Weniger Mehrwertsteuer: So viel sparen Sie in sechs Monaten

Wie viel mehr Geld im kommenden halben Jahr für Sie drin ist

Lebensmittel, Kleidung, Energie, Reisen oder Restaurants: Durch die temporär abgesenkte Mehrwertsteuer bekommen wir jetzt mehr für unser Geld. Wo lohnen sich Schnäppchen besonders? Und wie hoch ist das gesamte Sparpotenzial in sechs Monaten? Wir haben nachgerechnet. 

Ein Mann schiebt seine Freundin im Einkaufswagen

Am 1. Juli 2020 trat in Deutschland ein neuer, zeitlich beschränkter Mehrwertsteuersatz in Kraft. Er wurde von 19 auf 16 Prozent, beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent gesenkt. Diese Maßnahme ist Teil des Corona-Konjunkturpakets der Bundesregierung und soll dafür sorgen, den Konsum und die Binnennachfrage wiederzubeleben.

Neben der deutschen Wirtschaft profitieren natürlich auch die Konsumenten von der Senkung der Mehrwertsteuer. Und so sieht das konkret aus, wenn jeder Händler und Dienstleister die Mehrwertsteuer zu 100 Prozent an Sie weitergibt:

1. Sparen beim Wocheneinkauf

Einer der größten wiederkehrenden Kostenpunkte eines Haushalts ist der wöchentliche Lebensmitteleinkauf. Wer hier denkt, drei Prozent Nachlass auf den 79-Cent-Joguhrt lohnen sich nicht, der denkt zu klein. Denn tatsächlich geben deutsche Haushalte laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 13 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Für einen Zweipersonenhaushalt sind es rund 403 Euro im Monat, bei einer Familie von vier Personen bereits 584 Euro.

Wenn man davon ausgeht, dass diese Beträge bislang mit sieben Prozent Mehrwertsteuer belegt wurden, jetzt aber nur noch mit fünf Prozent, dann ergeben sich durch die Steuersenkung Einsparpotentiale von rund 7,50 Euro beziehungsweise 11 Euro im Monat.

Ersparnis in sechs Monaten: Über ein halbes Jahr spart der Zweipersonenhaushalt also beim Lebensmittelkauf 45 Euro und die vierköpfige Familie sogar rund 66 Euro.

2. Sparen beim Kaufen von Kleidung

Neue Saison, neue Farben, neue Trends. Kleider und Schuhe zu shoppen, ist für viele bei Weitem mehr als das Abdecken einer Notwendigkeit. Es ist Spaß. Anders als bei Lebensmitteln greift hier der „normale“ Steuersatz von 19 Prozent. Für die kommenden sechs Monate werden hier nur noch 16 Prozent berechnet.  

Bleiben wir bei den eben aufgeführten Beispielhaushalten. Ein durchschnittlicher Zweipersonenhaushalt gibt monatlich rund 132 Euro für Kleider und Schuhe aus. Bei der Familie mit vier Personen sind es entsprechend mehr: Hier belaufen sich die Ausgaben auf 222 Euro.

Ersparnis in sechs Monaten: Kaufen beide Haushalte sechs Monate lang zu diesen Preisen ein, sparen sie über die zweite Jahreshälfte 2020 knapp 20 beziehungsweise 33 Euro ein. 

3. Sparen bei der Energie

Man möchte es kaum glauben, aber die Tage werden schon wieder kürzer. Auch wenn es gerade erst so richtig Sommer geworden ist: Die dunklen Tage kommen wieder, und das heißt auch, dass der Stromverbrauch durch zum Beispiel Licht oder Fernseher wieder höher wird.

Im Schnitt nutzen zwei Personen (ohne Warmwasseraufbereitung) 2.400 kWh Strom im Jahr, also 1.200 kWh in sechs Monaten. Im gleichen Zeitraum verbrauchen vier Personen 2.000 kWh. Bei einem angenommenen Preis von 25 Cent pro kWh sind das für zwei Personen 300 Euro in sechs Monaten und 500 Euro für den Vierpersonenhaushalt.

Ersparnis in sechs Monaten: Bei einem gleichbleibenden Strompreis und Verbrauch können zwei Personen durch die Mehrwertsteuersenkung bis Ende 2020 ungefähr 45 Euro sparen. Vier Personen geben sogar 75 Euro weniger aus. Hinzu kommen auch die Einsparmöglichkeiten beispielsweise bei Wasser und Gas beziehungsweise Öl.

Tipp: Teilen Sie Ihren Versorgern zeitnah Ihre Zählerstände mit, zum Beispiel per Foto des Zählerstandes. So können diese Ihren Verbrauch zwischen Juli und Dezember ganz genau errechnen und auf den Verbrauch im zweiten Halbjahr die reduzierte Mehrwertsteuer berechnen.

4. Sparen bei Kino, Kunst und Kultur

Nach Wochen auf dem Sofa sehnen wir uns alle danach, endlich wieder etwas zu unternehmen. Eine Ausstellung in der örtlichen Galerie, den neuen Action-Kracher aus Hollywood oder gepflegt ins Theater: Völlig egal, Hauptsache ein bisschen Abwechslung. Ganze 359 Euro geben Zweipersonenhaushalte normalerweise durchschnittlich pro Monat für Freizeit und Kultur aus. Kleinfamilien mit zwei Kindern sind mit 460 Euro am Start.

Da nicht alle Freizeitaktivitäten dem reduzierten Mehrwertsteuersatz unterliegen, nehmen wir der Einfachheit halber an, die Hälfte aller Ausgaben sei bisher mit 19 Prozent und die andere Hälfte mit sieben Prozent besteuert worden.

Ersparnis in sechs Monaten: Für zwei Personen ergibt sich eine Ersparnis von fast acht Euro im Monat und somit 48 Euro im weiteren Verlauf des Jahres 2020. Beim vierköpfigen Haushalt sind es zehn Euro im Monat und damit 60 Euro bis zum Ende des Jahres.

5. Sparen bei Reisen und Speisen

Wir haben uns mittlerweile damit abgefunden: In diesem Jahr wird es leider nichts mehr mit Thailand. Und auch der Anden-Trek muss warten. Das wird uns jedoch trotzdem nicht davon abhalten, in der zweiten Jahreshälfte einen schönen Urlaub zu genießen. Essen gehen ist sowieso wieder erlaubt.

Für gewöhnlich geben Zweipersonenhaushalte monatlich rund 205 Euro für Restaurantbesuche und Hotelübernachtungen aus. Bei vier Personen sind es sogar 257 Euro.

Ersparnis in sechs Monaten: Bei der Berechnung der Sparmöglichkeiten müssen wir einen kleinen Trick anwenden: Hotelübernachtungen im Inland wurden bisher mit sieben Prozent und Besuche in Restaurants mit 19 Prozent versteuert. Wegen der besonderen Corona-Zeiten hat die Bundesregierung den Gastronomen nun eine Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sogar sieben Prozent gewährt. Für Hotelübernachtungen zahlen Sie in den nächsten Monaten fünf statt sieben Prozent. 

Um eine konkrete Ersparnis zu berechnen, gehen wir einfach davon aus, dass die Ausgaben in dieser Kategorie je zu 50 Prozent in die Gastronomie und zu 50 Pozent in die Hotellerie fließen. Die Einsparpotentiale sind hier für Zweipersonenhaushalte mit rund 12 Euro und für die Familie mit knapp 15 Euro beachtlich. Und über sechs Monate kommen insgesamt 72 Euro beziehungswiese 90 Euro zusammen.

So viel Sparpotenzial steckt in sechs Monaten

Logisch, am meisten sparen wir natürlich, wenn wir einfach kein Geld ausgeben. Die Beträge, mit denen wir gerechnet haben, sind jedoch die Beträge, die wir im Durchschnitt ohnehin ausgeben – weil wir essen und trinken müssen, eine kaputte Hose ersetzen oder mal mit der S-Bahn fahren. Aufgrund der Mehrwertsteuersenkung können wir nun bei all diesen alltäglichen Dingen richtig sparen. So viel ist es ingsesamt:

  2-Personenhaushalt 4-Personenhaushalt
Wocheneinkauf 45 Euro 66 Euro
Kleidung 20 Euro 33 Euro
Energie 45 Euro 75 Euro

Kino, Kunst und Kultur

48 Euro 60 Euro
Reisen und Speisen 72 Euro 90 Euro
Gesamt 230 Euro 324 Euro


Ein Zweipersonenhaushalt spart im Schnitt bis Ende des Jahres also 230 Euro ein. Von wegen „ein paar Cent für den Joghurt“. Bei der vierköpfigen Familie sind es sogar rund 324 Euro Ersparnis. Und die können sie sicher für dringende Anschaffungen oder tolle, gemeinsame Erlebnisse gebrauchen.

Mehrwertsteuersenkung – was lohnt sich noch?

Die Mehrwertsteuer ist eine Steuer, die für jedes Produkt, jede Reise und jede Dienstleistung gilt. Es liegt auf der Hand, dass teure Dinge mit höheren Steuern belegt sind als günstige Produkte. Gerade wenn Sie nun ein Auto kaufen oder eine größere Reparatur am Haus umsetzen möchten, kann sich die Senkung der Mehrwertsteuer richtig lohnen:

Auto

Nehmen wir an, Sie interessieren sich für einen Neuwagen im Mittelklassesegment. Dieser kostete von der Steuersenkung 30.000 Euro. Jetzt, mit reduziertem Steuersatz, werden daraus 29.243 Euro. Also über 750 Euro weniger. Aber Vorsicht: Die volle Ersparnis kommt Ihnen nur zugute, wenn Sie den Wagen bis Ende des Jahres voll bezahlen. Raten ab 2021 werden voraussichtlich wieder mit 19 Prozent besteuert.

Haus

Die Reparatur am Haus: Eine neue Haustür ist nicht günstig. Nutzen wir für unsere Beispielrechnung ein Modell, das vor der Mehrwertsteuersenkung 1.000 Euro gekostet hat (bei 19 Prozent Mehrwertsteuer). Diese kostet nun bis Ende des Jahres knapp 25 Euro weniger. Vor allem Häuslebauer, die innerhalb der kommenden sechs Monaten ihr Eigenheim fertigstellen, können sich freuen: Bei der Abschlussrechnung werden nur 16 Prozent fällig. Das kann sich zu einer ordentlichen Ersparnis aufaddieren.


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