
Als US-Spezialkräfte vergangenes Wochenende Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro und dessen Ehefrau verschleppten, griffen sie auch Infrastruktur- und Militärziele an. Die US-Regierung bezeichnet den Drogenhandel des Landes als gegen die Vereinigten Staaten gerichteten kriminellen Akt und rechtfertigt damit sowie den Ölressourcen Venezuelas den Militärschlag. Dabei besteht die übergeordnete Agenda der USA vor allem in der Beherrschung der gesamten westlichen Hemisphäre, wie es die Regierung in der National Security Strategy formuliert hat.
US-Präsident Donald Trump hat mehrfach gedroht, dass Kuba, Kolumbien und Mexiko weitere Ziele für Militäraktionen sein könnten. Außerdem hat er sein Interesse an einer Annexion Grönlands (das zu Dänemark gehört) mehrfach wiederholt und damit Alarmstimmung in vielen europäischen Ländern ausgelöst. Denn das heißt, dass die USA ihre Machtambitionen nicht nur gegen Länder mit anderen Politiksystemen richten, sondern auch gegen Verbündete.
Bislang haben die weltweiten Kapitalmärkte verhalten bis positiv reagiert: Die Öl- und Benzinpreise zogen kaum an. Die Aktienmärkte legten zu, ebenso Edelmetalle wie Gold und Silber sowie der US-Dollar. Dennoch schüren die anhaltenden Drohungen erhebliche Unsicherheit, da die Grönland-Frage als weitaus kritischer angesehen wird. Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater erläutert, was diese Situation für Haushalte und Wirtschaft in Deutschland sowie für die Geldanlage der Privatanlegerinnen und -anleger bedeuten könnte.

3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Herr Dr. Kater, die US-Regierung schließt weitere Militärschläge nicht aus. Wie sehen Sie die Gefahr einer höheren Volatilität an den Märkten?
Die unmittelbaren ökonomischen Auswirkungen der jüngsten Geschehnisse sind recht gering. Gemessen an der jährlichen Wirtschaftsleistung steht Venezuela weltweit auf Platz 77. Seine Volkswirtschaft ist damit in etwa so groß wie die Serbiens oder Bulgariens. Angesichts der freien Kapazitäten der OPEC-Staaten könnte sogar ein Totalausfall der Ölproduktion in Venezuela recht zügig ausgeglichen werden. Die eigentliche Bedeutung der US-Militäraktion liegt im geopolitischen Feld.
Sie passt zu dem sich bereits im vergangenen Jahr abzeichnenden Bild einer neuen Ausrichtung der Weltpolitik weg vom Völkerrecht und hin zu einer reinen Machtpolitik. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass nun China oder Russland unmittelbar dem US-Beispiel mit vergleichbaren „imperialistischen Militäraktionen“ folgen. Die neue machtpolitische Ausrichtung impliziert ohnehin, dass sich diese Länder nicht an internationale Regeln halten, sondern ihre Außenpolitik rein nach ihren politischen und militärischen Fähigkeiten ausrichten.
Wie sollten deutsche Anlegerinnen und Anleger dies bei ihrer Vermögensplanung berücksichtigen?
Die weltweiten Aktienmärkte eröffneten die neue Handelswoche mit Kursgewinnen und überwiegend neuen historischen Höchstständen. Das liegt daran, dass der jetzt anstehende Umbau der Weltwirtschaft ein riesiges Investitionsprogramm darstellt. Damit bietet die US-Intervention in Venezuela keinen Anlass für private Anleger, ihre Vermögensaufstellung zu ändern. Die Aussichten für die Weltkonjunktur haben sich durch die Ereignisse nicht geändert.
Auf welche Konsequenzen sollten sich Unternehmen hierzulande einstellen? Welche Branchen könnten besonders betroffen sein und welche sogar profitieren?
Vom Umbau der Weltwirtschaft profitieren insbesondere Länder, die nicht sehr stark auf den Export nach China ausgerichtet sind. Da ist Deutschland leider auf der falschen Seite der Gleichung. Es profitieren insbesondere die Sektoren Rüstung und (Cyber-)Sicherheit, Infrastruktur, Technologie (KI und Halbleiter) sowie Rohstoffe, Bergbau und Energie.
Hier dreht sich alles ums Geld. Mit uns bleiben Sie auf dem Laufenden und erfahren alles über clevere Spartipps, lukrative Anlagemöglichkeiten, smarte Altersvorsorgen und News aus der Finanzwelt. Denn: Wissen zahlt sich aus!
Stand: 08.01.2026



