Chancen und Risiken der Crowd-Finanzierung

Darauf müssen Sie achten, wenn Sie Geld bei Mikroinvestoren einsammeln

Crowdfunding und -investing sind Alternativen zu klassischen Finanzierungsmethoden. Oder etwa nicht? Bislang gibt es mehr gescheiterte Projekte als erfolgreiche.


Seit einigen Jahren liest man immer wieder, dass Gründer und Kreative Hunderttausende Dollar für ihre Projekte von Unterstützern bekommen. Kaum bekannt ist jedoch, welchen Aufwand sie dafür betreiben. Erfahren Sie, welche Finanzierungsformen es für Unternehmen im Internet gibt und welche Vor- und Nachteile die Modelle bieten.

Was ist Crowdfunding?

Beim Crowdfunding (zu deutsch „Schwarmfinanzierung“) sammeln Sie Spenden für Ihr Projekt. Richtig gelesen: Spenden. Das bedeutet, dass Ihre Kunden von Ihrem Produkt so begeistert sein müssen, dass sie Ihnen freiwillig Geld geben. Wenn Sie beispielsweise in der Gastronomie tätig sind und meinen, dass Ihre Küche so gut ist, dass sie ein eigenes Kochbuch verdient hat, können Sie über eine Crowdfunding-Plattform Geld dafür sammeln.

Entwicklung des eingesammelten Kapitals durch Crowdfunding

Crowdfunding

Das Geld kommt allerdings nicht von allein: Sie brauchen eine kreativ gestaltete und professionell vermarktete Kampagne, um Erfolg zu haben. Dazu gehören auch Texte, Fotos und Videos, die was hermachen, um potenzielle Spender zu begeistern. Andernfalls droht Ihr Kochbuch in der Masse der Kampagnen unterzugehen.

Ein „Dankeschön“ für jeden Spender

Ganz ohne Gegenleistung funktioniert es bei crowd-finanzierten Projekten meistens nicht. Es ist üblich, seine Unterstützer, je nach Höhe der Spende, mit einem so genannten „Dankeschön“ zu entschädigen. Bei Ihrem Kochbuch können Sie ihnen beispielsweise ein kostenloses Exemplar zuschicken, sie zum Essen in Ihr Restaurant einladen oder ihnen einen exklusiven Kochkurs anbieten. Was Sie machen, bleibt Ihnen überlassen. Auf jeden Fall gilt: Ein attraktives „Dankeschön“ erhöht die Chance, dass Ihr Projekt Spenden bekommt.

Damit stellt sich schon die nächste Herausforderung: Welche Summe können Sie – realistisch geschätzt – über die Crowdfunding-Plattform einsammeln? Wie machen Sie Leute auf Ihre Kampagne aufmerksam? Und was wird es kosten, die Gegebleistung in Form eines „Dankeschöns“ abzuarbeiten? Viele Dinge sind zu klären, bevor Sie mit Ihrer Idee durchstarten können. Vor allem die Kampagne zu vermarkten und die Gegenleistungen zu erbringen, ist oft aufwändiger als gedacht.

Wichtig zu wissen: Per Crowdfunding sammeln Sie am besten Geld für konkrete Projekte. Es ist nicht dazu gedacht, komplette Geschäftsmodelle zu finanzieren, und ist deshalb keine geeignete Alternative für Investitions- oder Förderkredite. Übrigens: Wenn Sie Ihr Finanzierungsziel nicht zu hundert Prozent erfüllen, kommt die Finanzierung nicht zustande, und Sie gehen am Ende leer aus.

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Eine Sonderrolle nimmt betterplace.org ein. Es ist zwar ebenfalls eine Crowdfunding-Plattformen. Aber auf dem Portal spenden Nutzer für gemeinnützige Projekte und nicht für kommerzielle.

Was ist Crowdinvesting?

Beim Crowdinvesting verkaufen Sie Unternehmensanteile. Es ist eine alternative Finanzierungsform für Startups und für etablierte Unternehmen. Anstatt sich einen Großanleger ins Boot zu holen, beteiligen Sie mehrere Mikroinvestoren, ähnlich wie an der Börse.

Für Ihren Gastronomiebetrieb bedeutet das Folgendes: Genau wie beim Crowdfunding sollten Sie ein konkretes Vorhaben nennen, für das Sie Geld brauchen. Es sollte dazu beitragen, dass Sie Ihren Umsatz und Gewinn steigern – beispielsweise die Eröffnung eines zweiten Restaurants. Denn beim Crowdinvesting geht es den Unterstützern nicht um ein nettes „Dankeschön“, sondern um Rendite.

Damit sich die Mikroinvestoren ein Bild von Ihrem Vorhaben machen können, müssen Sie genau darüber informieren: Wie sieht das Geschäftsmodell aus? Wie viel Umsatz machen Sie? Welchen Zuverdienst erwarten Sie durch das zweite Restaurant? Welche Chancen und Risiken gibt es? Mit anderen Worten: Sie gewähren tiefe Einblicke in Ihre Strategie – auch gegenüber Ihren Wettbewerbern, denn alle Informationen stehen frei zugänglich im Internet.

Crowdinvesting in Immobilien

Eine spezielle Form des Crowdinvestings ist die Schwarmfinanzierung von Immobilien. Dabei bieten Sie den Mikroinvestoren kleine Anteile an Gebäuden an. So ersetzen Sie Eigenkapital durch Mezzanine-Kapital. Allerdings sollten Sie die Anteilseigner nur einen kleinen Teil des Bauvorhabens finanzieren lassen, da die Zinsen auf Crowdinvesting-Plattformen für Immobilien relativ hoch sind. Die Kampagne bedeutet auch einen großen Zusatzaufwand für Sie als Unternehmer.

Was ist Crowdlending?

Brauchen Sie einen neuen Induktionsherd für Ihr Restaurant, sind aber gerade nicht flüssig? Beim Crowdlending leihen Sie sich Geld von Privatpersonen. Ähnlich wie beim Crowdinvesting müssen Sie umfangreiche Angaben zu Ihrem Geschäft machen, die für jeden im Internet einsehbar sind. Daraus berechnen sich Ihr Rating auf der Crowdlending-Plattform, der Nominalzins, den Sie den Kleinanlegern zahlen müssen, und die fällige Gebühr. Wie auch bei den anderen Finanzierungsformen besteht die Gefahr, dass Sie Ihr Ziel nicht erreichen. Dann bekommen Sie gar kein Kapital ausgezahlt. Sicherer ist es, den Herd über einen Kredit zu finanzieren oder zu leasen.

 

Crowdfunding

„Da wird eine ganze Menge Lehrgeld bezahlt“

Der Experte für Gründung und Nachfolge beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) Markus Schulz spricht über die Finanzierungsmöglichkeiten für neue Projekte.

 

Wie schätzen Sie das Verhältnis von Aufwand und Nutzen einer Crowdfunding- bzw. Crowdinvesting-Kampagne ein?

Markus Schulz: Eine Crowdfunding-Kampagne braucht Zeit, Ideen und Aufmerksamkeit – Ressourcen, die für jeden Unternehmer ein knappes Gut darstellen. Die Gebühren scheinen im ersten Moment gering, doch wenn man genau nachrechnet, stellt man fest, dass die Finanzierungsform im Vergleich zum klassischen Kredit tendenziell sogar teurer ist. Menschen, die ihr Geld an ein Projekt geben, erwarten ganz selbstverständlich, dass sie transparent und regelmäßig über die Fortschritte informiert werden – und das sehr zeitnah. Dieser Aufwand und die Bedeutung von Kommunikation werden häufig unterschätzt. Aber die privaten Investoren wollen natürlich wissen, was mit ihrem Kapital geschieht. Außerdem muss man es als Gründer erst einmal schaffen, für eine Plattform ausgewählt zu werden. Die Plattformbetreiber schauen sich beim Crowdinvesting eine Vielzahl von potenziellen Projekten an, aber nur eine ganz kleine Anzahl kann am Ende Kapital über die Plattform einwerben. Da wird von vielen Bewerbern eine ganze Menge Lehrgeld bezahlt. 

Warum scheitern viele Kampagnen?

Schulz: Der Erfolg von Crowdfunding-Kampagnen hängt ganz entscheidend von den Unterstützern ab. Zu Beginn einer Kampagne sind es meist solche Investoren, die eine enge Beziehung zu dem Projekt haben. Das können Familienangehörige, Freunde oder Bekannte des Gründers sein. Denn erst ab einem ordentlichen Sockelbetrag wird ein Projekt auch für Dritte interessant. Warum? Nur wenn der angestrebte Finanzierungsbetrag auch erreicht wird, kommt die Finanzierung zustande und das Vorhaben wird umgesetzt. Man muss also sehr gezielt auf das Projekt aufmerksam machen. Darüber hinaus ist inzwischen eine Vielzahl von konkurrierenden Plattformen entstanden. Wer Geld auf diese Weise einsetzen möchte, hat also mittlerweile eine gewisse Auswahl.

Warum ist es für viele Unternehmen einfacher und sinnvoller, einen Kredit zu beantragen?

Schulz: In den meisten Fällen ist es schneller, günstiger und besser kalkulierbar, bei seiner Hausbank einen Kredit aufzunehmen. Denn um die angestrebte Finanzierungshöhe über die Crowd einzuwerben, müssen mindestens ein paar Tage oder Wochen eingeplant werden. Der Aufwand für die Information kann überraschend steigen. Die Zusage der Hausbank liegt meist schneller vor, und der Unternehmer hat dann Planungssicherheit, um mit seinem eigentlichen Projekt loszulegen.

Welchen Tipp würden Sie einem Mittelständler geben, der Investitionen über Fremdkapital finanzieren will?

Schulz: Er sollte seinen Finanzierungsantrag entsprechend vorbereiten. Bringt er alle notwendigen Unterlagen zum Gespräch mit seinem Sparkassenberater mit, kann die Finanzierungsentscheidung meist schnell getroffen werden. Zu diesen Unterlagen gehören Dokumente zu seinem Vorhaben, zur aktuellen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens sowie zu seiner Finanzplanung.