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SpaceX, OpenAI und Co.: Auf diese Mega-Börsengänge sollten Sie achten

Geld verdienen mit Mega-IPOs?
Der vorläufig größte Börsengang der Geschichte ist vollbracht: SpaceX ist an der Börse. Bald könnten mit OpenAI und Anthropic zwei der wertvollsten KI-Unternehmen der Welt folgen. Das klingt nach einer historischen Chance für Anleger – birgt aber auch Risiken.
Stand:12. Juni 2026
Das Wichtigste in Kürze:
  • SpaceX hat bei seinem Börsengang 85 Milliarden US-Dollar eingenommen. Bis auf 225 US-Dollar war die Aktie von SpaceX nach dem bisher größten Börsengang der Geschichte gestiegen.

  • Nach SpaceX könnten mit OpenAI, Anthropic, Databricks und Figure AI weitere vielbeachtete KI- und Technologiekonzerne an die Börse drängen.

  • Für Anlegerinnen und Anleger bieten Mega-IPOs große Chancen, bergen aber wegen hoher Bewertungen, geringem Streubesitz und starker Kursschwankungen erhebliche Risiken.

Der größte Börsengang aller Zeiten

SpaceX, der Raumfahrtkonzern von Elon Musk, verzeichnete am 12. Juni das bisher größte Börsendebüt der Wirtschaftsgeschichte. Er hat bis zu 85 Milliarden US-Dollar eingesammelt – und damit noch deutlich mehr als bei Saudi Aramco zum Börsenstart 2019: Der saudische Gas- und Ölkonzern nahm zunächst rund 25,6 Milliarden US-Dollar ein. Inklusive Mehrzuteilungsoption waren es dann 29 Milliarden US-Dollar. Zuvor hatte das chinesische E-Commerce-Unternehmen Alibaba 2014 alle Rekorde geschlagen und 25 Milliarden US-Dollar eingesammelt.

Oder denken Sie an Facebook im Jahr 2012: Mit einem Medienrummel, der selbst die meisten Hollywood-Premieren in den Schatten stellte, trat das Social-Media-Phänomen auf das Parkett und sammelte 16 Milliarden US-Dollar ein. Obwohl der Kurs anfangs deutlich bergab ging, hat das Unternehmen, das mittlerweile Meta heißt, seither seinen Wert zeitweise verzehnfacht.

Bemerkenswert ist bei SpaceX nicht nur die Größe, sondern auch die Bewertung mit astronomischen 1,75 Billionen US-Dollar im Kontrast zu seinen Einnahmen: SpaceX erzielte 2025 Medienberichten zufolge zwar rund 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz, schrieb aber gleichzeitig einen Nettoverlust von fast 5 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Umsatz würde die Firma mit dem rund 94-Fachen ihrer Erlöse bewertet. Klassische Bewertungsmaßstäbe spielen scheinbar kaum noch eine Rolle.

Aktienkäufer erwerben daher nicht nur Unternehmensanteile. Sie kaufen eine Zukunftserzählung: Marsmissionen, Satellitennetze, Weltrauminfrastruktur und die Vision einer multiplanetaren Menschheit.

„Narrative Economics“ – oder warum SpaceX funktionieren könnte

Deshalb sollte man den Börsengang nicht vorschnell als Übertreibung abtun. Denn SpaceX verkauft nicht Raketenstarts, sondern den Zugang zu potenziell riesigen Zukunftsmärkten. Das Unternehmen selbst beziffert seinen adressierbaren Markt auf mehr als 28 Billionen US-Dollar. Dazu gehören:

• Weltraumtransporte

• Mond- und Marsmissionen

• militärische Raumfahrt

• globale Kommunikationsinfrastruktur

Hinzu kommt ein Faktor, der sich kaum in Excel-Tabellen erfassen lässt: Elon Musk. Wie schon bei Tesla mobilisiert Musk Kapital über Visionen. Ökonomen sprechen von „Narrative Economics“, der wirtschaftlichen Macht überzeugender Geschichten.

Der Trick mit der Knappheit

Privatanlegerinnen und Privatanleger sollten allerdings genau hinschauen: Nach bisherigen Berichten sollen zunächst nur rund 5 bis 7 Prozent der Aktien frei handelbar sein. Das ist ungewöhnlich wenig. Bei klassischen Börsengängen, auch Initial Public Offerings (IPOs) genannt, liegt der Streubesitz häufig bei 20 bis 30 Prozent und teilweise sogar noch höher.

Die Folge: Einer enormen Nachfrage steht ein künstlich knappes Angebot gegenüber. Genau dieser Effekt könnte den Kurs in den ersten Wochen zusätzlich antreiben. Gleichzeitig erhöht die geringe Zahl frei handelbarer Aktien die Gefahr heftiger Kursschwankungen. Wer Aktien kauft, wettet daher nicht nur auf das Unternehmen, sondern auch auf Marktpsychologie. Denn in den kommenden Monaten sollen die restlichen Anteile nach und nach in den Markt gegeben werden: bis Ende 2026 voraussichtlich 50 Prozent der Aktien, bis Mitte 2027 dann 100 Prozent. Dieser Zuwachs kann sich negativ auf den Preis auswirken, wenn nicht ausreichend Interesse besteht.

Index-Turbo für Mega-IPOs?
Wichtige Marktregeln wurden angepasst

Marktbeobachter verweisen auf neue Regularien zur schnelleren Indexaufnahme großer Börsenneulinge. Eine frühe Aufnahme in wichtige Indizes könnte zusätzliche Nachfrage durch Indexfonds auslösen.

Schnellere Aufnahme in Indizes

Der wohl größte Hebel betrifft den Nasdaq 100: Bisher mussten neu börsennotierte Unternehmen häufig mehrere Monate warten, bevor sie in wichtige Indizes aufgenommen werden konnten. Die US-Technologiebörse Nasdaq hat ihre Regeln jedoch angepasst: Sehr große IPOs können demnach nun bereits nach etwa 15 Handelstagen in den Nasdaq-100-Index aufgenommen werden. Warum ist das wichtig? Sobald ein Unternehmen in einen Index aufgenommen wird, müssen zahlreiche Indexfonds die Aktie kaufen. Dadurch entsteht zusätzliche Nachfrage – unabhängig davon, ob Fondsmanagements die Bewertung attraktiv finden oder nicht. Die Kritik daran: Diese Regeländerung kommen faktisch speziell Unternehmen wie SpaceX entgegen.

MSCI lockert den Zugang für Mega-IPOs

Auch der globale Indexanbieter MSCI könnte SpaceX vergleichsweise früh in wichtige Indizes aufnehmen. MSCI hat bestätigt, seine bestehenden Regeln für große Börsenneulinge anzuwenden. Dadurch könnte zusätzliche Nachfrage von Indexfonds entstehen. Besonders bemerkenswert: Obwohl SpaceX nur einen sehr geringen Teil seiner Aktien in den Streubesitz bringt, erfüllt das Unternehmen laut MSCI die Kriterien für eine frühe Aufnahme in wichtige globale Indizes. Normalerweise gelten geringe Free-Floats als Hindernis dafür. Die Folge: Fonds mit mehreren Billionen US-Dollar Anlagevolumen könnten bereits wenige Tage nach dem Börsengang gezwungen sein, SpaceX-Aktien zu kaufen.

Nach SpaceX kommt die KI-Welle

SpaceX könnte nur der Auftakt sein. Für dieses Jahr werden bereits weitere Kandidaten gehandelt, vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI):

OpenAI

Der Entwickler von ChatGPT zählt inzwischen zu den wertvollsten Technologieunternehmen der Welt. Die Bewertung am privaten Markt bewegt sich jüngsten Medienberichten zufolge inzwischen im Bereich von 1 Billion US-Dollar. Ein Börsengang würde Anlegerinnen und Anlegern erstmals direkten Zugang zum KI-Boom ermöglichen.

Anthropic

Das von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründete Unternehmen gilt als einer der wichtigsten Konkurrenten im Markt für generative KI. Anthropic profitiert von milliardenschweren Investitionen großer Technologiekonzerne. Nach der jüngsten Finanzierungsrunde (Mai 2026) ergibt sich eine Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar. Gemeinsam könnten OpenAI und Anthropic den größten Börsenboom seit Jahrzehnten auslösen.

Neben diesen beiden prominenten Namen wollen Berichten zufolge weitere Unternehmen aus dem KI-Sektor den Sprung an die Börse wagen:

Databricks

Dieses Unternehmen, bekannt für seine integrierte Datenanalyse-Plattform, die auch auf KI und Machine Learning (lernende Algorithmen) ausgerichtet ist, wird schon länger als IPO-Kandidat gehandelt. Mit einer privaten Bewertung von 43 Milliarden US-Dollar könnte 2026 der richtige Zeitpunkt für einen Börsengang sein, um möglichst viel Geld für weiteres Wachstum einzusammeln und den bisherigen Kapitalgebern eine beachtliche Rendite zu verschaffen.

Figure AI

Das Unternehmen hat sich auf humanoide Roboter spezialisiert und massive Investitionen von Größen wie Microsoft, OpenAI und Amazon erhalten. Sollte das Unternehmen signifikante Fortschritte in der Kommerzialisierung seiner Roboter machen, könnte ein IPO 2026 oder 2027 eine Möglichkeit sein, um die enorme Kapitalintensität der Hardware-Entwicklung zu stemmen.

Schrumpft Deutschlands Börse?

In Deutschland ist die Zahl der börsennotierten Unternehmen weiterhin überschaubar. Die aktuellsten verfügbaren Daten, die die Wirtschaftsdatenplattform „The Global Economy“ für das Jahr 2024 auf Basis der Weltbank veröffentlicht hat, zeigen: Zuletzt waren 435 Unternehmen im gesetzlich regulierten Markt gelistet. Hinzu kommen schätzungsweise rund 30 deutsche Unternehmen, die an einer ausländischen Börse notiert sind. Die Anzahl der in Deutschland gelisteten Unternehmen ist dabei erheblich gesunken. Das verdeutlicht ein Blick auf die Daten der Weltbank: Im Jahr 2007 waren es noch 761 Unternehmen. Dieser Trend zeigt eine Konsolidierung am deutschen Kapitalmarkt, während die Attraktivität von Börsengängen für Unternehmen in den letzten Jahrzehnten abgenommen hat.

Was für einen Börsengang spricht – und was dagegen

Vorteile eines Börsengangs:
  • Kapitalbeschaffung: Einer der Hauptgründe für einen Börsengang ist die Möglichkeit, Kapital für Wachstum, Forschung und Entwicklung oder den Abbau von Schulden zu beschaffen. Durch die Ausgabe seiner Aktien können Unternehmen Millionen- oder sogar Milliardenbeträge erzielen.  

  • Unternehmensbewertung: Ein Börsengang kann die Transparenz und Sichtbarkeit eines Unternehmens erhöhen und so seine Glaubwürdigkeit und Bekanntheit auf dem Markt steigern.  

  • Mitarbeiterbeteiligung: Unternehmen können Aktienoptionen oder -pakete als Anreize für ihre Mitarbeiter anbieten. Das kann helfen, Talente zu gewinnen und zu halten.  

  • Exit-Strategie für Investoren: Frühe Investoren, wie Venture-Capital-Gesellschaften, streben oft den Börsengang an, um ihre Investitionen zu verkaufen und Gewinne zu realisieren.  

Nachteile eines Börsengangs:
  • Kosten: Ein Börsengang ist teuer. Es fallen Gebühren für Banken, Rechtsanwälte und PR-Experten an.  

  • Zeitaufwand: Die Vorbereitung auf einen Börsengang kann Monate oder sogar Jahre dauern.  

  • Publizität: Ein börsennotiertes Unternehmen muss regelmäßig finanzielle Details und Geschäftsstrategien offenlegen.  

  • Marktdruck: Es besteht ständiger Druck, die Erwartungen der Aktionäre zu erfüllen, was zu einer kurzfristigen Denkweise führen kann.  

  • Übernahmerisiko: Erscheint Investoren oder anderen Unternehmen der Kurs günstig, können sie das börsennotierte Unternehmen allein durch den Kauf von genügend Aktien übernehmen.  

Können Sie als Privatanlegerin oder -anleger damit Geld verdienen?

Die ehrliche Antwort lautet: Ja – aber oft anders als erwartet. Historisch verlaufen die erfolgreichsten Börsengänge selten geradlinig. Facebook verlor nach dem IPO zunächst fast die Hälfte seines Werts. Später wurde die Aktie zu einem der erfolgreichsten Investments des vergangenen Jahrzehnts. Auch viele andere Technologie-IPOs zeigen ein ähnliches Muster:

• hohe Erwartungen

• starke Kursschwankungen

• später oft eine realistischere Bewertung

Für Sie ist deshalb weniger entscheidend, am ersten Handelstag dabei zu sein. Wichtiger ist die Frage, ob die Unternehmen langfristig ihre ambitionierten Versprechen erfüllen können.


4 Punkte, auf die Sie jetzt achten sollten

Wer sich für die kommenden Mega-IPOs interessiert, sollte vor allem folgende Aspekte prüfen:


Schritt 1

Bewertung

Je höher die Bewertung im Verhältnis zu Umsatz und Gewinn, desto größer die Verlustgefahr.

Schritt 2

Geschäftsmodell

Verkauft das Unternehmen bereits profitable Produkte oder vor allem Zukunftshoffnungen?

Schritt 3

Streubesitz

Ein geringer frei handelbarer Aktienanteil (wie bei SpaceX) kann Kurse kurzfristig stark treiben – aber auch abstürzen lassen.

Schritt 4

Diversifikation (Streuung)

Selbst überzeugende IPOs sollten immer nur einen kleinen Teil des Depots ausmachen.


Der Hype hat seinen Preis

2026 könnte als Jahr der größten Börsengänge aller Zeiten in die Finanzgeschichte eingehen. SpaceX, OpenAI und Anthropic verkörpern drei der mächtigsten Zukunftstrends überhaupt: Raumfahrt, künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur. Doch gerade dort, wo die Erwartungen besonders hoch sind, können auch große Risiken lauern. Als Anlegerin oder Anleger sollten Sie deshalb nicht nur auf die Visionen der Unternehmen achten, sondern vor allem deren Bewertungen hinterfragen. Langfristig entscheidet auch an der Börse nicht die beste Geschichte über den Erfolg. Ausschlaggebend ist die Fähigkeit, damit profitable Geschäfte zu machen.

Häufige Fragen zum Thema Börsengang

  1. Ein Börsengang wird Initial Public Offering (IPO) genannt – der englische Fachbegriff für das erste öffentliche Angebot von Aktien an der Börse, bei dem ein Unternehmen Anteile verkauft, um Kapital für Wachstum oder Schuldenabbau zu beschaffen.

  2. Ein Börsengang dauert meist 6 bis 12 Monate: Zuerst wird geprüft, ob ein Unternehmen die Voraussetzungen erfüllt (zum Beispiel Aktiengesellschaft, Mindestgröße, genügend frei handelbare Aktien). Danach helfen Banken bei der Prüfung, beim Erstellen des Börsenprospekts und bei der Vermarktung der Aktie. Vor dem Start wird bei Investoren das Interesse abgefragt, daraus entsteht der Aktienpreis, dann folgt der erste Handelstag. Der gesamte Prozess ist streng reguliert und teuer: rund 2 bis 7 Prozent des eingesammelten Kapitals. Für Anlegerinnen und Anleger gilt: Prospekt sorgfältig lesen, da viele Aktien nach dem Börsengang zunächst fallen. Oft lohnt es sich, 6 bis 12 Monate abzuwarten, um den Anfangshype zu vermeiden.

  3. Das hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab. Die Bewertung ist außergewöhnlich hoch. Kurzfristig kann die starke Nachfrage den Kurs treiben. Langfristig muss SpaceX die Erwartungen erst erfüllen.


  4. Mit einer angestrebten Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar wäre es der bislang größte Börsengang der Wirtschaftsgeschichte.

  5. Zu den meistdiskutierten Kandidaten zählen OpenAI und Anthropic, zwei der wertvollsten KI-Unternehmen weltweit. Außerdem könnten weitere KI-Unternehmen den Sprung an die Börse wagen. Das betrifft zum einen Databricks, bekannt für seine Unified Data Analytics Platform, die auch auf KI und Machine Learning ausgerichtet ist. Zum anderen könnte das auch bei Figure AI (2026 oder 2027) der Fall sein: Das Startup hat sich auf humanoide Roboter spezialisiert und massive Investitionen von Größen wie Microsoft, OpenAI und Amazon erhalten.

  6. Investoren können durch Zeichnung neuer Aktien beim Börsengang frühzeitig Anteile kaufen. Entscheidend ist, den Markt zu beobachten, den Hype zu vermeiden und realistische Erwartungen an Gewinn und Rendite zu haben. Nicht jeder IPO führt sofort zu hohen Kursgewinnen.

  7. Kapitalaufnahme ist der Hauptzweck eines IPOs – Unternehmen wollen Wachstum finanzieren oder Schulden abbauen. Die Unternehmensbewertung entscheidet über den Preis der Aktien und beeinflusst, wie attraktiv der Börsengang für Investoren ist. Hohe Bewertungen bedeuten oft höhere Risiken.

  8. Sie beschaffen sich so Kapital für Wachstum, Forschung und Investitionen. Gleichzeitig erhalten frühe Investoren die Möglichkeit, ihre Anteile zu verkaufen.

  9. Nicht zwingend. Viele erfolgreiche Unternehmen erleben nach dem Börsenstart zunächst deutliche Kursrückgänge (sogar um 90 Prozent und mehr). Geduld kann sich also auszahlen.

  10. Überzogene Bewertungen. Wenn die Erwartungen höher steigen als die tatsächlichen Geschäftsergebnisse, drohen erhebliche Kursverluste.

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