Mietausfall durch die Corona-Krise

Was Vermieter jetzt beachten sollten

Aufgrund der Corona-Krise kann Ihr Mieter die Miete nicht mehr stemmen? Oder Ihre Ferienwohnung steht leer, weil Touristen nicht mehr einreisen können? Diese Rechte und Möglichkeiten haben Sie.

Wenn der Mieter wegen Corona nicht mehr zahlen kann

Plötzlich fehlt die Miete auf dem Konto. Dann ruft der Mieter an. Leider keine guten Nachrichten: Aufgrund der Corona-Krise kann er momentan nicht arbeiten. Langsam geht das Geld aus. Für die letzte Miete haben die Ersparnisse noch gereicht. Ab diesem Monat kann er die Miete aber nicht mehr überweisen. Für jeden Vermieter ist so eine Nachricht erstmal ein Schock! Vor allem, wenn das Haus oder die Wohnung noch nicht abbezahlt ist. Desto wichtiger, dass Sie jetzt Ruhe bewahren. Das können Sie tun.

Illustration: Frau sitzt am Laptop

1. Zeigen Sie Verständnis

Natürlich ist der Mieter grundsätzlich verpflichtet, seine Miete zu zahlen. Zahlt er nicht, gerät er in Verzug. Ab da kann der Vermieter Verzugszinsen berechnen. Kommt es zweimal hintereinander vor, dass die Monatsmiete nicht bezahlt wird, dürfen Sie die Kündigung aussprechen. Normalerweise!

Aktuell ist das anders. Das neue „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ ist in Kraft. Es verbietet Vermietern, den Mietern zu kündigen, wenn sie zwischen 1. April und 30. Juni 2020 ihre Miete aufgrund des Coronavirus nicht bezahlen können.

Der Mieter hat stattdessen zwei Jahre lang Zeit, die fehlenden Zahlungen nachzuholen. So lange müssen Sie ihm im schlimmsten Fall einen Aufschub für die ausgefallenen drei Monatsmieten gewähren.

Steht der Grund des Mieters glaubhaft im Zusammenhang zur COVID-19-Pandemie, können Sie also mit Druck ohnehin nichts erreichen. Sie helfen sich und dem Mieter in der Regel am besten, indem Sie jetzt an einem Strang ziehen.

Zeigen Sie also zunächst Verständnis für die Situation des Mieters und erklären Sie Ihre eigene Lage, um dem Mieter die Dringlichkeit darzulegen.

2. Organisieren Sie gemeinsam Hilfe

Prüfen Sie gemeinsam, welche finanziellen Unterstützungen Sie und der Mieter in Anspruch nehmen können:

  • Bei der Wohngeldstelle vor Ort kann der Mieter einen Zuschuss für seine Mietzahlung beantragen. Informieren kann er sich dazu am besten telefonisch oder per E-Mail. Unter Umständen bekommt er so monatlich bis zu knapp 200 Euro. So ist zumindest ein Teil der Mietkosten gedeckt. Der Mieter muss das Wohngeld außerdem nicht zurückzahlen.
  • Hat Ihr Mieter Kinder unter 25 Jahren, die mit ihm im Haushalt leben, kann er möglicherweise den Notfall-Kinderzuschlag nutzen. Er bringt bis zu 185 Euro monatlich pro Kind und muss ebenfalls nicht zurückgezahlt werden.
  • Ist Ihr Mieter Selbstständiger, kann er außerdem die Soforthilfe des Bundes beantragen. Für Unternehmer mit bis zu fünf Beschäftigten sind das einmalig bis zu 9.000 Euro. Auch diesen Zuschuss muss er nicht zurückzahlen.
  • Die meisten Bundesländer haben eigene Hilfsprogramme für Unternehmer auf den Weg gebracht. Diese sind jetzt an die neuere Soforthilfe des Bundes gekoppelt. Es kann sich lohnen, sich in Bezug auf das jeweilige Bundesland zu informieren.
  • Als Unternehmer, Selbstständiger oder Freiberufler kann Ihr Mieter bei uns einen Antrag auf einen Kredit aus dem KfW-Sonderprogramm stellen. Im Rahmen des Corona-Sonderprogramms sind die Zinsen für kleine und mittlere Unternehmen auf zwischen 1 und 1,46 Prozent pro Jahr gesenkt worden.
  • Laut dem oben genannten Gesetz haben Sie als Vermieter das Recht, Ihre Darlehensrate bei Einkommensausfällen durch das Coronavirus zu stunden. Das gilt für Verträge, die Sie vor dem 15. März abgeschlossen haben. Sie können aktuell für maximal drei Monate stunden, nämlich für den Zeitraum zwischen 1. April und 30. Juni 2020. Sprechen Sie dafür mit uns beziehungsweise dem Kreditinstitut, das Ihnen das Darlehen gewährt hat.
  • Unter Umständen können Sie bei Einkommensausfällen durch das Coronavirus außerdem steuerliche Erleichterungen nutzen. Ihr Steuerberater hilft Ihnen weiter.

3. Bleiben Sie auf dem Laufenden

Interessenverbände von Vermietern und Mietern fordern aktuell einen „Sicher-Wohnen-Fonds“. Dieser soll Mietkosten übernehmen, wenn Mieter aufgrund des Coronavirus nicht mehr zahlen können. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich dieser durchsetzt. Das würde die Situation der Vermieter während der Corona-Krise auf jeden Fall deutlich verbessern.

Wenn die Wohnung wegen Corona leersteht

Bei vielen Vermietern von Ferienwohnungen ging es ganz schnell: Innerhalb weniger Tage hatten die Touristen ihre Buchungen storniert. Neue Buchungen blieben aus. Seitdem steht die Immobilie leer. Auch hier ist die Situation natürlich besonders schlimm, wenn das Haus oder die Wohnung noch nicht abbezahlt ist. Denn dann stehen den fehlenden Einnahmen oft hohe monatliche Kosten gegenüber. Drei Dinge, die Sie in einem solchen Fall tun können:

Baupläne und ein Tablet

1. Alternativ vermieten

Nicht einfach, aber einen Versuch wert: Viele Vermieter von Ferienwohnungen versuchen ihre Ausfälle ein Stück weit abzufedern, indem sie die Immobilien für die nächsten Monate möbliert und auf Zeit vermieten. Vor allem in Städten mit geringer Anzahl an Mietwohnungen kann das im Einzelfall klappen.

Verlassen kann man sich darauf jedoch nicht. Aktuell ist es selbst bei besten Voraussetzungen in Bezug auf die Lage nicht leicht, neue Mieter zu finden. Schon die Wohnungsbesichtigung ist in den Zeiten von COVID-19 eine Herausforderung. Sie dürfen in der Regel zu Ihrer Immobilie fahren (abgesehen von Gebieten mit grundsätzlichen Ausgangssperren) und Fotos oder ein Video machen, um Interessenten auf digitalem Weg einen Einblick zu ermöglichen. Ob der persönliche Kontakt mit Wohnungsinteressenten erlaubt ist, ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt.

Eine Wohnungsübergabe ließe sich aber organisieren, wenn hygienische Vorschriften eingehalten werden. Wenn es nicht unbedingt nötig ist, werden die meisten Mieter aktuell wohl bis nach der Krise abwarten.

2. Kosten senken

  • Das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ ermöglicht Ihnen, Ihr Immobiliendarlehen zu stunden. Das gilt für Verträge, die Sie vor dem 15. März abgeschlossen haben. Sie können aktuell für maximal drei Monate stunden, nämlich für den Zeitraum zwischen 1. April und 30. Juni 2020. Kommen Sie dafür auf uns beziehungsweise das Kreditinstitut zu, das Ihnen das Darlehen gewährt.
  • Unter Umständen können Sie bei Einkommensausfällen durch das Coronavirus außerdem steuerliche Erleichterungen nutzen. Sprechen Sie Ihren Steuerberater auf Ihre Möglichkeiten an.
  • Um Ihre Kosten im Zusammenhang mit der Immobilie weiter zu senken, sind in bestimmten Fällen Stundungen bei den Kosten für Telefon, Internet, Strom und Wasser erlaubt. Informieren Sie sich bei Ihren Anbietern.

3. Zuschüsse & Darlehen beantragen

  • Haben Sie im Zusammenhang mit der Vermietung ein Unternehmen gegründet? Dann können Sie die Soforthilfe des Bundes beantragen. Für Unternehmer mit bis zu fünf Beschäftigten sind das einmalig bis zu 9.000 Euro. Für Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern gibt es einmalig bis zu 15.000 Euro. Diesen Zuschuss müssen Sie nicht zurückzahlen.
  • Die meisten Bundesländer haben eigene Hilfsprogramme für Unternehmer auf den Weg gebracht. Diese sind jetzt an die Soforthilfe des Bundes gekoppelt. Informieren Sie sich zu Ihrem Bundesland.
  • Als Unternehmer können Sie bei uns einen Antrag auf einen Kredit aus dem KfW-Sonderprogramm stellen. Im Rahmen des Corona-Sonderprogramms sind die Zinsen für kleine und mittlere Unternehmen auf zwischen 1 und 1,46 Prozent pro Jahr gesenkt worden.

Tipp: Der Deutsche Tourismusverband fordert die Bundesregierung dazu auf, auch Privatvermietern einen Zugang zu Zuschüssen und Darlehen zu ermöglichen. Neue Regelungen sind in der aktuellen Situation ständig möglich. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

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