Die Corona-Warn-App für den Kampf gegen Covid-19

Knapp 18 Millionen Menschen nutzen die App bereits

Die offizielle deutsche Warn-App für den Kampf gegen das Coronavirus ist seit Mitte Juni verfügbar. Nun verankern Apple und Google die Corona-Warn-Technologien sogar in ihrem Betriebssystem. Sie soll das Nachverfolgen von Infektionen erleichtern. Wird ein Nutzer positiv auf das Virus getestet, werden die Kontaktpersonen per Handy informiert. Wir zeigen Ihnen, wie das genau funktioniert, was mit Ihren Daten passiert und beantworten Fragen zur App und zu den häufigsten Problemen.

Wichtig: Die Entwickler der Corona-Warn-App weisen darauf hin, die App immer auf die neuste Version zu aktualisieren, am besten durch automatische Updates. Bei Android-Geräten und iOS-Geräten ist 1.2.1 derzeit die aktuellste Version (Stand: 26.08.2020).

Offizielles Logo der Corona-App

Die Smartphone-App soll helfen, Ansteckungen mit dem Coronavirus einfacher nachzuverfolgen. Mit der Entwicklung hatte die Bundesregierung die Deutsche Telekom und den Software-Konzern SAP beauftragt.

Die „Corona-Warn-App“ läuft auf den neueren Versionen der Betriebssysteme iOS (Apple) und Android (Google) und steht in den App-Stores von Google und Apple zur Verfügung.

Begegnungen von Infizierten sollen künftig über das Betriebssystem von Google und Apple auch ohne zusätzliche Apps nachvollziehbar werden. Die beiden Unternehmen geben Regierungen damit die Möglichkeit, eine Corona-Warn-Infrastruktur auf Smartphones auch ohne eine gesonderte App aufzusetzen. Google integriert dafür die nötigen Funktionalitäten direkt in das Betriebssystem Android, Apple in die Version 13.7 des iOS-Systems seiner iPhones. Die Nutzer werden gefragt, ob sie an der Nachverfolgung teilnehmen wollen. Bestehende Corona-Warn-Apps funktionieren weiterhin.

Die Sparkassen-Finanzgruppe unterstützt den Einsatz der Corona-Warn-App

Mithilfe der Corona-Warn-App der Bundesregierung lassen sich Coronavirus-Infektionen leichter nachverfolgen und somit Infektionsketten schneller unterbrechen. Betroffene können eher behandelt und eine zweite Infektionswelle mit einem damit einhergehenden Lockdown leichter vermieden werden.

Der Einsatz der App ist freiwillig. Das unterstreicht, dass jeder Nutzer der App bewusst Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen übernimmt. Die App dient als digitale Ergänzung zu den empfohlenen Hygienemaßnahmen, den Abstandsregeln und dem Tragen einer Nasen-Mund-Bedeckung.

Je mehr Menschen sich beteiligen, desto besser ist der Schutz für jeden Einzelnen und schließlich für alle gemeinsam.

Als öffentlich-rechtliche Institute mit einem hohen Maß an gesellschaftlicher Verantwortung liegt uns die Gesundheit unserer Mitmenschen besonders am Herzen. Daher unterstützt die Sparkassen-Finanzgruppe die Nutzung der Corona-Warn-App offen gegenüber Ihren Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Kunden. Wir setzen uns damit auch für eine weitere Normalisierung des Wirtschaftslebens ein.

Millionen Menschen müssten mitmachen

Die Handy-App soll digital unterstützen, was die Gesundheitsämter derzeit in mühevoller Kleinarbeit machen: Kontaktpersonen von positiv getesteten Personen aufspüren und informieren. Die Nutzung der Applikation ist freiwillig. Dennoch wird sie nur dann eine echte Hilfe bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sein, wenn viele Millionen Menschen mitmachen.

 

Knapp 18 Millionen Menschen haben die App bereits heruntergeladen – das ist jeder vierte Erwachsene. „Damit die Corona-Warn-App wirklich etwas bringt, sollte sich die Zahl der Downloads verdoppeln“, sagte Ökonom Gert Wagner gegenüber der Welt am Sonntag. Wagner ist Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen.

 

Es sei aber nicht so, dass die App gar nichts bringt, wenn nur wenige Menschen mitmachen, betont die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. „Jeder, der zusätzlich mitmacht, ist eine Hilfe, um Kontaktketten nachzuverfolgen.“ 

Die App soll nicht nur helfen, Kontaktpersonen möglichst schnell ausfindig zu machen, sondern auch, sie möglichst lückenlos zu ermitteln. Eine App speichert Kontakte verlässlicher als das menschliche Gedächtnis, das sich nicht unbedingt an alle Begegnungen der vergangenen zwei Wochen erinnern kann. Bei zufälligen Kontakten im öffentlichen Nahverkehr oder im Restaurant hilft die Erinnerung ohnehin nicht weiter. Eine App kann auch solche Begegnungen nachvollziehbar machen.

Die Geräte kommunizieren via Bluetooth

Die App funktioniert so: Mit Hilfe der Bluetooth-Technologie BLE erkennt die Software andere Smartphones in der Nähe. Ein Algorithmus ermittelt, ob der Kontakt potenziell riskant sein könnte. Entscheidend dafür ist, wie lange der Kontakt dauert und wie groß die Distanz ist. Die Geräte tauschen dann verschlüsselte Daten, sogenannte Identitäten (IDs), aus. 

Laufen zwei App-Nutzer in der Fußgängerzone aneinander vorbei, wird die Begegnung nicht als riskant identifiziert. Sitzen aber zwei Menschen 15 Minuten lang in der U-Bahn nebeneinander, zählt das als relevanter Kontakt.

Das erklärt auch, warum manche Nutzer der App angezeigt bekommen, dass sie in den zurückliegenden Tagen Kontakt mit einem positiv Getesteten hatten, das Infektionsrisiko aber als „niedrig“ angegeben wird. Begegnungen, die weniger als zehn Minuten gedauert haben oder bei denen die Smartphones im Durchschnitt mehr als acht Meter voneinander entfernt waren, werden als unbedenklich eingestuft.

Der Standort der Nutzer wird nicht erfasst

„Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang: Die App ortet nicht den Standort des Smartphone-Besitzers“, betont Rainer Knirsch, Sprecher der Telekom, in einem Interview mit dem MDR. „Das einzige was zählt, ist der Abstand und der wird anonym über Bluetooth generiert.“

Die App warnt außerdem nicht in Echtzeit („Tracking“), sondern dient der späteren Nachverfolgung von Kontakten („Tracing“). Wer also einem positiv auf Corona getesteten Menschen begegnet, erhält nicht sofort eine Meldung aufs Handy. Das war eine wichtige Forderung der Datenschützer, um die Persönlichkeitsrechte der Erkrankten zu schützen. 

Die Daten sind nur auf dem Smartphone gespeichert

Deutsche Datenschützer legten zudem großen Wert darauf, dass die Informationen, die die App generiert, dezentral gespeichert werden. Statt auf einem zentralen Server werden die Daten nur auf dem Smartphone gesichert. „Wer sich nicht mehr beteiligen und die App löschen möchte, löscht auch alle seine Daten“, sagt Rainer Knirsch.

Die Entwickler der App haben sich nicht nur eng mit dem Bundesbeauftragten für Datenschutz abgestimmt. Der IT-Dienstleister TÜV Informationstechnik hat die App im Auftrag des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik genau geprüft. Die App werde stabil und sicher laufen, ohne die Anwender auszuspionieren, sagte Dirk Kretzschmar, IT-Chef des Unternehmens. Niemand könne Daten abgreifen.

Jeder Interessierte kann sich zudem über die Bauweise der App informieren: Die Entwickler von Telekom und SAP haben den Programmcode auf der Open-Source-Plattform GitHub veröffentlicht.

Sorgen um den Handy-Akku brauche man sich nicht zu machen, versprechen die Entwickler. Anders als die Bluetooth-Technologie, die bei drahtlosen Kopfhörern verwendet wird, sei der Stromverbrauch bei BLE – das steht für Bluetooth Low Energy – sehr gering.

Gegen Fake-Meldungen: Gesundheitsamt muss Test bestätigen

Was passiert nun aber im Falle einer Infektion mit Covid-19? Sobald ein positives Testergebnis vorliegt, kann der Betroffene das freiwillig an die App melden. Dafür erhält er einen Code vom Gesundheitsamt, das auf diese Weise das Testergebnis bestätigt. Alternativ ist eine Validierung über eine Hotline der Telekom möglich. So soll ausgeschlossen werden, dass Anwender die App mit Fake-Meldungen aushebeln. 

Nach der Bestätigung verschickt die App des oder der Erkrankten an alle anderen Smartphones die verschlüsselten IDs, die verwendet wurden. Die Geräte können überprüfen, ob sie mit diesen IDs in Kontakt waren, und in dem Fall den Nutzer über die potenziell ansteckende Begegnung informieren. Personenbezogene Daten werden dabei nicht übermittelt.

Nach einer Warnung am besten Kontakt zum Arzt aufnehmen

„Nach einer Warnung durch die App können Sie rasch Kontakt zu Ihrem Arzt aufnehmen, können sich auf Corona testen lassen und sich gegebenenfalls isolieren“, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert.

Seine Mitarbeiter zur Nutzung der App verpflichten darf ein Arbeitgeber nicht. Betriebsvereinbarungen können den Umgang mit der App aber regeln und zum Beispiel festlegen, wie sich Mitarbeiter verhalten sollen, wenn sie eine Warnmeldung empfangen.

Wie viele Personen bislang durch die App gewarnt wurden, kann wegen der dezentralen Speicherung der Daten niemand sagen.

Apps in Europa bislang nicht kompatibel

Noch unklar ist, wie sich verschiedene Corona-Apps in Europa verbinden lassen. Die Europäische Kommission hat die Mitgliedsstaaten zwar aufgerufen, ihre Apps interoperabel zu gestalten. Doch während Deutschland, Österreich oder Italien auf dezentrale Datenspeicherung setzen, nutzen die Franzosen und Tschechen zentrale Datenbanken. Hier ist also noch Entwicklungsarbeit nötig, damit die Apps auch beim Reisen funktionieren.

Weitere Hilfe gibt es hier:

  • Auf den Seiten der Bundesregierung
  • Auf der Seite der Corona-Warn-App
  • Technische Fragen (auf Deutsch, Englisch und Türkisch) rund um die Corona-Warn-App beantworten Ihnen die Mitarbeiter unter der Entwickler-Hotline: +49 (0)800 754 000 1 (kostenlos), Erreichbarkeit: Montag bis Samstag zwischen 7 und 22 Uhr (außer an bundesweiten Feiertagen)

(Stand: 03.09.2020)

Wichtige Fragen und Antworten

Auch wenn die Corona-Warn-App nicht geöffnet ist, soll sie im Hintergrund weiterlaufen und Daten aktualisieren. Ende Juli sind allerdings Probleme bei der Hintergrundaktualisierung beim iPhone bekannt geworden. Bis Ende August waren diese noch nicht komplett behoben. Bundesregierung und Entwickler empfehlen deshalb, die App einmal täglich zu öffnen, um die Kontaktüberprüfung sicherzustellen. Außerdem sollten Sie stets die aktuellste Version des Betriebssystems und der App nutzen, am besten über automatische Updates.

Wenn Sie die App neu installieren, zeigt sie Ihnen auf grauem Hintergrund: "Unbekanntes Risiko" an. Anschließend springt die Anzeige auf „Niedriges Risiko“ auf grünem Hintergrund. Bei einer riskanten Begegnung springt die App auf „Erhöhtes Risiko“ auf rotem Hintergrund.

Achtung: Die Anzeige „Niedriges Risiko“ bedeutet nicht, dass Sie keinen Kontakt zu infizierten Menschen hatten. Laut den Softwareentwicklern der App, SAP, liegt die Fehlerquote der Bluetooth-Technologie bei etwa 20 Prozent. Hinzu kommt, dass längst nicht alle Menschen in Deutschland die App nutzen.

Die Bundesregierung rät Betroffenen in diesem Fall, möglichst zu Hause zu bleiben und sich bei ihrem Hausarzt zu melden. Alternativ könne unter der Telefonnummer 116117 Kontakt mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder mit dem Gesundheitsamt aufgenommen werden, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Inzwischen sind in der Regel genügend Testkapazitäten vorhanden. Sollte ein Test nötig sein, wird er von den Krankenkassen bezahlt.

Wenn jemand positiv auf Covid-19 getestet wurde, kann er den Status freiwillig in die App eintragen. Um Missbrauch zu vermeiden, muss das Ergebnis aber offiziell bestätigt werden. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder erhält man vom Testlabor einen QR-Code. Oder man gibt eine TAN ein, die man von einer Telefonhotline bekommt.

Laut SAP dauert es circa 24 Stunden, bis eine neue Infektionsmeldung in der App eingespeist und die Risikowarnung an andere Nutzer verteilt wird.

Die Funktion dahinter ist ein Paket von Verschlüsselungen: Für jeden Nutzer der Corona-Warn-App wird täglich ein Tages- beziehungsweise Diagnoseschlüssel erstellt, eine Art anonyme Identifikationsnummer. Aus dieser wiederum werden alle 10 bis 20 Minuten Kurzschlüssel generiert, die an andere App-Nutzer, die sich in der Nähe befinden, per Bluetooth ausgesendet werden. Diese Sammlung an Tagesschlüsseln von als positiv gemeldeten Personen wird an den Server gesendet und mit denen anderer positiv Getesteter in ein Paket gepackt, das wiederum einmal am Tag an alle App-Nutzer verteilt wird.

Die App gleicht dann die Tagesschlüssel mit den Kurzschlüsseln ab, die jeder Nutzer individuell lokal auf dem Smartphone sammelt. Bei einer Übereinstimmung wird eine Risikowarnung ausgelöst. Betroffene App-Kontakte erhalten nun den Hinweis, dass sie sich testen lassen sollen.

Das liegt vermutlich am Alter Ihres Telefons. Die App läuft auf iOS-Smartphones ab dem iPhone 6s unter iOS 13.5, bei Android-basierten Smartphones ab Android 6. Die Bundesregierung sagt, sie habe „die beteiligten Unternehmen gebeten, auf technischer Ebene mit den Herstellern der Betriebssysteme gemeinsam zu prüfen, ob es weitergehende Möglichkeiten gibt, auch ältere Smartphones technisch einzubinden.“

Das können Sie in den Einstellungen Ihres Smartphones überprüfen. Gehen Sie folgendermaßen vor:

iPhone: Einstellungen > Datenschutz > Health > COVID-19-Kontaktprotokoll / COVID-19-Bewegungsaufzeichnungen -> Kontakt- / Begegnungsüberprüfungen

Android-Geräte: Einstellungen > Google > COVID-19-Benachrichtigungen an

Wenn Ihre App in den zurückliegenden zwei Wochen dauerhaft aktiv war, sollten in den Einstellungen 13 oder 14 Überprüfungen in den vergangenen 24 Stunden verzeichnet sein. Sollte das nicht der Fall sein, öffnen Sie einmal täglich die App, um die Kontaktüberprüfung sicherzustellen, bis die Lücke mit einem Update geschlossen wird.

Gelegentlich taucht der Hinweis "Risiko-Ermittlung nicht möglich: Ihre Risiko-Ermittlung konnte seit mehr als 24 Stunden nicht mehr aktualisiert werden" sowohl auf Android- und iOS-Geräten auf. Die Entwickler von SAP suchen derzeit nach einer Lösung. Auf der Hilfeseite der Corona-Warn-App finden Sie eine Anleitung für solche und ähnliche Fälle.

Überprüfen Sie auch die WLAN- und Netzwerkeinstellungen. Die App benötigt eine funktionierende Internetverbindung, um mindestens einmal am Tag aktuelle Serverdaten abzurufen. Stellen Sie sicher, dass Sie die neuste Version der App installiert haben beziehungsweise installieren Sie ein Update.

Diese Anzeige kommt hin und wieder bei Android-Handys vor. Der Anzeigefehler ist bekannt. An der Lösung wird gearbeitet. Die App funktioniert trotzdem einwandfrei.

Um Infektionsketten mit dem Coronavirus besser nachverfolgen zu können, statten Apple und Google ihre Smartphones zukünftig mit einer Corona-Warn-Funktion aus. Die beiden Unternehmen geben Regierungen damit die Möglichkeit, eine Corona-Warn-Infrastruktur auf Smartphones auch ohne eine gesonderte App aufzusetzen. Google integriert dafür die nötigen Funktionalitäten direkt in das Betriebssystem Android, Apple in die Version 13.7 des iOS-Systems seiner iPhones. Die Nutzer werden gefragt, ob sie an der Nachverfolgung teilnehmen wollen. Bestehende Corona-Warn-Apps funktionieren weiterhin.

Der Weg direkt über das Betriebssystem hat einen großen Vorteil: Die Corona-Warn-Technik kann länderübergreifend arbeiten. So müssen Nutzer im Urlaub oder beim Arbeiten in Grenzgebieten nicht mehrere Apps herunterladen. Die App ist nur noch dann notwendig, wenn man selbst positiv getestet wurde, um so die Diagnose über die Schnittstelle der App zu teilen.

Die neue Funktion über das Betriebssystem entspricht nicht dem Datenschutz der deutschen Corona-Warn-App, da der Quellcode der Betriebssysteme Android und iOS nicht öffentlich einsehbar ist.

Die Unternehmen weisen allerdings darauf hin, dass die Funktionen keine Ortsdaten und keine persönlichen Daten der Nutzer weitergeben. Apple und Google wollen die Funktion wieder deaktivieren, sobald sie nicht mehr benötigt wird.


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