Niedriger Euro-Kurs: Das sind die Vor- und Nachteile

Von E wie Energie über A wie Aktien bis hin zu U wie Urlaub


So niedrig war der Kurs des Euro seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Die Gemeinschaftswährung fiel zuletzt auf 1,12 US-Dollar. Vor rund einem Jahr kostete ein Euro noch elf US-Cent mehr. Welche Konsequenzen hat das für die Wirtschaft der Eurozone – und welche für Sie als Verbraucherinnen und Verbraucher?

Mann betankt Auto

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit einigen Monaten markiert der Euro-Kurs immer wieder Tiefstände im Verhältnis zum US-Dollar.
  • Das hat einige Vorteile für die Menschen und Unternehmen in Deutschland – aber auch Nachteile.
  • Auslöser für die aktuelle Euro-Schwäche ist unter anderem eine geldpolitische Maßnahme der US-Notenbank.

Seit einigen Wochen markiert der Euro immer wieder Tiefstände. Aktuell ist dafür unter anderem eine Personalie in den USA verantwortlich: US-Präsident Joe Biden hat den aktuellen Notenbank-Chef Jerome Powell für eine zweite Amtszeit nominiert. Diese Entscheidung werten die internationalen Wertpapiermärkte als Zeichen für eine schnellere geldpolitische Straffung in den USA.

Im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB) will Powell die Zinsen erhöhen. Außerdem verkündete er die schrittweise Reduzierung der Anleihekäufe durch die Notenbank. Dagegen sagte EZB-Chefin Christine Lagarde erst Mitte November, dass eine Zinserhöhung im Euro-Raum im kommenden Jahr sehr unwahrscheinlich sei.

Damit driften die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt geldpolitisch auseinander. Diese Entwicklung hat wirtschaftliche Auswirkungen – auf Unternehmen und Privatpersonen. Die wichtigsten davon finden Sie hier:

1. Energie: Preise steigen

In den vergangenen Monaten sind die Preise für Benzin, Strom und Heizöl spürbar gestiegen. Das hat viele Gründe. Einer davon ist die Tatsache, dass die meisten Rohstoffe wie Öl und Gas in US-Dollar notiert sind. Wenn der steigt und der Euro-Kurs sinkt, bedeutet das automatisch, dass sich die Energiepreise für Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch für die Unternehmen verteuern.

2. Exporte: Unternehmen und Angestellte profitieren

Unternehmen, die ihre Waren in Länder außerhalb der Eurozone exportieren, profitieren in der Regel von einem günstigen Euro. Denn für ihre Kundinnen und Kunden in anderen Währungsregionen wird der Einkauf billiger. Das steigert den Absatz der Lieferanten aus dem Euro-Raum – und damit auch aus Deutschland. Auch die Beschäftigten dieser Unternehmen haben daraus einen Vorteil: Denn je besser der Absatz, desto höher ist die Produktion – und damit die Sicherheit der Arbeitsplätze.

3. Importe: Produktionskosten und Preise steigen

Bei der Einfuhr von Waren und Rohstoffen ist das Verhältnis umgekehrt. Unternehmen, die darauf angewiesen sind, Produkte und Energie zu importieren, müssen mit einem schwächeren Euro in der Regel mehr zahlen. Das heißt: Mit einem schwachen Euro importieren sie wegen steigender Energie- und Produktionskosten theoretisch steigende Preise.

4. Aktien: Neue Rekordwerte am Dax

Der Deutsche Aktienindex Dax hat monatelang ein Rekordhoch nach dem nächsten verzeichnet. Das lag unter anderem am günstigen Euro-Kurs: Mit der Verbilligung der Gemeinschaftswährung im Verhältnis zum US-Dollar interessieren sich ausländische Anlegerinnen und Anleger verstärkt für deutsche Aktien. Denn die börsengelisteten exportorientierten Unternehmen verkaufen erfahrungsgemäß deutlich mehr ihrer Produkte, wenn der Euro schwach ist.

Aufgrund der neuen Corona-Variante Omikron haben der Dax und andere Börsen-Indizes weltweit aber zum Ende des Monats deutliche Verluste verbucht. Sämtliche Branchen gaben nach, vor allem aber traf es die Reise-, Banken- und Autobranche und damit verbundene Unternehmen.

5. Inflation: Weiterer Anstieg

Die höheren Importpreise führen auch zu einer steigenden Inflationsrate – in Form sogenannter Zweitrundeneffekte: Steigen die (Import)Preise, löst das über kurz oder lang Lohnerhöhungen aus. Diese tragen dazu bei, dass die Inflation anzieht.

Diese Entwicklung kann in eine Aufwärtsspirale münden: Die zunehmende Inflation kann den Euro zusätzlich schwächen. Dann steigen die Importpreise weiter und die Teuerungsrate schnellt hoch. Der Wechselkurs würde weiter fallen. In der Folge hätten die Verbraucherinnen und Verbraucher real weniger Geld zur Verfügung.

6. Urlaub: Kann deutlich teurer werden

Planen Sie derzeit eine Reise in die USA? Dann wird sie deutlich teurer. Denn der umgetauschte US-Dollar, für den Sie Ende des vergangenen Jahres noch rund ein Zehntel weniger zahlen mussten, kostet mittlerweile etwa 89 Euro-Cent. Das gleiche Phänomen gilt für Länder wie Mexiko, die karibischen Inseln oder bestimmte Ziele in Asien, die ihre Währung an den Kurs des US-Dollar gekoppelt haben.

(Stand 29.11.2021)


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