Checkliste für den Kauf eines Gebrauchtwagens

Die zehn wichtigsten Tipps für Interessenten, um böse Überraschungen zu vermeiden

Ein guter Gebrauchter ist zur beliebten Alternative zum Neuwagen mit langer Lieferzeit geworden: Mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland, die in den vergangenen Jahren ein Auto erwarben, entschieden sich für einen Gebrauchtwagen. Viele von ihnen kauften ihr Auto im Internet. Online ist die Auswahl deutlich größer und es gibt noch Schnäppchen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten sollten und wie Sie Ihren neuen Gebrauchten zum besten Preis erstehen.

Preise haben deutlich angezogen

Produktionsausfälle durch Corona, Erdbeben in Japan und Insolvenzen in der Zulieferindustrie: Zahlreiche Krisen haben in den vergangenen Jahren Lieferengpässe bei Neuwagen ausgelöst. Als Folge sind viele Menschen auf den Gebrauchtwagen ausgewichen. Auch das ist ein Grund, weswegen inzwischen Rekordpreise aufgerufen werden: Der vom Handelsportal Autoscout24 ermittelte Gebrauchtwagen-Preis-Index (AGPI) wies Anfang Februar 2022 einen Durchschnittspreis von 26.756 Euro auf. Das sind 634 Euro mehr als im Vormonat und sogar 4.759 Euro mehr als im Vorjahresmonat.

Umso wichtiger ist es, beim Kauf bedacht vorzugehen. Ist die Wahl einmal getroffen, gilt es, ein paar zentrale Dinge zu klären, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben. Unsere Checkliste mit zehn Punkten gibt Ihnen wertvolle Hilfestellungen – inklusive wichtiger Hinweise auf betrügerische Verkäuferinnen oder Verkäufer.

1. Der richtige Autotyp

Sollten Sie noch keine Vorstellung davon haben, welches Auto zu Ihnen passt, hilft ein Online-Fahrzeugberater. Diesen finden Sie im Internet, etwa bei den Gebrauchtwagenbörsen. Über Fragen nach der Anzahl der Sitze und Kofferraumgröße bis hin zu Preisvorstellungen schränkt das Beratungstool die Auswahl immer weiter ein – und liefert so einen passenden ersten Eindruck.

2. Diesel – noch immer ein Thema

Vom Vorzeige- zum Auslaufmodell: Aufgrund von Umweltschutzbestimmungen gelten Diesel-Fahrzeuge als nicht besonders zukunftsfähig. In einigen Städten gibt es sogar Fahrverbote für bestimmte ältere Arten von Dieselmotoren. Daher sind sie für den Privatgebrauch nur noch eingeschränkt zu empfehlen.

Aber: Wenn es dennoch unbedingt ein Diesel sein soll, dann verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung genau – und entscheiden ganz Ihrer persönlichen Situation entsprechend.

3. Inserate – darauf kommt es an

Achten Sie schon bei der Anzeige im Internet auf die Vollständigkeit der Angaben. Neben Kilometerstand und Anzahl der Fahrzeughalter sollte der Zustand eines Gebrauchtwagens ausführlich beschrieben sein. Etwa durch Fotos, die das Fahrzeug von allen Seiten zeigen – auch von innen.

Und: Achten Sie unbedingt darauf, dass Service- und Scheckheft die lückenlos durchgeführten Inspektionen und Wartungsarbeiten belegen. Tipp: Hauptuntersuchung (HU) und Abgasuntersuchung (AU) sollten möglichst aktuell sein. Das zeigt, dass der Verkäufer oder die Verkäuferin keine anstehenden Reparaturen gescheut hat.

4. Preis einschätzen

Ein Gefühl für den Wert eines interessanten Gebrauchtwagens erhalten Sie durch das Vergleichen ähnlicher Angebote: Als Grundlage dienen Gebrauchtwagenmärkte im Internet. Prüfen Sie auch Inserate in der Zeitung. Außerdem ist ein Besuch beim Händler um die Ecke hilfreich.

Zudem gibt es verschiedene Online-Fahrzeugbewertungen. Hierzu zählen die Schwacke-Liste (größte und unabhängige Datenbank), die Automobil Treuhand (DAT) sowie pkw.de. Tipp: Der Ratgeber des ADAC ist für Mitglieder kostenlos.

5. Betrüger entlarven

Überzeugen Sie sich auf jeden Fall persönlich vom guten Zustand des Wagens bei einer Besichtigung mit Checkliste – und einer Probefahrt. Leider sind nicht alle Verkäuferinnen oder Verkäufer ehrlich. Einige verstehen sich hervorragend auf das kosmetische Aufmöbeln von Gebrauchten. Zahlreiche Mängel sind dann auf den ersten Blick nur schwer auszumachen. So ein Gebrauchtwagenkauf kann teure Reparaturen nach sich ziehen. Falls Sie ein ungutes Gefühl haben, verzichten Sie auf den Kauf.

Die Polizei warnt vermehrt davor, dass seit einiger Zeit geklaute Autos zu Schnäppchenpreisen verkauft werden. Das böse Erwachen folgt bei der Zulassung. Lassen Sie sich also die Fahrzeugpapiere zeigen. Es gilt der Grundsatz: Geld gegen Fahrzeug und Papiere. Daher sollten Sie auf keinen Fall eine Anzahlung leisten, etwa für eine Überführung aus dem Ausland.

6. Vorsicht: „Den nehme ich!“ besiegelt den Autokauf

Benutzen Sie keinesfalls vorschnell Formulierungen, aus denen eindeutig die Annahme des inserierten Angebots hervorgeht. Weder telefonisch noch in einer E-Mail oder per WhatsApp. Denn: Liegen seitens der Verkäufer- und der Käuferseite übereinstimmende Willenserklärungen vor, so ist der Autokauf rechtsgültig.

7. Zustand einschätzen

Sie haben einen interessanten Gebrauchtwagen gefunden und einen Besichtigungstermin vereinbart. Jetzt gilt es,

  • das Auto von außen und innen zu prüfen,
  • die Papiere und die Wartungshistorie zu checken und
  • eine Probefahrt zu machen.

Falls Sie sich nicht mit Autos auskennen, nehmen Sie eine versierte Person mit. Zusätzlich können Sie sich mithilfe einer Checkliste gut vorbereiten.

8. Auf der sicheren Seite mit professionellem Check

Sie fühlen sich eher noch unsicher? Für etwa 40 bis 150 Euro können Sie ein Auto vor dem Kauf von einer unabhängigen Prüforganisationen wie dem ADAC oder der Dekra durchchecken lassen. Wichtig: Eine vom Verkäufer veranlasste Prüfung sollten Sie genau unter die Lupe nehmen. Das Siegel allein verrät nicht, was tatsächlich geprüft wurde.

9. Optimale Verhandlungsposition: Bares lacht

Erst runterhandeln, dann durch Bargeld überzeugen: Um den Preis drücken zu können, zählen Sie die Mängel auf, die Ihnen oder dem professionellen Prüfer beim Check und der Probefahrt aufgefallen sind. Weisen Sie außerdem auf anstehende Reparaturen hin.

Anschließend haben Sie mit Bargeld ein weiteres schlagkräftiges Argument für einen fairen Preis. Nicht nur beim Gebrauchtwagenkauf von privat. Bei Bargeldzahlung gewähren auch Händler oftmals hohe Preisnachlässe. Reicht Ihr Erspartes nicht aus, können Sie Ihren Bargeldbestand mit einem Autokredit Ihrer Sparkasse oder Bank erhöhen.

10. Autokredit: Sparkasse oder Hausbank vs. Händler

Autohändler bieten Ihren Kundinnen und Kunden in der Regel Finanzierungen oder Kredite an: Damit sparen sich diese den Gang zur Sparkasse oder Bank. Zudem sind die Zinsen meist niedrig – also ein überzeugendes Verkaufsargument. Doch Vorsicht: Mit einem Kredit vom Autohändler kommen Sie nicht in den Genuss der hohen Rabatte, die bei Barzahlung möglich sind. So kann der Kauf erheblich teurer ausfallen.

Tipp: Sprechen Sie schon vor der Fahrzeugsuche mit Ihrem vertrauten Berater oder Ihrer Beraterin bei Ihrer Sparkasse oder Bank. Planen Sie Ihren Autokredit gemeinsam. Denn er erweitert Ihren finanziellen Spielraum – und stärkt so Ihre Verhandlungsposition. Außerdem haben Sie damit die Möglichkeit, ein neueres Modell zu kaufen. Den höheren Preis rechtfertigen oftmals die niedrigeren Folgekosten: weniger Reparaturen und geringerer Spritverbrauch. Auch entscheidend: Neue Modelle sind umweltschonender.

So geht es weiter nach dem Autokauf

  • Abschluss der Kfz-Haftpflichtversicherung mit Erhalt einer elektronischen Versicherungsbestätigung (eVB)
  • Ummeldung bei der Zulassungsstelle mit eVB-Nummer, Kaufvertrag, Personalausweis, Führerschein, Fahrzeugschein, TÜV-Bescheinigung, aktueller Kilometerstand und Kennzeichen, Lastschrifteinzugsgenehmigung für die KFZ-Steuer
  • Abschluss einer Teil- oder Vollkaskoversicherung

Die vier wichtigsten Fragen und Antworten

Um ein besseres Gefühl für den Zustand des Wagens zu bekommen, der Sie interessiert, helfen die Auskünfte zu den folgenden Fragen:

  • Ist der Wagen unfallfrei?
  • Welche Mängel hat er?
  • Welche Reparaturen wurden bislang vorgenommen?
  • Ist eine Probefahrt möglich?
  • Wann war das Baujahr des Fahrzeugs?
  • Wie viel Kilometer hat das Auto drauf?
  • Ist ein Steinschlag vorhanden?
  • Handelt es sich um einen Nichtraucherwagen?
  • Wie ist es um das Profil der Reifen bestellt?
  • Hat das Fahrzeug Sommer- beziehungsweise Winterreifen?
  • Sind aktuelle TÜV-Papiere vorhanden?
  • Funktioniert die elektronische Ausstattung einwandfrei?

Der Autokauf im Internet wird zwar immer beliebter, trotzdem gehen viele Menschen lieber zum Händler in ihrer Nähe: Er ist jederzeit erreichbar und ansprechbar, Besichtigungen und Probefahrten sind meist direkt möglich. Andere Interessenten scheuen den Gang zum Händler, weil die Preise in der Regel etwas höher sind. Dafür müssen Händler eine Sachmängelhaftung anbieten: Bei Neuwagen beträgt diese zwei Jahre, während sie bei Gebrauchtwagen im Kaufvertrag auf ein Jahr verkürzt werden kann. In dieser Zeit müssen Mängel, die vor der Übergabe bestanden, vom Händler ausgebessert werden. Manche Händler versuchen trotz der gesetzlichen Pflicht, die Haftung im Kaufvertrag auszuschließen. Dies ist jedoch nicht rechtens. Sollte Ihnen eine solche Formulierung im Kaufvertrag auffallen, sollten Sie dies sofort thematisieren.

Gefällt Ihnen ein Fahrzeug, sollten Sie es (sofern es zugelassen und versichert ist) auf jeden Fall Probe fahren, um mögliche Schwachstellen zu entdecken. Dafür bietet es sich an, den Wagen sowohl im Stadtverkehr als auch auf Landstraße und Autobahn zu testen. Versucht die Verkäuferin oder der Verkäufer, bestimmte Strecken zu meiden oder die Nutzung von Teilen der elektronischen Ausstattung im Auto zu verhindern, sollten Sie darauf bestehen, den Grund dafür zu erfahren.

Sind Sie sich nach der Fahrt unsicher, ob das Fahrzeug in einem einwandfreien Zustand ist, empfiehlt sich ein Gebrauchtwagencheck bei einem Automobilclub oder bei einer Prüforganisation. Ein solcher Test kostet circa 150 Euro. Er kann Ihnen viele spätere Kosten ersparen, wenn sich dabei herausstellt, dass der Wagen diverse Mängel hat.

Der Kilometerstand ist nur einer von mehreren Faktoren, die den Wert eines Fahrzeugs ausmachen. Ebenso wichtig ist, wie damit während dieser gefahrenen Kilometer umgegangen wurde und ob es regelmäßig gewartet wurde. Der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein (Dekra) bringt es klar auf den Punkt: Der Verschleiß durch Gebrauch (und damit die Kilometerleistung) ist wesentlich höher einzuschätzen als die Wertminderung durch das Alter. Denn viele schwere Mängel und Abnutzungserscheinungen entstehen vor allem durch das Fahren, nicht durch das Alter eines Autos.


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