Benzin und Diesel werden stetig teurer

Der Ukraine-Krieg lässt Spritpreise in die Höhe schnellen

Die Preise für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel sind rapide gestiegen. Grund für den Anstieg ist der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Viele Länder haben Sanktionen gegen Russland verhängt. Die USA kündigten bereits an, unter diesen Umständen kein Erdöl und Erdgas aus Russland zu importieren. Die EU und Deutschland verhandeln darüber. Hilfreiche Tipps, wie Sie trotz der kritischen Situation Ihre Ausgaben für Kraftstoff reduzieren können.  

Mann mit Maske tankt

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Preise für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel ziehen seit Beginn des Krieges zwischen Russland und der Ukraine deutlich an.
  • In den Endpreisen ist auch die seit Anfang 2021 neu erhobene CO2-Steuer enthalten, die unter anderem Kraftstoffe und Heizöl verteuert.
  • Der ADAC spricht von unüblich hohen Nachfragen nach Heizöl. Die Preisentwicklung ist aktuell schwer einzuschätzen, weswegen Verbraucherinnen und Verbraucher bereits jetzt Heizölvorräte kaufen.

Preise für Kraftstoffe schießen in die Höhe

Dieselkraftstoff hat sich in der vergangenen Woche verteuert und liegt nun bei einem Bundesdurchschnitt von 2,15 Euro pro Liter. Laut ADAC liegt der Preis für Benzin bei 2,10 Euro. Preisanstiege dieser Art wurden bisher noch nicht verzeichnet. Autofahrerinnen und -fahrer müssen nun tiefer in die Tasche greifen. Für eine 50-Liter Tankfüllung eines Diesel-Pkw zahlt man etwa 20 Euro mehr als noch vor wenigen Tagen. Für Benzin kommen rund 14 Euro pro Besuch an der Tankstelle hinzu. Da Deutschland etwa 35 Prozent des Öls aus Russland importiert, sind wir im Bereich Kraftstoff abhängiger als andere westliche Länder.

Geopolitische Einflüsse

Die aktuell hohen Spritpreise kommen vor allem aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zustande. Dabei spielen Einfuhrstopps von Öl aus Russland eine Rolle. Ängste vor Lieferausfällen befeuern die Situation und sorgen für Turbulenzen am Markt. Einschlägige Sanktionen gegen Russland sind noch nicht beschlossen, wirken jedoch psychologisch. Finanzmärkte gehen von einer möglichen Knappheit aus und preisen diese ein.

Preisanstieg bei Kraftstoffen – mehrere Faktoren ausschlaggebend

Für den Preisanstieg bei Kraftstoffen gibt es zudem weitere Gründe: Das Ende der vorübergehenden Absenkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent sorgt für 3 Cent Aufschlag. Die zu Jahresbeginn 2021 neu eingeführte CO2-Abgabe für Sprit treibt den Preis allein für Super-Benzin um rund 7 Cent.

Auch die Konjunkturerholung nach Einbrüchen aufgrund der Corona-Pandemie und die damit einhergehende gestiegene Nachfrage nach Erdöl ist preistreibend. Ein höherer Erdölpreis macht sich in der Regel auch an den Zapfsäulen bemerkbar.

Teuerung betrifft vor allem die unteren Einkommensgruppen

Vor allem Menschen mit geringerem Einkommen leiden unter der aktuellen Teuerung. Ausgaben, zum Beispiel für Energie, Miete und Nahrungsmittel, machen bei weniger finanzkräftigen Haushalten einen größeren Anteil ihres Budgets aus als bei finanzstärkeren Haushalten.

Aber auch mittlere und höhere Einkommensgruppen spüren die höheren Energiepreise. Sie verbrauchen im Durchschnitt mehr fossile Energieprodukte wie Heizöl und Benzin, da sie vergleichsweise mehr Autos und größere Wohnungen leisten können.

Weitere Preisentwicklung ungewiss

Wie sich die Kraftstoffpreise weiterentwickeln, ist schwer abzuschätzen. Am 9. März 2022 lagen die Preise pro Barrel (159 Liter) bei über 120 US-Dollar. Insgesamt sind die Preise für Treibstoff um 45 Prozent gestiegen.  

Entlastungen sind in Planung

Aufgrund der stark angestiegenen Preise plant Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) Hilfen für Auto- und Lkw-Fahrerinnen und -fahrer. Diese sollen den Preis pro Kraftstoffliter wieder unter die 2-Euro-Marke bringen. Die genaue Höhe des Rabatts ist noch offen. Bisher distanzierte sich die Regierung von einer möglichen Benzinpreisentlastung und verwies auf das kürzlich beschlossene Entlastungspaket.

Benzin Diesel Rekordpreise

Wie setzt sich der Spritpreis zusammen

An Diesel und Benzin verdienen viele: Mineralölkonzerne, Tankstellenbetreiber und der Staat. Für jede Kraftstoffart wird außerdem eine andere Energiesteuer erhoben. Diese ist maßgeblich für den Endpreis. Danach wird die Mehrwertsteuer fällig, die auf den Warenpreis und die Energiesteuer erhoben wird. Etwa 48 Prozent des Endpreises bei Benzin und 39 Prozent bei Diesel sind Steuerbeiträge.

Der restliche Preis setzt sich aus Kosten für Rohöl, Transportwege, der CO2-Abgabe und der Weiterverarbeitung bis zur Zapfsäule zusammen. Auch der Deckungsbeitrag ist im Preis enthalten. Dieser enthält die Kosten der Vorratshaltung für eine nationale Ölreserve für einen Sicherheitszeitraum von 90 Tagen sowie für die vorgeschriebene Beimischung von Biokraftstoffen zu Mineralölkraftstoffen.

Der Deckungsbeitrag wird von der Mineralölwirtschaft wie eine Steuer an die Endverbraucherinnen und -verbraucher weitergereicht. So schlägt er etwa bei Benzin mit fast 20 Prozent des Endpreises zu Buche.

Auch die Marktkräfte haben Auswirkung auf die Kraftstoffpreise. Der globale Rohstoffhandel ist abhängig von der Konjunktur, der Jahreszeit und der politischen Lage. Zudem wird Öl weltweit in US-Dollar gehandelt. Steigt dessen Kurs, hat auch das Auswirkungen auf die Preise an der Tankstelle.   

Steuersätze der Energieträger

Die Höhe der Energiesteuer unterscheidet sich nach den Kraftstoffarten. Die umweltverträglicheren Energieträger besteuert der Staat geringer als Benzin und Diesel. Derzeit werden Kraftstoffe wie folgt besteuert:

  • Benzin: 65,45 Cent/Liter
  • Diesel: 47,04 Cent/Liter
  • Flüssiggas (Autogas): rund 27 Cent/kg (entspricht rund 15 Cent/Liter)
  • Erdgas (CNG, LNG): rund 19 Cent/kg

Tipps für den Benzinkauf

Tankstelle bei Nacht

Wer auf sein Auto angewiesen ist, um zur Arbeit zu kommen, muss derzeit tief in die Tasche greifen. Beobachten Sie daher die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen besonders genau. Sie schwanken im Tages- und Wochenverlauf stark und oft: An ein und derselben Tankstelle um die zwölf Cent pro Tag und Liter Sprit. Bei Tankstellen in Städten sind es im Schnitt sogar bis zu 22 Cent.

Einer Auswertung des ADAC zufolge gilt grundsätzlich: Abends zu tanken ist günstiger als morgens. Wer besonders billig tanken will, der sollte die Tankstelle zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr ansteuern.

Ab circa 6 Uhr morgens beginnt ein Preisanstieg, der um kurz nach 7 Uhr seinen Höhepunkt erreicht. Zwar sinkt der Preis anschließend wieder ab, doch weitere Preisspitzen gibt es gegen 10, 13 und 16 Uhr. Auch vor 18 und vor 20 Uhr und schließlich ab 22 Uhr ziehen die Preise an.

Clever tanken: Apps helfen

Eine Reihe von Apps hilft, die aktuellen Spritpreise an Tankstellen in Ihrer Nähe abzufragen. Auch das kann die Kosten erheblich senken. Wer die günstigste Tankstelle in der Nähe ansteuern möchte, kann sich auf der Internetseite des Bundeskartellamts informieren. Dort sind insgesamt 56 solcher Verbraucher-Anwendungen aufgelistet. Ihre Daten beziehen sie von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts.

Auch der ADAC bietet auf seiner Internetseite eine Suchfunktion für günstige Tankstellen. Die Tankstellensuche gibt es unter dem Namen „ADAC Spritpreise“ auch als App für IOS- und Android-Smartphones.

Lohnt der Tank-Tourismus?

Laut einer Erhebung des ADAC gibt es deutliche Preisunterschiede zwischen Raststätten und Autohöfen: Der Liter E10 ist auf Autohöfen abseits der Autobahn im Schnitt 26 Cent günstiger. Bei Diesel liegt die Differenz bei 25 Cent, in einzelnen Fällen beträgt sie sogar 39 Cent pro Liter Benzin und 34 Cent pro Liter Diesel.

Deutlich billiger ist Kraftstoff in Polen, Tschechien, Österreich und Luxemburg. Dennoch lohnt sich die Fahrt über die Grenze in der Regel nur für diejenigen, die ganz in der Nähe wohnen. Ansonsten schlagen die hohen Spritkosten für die Anfahrt, Zeitaufwand und Abnutzung des Fahrzeugs zu sehr zu Buche.

In die Niederlande sollte man übrigens nicht reisen, um günstiger zu tanken. Denn dort ist der Sprit noch teurer als in Deutschland.

Wie kann ich meinen Spritverbrauch außerdem reduzieren?

Die Fahrweise anpassen:

Laut ADAC lohnt es sich, zügig zu beschleunigen, rechtzeitig hochzuschalten und während des Fahrens niedrige Drehzahlen beizubehalten. Sie sollten erst dann zurückschalten, wenn der Motor ruckelt oder anfängt zu brummen.

Bremsen vergeudet zusätzlich Energie. Nutzen Sie, soweit möglich, die Motorbremswirkung, wenn Sie beispielsweise auf eine Ortschaft zufahren. So vermeiden Sie ein abruptes Abbremsen und den damit verbundenen höheren Energieverbrauch.

Wenn Sie stehen, schalten Sie den Motor ab. Denn auch im Stand verbraucht ein Fahrzeug Kraftstoff. Im Schnitt 0,5 bis 1 Liter pro Stunde. An Bahnübergängen ist das Abschalten sogar vorgeschrieben.

Elektronik reduzieren oder abschalten:

Steuergeräte, Lüftung, Klimaanlage, Beleuchtung: All diese Einrichtungen brauchen Energie. Diese wird über einen Generator bereitgestellt, der vom Verbrennungsmotor angetrieben wird. Der Energiebedarf ist hier von der Einsatzdauer abhängig. Je nach Fahrzeug und Ausstattung verliert man 0,3 bis 1,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer.

Vorsicht geboten!

Sparen Sie niemals an Ihrer Sicherheit. Halten Sie die Beleuchtung, Scheibenwischer und Scheibenheizung immer betriebsbereit.

Ballast abwerfen:

Jedes Kilogramm Gewicht kostet Kraftstoff. Die Massenträgheit, der Energieeinsatz, um eine Masse (in diesem Fall das Fahrzeug) in Bewegung zu bringen, entspricht dem Gewicht der Masse. Daher können Sie überlegen, was nicht zwingend im Auto sein muss und stattdessen zum Beispiel in die Garage wandern kann. Lassen Sie Getränkekisten, Atlanten und Kleinkram zu Hause. Ladungen von 100 Kilogramm verbrauchen bis zu 0,3 Liter zusätzlich. Dach- und Heckträger, Dachboxen und Fahrradträger sollten nach Gebrauch direkt abmontiert werden.

Reifen austauschen und Druck prüfen:

Teure Reifen können sich auf den zweiten Blick auszahlen. Je nach Rollwiderstand lassen sich mit hochwertigen Reifen 0,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer sparen. Kontrollieren Sie zudem den Luftdruck regelmäßig, um den Rollwiderstand optimal zu halten und Mehrverbrauch zu vermeiden.

Fahrgemeinschaft bilden:

Sie kennen Menschen, die regelmäßig in eine ähnliche Richtung müssen? Dann fahren Sie doch gemeinsam. Je mehr Menschen sich ein Auto teilen, desto günstiger wird es für jede mitfahrende Person. Abstimmen kann man sich im Handumdrehen über einen Messengerdienst für das Smartphone.

(Stand 15.03.2022)


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