Gratis-Konten in anderen Ländern?

Kontoführung kostet – hüben wie drüben

Kostenlose Konten-Angebote werden derzeit bei nahezu allen Banken in Deutschland abgeschafft. Damit wird das Konto nun zu dem, was es ist: Eine Dienstleistung mit verschiedenen Services, die ihren Preis haben. Dass ein Konto etwas kostet, ist in anderen Ländern schon lange eine Selbstverständlichkeit.

Wie kann es sein, dass einige Anbieter in Deutschland  immer noch kostenlose Girokonten im Angebot haben? Das Ziel, das hinter den Kostenlos-Konten steckt, ist leicht erkennbar: Diese Anbieter tun dies,  um Zutritt zum Markt zu bekommen und Kunden zu gewinnen. Billig ist das  für diese Banken nicht. Denn jeder neue Kunde, der ein Konto eröffnet, erhält eine Dienstleistung, die irgendwie finanziert werden muss.

Im internationalen Vergleich zeigt sich: Kunden zahlen für ihr  Girokonto – und das ganz selbstverständlich.  Oft muss der Einzelne dabei weit tiefer in die Tasche greifen, als das in Deutschland nötig ist. Die zuverlässige Versorgung mit Girokonten und dem dazu gehörenden Service aus Bargeldabhebungen am Automaten, unterschiedlichen Karten, Kontoauszügen etc. ist nirgendwo zum Nulltarif zu haben.

Italien

Die Wiege des Bankwesens

Die Bezeichnung „Bank“ stammt aus Italien. Schon im 11. Jahrhundert fanden dort Bankgeschäfte, vor allem Geldwechsel, auf offener Straße statt – im Sitzen auf Bänken. Heute befindet sich das italienische Finanzwesen in einer Krise. Geldhäuser haben aufgrund von faulen Krediten hohe Schulden. Um sie zu unterstützen, haben viele Privatpersonen Anleihen gekauft und fürchten nun um ihr Geld. Finanzdienstleistungen sind in Italien deutlich teurer als in Deutschland: Zusätzlich zu durchschnittlich 12 Euro Gebühren für die Kontoführung und 34 Euro Kontosteuer pro Jahr zahlen die Kunden einen Euro pro Überweisung und 2 bis 4 Euro bei jeder Geldabhebung – bei der eigenen Bank.

Großbritannien

Früher gratis – heute drastische Gebühren

Bis in die 1990er Jahre war es in Großbritannien nicht üblich, dass Kunden für ihr Konto zahlen mussten. Seitdem ist viel geschehen: Heute zahlen Bankkunden im Schnitt 12 Euro pro Jahr. Konten, die mehr leisten als die Basisfunktionen, sind teurer. Besonders kostspielig wird ein Konto in Großbritannien, wenn es überzogen wird. Auch wenn es sich nur um wenige Pence handelt: Für jeden Tag, an dem ein Kunde sein persönliches Limit überzieht, werden bis zu 34 Euro fällig. Ein geplatzter Scheck schlägt sogar mit 58 Euro zu Buche.

Schweden

Bargeldlos aber nicht kostenlos

Schweden ist einer der weltweiten Vorreiter, wenn es um das bargeldlose Bezahlen geht: Vier von fünf Zahlungen werden mittlerweile mit Kreditkarte gemacht. Selbst für das Busticket, das Kaugummi an der Tankstelle oder die Kollekte in der Kirche ist Bares nicht mehr gerne gesehen. Seit 2010 reichen die Banken immer seltener Scheine und Münzen aus. Auch Bankautomaten gibt es nur noch wenige. Bei den Gebühren sind Schwedens Banken aber eher traditionell: Sie bitten ihre Kunden pro Transaktion zur Kasse. Hinzu kommen Gebühren für die Nutzung von Online Banking und anderen Leistungen. So zahlen die Schweden unterm Strich pro Jahr durchschnittlich 672 Euro an ihre Bank.

Spanien

Gebühren olé

Das spanische Finanzsystem ist ähnlich strukturiert wie in Deutschland. Auch dort gibt es Privatbanken und Sparkassen (Cajas de Ahorro). Einige Institute bieten kostenlose Girokonten an. Aber die meisten Filialbanken erheben neben den Gebühren für das Konto (teilweise 60 Euro pro Jahr) Kommissionen für ihre Dienstleistungen. Gerade Überweisungen können teuer werden. Denn viele Institute verlangen von der Überweisungshöhe abhängige Gebühren: im Inland in der Regel 0,25 Prozent je Überweisung. Auch für Kredit- und Debitkarten werden Gebühren fällig. Geldabheben am Automaten ist ähnlich wie in Deutschland innerhalb des Netzes einer Bank für den Kunden in der Regel kostenlos. Sonst werden auch dort Abhebungskosten fällig. Anders als in Deutschland räumen die Kreditinstitute aber meist keine Überziehungskredite ein und berechnen hohe Mahngebühren, wenn das Konto nicht gedeckt ist. Oder sie weisen Abbuchungen zurück, was zu Problemen mit den Anbietern (Telefon, Strom, Wasser, etc.) führen kann.

Australien

Teure Dienstleistungen rund um die Kontoführung

Die großen australischen Banken erheben monatlich vier bis sechs australische Dollar (zwischen drei und vier Euro) für die Kontoführung. Transaktionskosten verlangen sie meist keine, oder sehr geringe. Manche Banken nehmen zwar keine Gebühren, lassen sich dann aber ihre Dienstleistungen rund um die Kontoführung deutlich teurer bezahlen. Andere Kreditinstitute locken erst mit einem Gratis-Konto, um dann nach einem Jahr Gebühren zu erheben. Geldüberweisungen und Geldabheben an Automaten anderer Banken kosten unterschiedlich hohe Gebühren. In Australien unterscheiden die Banken übrigens streng zwischen Aktionen, die online oder telefonisch ablaufen, und solchen, die am Schalter erledigt werden: So kann eine einzige in einer Geschäftsstelle vorgenommene Transaktion bis zu 2,50 Australische Dollar kosten. Das ist nach aktuellem Wechselkurs immerhin 1,70 Euro.

USA

Amerikaner mögen es klassisch

Bankkunden in den USA lieben es traditionell: Während wir in Deutschland viel mit (Giro- oder Kredit-)Karte zahlen, vertrauen die US-Amerikaner noch immer auf Papier. Um genau zu sein: auf Schecks. Sowohl für Miete, Gehalt und den Arztbesuch als auch beim Einkauf holen sie das Scheckbuch heraus. Das lassen sie sich meistens einen Dollar pro Scheckausstellung (momentan knapp 90 Euro-Cent) kosten. Ohnehin zahlen sie zwischen 12 und 25 Dollar (ca. 11 bis 22 Euro) Gebühr für die Kontoführung im Monat. Automatische Überweisungen oder Daueraufträge nutzen die wenigsten. Stattdessen bringen die Bankkunden ihre Schecks zur Bank.