In 7 Schritten zu mehr Energieeffizienz

Wie Sie die Energiekosten Ihres Unternehmens senken und Ihre Klimabilanz verbessern

Für Geldbeutel, Umwelt, Image – Energiesparen lohnt! Und Energie lässt sich im Betrieb nahezu überall einsparen. Aber wo und wie anfangen? In unserer Checkliste erfahren Sie, wie Sie Ihr Unternehmen energieeffizient aufstellen oder modernisieren und gleichzeitig Ihre ökologische Verantwortung aufgrund des Klimawandels wahrnehmen können.

Energiekosten senken und ökologische Verantwortung zeigen

Die anhaltenden Auswirkungen der Coronakrise, des Ukraine-Kriegs, die gestörten Lieferketten, die hohe Inflation sowie immer weiter steigende Energiepreise belasten die deutsche Industrie und Wirtschaft. Der Kostendruck für Unternehmen ist enorm. Daher ist es für sie jetzt besonders relevant, sich energieeffizient aufzustellen und ihren CO2 -Fußabdruck mit der richtigen Strategie zu minimieren.

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ihres Energieverbrauchs können Unternehmen durch typische Energieeffizienzmaßnahmen einsparen (BMWi).

Mehr Energieeffizienz durch ein durchdachtes Energiemanagement, den Einsatz moderner Technologien sowie eine individuelle, auf Ihre unternehmenseigenen Gebäude angepasste, Sanierung – mit diesen Maßnahmen können Unternehmen bis zu 30 Prozent des Energieverbrauchs einsparen. Für Sie als Unternehmerin oder Unternehmer bedeutet es aber vor allem auch niedrigere Energiekosten etwa für Strom, Wärme oder Kälte, eine langfristige Zufriedenheit Ihrer Kundschaft sowie die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens. Und: Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Schritt 1: Nutzen Sie eine Energieberatung und decken Einsparpotenziale auf

Wie spare ich in meinem Unternehmen Energie? Das unterscheidet sich von Firma zu Firma. Daher ist es wichtig, sich beraten zu lassen, bevor Sie loslegen. Die Beratungsmöglichkeiten sind vielfältig und umfassen unter anderem Angebote zu folgenden Themen:

  • konkrete Vorschläge zum Energiesparen
  • individuelle Sanierungsfahrpläne
  • eventuelle Investitionen in erneuerbare Energien oder in Wärmerückgewinnung
  • energieeffizienter Neubau
  • Energieaudit* gemäß DIN EN 16247
  • Tipps zur Einführung und Aufrechterhaltung eines Energiemanagementsystems
  • sowie Informationen zu allen Förder- und Finanzierungsangeboten

Professionelle Energieberaterinnen und -berater machen eine Bestandsaufnahme des derzeitigen Energieverbrauchs Ihrer Firma und analysieren für Sie die besten Methoden, mit denen Sie einfach und kostengünstig ihre Energiebilanz verbessern. Auf dieser Grundlage empfehlen sie Maßnahmen zur Energieeffizienz und geben einen Überblick über die Kosten.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert die Energieberatung für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) und Nicht-KMU mit einem Gesamtenergieverbrauch von bis zu 500.000 kWh sowie freiberuflich Tätige mit einem Zuschuss von bis zu 80 Prozent der Kosten. Den Antrag dazu stellen Sie beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Einen qualifizierten Energieberater oder eine -beraterin in Ihrer Nähe finden sie unter anderem in der Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes oder in der Liste des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).


*Energieaudit

Verpflichtende Energieaudits gelten seit 2015 für alle Nicht-KMU im Sinne des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G), die über kein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder Umweltmanagementsystem nach EMAS verfügen. Ein Energieaudit muss mindestens alle vier Jahre durchgeführt werden. Hierbei werden die wesentlichen Energieflüsse eines Betriebs erfasst und analysiert – von sogenannten Auditoren, also qualifizierten oder akkreditierten Experten und Expertinnen, die in einer öffentlich geführten Liste beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingetragen sind. Spätestens zwei Monate nach Fertigstellung des Energieaudits müssen die Unternehmen eine Online-Erklärung beim BAFA abgeben. Unternehmen, die weniger als 500.000 kWh im Kalenderjahr an Gesamtenergie verbrauchen, sind von der Berichtspflicht befreit (Bagatellgrenze).

Ziel von Energieaudits ist es, Einsparpotenziale als Unternehmen besser zu kennen und diese gezielter auszuschöpfen, um die Energieeffizienz zu steigern.


Schritt 2: Sparen mit System – das Energiemanagement

Setzen Sie auf ein Energiemanagementsystem. Damit sparen Sie in Ihrem Betrieb vorausschauend und langfristig – das zahlt sich schon für kleine und mittlere Unternehmen aus. Ein Energiemanagementsystem sorgt für eine transparente und systematische Erfassung sowie Auswertung energiewirtschaftlich relevanter Daten des Unternehmens. So verbessern Sie kontinuierlich Ihren Energieverbrauch. Gleichzeitig haben Sie alle Kosten im Griff.

Mit einem Energiemanagementsystem nach ISO 50001 weisen Sie nach, dass Sie in Ihrem Unternehmen energetisch sinnvoll wirtschaften. Mit diesem Nachweis kann Ihre Unternehmensführung das Engagement auch nach außen glaubwürdig darstellen. So sieht beispielsweise auch Ihre (potenzielle) Kundschaft, dass Sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Schritt 3: Energiekosten senken – durch Energiespar-Contracting

Energieeffizienzmaßnahmen können Sie zusammen mit einem Energiedienstleistungsunternehmen, einem sogenannten Contractor, deutlich steigern und refinanzieren. Der Contractor plant und realisiert die Energiebereitstellung, Energielieferung oder Verbrauchsoptimierung Ihres Unternehmens. Das Gute daran: Die für Ihren Betrieb berechnete und durch Maßnahmen umgesetzte Energieeinsparung bekommen Sie vertraglich garantiert. Einen Teil der erzielten Energiekosteneinsparungen erhält der Contractor, um Investitionen und Dienstleistungen zu refinanzieren. Nach Ablauf des Energiespar-Contractings profitieren Sie allein von der kompletten Energiekosteneinsparung.

Eine Contracting-Orientierungsberatung für kleine und mittlere Unternehmen wird vom BMWi im Rahmen der allgemeinen Energieberatung mit bis zu 80 Prozent der Kosten des Nettohonorars gefördert.

Schritt 4: Identifizieren Sie die größten Einsparpotenziale

Wenn Sie auf Ihr Unternehmen abgestimmt in energieeffiziente Technologien und die Optimierung von Prozessen investieren, können Sie den Energieverbrauch Ihres Unternehmens nachhaltig senken.
In diesen sieben Bereichen können Sie laut dem BMWi besonders viel sparen:

1. Informationstechnologie: 70 Prozent Einsparpotenzial

Mit der Digitalisierung steigt der Bedarf an Informationstechnologie. Damit einher geht ein erhöhter Stromverbrauch, auch für Kühlanlagen für neue Rechenzentren. Allerdings gibt es mehrere Möglichkeiten, den Energieverbrauch im großen Umfang zu senken.

Wichtige Maßnahmen:

  • Passen Sie alle IT an den tatsächlichen Bedarf an.
  • Achten Sie beim Einkauf neuer Geräte auf die Energieeffizienz der Modelle.
  • Ersetzen Sie Desktop-PCs durch effiziente Notebooks oder Thin-Client-Lösungen.
  • Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für energieeffizientes Nutzungsverhalten.

2. Beleuchtung: 70 Prozent Einsparpotenzial

Büros, Produktionshallen oder Außenanlagen – Beleuchtungssysteme kommen überall zum Einsatz. Eine Modernisierung der Anlagen rentiert sich besonders schnell bei alten Anlagen. Der Wartungsaufwand sinkt.

Wichtige Maßnahmen:

  • Nutzen Sie das Tageslicht maximal aus.
  • Tauschen Sie überalterte Systeme aus.
  • Verwenden Sie energieeffiziente Leuchtmittel.
  • Planen Sie eine effiziente Lichtlenkung und Präsenzmelder, um Beleuchtung bei Abwesenheit zu vermeiden.

3. Gebäude: 60 Prozent Einsparpotenzial

Wärmeversorgung, Außenwände, Verglasungen und Rolltore – in einem Firmengebäude lässt sich viel Energie sparen. Besonders große Wirkung entfalten die einzelnen Modernisierungen, wenn sie als Gesamtkonzept gedacht werden.  

Wichtige Maßnahmen:

  • Passen Sie die Wärmeversorgung an Ihren tatsächlichen Bedarf an.
  • Modernisieren Sie Kesselanlage, Verteilnetz und Wärmeübergabestationen.
  • Prüfen Sie den Einsatz von erneuerbaren Energien oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.
  • Dämmen Sie die Außenwände.
  • Nutzen Sie energieeffiziente Fenster.
  • Optimieren Sie den Flächenanteil der Fenster.
  • Wählen Sie Rolltore mit guten thermischen Eigenschaften und Luftdichtheitswerten. 

4. Druckluft: 50 Prozent Einsparpotenzial

Fast jeder Betrieb im verarbeitenden Gewerbe benötigt Druckluft. Ob als Transportmedium oder bei der Herstellung von industriellem Vakuum, Druckluft ist ein teurer Energieträger. Maßnahmen zur Energieeffizienz der Druckluftanlagen versprechen allerdings eine hohe Rendite.

Wichtige Maßnahmen:

  • Passen Sie den Systemdruck und die Druckluftqualität an den tatsächlichen Bedarf an.
  • Recyceln Sie Abwärme.
  • Prüfen Sie das Druckluftsystem regelmäßig auf Leckagen (Durchtrittsstellen).
  • Setzen Sie drehzahlgeregelte Kompressoren und eine übergeordnete Steuerung ein.

5. Prozesswärme: 30 Prozent Einsparpotenzial

Prozesswärme fordert den größten Anteil des industriellen Energieverbrauchs. Kesselanlagen, Trocknungsprozesse und Brennöfen benötigen hohe Temperaturen und damit eine hohe Energiezufuhr.

Wichtige Maßnahmen:

  • Minimieren Sie Ihren Wärmebedarf und mögliche Wärmeverluste.
  • Setzen Sie regelbare Brenner ein und kontrollieren Sie die Luftzufuhr.
  • Nutzen Sie Abwärme und Wärmespeicher.
  •  Erzeugen Sie bedarfsgerecht durch Mehrkesselregelungen.

6. Pumpen: 30 Prozent Einsparpotenzial

Je mehr Pumpen fördern, desto höher die Energiekosten. Unterm Strich dieser einfachen Rechnung gehen rund zwölf Prozent des industriellen Stromverbrauchs auf das Konto von Pumpensystemen.

Wichtige Maßnahmen:

  • Passen Sie die Förderhöhe und -menge dem tatsächlichen Bedarf an.
  • Passen Sie die Pumpenleistung dem tatsächlichen Bedarf an.
  • Tauschen Sie überdimensionierte Pumpen aus. Entfernen Sie Pumpen-Bypässe.
  • Setzen Sie hocheffiziente Pumpenantriebe und drehzahlgeregelte Pumpen zur optimalen Bedarfsabdeckung ein.

7. Lüftungstechnik: 25 Prozent Einsparpotenzial

Belüftungsanlagen gehören in jedes Unternehmen – umso wichtiger, ein energieeffizientes System zu wählen.

Wichtige Maßnahmen:

  • Reinigen Sie die Lüftungsanlagen regelmäßig.
  • Passen Sie den Volumenstrom an den aktuellen Bedarf an.
  • Setzen Sie Ventilatoren und Motoren mit hohem Wirkungsgrad ein.
  • Nutzen Sie Wärmerückgewinnung.
  • Optimieren Sie die Kanalquerschnittsfläche und reduzieren Sie mögliche Druckverluste. 

Schritt 5: Sparen Sie auch im Arbeitsalltag

Neben großen baulichen Maßnahmen lassen sich auch mit kleinen Mitteln Energie und Kosten senken. Schon ein Vergleich der Stromanbieter lohnt sich. Trotz steigender Strompreise sorgt die Konkurrenz auf dem Markt für unterschiedliche Preise. Halten Sie deswegen die Angebote im Blick und kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Verträge.

Energiesparen steht und fällt mit der Belegschaft. Sensibilisieren Sie deswegen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Nutzungsverhalten wirkt sich immens auf den Energieverbrauch aus. Ob das Vermeiden des Stand-by-Modus, eine intelligente Einstellung der Heizung oder Stoßlüften statt stundenlang offenstehender Fenster – schon kleine Dinge machen den Unterschied.

Schritt 6: Schließen Sie sich einem Energieeffizienz-Netzwerk an

Mehr als 3.000 Unternehmen in Deutschland profitieren bereits vom Austausch, dem Wissen und neuen Impulsen für technische Innovationen der über 340 Netzwerke des erfolgreichen Bündnisses von Bund und Wirtschaft „Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke“.

Bis 2025 sollen durch diese Netzwerke fünf bis sechs Millionen Tonnen CO2 eingespart werden und somit ein spürbarer Beitrag zu den Klimaschutzzielen erreicht werden.

Auswertungen von Energieeffizienz-Netzwerken haben gezeigt, dass Unternehmen, die in so einem Netzwerk sind, ihre Energieeffizienz im Schnitt doppelt so schnell wie vergleichbare Unternehmen erhöhen.

Weitere Informationen zur Initiative finden Sie hier.

Schritt 7: Profitieren Sie von der staatlichen Förderung

Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) gibt es zahlreiche Förderprogramme. Die KfW Bankengruppe bietet in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung ein eigenes Energieeffizienzprogramm für Neuinvestitionen und Modernisierungen an.

Mit dem Förderkredit Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft erhält Ihr Unternehmen bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben und bis zu 55 Prozent Tilgungszuschuss.

Der Förderkredit Energieeffizienz in der Produktion bietet Unternehmen und Freiberuflern sowie Freiberuflerinnen einen Kreditbetrag von bis zu 25 Millionen Euro für Neuinvestitionen und Modernisierungen im In- und Ausland.
Auch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt Maßnahmen an Gebäuden, die die Energieeffizienz verbessern.

Weitere Fördermöglichkeiten für Energie- und Umweltmaßnahmen finden Sie auf den Seiten der KfW oder des BAFA.

Ein klarer Vorteil, wenn Sie noch nicht sicher sind, ob Sie investieren wollen: Die Förderungen fangen schon bei der Energieberatung an.

Je nachdem für welche Maßnahmen Sie sich entscheiden, bieten sich unterschiedliche Finanzierungsmodelle an. Lassen Sie sich deswegen von Ihrer Sparkasse über Ihre Möglichkeiten beraten.


Experteninterview

Holger Würk
5 Fragen an
Holger Würk
Geschäftsführer der DAL Real Estate Management GmbH

Herr Würk, es gibt viele gute Gründe, Energie zu sparen und die Klimabilanz eines Betriebes zu steigern. Wo sollten Unternehmen in puncto Energieeffizienz ihrer Immobilien anfangen? Was sind die ersten Schritte?

Energieeffizienz bei Immobilien ist nur ein Baustein, wenn man die Klimabilanz eines ganzen Betriebs anschaut. Im ersten Schritt sollten Unternehmen daher drei Punkte übergeordnet betrachten: Gibt es schon eine Nachhaltigkeitsstrategie? Gibt es aus der Regulatorik beziehungsweise EU-Taxonomie Vorgaben, die das Unternehmen bei seiner Immobilie erfüllen muss? Und wo liegt der eigene Anspruch, der sich oft aus der Strategie ergibt. Wie viel CO2 möchte ein Unternehmer oder eine Unternehmerin einsparen und will er oder sie eventuell sogar über die Vorgaben gehen? Wenn das für sich selbst geklärt wurde, kann die Immobilie konkret in den Blick genommen werden. Sind die Ziele klar, gilt es zu erfassen, wo die Immobilie aktuell steht. Hier kann ein Quick-Check der DAL oder eine CO2-Bilanz die notwendigen Informationen liefern, um zielgerichtete Maßnahmen abzuleiten.

Worauf müssen Unternehmen besonders achten, wenn sie ihre Immobilien energetisch optimieren wollen? Welche Herausforderungen und Chancen gibt es beim Bestand, welche beim Neubau?

Bei Bestandsimmobilien gibt es die größten Defizite und daher auch das größte Potenzial für Einsparungen. Das hat die Politik auch erkannt und unterstützt hier mit der größten Summe an Fördermitteln. Wichtig ist es, genau zu analysieren, welche Maßnahmen für den eigenen Betrieb langfristig auch wirtschaftlich Sinn ergeben, und nicht in Aktionismus zu verfallen. Ein gern genommenes Beispiel ist die Fassadendämmung. Wenn sie nicht ganzheitlich bauphysikalisch gut geplant und durchgeführt wird, weil zum Beispiel die Fenster nicht zusätzlich erneuert werden, kann es zu Schimmelbildung kommen. Für die energetische Sanierung braucht es ein gutes Team, das alle Schritte des Bauvorhabens begleitet, weil Unternehmen selbst schnell überfordert sind. Bei Neubauten ist es etwas einfacher. Hier gibt es schon einen sehr hohen Standard durch entsprechende Vorgaben. Hier sollte beachtet werden, dass die ganzen technischen Möglichkeiten optimiert kombiniert werden. Unternehmerinnen und Unternehmer sollten langfristig denken und gern bereits über den geforderten Standard gehen. Denn auch hier erwarten wir in der Zukunft weitere Verschärfungen.

Die Klimakrise können auch Unternehmen nicht mehr ignorieren. Aber Energiesparmaßnahmen und die Steigerung der Energieeffizienz kosten Geld. Wie können sich das vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen leisten?

Dort wo Fördermittel zur Verfügung stehen – Stichwort energetische Sanierung – sollten Unternehmen sie auch nutzen. Wie oben schon erwähnt sollten sie auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der verschiedenen Maßnahmen beachten. Eine Amortisationsrechnung oder auch Lebenszyklusrechnung, die steigende Energiekosten einpreist, bringt hier Klarheit, um nicht an der falschen Stelle zu investieren. Wenn sich eine Fotovoltaikanlage erst nach 25 Jahren amortisiert, lohnt sie sich für Unternehmen eher nicht.

Wie unterstützen Sie von der DAL Unternehmen konkret bei deren Vorhaben zu einem reduziertem CO2-Fußabdruck ihrer Immobilien?

Als Immobilienexpertinnen und -experten setzen wir bereits ganz früh in der Beratung an und begleiten die anschließende Planung und Realisierung. Bei Neubauten können wir natürlich alle Möglichkeiten nutzen. Wir schauen über die gesamte Ökobilanz und stellen das ganze Bauvorhaben auf den Prüfstand. Zuletzt haben wir beispielsweise ein Unternehmen beim Neubau eines neuen Produktionsstandorts unterstützt. Nicht nur das neue Gebäude, sondern auch die Produktion sind jetzt zertifiziert CO2-neutral. Um das zu erreichen, muss alles in der Planung dementsprechend vorgesehen werden. Dafür sind die richtigen Partner wichtig.

Bei Bestandsimmobilien machen wir immer zuerst den oben erwähnten „Quick-Check“, der anhand von Benchmarks aufzeigt, wie viel ein ähnliches Gebäude an Gas, Wasser oder Strom durchschnittlich verbrauchen sollte. Dann können wir gemeinsam abgleichen, welche Investition sich wirtschaftlich für das Unternehmen auch langfristig lohnt. Das Stichwort hier sind die Lebenszykluskosten. Die Baumaßnahmen, die wir daraus ableiten, können wir als Projektsteuerer komplett begleiten. Wir stehen als Impulsgeber und Immobilienberater zur Seite und haben ein ausgewiesenes Netzwerk: Kontakte zu Zertifizierungen, Energieberater und Bauplaner, die unterstützen können.

Was Unternehmerinnen und Unternehmer außerdem nicht vergessen sollten: Neben baulichen Punkten spielt bei den Themen Energieeffizienz und CO2-Ausstoß auch der Faktor Mensch eine große Rolle: beispielsweise beim Wasserverbrauch, der Mülltrennung oder dem richtigen Lüften.

Wo sehen Sie Trends und Innovationen in Bezug auf die Energieeffizienz von Gebäuden?

Das zunehmende Bewusstsein, nachhaltig zu handeln, verstärkt die Innovationen der Industrie. Die Entwicklungen – zum Beispiel in den Bereichen der Wärmepumpentechnik und Fotovoltaik – führen zu immer besser werdender Energieeffizienz. Insbesondere in der Bestandssanierung ist das ein Schritt zu mehr Klimaschutz. Die Transformation bei der Mobilität erfordert auch Maßnahmen an Immobilien. Intelligente Mobilitätskonzepte wie Car-Sharing und Ladepunkte für E-Fahrzeuge können als Beispiele hier genannt werden. Auch die Digitalisierung führt zu mehr Energieeffizienz durch bessere Vernetzung und Steuerung der Anlagenkomponenten. Die Immobilienbranche macht hier deutliche Fortschritte.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Energieeffizienz

Mit dem Einsatz von Energie wird ein bestimmter Nutzen erreicht – zum Beispiel die Bereitstellung von Licht und Wärme für ein Büro.

Energieeffizienz meint allgemein das Verhältnis eines bestimmten Nutzens zu dessen Energieaufwands. Sie ist umso höher, je weniger Energie für das Erreichen des jeweiligen Nutzens – zum Beispiel zum Heizen – eingesetzt werden muss.

Eine Energieeffizienzmaßnahme ist eine nachgewiesene Verbesserung der Energieeffizienz, die durch Reduzierung des bestehenden Energieverbrauchs erreicht wird. Für Unternehmen gibt es eine Vielzahl an möglichen energieeffizienten Maßnahmen in unterschiedlichen Bereichen.

In Anbetracht der ökologischen Auswirkungen der Rohstoffgewinnung und Importabhängigkeiten von Öl und Erdgas kann es eine gute Alternative sein, sich auf lokale und erneuerbare Energiequellen zu verlassen und selbst Strom und Wärme zu erzeugen. Sie können dadurch nicht nur Ihre monatlichen Energiekosten reduzieren, sondern tragen dazu bei, dass durch den reduzierten Bedarf an fossilen Energieträgern weniger CO2 ausgestoßen wird.

Erneuerbare Energiequellen kommen in der Natur unbegrenzt vor beziehungsweise lassen sich verhältnismäßig schnell erneuern. Die Kapazitäten für die Energieerzeugung sind von Region zu Region allerdings sehr unterschiedlich. Bestimmte Gegenden haben aufgrund ihrer geografischen Lage nur eingeschränkte Möglichkeiten, Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien selbst zu produzieren. Manche Regionen haben eventuell ein höheres Potenzial für die Solarstromerzeugung, während andere möglicherweise stärker auf Windenergie, Wasserkraft, Gezeitenenergie oder lokale Biomasse setzen können.
Bis es möglich ist, saubere, erneuerbare Energie in ausreichenden Mengen zu lagern und zu transportieren, um sie überall und jederzeit zu nutzen, kann eine Kombination aus mehreren Quellen der Schlüssel für eine kontinuierliche Energieversorgung darstellen.

Aber die Energiewende lebt nicht nur von erneuerbaren Energien. Darüber hinaus ist die Steigerung der Energieeffizienz von entscheidender Bedeutung. Wer energieeffizient handelt, senkt nicht nur den Energieverbrauch und die Kosten und steigert seine Wirtschaftlichkeit, sondern trägt dazu bei, weniger CO2 auszustoßen. Höhere Energieeffizienz ist daher neben der Nutzung erneuerbarer Energiequellen eine wichtige Säule für die Energiewende und den Klimaschutz.

Unternehmen haben die Möglichkeiten, in vielen Technologiebereichen Energiekosten zu senken. Neben den alltäglichen Einsparmöglichkeiten, die Sie und Ihre Belegschaft ohne großen Aufwand betreiben können, indem Sie Ihr Nutzungsverhalten nachhaltiger gestalten, können energieeffiziente Maßnahmen beispielsweise in diesen Bereichen ergriffen werden:

Beleuchtung:

  • Optimales Ausnutzen des Tageslichts
  • Überalterte Systeme austauschen
  • Energieeffiziente Leuchtmittel verwenden
  • Effiziente Lichtlenkung und Präsenzmelder planen, um Beleuchtung bei Abwesenheit zu vermeiden

Druckluft:

  • Systemdruck und die Druckluftqualität an den tatsächlichen Bedarf anpassen
  • Abwärme recyceln
  • Druckluftsystem regelmäßig auf Leckagen prüfen
  • Auf drehzahlgeregelte Kompressoren und eine übergeordnete Steuerung setzen

Gebäude:

  • Wärmeversorgung an Ihren tatsächlichen Bedarf anpassen
  • Kesselanlage, Verteilnetz und Wärmeübergabestationen modernisieren
  • Einsatz von erneuerbaren Energien oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen prüfen
  • Außenwände dämmen
  • Energieeffiziente Fenster einsetzen
  • Flächenanteil der Fenster optimieren
  • Rolltore mit guten thermischen Eigenschaften und Luftdichtheitswerten wählen

Lüftungstechnik:

  • Lüftungsanlagen regelmäßig reinigen
  • Volumenstrom an den aktuellen Bedarf anpassen
  • Ventilatoren und Motoren mit hohem Wirkungsgrad einsetzen
  • Wärmerückgewinnung nutzen
  • Kanalquerschnittsfläche nutzen und mögliche Druckverluste reduzieren

Prozesswärme:

  • Wärmebedarf und mögliche Wärmeverluste minimieren
  • Regelbare Brenner einsetzen und die Luftzufuhr kontrollieren
  • Abwärme und Wärmespeicher nutzen
  • Durch Mehrkesselregelungen bedarfsgerecht erzeugen

Pumpen:

  • Förderhöhe und -menge dem tatsächlichen Bedarf anpassen
  • Pumpenleistung dem tatsächlichen Bedarf anpassen
  • Überdimensionierte Pumpen austauschen, Pumpen-Bypässe entfernen
  • Hocheffiziente Pumpenantriebe und drehzahlgeregelte Pumpen einsetzen
  • Drehzahlgeregelte Pumpen zur optimalen Bedarfsabdeckung nutzen

Informationstechnologie:

·       Alle IT an den tatsächlichen Bedarf anpassen

·       Beim Einkauf neuer Geräte auf die Energieeffizienz der Modelle achten

·       Desktop-PCs durch effiziente Notebooks oder Thin-Client-Lösungen ersetzen

·       Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für energieeffizientes Nutzungsverhalten sensibilisieren.

Seit 2015 gelten für alle großen Unternehmen im Sinne des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G), die über kein zertifiziertes Energiemanagementsystem oder Umweltmanagementsystem nach EMAS verfügen, verpflichtende Energieaudits.

Ein Energieaudit muss mindestens alle vier Jahre durchgeführt werden. Spätestens zwei Monate nach Fertigstellung des Energieaudits müssen diese Unternehmen eine Online-Erklärung beim BAFA abgeben. Unternehmen, die weniger als 500.000 kWh im Kalenderjahr an Gesamtenergie verbrauchen, sind von der Berichtspflicht ausgenommen.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert beispielsweise bestimmte energetische Sanierungen durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der KfW, beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).


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