Was Sie zum Baukindergeld wissen müssen

Mit staatlichem Zuschuss ins Eigenheim

Das Baukindergeld soll Familien und Alleinerziehenden den Traum von einer eigenen Immobilie ermöglichen. Wir erklären, was die staatliche Förderung bringt und wer sie bekommt.

 

Das müssen Sie wissen

Der Einzug ins eigene Haus oder in die eigene Wohnung – ein Wunschtraum für viele Familien. Noch nie war die Nachfrage nach Immobilien so groß wie im Moment. Die Folge sind steigende Preise, die es für viele schwer machen, diesen Wunsch zu verwirklichen.

Um Abhilfe zu schaffen, hat die Bundesregierung das Baukindergeld auf den Weg gebracht. Seit Herbst 2018 können Familien und Alleinerziehende die Förderung fürs Eigenheim oder Wohneigentum beantragen.

Wer bekommt das Baukindergeld?

Das Baukindergeld ist ein staatlicher Zuschuss für Familien und Alleinerziehende, der nicht zurückgezahlt werden muss. Grundvoraussetzung für den Erhalt ist, dass Sie Wohneigentum kaufen oder bauen. Die Unterschrift des Kaufvertrags muss zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 datiert sein. Falls Sie bauen, müssen Sie in diesem Zeitraum die Baugenehmigung erhalten haben. Einen Antrag können Sie noch bis Ende 2023 stellen. Entscheidend ist dann, dass Sie ihn drei Monate nach Einzug in Ihre Immobilie einreichen.

Beim Verdienst gibt es eine Obergrenze: Die Förderungen erhalten nur Familien, deren Haushaltseinkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt. Diese liegt bei einer Familie mit einem Kind bei 90.000 Euro. Für jedes weitere Kind steigt die Grenze um jeweils 15.000 Euro.

Den Zuschuss gibt es nur, wenn die betreffende Immobilie aktuell Ihre einzige ist. Wer schon eine Immobilie besitzt, bekommt keine Förderung.

Wie hoch ist die Förderung?

Das Baukindergeld beträgt 1.200 Euro pro Kind und Jahr. Es wird über insgesamt zehn Jahre nach dem Kauf oder Bau der Immobilie ausgezahlt. Sie bekommen den Zuschuss einmal jährlich überwiesen.

So können Sie über den gesamten Förderzeitraum 12.000 Euro für jedes Kind erhalten. Bei zwei Kindern bekommen Sie 24.000 Euro, bei drei 36.000 Euro und so weiter.

Baukindergeld

Gibt es noch weitere Voraussetzungen für den Zuschuss?

Die Art und Größe der Immobilie spielt bei der Vergabe der Förderung keine Rolle. Ebenso wenig, ob Sie das Haus oder die Wohnung neu bauen oder eine bestehende kaufen. Allerdings darf der Kauf- oder Baupreis nicht niedriger sein als die Fördersumme.

Entscheidend ist, dass Sie selbst in der Immobilie wohnen und diese nicht verkaufen oder vermieten. Sie müssen während der gesamten zehn Jahre die eigenen vier Wände selbst nutzen.

Dass mindestens ein Kind beim Baukindergeld eine Grundvoraussetzung ist, versteht sich von selbst. Damit das Kind beim Antrag miteinbezogen werden kann, muss es schon auf der Welt sein. Schwangere sollten bei der Antragstellung deshalb warten, bis der Nachwuchs da ist. Kinder, die nach der Antragstellung geboren werden, werden beim Baukindergeld nicht berücksichtigt. Außerdem müssen die Kinder bei Antragstellung unter 18 Jahre alt sein und in Ihrem Haushalt leben.

Wo beantrage ich das Baukindergeld?

Den Antrag für das Baukindergeld stellen Sie über das Zuschussportal der KfW. Im Moment können Sie die Förderung nur online beantragen.

Welche Unterlagen brauche ich dafür?

Für einen erfolgreichen Antrag bei der KfW sollten Sie einige Unterlagen parat haben, damit Sie die wichtigen Informationen zur Immobilie und zu den Kindern belegen können.

  • Kauf- oder Bauunterlagen: Sie müssen nachweisen, dass Sie das Eigenheim erworben beziehungsweise gebaut haben. Das geht zum Beispiel über den Eintrag im Grundbuch.
  • Meldebescheinigung: Sie zeigen mit der Bestätigung des Einwohnermeldeamtes, dass Sie Ihren Erstwohnsitz in der Immobilie haben und diese selbst nutzen.
  • Einkommensteuernachweise: Sie benötigen die Nachweise der Kalenderjahre, die zwei beziehungsweise drei Jahre vor der Antragstellung liegen. Wenn Sie 2018 den Antrag stellen, brauchen Sie die Einkommensteuernachweise der Jahre 2016 und 2015.
  • Kindergeldbescheide: So weisen Sie nach, welche Kinder bei Ihnen wohnen.

Der Antrag muss spätestens drei Monate nach Einzug in die Immobilie bei der KfW vorliegen. Danach haben Sie noch drei Monate Zeit, die erforderlichen Unterlagen im Zuschussportal hochzuladen. Momentan hat die KfW allerdings noch technische Probleme. Voraussichtlich soll das Hochladen der Dokumente ab März 2019 möglich sein. Die Anträge selbst können aber bereits abgegeben werden.

Sonderfall Bayern

Eine zusätzliche Finanzspritze gibt es für Familien und Alleinerziehende im Freistaat Bayern. Zusätzlich zur Förderung des Bundes bekommen sie noch 300 Euro pro Monat – insgesamt macht das 1.500 Euro pro Kind und Jahr. Das sogenannte Baukindergeld Plus wird ebenfalls über zehn Jahre gezahlt.

Obendrein gibt es vom Land noch eine Eigenheimzulage. Diesen Zuschuss bekommen Immobilienbauer und -käufer einmalig, er beträgt 10.000 Euro.


Experteninterview zum Baukindergeld

Baukindergeld
Interview mit
Axel Guthmann
Leiter der LBS-Bundesgeschäftsstelle

Axel Guthmann leitet die Bundesgeschäftsstelle der LBS und ist ausgewiesener Fachmann in Sachen Baufinanzierung. Er sagt, was das Baukindergeld bringt, wer besonders profitiert und was er rät, wenn es um eine Baufinanzierung geht.

Herr Guthmann, das Baukindergeld soll mehr Familien und Alleinerziehende ins Eigenheim bringen. Glauben Sie, dass dieses Ziel durch die Maßnahme erreicht wird?

Selbstverständlich wird ein Eigenkapitalzuschuss von 1.200 pro Jahr und Kind Wirkung entfalten. Das derzeit vorhandene Potenzial an jungen Mietern mit Kindern, die aufgrund ihrer Einkommens- und Eigenkapitalsituation für einen Wohneigentumserwerb in Frage kommen, beträgt 181.000 Haushalte.

Mit dem Baukindergeld erhöht sich dieses Potenzial schon rein rechnerisch um 32 Prozent auf 239.000 Haushalte. Das zeigt eine Analyse, die wir zusammen mit dem Berliner Forschungs¬institut empirica vorgelegt haben. Tatsächlich dürfte das nur eine Untergrenze darstellen, denn vom Baukindergeld geht ein gewisser Mobilisierungseffekt aus. Viele Familien, die sich bisher noch keine Gedanken über Wohneigentum gemacht haben, bekommen durch das starke staatliche Signal pro Wohneigentum einen Impuls, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Und der ein oder andere bekommt Unterstützung von Eltern oder Großeltern, an die er bisher nicht gedacht hat und die auch nicht in Modellrechnungen zur aktuellen Eigenkapitalsituation enthalten sind.

Wirkt das Baukindergeld regional unterschiedlich? Wer profitiert am meisten?

Ja, die Effekte werden unterschiedlich sein. Gerade die ländlichen Regionen, in denen die Immobilienpreise niedrig sind, profitieren überdurchschnittlich vom Baukindergeld. Hier senkt schon ein kleiner Zuschuss den Eigenkapitalbedarf erheblich. In diesen Regionen beträgt das Zusatzpotenzial sogar über 50 Prozent.

Politisch ist das ein durchaus gewollter Vorteil, denn der Wohnungsmarkt in den Ballungszentren wird entlastet und gleichzeitig werden die ländlichen Räume gestärkt.

In Bayern, ein Bundesland mit einem vielerorts sehr hohen Preisniveau, stockt die bayerische Landesregierung übrigens das Baukindergeld um ein Bayerisches Baukindergeld Plus in Höhe von weiteren 300 Euro pro Kind und Jahr auf.

Neben regionalen Aspekten hat natürlich auch die Zahl der Kinder direkte Auswirkungen auf die Förderhöhe. Große Familien profitieren in einem besonderen Maß, denn der Förderbetrag des Baukindergeldes steigt mit der Kinderzahl entsprechend an.

Baukindergeld

Muss es noch zusätzliche Förderung geben, damit sich mehr Menschen den Traum von der eigenen Immobilie verwirklichen können?

Förderung, die ja die Nachfrageseite stützt, ist nur eine Seite der Medaille. Wichtig ist, dass zugleich die Angebotsseite verbessert wird. Das heißt konkret: Es muss zunächst gelingen, ausreichend Bauland bereitzustellen, damit mehr Wohnungsbau stattfinden kann. Allein nur auf Nachverdichtung und Nutzung schon vorhandener Flächen zu setzen, wird nicht ausreichen.

Es bedarf zusätzlich einer klugen Planung und eines entsprechenden Baurechtes, dass dann privates Wohneigentum in Form von Einfamilienhäusern, Reihenhäusern oder Eigentumswohnungen entstehen kann. Denn viel zu oft erleben wir derzeit, dass Selbstnutzer gar nicht zum Zuge kommen, weil Kapitalanleger lieber Mietwohnungen errichten wollen.

In den Großstädten gilt das ganz besonders. Doch auch hier ist die Politik gefordert, Angebote für Selbstnutzer zu schaffen.

 

Baukindergeld

Neben den hohen Immobilienpreisen: Was erschwert momentan besonders die Wohneigentumsbildung in Deutschland? Und wozu raten Sie den Menschen?

Unzureichendes Eigenkapital potenzieller Erwerber ist derzeit – neben der Baulandknappheit – das größte Hindernis. Während die Immobilienpreise und mit ihnen die Kaufnebenkosten kräftig gestiegen sind, ist das Eigenkapital nicht „mitgewachsen“.

Gleichzeitig ist es aufgrund der Niedrigzinssituation für die Menschen immer schwieriger geworden, das nötige Eigenkapital anzusparen. Deshalb ist es so wichtig, dass sich die Große Koalition vorgenommen hat, neben den bereits kurzfristig wirkenden investiven Maßnahmen wie dem Baukindergeld auch Maßnahmen zu ergreifen, die den Eigenkapitalaufbau stärken. Dazu gehört insbesondere die Verbesserung der Wohnungsbauprämie, die gerade für junge Menschen ein ganz wichtiger Anreiz ist, frühzeitig mit dem Sparen zu beginnen.

Sie spielen mit dem Gedanken, sich ein Eigenheim zu kaufen? Wir beraten Sie gern.

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