Aktienrente – Vorschlag für ein neues Rentenmodell

Werden jetzt Arbeitnehmer zu Aktionären?

Immer mehr Stimmen fordern eine Reform unseres Rentensystems. Politiker und Verbraucherschützer empfehlen eine Ergänzung der gesetzlichen Rente durch staatliche Aktieninvestments – als Vorbild gilt das schwedische Rentenmodell. Jeder soll für die gesetzliche Rente in Aktien investieren können. Ist das sinnvoll?

Drei Seniorinnen lachen miteinander

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Rentenkassen sollen einem Politiker-Vorschlag zufolge  in die Aktienmärkte investieren, um höhere Renditen zu erzielen.
  • Für die gesetzliche Aktienrente sollen zwei Prozent des Bruttoeinkommens in die Aktienmärkte fließen.
  • So soll auch das staatliche System entlastet werden.
  • Das schwedische Rentenmodell funktioniert seit vielen Jahren auf diese Weise – mit sehr viel Erfolg.

Die gesetzliche Rente in Deutschland steht seit Jahrzehnten in der Kritik. Nicht nur das ungünstige Verhältnis von Rentnern und Rentnerinnen zu Beitragszahlerinnen und -zahlern macht dem Rentensystem zu schaffen. Auch der anhaltende Niedrigzins und die Versteuerung trägt dazu bei, dass die Rente real sinkt. Jahr für Jahr muss die Rentenkasse mit Steuermitteln bezuschusst werden. Allein 2020 sollen diese Zuschüsse rund 100 Milliarden Euro betragen haben.

Nun empfehlen Politiker der FDP, die Rentenkassen stärker in die Aktienmärkte investieren zu lassen. So könnten höhere Renditen erzielt und damit das staatliche System entlastet werden, argumentieren sie. Der Vorstoß zur Einführung einer „gesetzlichen Aktienrente“ soll das bisherige Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente, betrieblicher und privater Vorsorge erweitern.

Für die gesetzliche Aktienrente soll laut dem Vorschlag ein Anteil von zwei Prozent des Bruttoeinkommens in die Aktienmärkte fließen – je zur Hälfte getragen von Arbeitgeberinnen und -gebern sowie Arbeitnehmerinnen und -nehmern. Dafür solle der Beitrag zur gesetzlichen Rente um diesen Anteil gesenkt werden, derzeit also auf 16,6 Prozent.

Vorbild Schweden

Schweden zeigt seit Jahren, wie erfolgreich die Aktienrente sein kann: Das schwedische Rentenmodell enthält eine staatliche Grundrente, die durch eine Betriebsrente und eine private Altersvorsorge ergänzt wird. Dafür müssen die Schweden 2,5 Prozent ihres Bruttoeinkommens in Vorsorgefonds abführen.

Sie können zwischen einem staatlichen Fonds und anderen Fondslösungen wählen. Der staatliche Fonds gehört laut der Fondsrating-Agentur Morningstar zu den besten Aktienfonds in Europa. In den vergangenen zehn Jahren erwirtschaftete er eine durchschnittliche jährliche Rendite von mehr als 14 Prozent. Dabei bevorzugt der Fonds übrigens Aktien von Unternehmen, die ethischer und umweltfreundlicher als der Durchschnitt agieren.

Verbraucherschützer unterstützen den Vorstoß

Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, befürwortet das Modell einer Aktienrente: „Die Altersvorsorge in Deutschland braucht einen Neustart. Deswegen ist es gut, dass sich die FDP mit einem erfrischend undogmatischen Reformvorschlag positioniert“, teilte er in einem Statement im Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ mit.

Dabei verweist Müller auf eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung im Auftrag des VZBV. Demnach erzielen Aktienanlagen im Mittelwert eine rund dreimal so hohe Rente wie eine risikolose Anlage in Anleihen. Der Vorschlag eines staatlich organisierten Vorsorgefonds nach schwedischem Vorbild gehe daher in seinen Augen in die richtige Richtung.

(Stand: 24.02.2021)


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