Elternunterhalt: Wenn das Geld der Eltern nicht ausreicht

So setzen sich die Kosten für die Kinder zusammen

Wer zahlt, wenn die Eltern gepflegt werden müssen? Zunächst übernimmt das Sozialamt die Kosten. Aber dann wendet es sich an die Kinder – denn sie sind zum so genannten Elternunterhalt verpflichtet.

Viele alte Menschen können sich nicht mehr alleine versorgen. Sie brauchen Pflege. Um die Kosten dafür zu bezahlen, erhalten sie Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung.

Diese wird häufig als Teilkasko- oder Teilkosten-Versicherung bezeichnet. Denn sie deckt nicht immer alle anfallenden Ausgaben. Vor allem bei der Versorgung im Pflegeheim müssen die Bedürftigen einen (hohen) Eigenanteil tragen.

Seit dem 1.1.2020 werden Kinder aber nur noch dann zum Elternunterhalt herangezogen, wenn ihr Einkommen 100.000 Euro brutto pro Jahr übersteigt. Auf das Vermögen des Kindes und seines Ehegatten und auf dessen Einkommen kommt es seitdem nicht mehr an.

Welchen Anteil zahlt die Pflegeversicherung?

Wie viel die Versicherung zahlt, hängt vom so genannten Pflegegrad ab. Seit Januar 2017 gibt es fünf Grade. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) entscheidet nach einer persönlichen Einschätzung, welchen Pflegegrad die Bedürftigen erhalten.

Jedem der fünf Grade entsprechend, überweist die Versicherung dann monatlich das Pflegegeld.

Wie viel müssen die Eltern selbst tragen?

Reicht die Unterstützung der Versicherung nicht aus, um die Kosten zu decken, wird das Einkommen und Vermögen der Pflegebedürftigen hinzugezogen. Das besteht in der Regel aus ihrer Rente.

Haben sie eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen oder Einkünfte aus Kapitalanlagen wie Aktien oder vermieteten Immobilien, werden auch diese zur Deckung der Kosten genutzt.

Gibt es Ausnahmen?

Das heißt nicht, dass die Pflegebedürftigen ihr gesamtes Vermögen verlieren, um die Pflege zu finanzieren. Sie haben das Recht auf einen so genannten Schonbetrag von 5.000 Euro. Ihren Ehepartnern steht ein Schonbetrag in der gleichen Höhe zu.

Bewohnen sie oder ihre Ehepartner eine eigene Wohnung oder ein Haus, zählt auch die Immobilie zum Schonvermögen. Allerdings kann der Sozialhilfeträger in diesen Fällen die Sozialhilfeleistung als Darlehen erbringen und seinen Refinanzierungsanspruch durch Eintragung einer Sicherungshypothek absichern.

Sobald die Pflegebedürftigen in ein Heim ziehen (und auch die Ehepartner nicht mehr dort wohnen), wird die Immobilie aber zur Finanzierung der Kosten genutzt.

Wann werden Kinder unterhaltspflichtig?

Illustration: Tochter schiebt Mutter im Rollstuhl

Pflege hat ihren Preis: Der Platz und die Versorgung in einem Heim kostet bis zu 6.000 Euro im Monat – in besonders luxuriösen Einrichtungen auch mehr.
Pflegebedürftige, die ihren Unterhalt nicht aus eigenen Mitteln finanzieren können, müssen aber ein zumutbares Heim aus dem unteren Kostensegment nutzen. Der Eigenanteil bei der stationären Pflege beträgt im Schnitt dennoch rund 1.500 Euro pro Monat.

Sobald die Einkünfte der Pflegebedürftigen, ihrer Ehepartner sowie die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen, müssen auch die Kinder für die Kosten aufkommen. Diese rechtliche Verpflichtung, die Versorgung der Eltern – im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten – zu sichern, heißt Elternunterhalt.

Der Gesetzgeber hat allerdings durch das Angehörigen-Entlastungsgesetz den Elternunterhalt weitgehend aufgehoben. Nicht nur, dass Kinder mit einem 100.000 Euro nicht übersteigenden Einkommen nicht zum Unterhalt herangezogen werden können.

Darüber hinaus darf der Sozialhilfeträger an unterhaltspflichtige Angehörige erst dann herantreten, wenn er hinreichende Anhaltspunkte für ein Überschreiten dieser Einkommensgrenze hat. Anderenfalls gilt die gesetzliche Vermutung eines unter dieser Grenze liegenden Einkommens.

Wie viel die Kinder tatsächlich für den Elternunterhalt zahlen müssen, wenn die Jahreseinkommensgrenze von 100.000 Euro überschritten ist, errechnet sich anhand ihrer Einkünfte.

  • Bei Arbeitnehmern basiert die Bezugsgröße auf dem Durchschnitt von zwölf zusammenhängenden Monaten vor Eintritt des Unterhaltsbedarfs.
  • Bei Selbstständigen errechnet sie sich aus den durchschnittlichen Einkünften der vergangenen drei bis fünf Jahre.

Wie hoch ist der Mindestselbstbehalt?

Den unterhaltspflichtigen Kindern wird ein so genannter Mindestselbstbehalt zugebilligt. Er soll sicherstellen, dass sie genug Geld für sich selbst zur Verfügung haben.

Seit dem 1.1.2020 beträgt der Mindestselbstbehalt grundsätzlich 2.000 Euro. Dieser Betrag ist aber vor Inkrafttreten des Angehörigen-Entlastungsgesetzes festgelegt worden und wird voraussichtlich durch die Rechtsprechung auf 5.000 Euro angehoben werden.

Er beinhaltet 480 Euro Wohnkosten (inklusive Nebenkosten). Fällt dafür mehr an, wird auch der Selbstbehalt heraufgesetzt. Sind die Kinder verheiratet UND leben mit ihren Ehepartnern zusammen, steigt er auf 3.600 Euro und wird für das Jahr 2020 auf ca. 9.000 Euro angehoben werden müssen.

Anrechenbar oder nicht?

Folgende Kosten können bei der Kalkulation des anzurechnenden Einkommens abgezogen werden:

  • Berufsbedingte Aufwendungen wie etwa Fahrtkosten,
  • Krankenvorsorge und krankheitsbedingte Ausgaben,
  • Darlehenszahlungen, insbesondere Zins und Tilgung einer Baufinanzierung für Wohneigentum,
  • private Altersvorsorgekosten bis zu fünf Prozent des Bruttoeinkommens,
  • Unterhaltspflichten, die die Kinder gegenüber ihren Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern sowie eigenen Kindern haben sowie
  • Ausgaben für regelmäßige Besuche der Eltern

Folgende Ausgaben können Kinder nicht abziehen:

  • Beiträge für Hausrats- und Haftpflichtversicherungen,
  • Rundfunkgebühren sowie
  • Wohn- und Nebenkosten in Höhe von 480 Euro (da sie schon Teil des Mindestselbstbehalts sind)

Sind die Wohn- und Nebenkosten höher, müssen die Kinder diese Mehraufwendungen belegen. Dann können sie sie ebenfalls abziehen.

Keine Ausnahmen für die Kinder?

Vater und Sohn umarmen sich

Unterhaltspflichtige Kinder müssen zwar ihr Einkommen und Vermögen für die Eltern einsetzen. Aber auch ihnen steht ein Schonvermögen zu:

  • Vermögen für die eigene Alterssicherung bleiben unangetastet. Außerdem dürfen
  • finanzielle Reserven gebildet werden – unter anderem für Reparaturen am Haus, Urlaub und Ersatz eines kaputten Autos

Bei dieser Regelung gibt es keine festgelegten Grenzen. Die Kinder müssen belegen, für welche Zwecke und in welcher Höhe sie Geld zurücklegen. Wie bei den Eltern ist die selbst genutzte Immobilie von der Kalkulation ausgenommen.

Die von den Kindern selbst bewohnte Immobilie ist immer vor dem Zugriff des Sozialamtes geschützt.

Unterhalt verteilt sich auf alle Kinder

Haben Pflegebedürftige mehrere Kinder, haften diese gemeinsam. Ausschlaggebend für die jeweilige Haftungsquote sind die Einkommens- und Vermögensverhältnisse aller Kinder.

Übrigens: Vor einigen Jahren hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Kinder auch dann die Pflegekosten ihrer Eltern mittragen müssen, wenn diese den Kontakt zu ihnen schon vor Jahrzehnten abgebrochen haben.

Kommt ein Kind allein für den Elternunterhalt auf, obwohl seine Geschwister genug Einkommen und Vermögen besitzen, kann es einen finanziellen Ausgleich von ihnen verlangen.

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