Wann die niedrigen Strom- und Gaspreise bei den Kunden ankommen

Unternehmen kaufen schon wieder deutlich günstiger ein

Die Gaspreisbremse soll die Bürgerinnen und Bürger vor zu hohen Kosten schützen. Doch vielleicht ist das gar nicht mehr nötig. Die Energiepreise sind bereits stark gefallen. Warum das so ist und wann Sie davon profitieren.

Frau küsst Mann vor einer Heizung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Gas- und Strompreise sind deutlich gefallen.
  • Sie liegen aber je nach Lieferdatum noch über dem Niveau der Vorjahre.
  • Energiesparen lohnt sich auch, weil die geringere Nachfrage die Preise insgesamt drückt.

Ist Reden das neue Handeln? Die Bundesregierung hatte Ende September 2022 angekündigt, dass es eine Gas- und Strompreisbremse geben wird. Seit Kurzem gibt es nun auch einen konkreten Beschluss, aber tatsächlich umgesetzt ist noch wenig. Außer, dass drei Atomkraftwerke etwas länger am Netz bleiben dürfen. Aber vor Jahresende wären sie ohnehin nicht abgeschaltet worden.

Und doch passiert beinahe Zauberhaftes: Die Energiepreise fallen. Sowohl Strom als auch Gas haben sich deutlich verbilligt. Lag der Höhepunkt beim Strompreis bei 70 Cent/kWh Ende August 2022, so ist er Anfang November 2022 bei unter 7 Cent/kWh.

Ähnlich verhält es sich beim Gaspreis. Zeitweilig war der in den letzten Tagen sogar negativ.

Mehr als günstiges Wetter

Wie ist das möglich? Zunächst ein Blick auf die Ursachen: Das Wetter ist auf unserer Seite. Mit mehr Regen stiegen die Flusspegel und erleichterten den Transport von Kohle per Schiff. Zudem war der Oktober gut 3 Grad Celsius wärmer als das langjährige Mittel. Auch gab es vielerorts mehr wärmende Sonnenstunden. Dadurch musste weniger geheizt werden.

Doch selbst, wenn dieser Effekt herausgerechnet wird, liegt der Energieverbrauch noch unter den Vorjahreswerten. Laut Bundesnetzagentur haben die privaten Haushalts- und Gewerbekunden im September 2022 schon 10 Prozent weniger Gas verbraucht als im Vorjahr, obwohl der Monat kühler war als 2021. Mitte Oktober 2022 wurde mit dem milden Wetter sogar nur halb so viel verbraucht wie im Vorjahr. Die Bürgerinnen und Bürger sind offenbar achtsam.

Industrie spart 30 Prozent ein

Auch die Wirtschaft hat einen erheblichen Teil zum geringeren Gasverbrauch beigetragen. Gegenüber den Jahren 2018 bis 2021 sparte die Industrie im September 2022 etwa 30 Prozent ein. Das liegt zum Teil an Produktionsrückgängen, gerade bei Chemieunternehmen.

Das Schöne dabei ist: Wer allein Energie spart, spart direkt Geld über den geringeren Verbrauch. Wenn wir alle zusammensparen, sinkt auch noch der Preis. Und das wurde sogar europaweit gemacht.

Je niedriger dabei der Gaspreis, desto günstiger auch der Strom. Gas wird über Gaskraftwerke auch zur Stromerzeugung genutzt und ist meist teurer als die Alternativen. Wie hoch der Strompreis ist, hängt aber aus marktwirtschaftlichen Gründen immer von der teuersten Erzeugungsform ab, die gerade noch benötigt wird, um den Bedarf zu decken. Das nennt sich Merit-Order-Prinzip.

Energie aus Russland teilweise ersetzt

Russland war bis zum Kriegsbeginn in der Ukraine ein wichtiger Energielieferant für Deutschland. 2020 stammten 49 Prozent aller deutschen Gasimporte aus Russland. Dabei wurden 2021 50 Prozent der Wohnungen mit Gas beheizt, weitere 25 Prozent mit Heizöl und 14 Prozent mit Fernwärme, die wiederum teilweise aus Gas stammt. An der Stromerzeugung hatte Gas einen Anteil von 13 Prozent (2018).

Im Laufe des Jahres mussten die Importe von Erdgas und Erdöl jedoch immer weiter ersetzt oder eingespart werden. Obgleich die Energiepreise bereits vor dem Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 deutlich gestiegen waren, verschärfte dies die Lage enorm.

Relativ volle Gasspeicher bis ins Frühjahr

Doch durch die Verfeuerung von mehr Kohle, den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie den zusätzlichen Import von Gas aus anderen Ländern (vor allem Norwegen) konnte dieses Problem ein Stück weit aufgefangen werden, sodass die Gasspeicher Anfang November zu 99 Prozent gefüllt sind. Die Bundesnetzagentur schätzt in ihren Berechnungen von Mitte Oktober 2022, dass im Frühjahr 2023 unter normalen Witterungsbedingungen noch etwa die Hälfte des gespeicherten Gases übrig sein wird.

Voraussetzung dafür ist, dass keine weiteren Lieferungen ausfallen, die geplanten LNG-Terminals Anfang des Jahres in Betrieb gehen und 20 Prozent Energie eingespart wird. Somit haben auch politische Entscheidungen geholfen, die Energiepreise wieder zu senken.

Auch zuhause bald günstiger heizen?

Und wann kommen die derzeit sehr niedrigen Energiepreise bei den Bürgerinnen und Bürgern an? Das dauert noch ein wenig und geschieht auch nur, wenn die Entwicklung günstig bleibt. Dafür waren andererseits auch die hohen Preise nicht sofort bei den privaten Haushalten angekommen – zumindest nicht in vollem Umfang.

Die oben genannten niedrigen Strompreise und teils auch negativen Gaspreise haben nur Relevanz für einen sehr begrenzten Zeitpunkt und Markt. Strom und Gas wird aber – wie viele Rohstoffe – an Terminmärkten gehandelt. So gibt es jetzt schon Preise für die Gaslieferung in einem Monat und auch in einem halben Jahr und später. Diese Preise sind deutlich höher als die Spotpreise für die Sofortabnahme, sind aber in den letzten Wochen ebenfalls gesunken:

So teuer war Strom an der Strombörse EEX für Dezember 2022 zu unterschiedlichen Zeitpunkten (Base, German Power Futures Dec/22)

Datum Abrechnungspreis

21. September 2022

56,26 Cent/kWh

28. September 2022

53,80 Cent/kWh

05. Oktober 2022

41,35 Cent/kWh

12. Oktober 2022

38,50 Cent/kWh

19. Oktober 2022

32,16 Cent/kWh

26. Oktober 2022

31,10 Cent/kWh

02. November 2022

29,69 Cent/kWh

Quelle: European Energy Exchange

  • Strom, der im Dezember 2022 „geliefert“ wird, hat sich in den vergangenen Wochen verbilligt. Versorger, die ihn Ende September gekauft haben, mussten etwa 56 Cent/kWh zahlen. Am 2. November kostete die Dezember-Lieferung nur noch 29,7 Cent/kWh.
  • Februar-Strom ist teurer. Anfang November 2022 wird dieser zu 43 Cent/kWh gehandelt. Mai-Strom kostet zum gleichen Zeitpunkt hingegen nur 29 Cent/kWh.
  • Für alle Terminkontrakte lässt sich in etwa eine Halbierung der Preise zwischen September und November beobachten.

Stand Anfang November verlangen Stromanbieter aufgrund der starken Schwankungen von Neukunden, die eine Preisgarantie wollen, etwa 49 Cent/kWh. In der Grundversorgung, wo die Preise schneller angepasst werden, kann es aktuell günstiger sein – in Zukunft bei steigenden Marktpreisen aber womöglich dafür teurer.

Die Gaspreisbremse bleibt sinnvoll

Benötigen wir die Strom- und Gaspreisbremse noch? Eine Prognose zur Strompreisentwicklung und zum Gasmarkt kann nur auf Basis der aktuellen Informationen erfolgen und ist entsprechend schwierig. Die Bundesregierung will sicherstellen, dass die Menschen und die Unternehmen durch die hohen Energiepreise nicht zu stark belastet werden.

Hohe Energiekosten bremsen den Konsum und haben negative Effekte für die wirtschaftliche Entwicklung. Sie sind zudem ein wesentlicher Faktor für die hohe Inflation insgesamt. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell die Preise steigen können, aber auch wie effektiv Energiesparen ist.

Wer profitiert von der Strompreisbremse wie stark?

 

Private Haushalte

Industrie

2015

28,70 Cent/kWh

15,23 Cent/kWh

2020

31,81 Cent/kWh

17,76 Cent/kWh

Juli 2022

37,30 Cent/kWh

40,05 Cent/kWh

Deckel ab Jan. 2023

40 Cent/kWh*

13 Cent/kWh**

Ersparnis

-

27,05 Cent/kWh**

Quelle: BDEW

* für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs

** für 70 Prozent des historischen Verbrauchs

Der Strompreis besteht aus Kosten für Beschaffung und Vertrieb, Netzentgelt, Mehrwertsteuer (nicht für Industrie), Konzessionsabgabe, EEG-Umlage (entfällt seit 1.7.2022), KWK-Aufschlag, §19 StromNEV-Umlage, Offshore-Netzumlage, Umlage f. abschaltbare Lasten und Stromsteuer.

Wer profitiert von der Gaspreisbremse wie stark?

 

Private Haushalte

Industrie

2015

6,26 Cent/kWh

 

2020

5,97 Cent/kWh

 

Aug. 2022

15,29 Cent/kWh

 

Deckel ab 2023

12 Cent/kWh*

7 Cent/kWh**

Ersparnis

3,29 Cent/kWh

 

Quelle: BDEW

* ab März, evtl. Februar 2023 für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs

** für 70 Prozent des historischen Verbrauchs

Der Gaspreis besteht aus Kosten für Beschaffung und Vertrieb, Netzentgelt, Mehrwertsteuer (nicht für Industrie), Konzessionsabgabe, Erdgassteuer und CO2-Preis.

Die Preisobergrenze schafft Anreize, Energie zu sparen

Nach wie vor muss die frühere Menge Gas aus Russland ersetzt oder eingespart werden. Daher plant die Bundesregierung eine Preisobergrenze nur für einen bestimmten Verbrauch. Wer zu viel verbraucht, bezahlt dann je nach Marktlage mitunter gleich deutlich mehr, was den Sparanreiz erhöht. Sollten die Strom- und Gaspreise dauerhaft niedrig bleiben, kostet die Maßnahme den Staat entsprechend wenig. Sie verschafft aber Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie den Unternehmen mehr Planungssicherheit.

Die Details zur Gas- und Strompreisbremse haben wir hier für Sie zusammengefasst.

(Stand: 07.11.2022)


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