Preise für Benzin und Diesel klettern auf Spitzenwerte

Mit diesen Tricks können Sie jetzt an der Zapfsäule bares Geld sparen


Die Preise für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel sind zuletzt rapide gestiegen. Gründe für den Anstieg sind der deutlich höhere Rohölpreis sowie der im Vergleich zum Euro zurzeit starke Dollar. Einen weiteren Anteil haben Steuern und Abgaben. Aber: Wenn Sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort tanken und preisvergleichende Apps nutzen, können Sie Ihre Ausgaben für Kraftstoffe erheblich reduzieren.

Mann mit Maske tankt

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Preise für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel ziehen seit Mitte Dezember 2020 deutlich an.
  • In den Endpreisen enthalten ist die seit Anfang 2021 neu erhobene CO2-Steuer, die unter anderem Kraftstoffe und Heizöl verteuert.
  • Eine wichtige Ursache für den Preisanstieg ist zudem der Wiederanstieg der Weltmarktpreise für Rohöl.
  • Mit den richtigen Tricks können Sie beim Tanken viel Geld sparen.

Preise für Kraftstoffe schießen in die Höhe

Benzin Diesel Rekordpreise

Der Preis für Super-Benzin in Deutschland betrug Ende Oktober im Schnitt 1,71 Euro pro Liter. Dabei variieren die Preise von Region zu Region mitunter extrem. Kostete ein Liter in Bochum zum Beispiel 1,67 Euro, waren es in Trier ungefähr 1,80 Euro.

Diesel ist derzeit so teuer wie noch nie zuvor. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt lag der Preis bei 1,555 Euro pro Liter. Das alte Hoch betrug 1,554 Euro pro Liter und stammt vom 26. August 2012.

Zum Vergleich: Im Juli 2020 lag der durchschnittliche Dieselpreis laut ADAC bei 1,09 Euro. Das waren 30 Prozent weniger als derzeit. Wer im Jahr 15.000 Kilometer fährt und dafür 1000 Liter Diesel braucht, zahlt nun pro Jahr rund 460 Euro mehr als mit dem Preisniveau vom Juli 2020.

Geopolitische Einflüsse

Normalerweise lassen das nahende Wochenende, Feiertage, Schulferien oder auch Wintereinbrüche – also saisonale oder auch lokale Anlässe – in schöner Regelmäßigkeit die Preise an den Zapfsäulen klettern. Langfristig bedeutender für die Entwicklung der Kraftstoffpreise ist aber der immer wieder enorm schwankende Weltmarktpreis für Rohöl.

Wie viel Rohöl zu einem bestimmten Zeitpunkt gefördert und weltweit vermarktet wird, hängt insbesondere von politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen ab. Vor allem von der Organisation Ölexportierender Länder (OPEC) sowie anderer bedeutender Förderländer wie zum Beispiel Russland und den USA.

Aber neben Angebot und Nachfrage von Rohöl spielt die Wertentwicklung des US-Dollarkurses eine Rolle, in dem Rohöl gehandelt wird. Außerdem beeinflussen die weltweite Nachfrage nach Erdölprodukten, globale Konjunkturerwartungen, Raffineriekapazitäten und die Höhe der Lagebestände die Preisentwicklung.

Auch bewaffnete Konflikte und Naturereignisse wie Stürme können Auswirkungen an den Weltmärkten und somit auf den Rohölpreis haben. Und nicht zuletzt hat die Eigendynamik der Spekulation an den Rohstoffbörsen einen großen Einfluss auf die Preisbildung.

Preisanstieg bei Kraftstoffen – mehrere Faktoren ausschlaggebend

Für den derzeitigen Preisanstieg bei Kraftstoffen gibt es mehrere Gründe: Das Ende der vorübergehenden Absenkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent sorgt für drei Cent Aufschlag. Die zu Jahresbeginn 2021 neu eingeführte CO2-Abgabe für Sprit treibt den Preis allein für Super-Benzin um rund sieben Cent.

Auch die Konjunkturerholung nach Einbrüchen aufgrund der Corona-Pandemie und die damit einhergehende gestiegene Nachfrage nach Erdöl ist preistreibend. Ein höherer Erdölpreis macht sich in der Regel auch an den Zapfsäulen bemerkbar.

Teuerung betrifft vor allem die unteren Einkommensgruppen

Vor allem Menschen mit geringerem Einkommen leiden unter der aktuellen Teuerung. Ausgaben, zum Beispiel für Energie, Miete und Nahrungsmittel, machen bei weniger finanzkräftigen Haushalten einen größeren Anteil ihres Budgets aus als bei finanzstärkeren Haushalten.

Aber auch mittlere und höhere Einkommensgruppen spüren die höheren Energiepreise. Sie verbrauchen im Durchschnitt mehr fossile Energieprodukte wie Heizöl und Benzin, da sie vergleichsweise mehr Autos und größere Wohnungen leisten können.

Weitere Preisentwicklung ungewiss

Wie sich die Kraftstoff-Preise weiterentwickeln, ist schwer abzuschätzen. Klar festgelegt ist die Entwicklung der CO2-Abgabe. Bis zum Jahr 2025 soll der Preis pro Tonne CO2 auf 55 Euro steigen. Der Preisanstieg bei Rohölprodukten wird auch maßgeblich vom weiteren Vorgehen der großen Ölfördernationen abhängen.

Wie eine Art Versicherung gegen explodierende Rohölpreise im Weltmarkt fungiert seit einiger Zeit die nordamerikanische Rohölförderung. Steigen die Rohölpreise über 40 US-Dollar pro Barrel, lohnt die aufwendige Förderung aus Ölschieferlagerstätten. Expertinnen und Experten der DekaBank berichten über eine zuletzt wieder zunehmende amerikanische Produktion. Sie erinnere daran, dass die Schieferölfirmen ihre Produktionsmengen hochfahren, sobald profitable Preise locken.

Was wird alles aus Erdöl gewonnen?

Unraffiniertes Erdöl (Rohöl) ist eine äußerst energiereiche und komplexe Mischung von organischen Stoffen. Jedes Vorkommen hat dabei seine ganz eigene Qualität. Referenzgrößen am Markt sind die Sorten Brent und West Texas Intermediate (WTI). Aus einem US-Barrel (Fassinhalt circa 225 Liter) leichtes Rohöl der Sorte Brent gewinnt eine moderne Raffinerie über 50 Liter Ottokraftstoff, gut 40 Liter Diesel und knapp 25 Liter leichtes Heizöl. Hinzu kommen noch rund fünf Kilogramm Flüssiggas sowie andere Nebenprodukte wie etwa Bitumen, das unter anderem zu Asphalt verarbeitet wird.

Höhere Steuern auf Kraftstoffe und Heizöl

Die Höhe der Verbraucherpreise für Kraftstoffe an der Tankstelle und Heizöl beim Händler hängt aber nicht allein vom Marktgeschehen ab. Hauptverantwortlich für die Endpreise sind verschiedene staatliche Abgaben und Steuern.

In Deutschland entfallen aktuell etwa zwei Drittel des Spritpreises auf Steuern und andere staatliche Abgaben wie die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer), Mehrwertsteuer, CO2-Steuer und den sogenannten Deckungsbeitrag. Letzterer enthält die Kosten der Vorratshaltung für eine nationale Ölreserve für einen Sicherheitszeitraum von 90 Tagen sowie für die vorgeschriebene Beimischung von Biokraftstoffen zu Mineralölkraftstoffen.

Der Deckungsbeitrag wird von der Mineralölwirtschaft wie eine Steuer an die Endverbraucherinnen und -verbraucher weitergereicht. So schlägt er etwa bei Benzin mit fast 20 Prozent des Endpreises zu Buche.

Die Höhe der Energiesteuer unterscheidet sich nach den Kraftstoffarten. Die umweltverträglicheren Energieträger (z. B. Gaskraftstoffe) besteuert der Staat geringer als Benzin und Diesel.

Unterschiedliche Besteuerung von Erdölprodukten

Die Höhe der Energiesteuer unterscheidet sich nach den Kraftstoffarten. Die umweltverträglicheren Energieträger (z. B. Gaskraftstoffe) besteuert der Staat geringer als Benzin und Diesel.

Derzeit werden Kraftstoffe wie folgt besteuert:

  • Benzin: 65,45 Cent/Liter
  • Diesel: 47,04 Cent/Liter
  • Flüssiggas (Autogas):  rund 27 Cent/kg (entspricht rund 15 Cent/Liter)
  • Erdgas (CNG, LNG): rund 19 Cent/kg

Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Sie wird auf den Warenpreis und auf die neue Energiesteuer erhoben.

Tipps für den Benzinkauf

Tankstelle bei Nacht

Wer auf sein Auto angewiesen ist, um zur Arbeit zu kommen, muss derzeit tief in die Tasche greifen. Beobachten Sie daher die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen besonders genau. Sie schwanken im Tages- und Wochenverlauf stark und oft: An ein und derselben Tankstelle um die zwölf Cent pro Tag und Liter Sprit. Bei Tankstellen in Städten sind es im Schnitt sogar bis zu 22 Cent.

Einer Auswertung des ADAC zufolge gilt grundsätzlich: Abends zu tanken ist günstiger als morgens. Wer besonders billig tanken will, der sollte die Tankstelle zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr ansteuern.

Ab circa 6 Uhr morgens beginnt ein Preisanstieg, der um kurz nach 7 Uhr seinen Höhepunkt erreicht. Zwar sinkt der Preis anschließend wieder ab, doch weitere Preisspitzen gibt es gegen 10, 13 und 16 Uhr. Auch vor 18 und vor 20 Uhr und schließlich ab 22 Uhr ziehen die Preise an.

Clever tanken: Apps helfen

Eine Reihe von Apps hilft, die aktuellen Spritpreise an Tankstellen in Ihrer Nähe abzufragen. Auch das kann die Kosten erheblich senken. Wer die günstigste Tankstelle in der Nähe ansteuern möchte, kann sich auf der Internetseite des Bundeskartellamts informieren. Dort sind insgesamt 56 solcher Verbraucher-Anwendungen aufgelistet. Ihre Daten beziehen sie von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts.

Auch der ADAC bietet auf seiner Internetseite eine Suchfunktion für günstige Tankstellen. Die Tankstellensuche gibt es unter dem Namen „ADAC Spritpreise“ auch als App für IOS- und Android-Smartphones.

Lohnt der Tank-Tourismus?

Laut einer Erhebung des ADAC gibt es deutliche Preisunterschiede zwischen Raststätten und Autohöfen: Der Liter E10 ist auf Autohöfen abseits der Autobahn im Schnitt 26 Cent günstiger. Bei Diesel liegt die Differenz bei 25 Cent, in einzelnen Fällen beträgt sie sogar 39 Cent pro Liter Benzin und 34 Cent pro Liter Diesel.

Deutlich billiger ist Kraftstoff in Polen, Tschechien, Österreich und Luxemburg. Dennoch lohnt sich die Fahrt über die Grenze in der Regel nur für diejenigen, die ganz in der Nähe wohnen. Ansonsten schlagen die hohen Spritkosten für die Anfahrt, Zeitaufwand und Abnutzung des Kfz zu sehr zu Buche.

In die Niederlande sollte man übrigens nicht reisen, um günstiger zu tanken. Denn dort ist der Sprit noch teurer als in Deutschland.

(Stand 27.10.2021)


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