Sparen auf die Zukunft

Wie die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation den Menschen in Ruanda hilft, ihren Lebensstandard zu erhöhen.

Joseline Iradukunda (12) hat von ihrem Ersparten ein Schaf gekauft und will mit der Milch und den Nachkommen künftig etwas dazuverdienen. Jean Claude Ndahayo (26) hat genug Geld angespart, um einen Kredit aufzunehmen, einen Laden für Düngemittel zu eröffnen und damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Julienne Izamukunda (19) arbeitet in einer Schneiderei und will sich von ihrem Ersparten persönliche Wünsche erfüllen.

Diese Geschichten aus der Region Musanze im Norden Ruandas wirken alltäglich. Sie sind aber auch Erfolgsgeschichten: Denn diese Menschen konnten durch Erspartes ihren Lebensstandard verbessern – in einem Land, das nach der Katastrophe des Völkermords im Jahr 1994 große Fortschritte gemacht hat, in dem aufgrund von Armut und fehlender sozialer Absicherung finanzielle Planungen jedoch schwierig sind.

Diese Erfolgsgeschichten sind auch durch die Mitarbeit der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation möglich geworden. Die Sparkassenstiftung arbeitet im Auftrag der Sparkassen weltweit daran, Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen, finanzielle Bildung zu fördern und Entwicklung voranzutreiben.

Seit 2011 arbeitet Britta Konitzer für die Sparkassenstiftung in Ruanda, nachdem sie zuvor mehr als zwanzig Jahre für die Landessparkasse zu Oldenburg tätig war. Vom Büro in der Hauptstadt Kigali aus koordiniert sie mit einem Kollegen und weiteren 25 Mitarbeitern Projekte in ganz Ruanda. „Ich wollte unbedingt ins Ausland und die Auswirkungen meiner Arbeit unmittelbar sehen und spüren“, sagt Konitzer.

Sie will mit den Partnern im Land dafür sorgen, dass jeder Zugang zu kleinen lokalen Banken hat – sogenannten Mikrofinanzinstituten, auch „Saccos“ genannt. Um dort Konten zu eröffnen, Geld zu sparen, für die Zukunft vorzusorgen und eine Existenz aufzubauen.

Dazu bildet die Sparkassenstiftung Mitarbeiter der Saccos aus und berät sie, unterstützt den Aufbau einer Girozentrale – also einer Art Landesbank – für die Saccos, veranstaltet Aktionen wie den Weltspartag, besucht Regionen wie Nyabihu und hilft ihren Kooperationspartnern dabei, dauerhafte Strukturen für finanzielle Bildung und Finanzdienstleistungen aufzubauen. Einer der wichtigsten Partner ist dabei AMIR, der Dachverband der Mikrofinanzinstitute in Ruanda. Finanziert wird das Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Sparen auf die Zukunft
Für manche Ruander ist Sparen auch ein erster Schritt auf dem Weg zu einer eigenen Existenz. Jean Claude Ndahayo hatte so viel Geld angespart, dass er einen Kredit aufnehmen konnte. Damit eröffnete er ein Geschäft für Düngemittel. Viele Dienstleistungen und Verdienstmöglichkeiten sind im agrarisch geprägten Ruanda mit der Landwirtschaft verknüpft. (Foto: Alex Niragira)

„Wir setzen hier ganz früh an, gehen in die Schulen, um zu erklären, wie man Familienbudgets aufstellt und warum es gut ist, Geld anzusparen“, sagt Britta Konitzer. „Uns liegt der Bildungsaspekt sehr am Herzen, nur damit können wir langfristig etwas bewegen.“ 

Dieses Konzept geht anscheinend auf: In den vergangenen Jahren haben in Ruanda allein Kinder und Jugendliche knapp 65.000 Sparkonten eröffnet und insgesamt etwa 450.000 Euro gespart. „Das sieht nach wenig aus. Aber dieses Geld reicht oft schon für die Schulbücher und vermittelt jungen Menschen, dass Sparen sinnvoll ist“, sagt Konitzer.

Es sei dabei ganz zentral, dass nicht Europäer besserwisserisch etwas erklärten, sagt Konitzer. Sondern ruandische Mitarbeiter, die genau wissen, was den Menschen wichtig ist. Und warum Sparen in einer großen Familie nicht einfach ist, wenn fast zwei Drittel der Ruander von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag Leben müssen. Dass es künftig deutlich weniger werden, dazu will auch Britta Konitzer und das Team der Sparkassenstiftung in Kigali mit ihrer Arbeit beitragen.