Gesetz Mietern zwei Jahre Zeit: Bis 2022 müssen die Mieten spätestens gezahlt werden. Für die ausgefallenen drei Monatsmieten aus dem Frühjahr müssen Vermieter also bis 2022 Aufschub gewähren.

Können Mieter glaubhaft machen, dass das Aussetzen der Mietzahlungen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die COVID-19-Pandemie stand, können Vermieter mit Druck ohnehin nichts erreichen. Sie helfen sich und dem Mieter in der Regel am besten, indem Sie gemeinsam nach Lösungen suchen. Zeigen Sie also zunächst Verständnis für die Situation des Mieters und erklären Sie Ihre eigene Lage, um dem Mieter die Dringlichkeit darzulegen.

2. Organisieren Sie gemeinsam Hilfe

Prüfen Sie gemeinsam, welche finanziellen Unterstützungen Sie und der Mieter in Anspruch nehmen können:

  • Bei der Wohngeldstelle vor Ort können Mieter Zuschüsse für die Mietzahlungen beantragen. Informieren kann man sich dazu am besten telefonisch oder per E-Mail. Unter Umständen bekommen Mieter so monatlich bis zu knapp 200 Euro. So ist zumindest ein Teil der Mietkosten gedeckt. Das Wohngeld brauchen Mieter nicht zurückzuzahlen.
  • Ist Ihre Mieterin oder Ihr Mieter selbstständig, kann sie oder er außerdem die Coronahilfe im Zusammenhang mit dem zweiten Lockdown erhalten. So erhält sie oder er bis 75 Prozent des normalen Einkommens.
  • Die meisten Bundesländer haben eigene Hilfsprogramme für Unternehmer auf den Weg gebracht. Diese sind an die Soforthilfe des Bundes gekoppelt. Es kann sich lohnen, sich in Bezug auf das jeweilige Bundesland zu informieren.
  • Als Unternehmer, Selbstständiger oder Freiberufler kann Ihr Mieter bei uns einen Antrag auf einen Kredit aus dem KfW-Sonderprogramm stellen. Im Rahmen des Corona-Sonderprogramms sind die Zinsen für kleine und mittlere Unternehmen auf zwischen 1 und 1,46 Prozent pro Jahr gesenkt worden.
  • Unter Umständen können Sie als Vermieter Ihre Darlehensrate bei Einkommensausfällen durch das Coronavirus stunden. Sprechen Sie dafür mit uns beziehungsweise dem Kreditinstitut, das Ihnen das Darlehen gewährt hat.
  • Unter Umständen können Sie bei Einkommensausfällen durch das Coronavirus außerdem steuerliche Erleichterungen nutzen. Ihr Steuerberater hilft Ihnen weiter.
Illustration eines Hauses

3. Bleiben Sie auf dem Laufenden

Interessenverbände von Vermietern und Mietern forderten zwischenzeitlich einen „Sicher-Wohnen-Fonds“. Dieser soll Mietkosten übernehmen, wenn Mieter aufgrund des Coronavirus nicht mehr zahlen können. Das würde die Situation der Vermieter während der Corona-Krise auf jeden Fall deutlich verbessern.

Wenn die Wohnung wegen Corona leersteht

Bei vielen Vermietern von Ferienwohnungen ging es ganz schnell: Innerhalb weniger Tage hatten die Touristen ihre Buchungen storniert. Neue Buchungen blieben aus. Seitdem steht die Immobilie leer. Auch hier ist die Situation natürlich besonders schlimm, wenn das Haus oder die Wohnung noch nicht abbezahlt ist. Denn dann stehen den fehlenden Einnahmen oft hohe monatliche Kosten gegenüber. Drei Dinge, die Sie in einem solchen Fall tun können:

Baupläne und ein Tablet

1. Alternativ vermieten

Nicht einfach, aber einen Versuch wert: Viele Vermieter von Ferienwohnungen versuchen ihre Ausfälle ein Stück weit abzufedern, indem sie die Immobilien für die nächsten Monate möbliert und auf Zeit vermieten. Vor allem in Städten mit geringer Anzahl an Mietwohnungen kann das im Einzelfall klappen.

Verlassen kann man sich darauf jedoch nicht. Aktuell ist es selbst bei besten Voraussetzungen in Bezug auf die Lage nicht leicht, neue Mieter zu finden. Schon die Wohnungsbesichtigung ist in den Zeiten von COVID-19 eine Herausforderung. Sie dürfen in der Regel zu Ihrer Immobilie fahren  und Fotos oder ein Video machen, um Interessenten auf digitalem Weg einen Einblick zu ermöglichen.

Eine Wohnungsübergabe ließe sich aber organisieren, wenn hygienische Vorschriften eingehalten werden. Wenn es nicht unbedingt nötig ist, werden die meisten Mieter aktuell wohl bis nach der Krise abwarten.

2. Kosten senken

  • Sprechen Sie mit uns beziehungsweise dem Kreditinstitut, das Sie beim Erwerb der Immobilie mit einem Darlehen unterstützt hat. Möglicherweise können Sie mit der Zahlung von Zins und Tilgung für das Darlehen vorübergehend aussetzen oder Raten aufschieben.
  • Unter Umständen können Sie bei Einkommensausfällen durch das Coronavirus außerdem steuerliche Erleichterungen nutzen. Sprechen Sie Ihren Steuerberater auf Ihre Möglichkeiten an.
  • Um Ihre Kosten im Zusammenhang mit der Immobilie weiter zu senken, sind möglicherweise Stundungen bei den Kosten für Telefon, Internet, Strom und Wasser erlaubt. Informieren Sie sich bei Ihren Anbietern.

3. Zuschüsse & Darlehen beantragen

  • Haben Sie im Zusammenhang mit der Vermietung ein Unternehmen gegründet? Dann können Sie die Coronahilfe des Bundes für den November-Lockdown  beantragen. Unternehmer erhalten bis 75 Prozent ihrer normalen Einnahmen vom Bund erstattet. 
  • Die Bundesländer haben eigene Hilfsprogramme für Unternehmer auf den Weg gebracht. Diese sind jetzt an die Soforthilfe des Bundes gekoppelt. Informieren Sie sich zu Ihrem Bundesland.
  • Als Unternehmer können Sie bei uns einen Antrag auf einen Kredit aus dem KfW-Sonderprogramm stellen. Im Rahmen des Corona-Sonderprogramms sind die Zinsen für kleine und mittlere Unternehmen auf zwischen 1 und 1,46 Prozent pro Jahr gesenkt worden.

Tipp: Der Deutsche Tourismusverband fordert die Bundesregierung dazu auf, auch Privatvermietern einen Zugang zu Zuschüssen und Darlehen zu ermöglichen. Neue Regelungen sind in der aktuellen Situation ständig möglich. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

Stand: 11.11.2020


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