
Ab Januar 2027 wird der Staat die private Altersvorsorge anders bezuschussen. Dann können keine neuen Verträge nach altem Riester-Modell mehr abgeschlossen werden.
Für die ersten 30 Euro monatlicher Sparleistung gibt es 50 Prozent Zuschuss vom Staat. Für darüber hinausgehende Beiträge beträgt die Förderung 25 Prozent – maximal 540 Euro pro Jahr. Es wird mehrere Möglichkeiten geben, das Geld anzulegen. Dabei unterscheiden sich Risiko und mögliche Renditen.
Bestehende Riester-Verträge bleiben vollständig erhalten und können weiter besparen werden, inklusive aller Zulagen.
Warum die Reform kommt
Die gesetzliche Rente gerät zunehmend unter Druck: Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Rentner. Private Vorsorge wird damit wichtiger denn je, wenn Sie Ihren Lebensstandard im Alter sichern wollen.
Was sehen die Pläne für die neue Altersvorsorge vor?
Die Bundesregierung stärkt mit staatlichen Zuschüssen die private Altersvorsorge und bietet erstmals ein Altersvorsorgedepot an, das neben privaten Anbietern auch von einem öffentlichen Träger geführt werden kann. Ab Januar 2027 gibt es dafür 3 Optionen:
- Option 1: Volles Sicherheitsnetz (100-Prozent-Garantie)
Wer diese Variante wählt, bekommt auf jeden Fall so viel Geld zurück, wie sie oder er eingezahlt hat. Dafür ist die mögliche Rendite, also der Wertzuwachs, eher gering. Der Ansatz ähnelt der bisherigen Riester-Rente.
- Option 2: Mehr Ertrag, etwas mehr Risiko (80-Prozent-Garantie)
Ein neues Modell garantiert nur 80 Prozent der eingezahlten Beiträge. Das klingt zunächst nach einem Rückschritt, eröffnet Versicherern aber die Möglichkeit, das Geld etwas mutiger an den Finanzmärkten anzulegen. Damit sind dann auch höhere Erträge möglich.
- Option 3: Mehr Rendite, kein Sicherheitsnetz (Altersvorsorge-Depot)
Neu ist auch, dass der Staat Anlagen fördern will, die vollständig in Aktien, Fonds oder ETFs investiert werden. Bei dieser dritten Option gibt es ein Altersvorsorge-Depot, das zwar keine Garantien bietet, aber die Aussicht auf hohe Renditen. Wer auf lange Sicht spart, hat hier die besten Chancen auf Wertsteigerungen, trägt aber auch das Risiko, dass die Märkte schwanken und das angelegte Geld an Wert verliert.
Für Menschen ohne Erfahrung am Kapitalmarkt wird es ein sogenanntes Standardprodukt geben, das einen einfachen Einstieg ermöglicht. Es hat aber gegenüber einem Depot bei einer Sparkasse oder Bank den Nachteil, dass es nur unzureichend auf die persönlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten zugeschnitten werden kann, wie es nach einer Beratung der Fall ist.
Die Reform ermöglicht höhere Renditen, erhöht aber laut Kritikern auch die Schwankungsrisiken. Vor allem Menschen mit geringem Einkommen könnten dadurch zögern.
- Kosten und Rendite: Die Kosten sind auf ein Prozent gedeckelt. Das ist überschaubar, schmälert dennoch die Rendite etwas.
- Garantie-Debatte: Weniger Garantien könnten zwar mehr Rendite bringen, erhöhen aber das Risiko von Verlusten während der Ansparphase.
- Kritik an freiwilliger Vorsorge: Ohne verpflichtendes Modell könnten weiterhin zu wenige Menschen fürs Alter sparen – mit wachsender Sorge vor Altersarmut.
Wie hoch ist die geplante Förderung?
Wer im Jahr bis zu 360 Euro einzahlt (also bis zu 30 Euro im Monat), soll vom Staat 50 Cent für jeden gesparten Euro dazu bekommen. Sie sparen also 30 Euro von Ihrem eigenen Geld, auf Ihrem Depot gehen aber 45 Euro ein.
Wer mehr spart, erhält den Plänen zufolge 25 Cent je gespartem Euro. Diesen Zuschuss gäbe es bis zu einer Höhe von 1.800 Euro im Jahr, was 150 Euro pro Monat entspricht. Wenn Sie 150 Euro pro Monat einzahlen, gehen somit 195 Euro auf Ihrem Depot ein.
Die maximale staatliche Zulage läge bei 540 Euro im Jahr.
Wer die Zahlen betrachtet, merkt: Der staatliche Hebel ist in der ersten Stufe mit 50 Cent pro Euro am größten. Wer monatlich 30 Euro spart, bekommt prozentual mehr vom Staat dazu als jemand, der den Maximalbetrag von 150 Euro monatlich einzahlt – auch wenn die absolute Zulage bei höheren Einzahlungen natürlich steigt.
Was bedeutet diese Staffelung konkret für den eigenen Geldbeutel? Die Antwort hängt davon ab, wie viel monatlich übrigbleibt. Wer schon mit kleinen Beträgen startet, profitiert sofort – denn ein Mindestsparvertrag ist nicht vorgesehen. Entscheidend ist: Bereits ab dem ersten eingezahlten Euro fließt der staatliche Zuschuss. Die folgende Grafik zeigt, was das bei verschiedenen monatlichen Sparbeträgen in absoluten Zahlen bedeutet.
Zusätzlicher Zuschuss je Kind
Familien profitieren besonders: Eltern erhalten für jedes Kind eine zusätzliche Zulage von 300 Euro im Jahr. Das gilt bereits ab einem monatlichen Eigenbeitrag von nur 25 Euro, also 300 Euro jährlich.
Damit kommen Familien mit Kindern auf einen besonders hohen Förderanteil: Der Staat gibt für jeden gesparten Euro von Eltern mit kleinem Budget einen Euro dazu.
Wie teuer ist das Standard-Depot?
Wichtig ist bei der Altersvorsorge: Wie wird das Geld angelegt und wie hoch sind die Kosten? Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat vorgeschlagen, die Kosten für das Standard-Depot auf 1 Prozent zu deckeln.
Selbst 1 Prozent Kosten kann durch den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte mehrere Tausend Euro Unterschied ausmachen. Ein genauer Blick lohnt sich daher besonders.
Gilt die neue Altersvorsorge auch für Selbstständige?
Die neue private Altersvorsorge steht auch Selbstständigen und Freiberuflern offen. Diese könnten somit ebenfalls staatlich bezuschusst fürs Alter vorsorgen.
Warum die Riester-Rente an ihren Grenzen stößt
Die Riester-Rente – benannt nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester – sollte Menschen dabei helfen, die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und tatsächlichem Finanzbedarf im Alter zu schließen. Wer riesterte, zahlte regelmäßig in einen staatlich zertifizierten Vorsorgevertrag ein und bekam dafür Zulagen vom Staat sowie Steuervorteile.
Das klang gut, hat in der Praxis aber nicht so funktioniert wie erhofft. Das Problem: Um das angesparte Geld zu schützen, waren Anbieter gesetzlich verpflichtet, den Sparern 100 Prozent ihrer eingezahlten Beiträge zu garantieren. Das bedeutete im Umkehrschluss aber auch: Das Geld durfte kaum gewinnbringend investiert werden, weil jede riskantere Anlage die Garantie gefährden könnte. Die Folge waren magere Renditen. Gleichzeitig wurden hohe Abschluss- und Verwaltungsgebühren fällig.
Viele Sparerinnen und Sparer haben daraus die Konsequenz gezogen: Sie zahlen nicht mehr in ihre Riester-Verträge ein oder haben sie ganz gekündigt. Ende 2024 gab es laut Bundesarbeitsministerium zwar noch knapp unter 15 Millionen aktive Verträge. In schätzungsweise 20 bis 25 Prozent davon wurde jedoch schon lange kein Geld mehr eingezahlt.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, muss nicht zwingend handeln. Alle bestehenden Verträge stehen unter sogenanntem Bestandsschutz und laufen einfach weiter. Wer möchte, kann aber auch in das neue System wechseln, ohne die bisher erhaltenen staatlichen Zulagen zurückzahlen zu müssen. Es können dabei jedoch Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen, die gesetzlich gedeckelt werden sollen.
Wer bereits Rente bezieht, kann keine neue Ansparphase mehr beginnen. Denn das Altersvorsorgedepot ist explizit auf die Ansparphase ausgerichtet.
Was ist mit der Steuer?
Der grundlegende Mechanismus bleibt: Wer im Laufe des Berufslebens in einen Altersvorsorgevertrag einzahlt, muss auf diese Beiträge zunächst keine Steuern zahlen. Dafür wird die spätere Rente im Ruhestand versteuert.
Wann kommt die Reform?
Zum 1. Januar 2027 werden die neuen Vorsorgeprodukte dann auf dem Markt verfügbar sein. Bis dahin ist also noch Zeit, in Ruhe zu überlegen, ob und wie Sie sich für das Alter finanziell absichern möchten.
Die Rente aufbessern: Drei Altersvorsorgemodelle, die der Staat fördert
Die Reform schafft kein völlig neues System aus dem Nichts – sie ergänzt und ersetzt, was bisher existiert. Neben der Riester-Rente gibt es mit der Rürup-Rente ein zweites gefördertes Modell, das vor allem für Selbstständige gedacht ist und weiterhin verfügbar bleibt. Wer entscheiden will, welcher Weg der richtige ist, braucht zunächst den Überblick.
Was Sie jetzt konkret tun sollten:
- Haben Sie einen Riester-Vertrag?
Prüfen Sie, wie lange er noch läuft und welche Zulagen Sie erhalten.
- Sind Sie jünger und können Schwankungen aushalten?
Dann kann ein Wechsel in renditestärkere Produkte sinnvoll sein.
- Legen Sie Wert auf Sicherheit?
Dann kann es sinnvoll sein, beim bestehenden Vertrag zu bleiben.
Viele Menschen müssen jetzt nicht sofort handeln. Wichtig ist, die eigene Situation genau zu prüfen. Wer bereits viele Zulagen erhalten hat, fährt oft gut damit, den Vertrag weiterzuführen. Ein Wechsel kann sich vor allem für jüngere Menschen mit langem Anlagehorizont lohnen – sie können stärker von Kapitalmarktchancen profitieren. Lassen Sie sich beraten – eine pauschale Lösung gibt es nicht. Lesen Sie dazu auch unser Interview.

4 Fragen an
Dirk Weichert
1. Für wen kann ein Wechsel sinnvoll sein? Für wen lohnt es sich, in einen bestehenden Riester-Vertrag weiter einzuzahlen?
Es lohnt sich für die Kundinnen und Kunden, die eine höhere Rendite und damit eine höhere Ablaufleistung erzielen wollen – die also keinen so hohen Wert auf eine Garantie legen. Denn nach den bisher bekannten Reformplänen soll es künftig verschiedene Vorsorge-Modelle geben – mit unterschiedlichem Garantieniveau oder auch ganz ohne Garantie.
Es kann sich auch für Kunden lohnen, wenn die Laufzeit noch lang genug ist – wenn also bis zur Rente noch mindestens 5, besser 7 Jahre bleiben. Denn kurzfristige Kursrisiken im Aktienbereich können sich über einen längeren Zeitraum eher ausgleichen. Dafür braucht es einen etwas längeren Atem, damit der Vertrag Schwankungen abfedern kann.
Weiter einzahlen sollten vor allem Kunden,
die besonders Wert auf Sicherheit legen, die die Garantie des alten
Riestervertrags nutzen möchten oder die kurz vor dem Rentenbeginn stehen. Wer
bereits in Rente ist, riestert nicht mehr, sondern profitiert bereits von der
Riester-Vorsorge. Gerade wenn die Auszahlung bald ansteht, wären mögliche
Kursschwankungen einfach zu risikobehaftet.
2. Viele Menschen haben Sorge vor mehr Risiko an den Kapitalmärkten. Wie erklären Sie Ihren Kundinnen und Kunden den Unterschied zwischen Garantieprodukten und renditeorientierten Anlagen?
Bei der Anlage geht es am Ende immer um drei Dinge: Sicherheitsbedürfnis der Kunden und Kundinnen, Rendite und Verfügbarkeit. Genau darin liegt das Spannungsfeld.
Das Risiko an den Aktienmärkten besteht vor allem in den Schwankungen. Bei einzelnen Aktien kann es auch zu einem Totalverlust kommen. Bei breit gestreuten ETFs oder Investmentfonds ist dieses Risiko aber deutlich geringer. Da geht es eher darum, Kunden zu zeigen: Ja, es kann zwischendurch nach unten gehen. Aber über längere Zeiträume von 10, 15 oder 20 Jahren gab es bisher meist positive Entwicklungen, die auch die Inflation ausgleichen können. Am Ende muss man auch sehen: Unternehmen werden ihre Preise immer so kalkulieren, dass sie damit Gewinne erzielen.
Wichtig ist außerdem: Man muss nicht bis zum Schluss in schwankungsstarken Anlagen bleiben. Kurz vor Rentenbeginn kann in stabilere Produkte umgeschichtet werden, zum Beispiel von Aktienfonds in Rentenfonds. Das erhöht die Sicherheit.
Die Sicherheit eines Garantieproduktes geht dagegen zu Lasten der Rendite. Also einfach gesagt: Mehr Garantie bedeutet in der Regel weniger Rendite. Und wer mehr Ertrag will, muss deshalb auch bereit sein, gewisse Schwankungen auszuhalten.
3. Wenn jemand unsicher ist: Was sind die ersten drei Schritte, die Sie in der Beratung konkret empfehlen, bevor eine Entscheidung zur Altersvorsorge getroffen wird?
Zuerst geht es in der Beratung um die persönliche Finanzplanung. Dabei schauen wir: Welche Ziele und Wünsche hat der Kunde? Welche Sparbeiträge sind für kurz- bis mittelfristige Ausgaben vorgesehen, und welche Beträge können langfristig zurückgelegt werden und eignen sich damit für die Altersvorsorge?
Im zweiten Schritt wird die Sparfähigkeit ermittelt. Also konkret: Was kann nach Abzug aller laufenden Kosten monatlich zurückgelegt werden? Denn eine Altersvorsorge sollte immer nur aus freien Mitteln aufgebaut werden.
Im dritten Schritt wird daraus ein individuelles Altersvorsorge-Konzept entwickelt. Dabei geht es um die persönlichen Prioritäten: Soll vor allem die Inflation ausgeglichen werden? Ist Flexibilität wichtig? Sollen steuerliche Aspekte berücksichtigt werden? Ein einzelnes Produkt kann das nicht leisten. Entscheidend ist deshalb das perfekte Gesamtkonzept für den Einzelnen.
Wichtig ist außerdem: Die geplante neue Altersvorsorge setzt in der Grundstruktur deutlich stärker auf Kapitalmarktanlagen. Je mehr Garantien und Sicherheiten eingebaut werden, desto höher sind in der Regel die Kosten – und das geht alles zulasten von Rendite und Ertrag.
4. Wie kann jemand konkret vorgehen, wenn ein bestehender Vertrag angepasst, ruhend gestellt oder später in ein neues Modell überführt werden soll?
Wer seinen Vertrag beitragsfrei stellen möchte, kann das grundsätzlich jederzeit tun. Dann werden keine weiteren Beiträge mehr eingezahlt, der Vertrag läuft aber als ruhender Vertrag weiter. Das bereits angesparte Kapital bleibt erhalten und kann zum Rentenbeginn für die spätere Auszahlung genutzt werden.
Wer von der alten in eine neue Förderung wechseln möchte, wird das über Übergangsregelungen tun können.
Unabhängig davon kann sich natürlich auch die persönliche finanzielle Situation ändern. Dann stellt sich oft die Frage, ob weitere Beträge noch in den geförderten Vertrag fließen sollen oder ob ergänzend andere Sparformen sinnvoller sind, etwa Investmentfonds, ETFs oder andere Lösungen. Das lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern nur im Gespräch anhand der individuellen Situation klären.
Einen Wechsel kann der Kunde bei uns aktiv anstoßen. Die Herausforderung ist im Moment noch, dass der Gesetzgeber viele Details noch nicht final festgelegt hat. Aber wir lesen mit, werden über Veränderungen informieren und zum Start mit den passenden Angeboten bereitstehen.
Wichtig ist dabei: Die staatlich geförderte private Altersvorsorge ist für den Ruhestand gedacht. Mehr Flexibilität entsteht oft erst dann, wenn man sie mit weiteren Bausteinen kombiniert. Genau da setzen wir in der Beratung an: Wir zeigen die Möglichkeiten auf und geben Orientierung. Der Kunde entscheidet am Ende, welcher Weg zu ihm passt.
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Stand: 12.05.2026



