Eine Frau mit braunen langen Haaren und einem Bauchfreien Top schlägt kraftvoll gegen einen Boxsack

Warum Frauen oft mehr zahlen als Männer

Gender Pricing
Ein Produkt, zwei Preise – nur weil sie für ein bestimmtes Geschlecht bestimmt sind. Das ist Gender Pricing. In der Regel sind Frauen betroffen. Deshalb heißt der Aufschlag auch „Pink Tax“, also „rosa Steuer“. Vor allem bei Pflegeprodukten, aber auch bei bestimmten Dienstleistungen gibt es viele Beispiele dafür.
Das Wichtigste in Kürze:

Pink Tax: Preisdifferenzierung nach Geschlecht in vielen Lebensbereichen

Rasierer, Rasier- und Duschgels, Cremes, Shampoos, Parfüms, Deos – die Liste ist lang, vor allem bei der Körperpflege. Produkte für Männer oder Frauen unterscheiden sich oft in Bezug auf Design und Verpackung, aber nicht bei den Inhaltsstoffen. Dennoch kostet der Geschlechterunterschied oft ein Viertel bis ein Drittel mehr, manchmal sogar das Doppelte.

Häufig versuchen die Hersteller, den Preisunterschied durch unterschiedliche Füllmengen oder Flaschenformen zu verstecken. So ist er auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Dabei machen Körperpflegeprodukte nur einen Teil dieses auch Pink Tax genannten Aufschlags aus. Dasselbe Phänomen findet sich bei Kleidung und Schuhen, bei Spielsachen oder Kinderfahrradhelmen sowie in der Textilreinigung und bei Friseurbesuchen – selbst, wenn Frauen und Männer die gleiche Frisur oder Haarlänge haben.

Stichproben der Verbraucherzentrale Hamburg  im Februar 2023 ergaben, dass sich das Gender Pricing etwas reduziert. Einzelne Drogeriemärkte entscheiden sich mittlerweile gegen den Pink-Tax-Aufschlag und verkaufen beispielsweise Einwegrasierer für Frauen wie Männer zum selben Preis.

Rasierschaum ist im Vergleich dazu noch um bis zu 80 Prozent teurer für Frauen. Und das, obwohl sich die Inhaltsstoffe kaum unterscheiden. Unentdeckt bleibt dieser Preisunterschied oft auch, weil die Produkte im Markt an unterschiedlichen Orten stehen.

Geschlechtsspezifische Diskriminierung: Studie belegt Gender Pricing

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) hat in einer bundesweiten Studie  untersucht, wie stark verbreitet Preisdifferenzen nach Geschlecht sind. Dazu ließ sie rund 1.700 Produkte und 380 Dienstleistungen vergleichen. Das Ergebnis belegt die Diskriminierung: Frauen müssen oft mehr zahlen, ohne dass es dafür sachliche Gründe gibt. Als Konsequenz des Gender Pricings zahlen Frauen über die Jahre Tausende Euro mehr. Obwohl sie im Schnitt nach wie vor 18 Prozent weniger verdienen sowie 30 Prozent weniger Rente erhalten als Männer – und damit generell von Altersarmut gefährdet sind.

Argument der Wirtschaft: Ästhetikanspruch der Frauen verteuert Produkte

Industrie und Dienstleister rechtfertigen den Preisunterschied hingegen oft damit, dass Frauen mehr Wert auf Design und Ästhetik legten als Männer. Produkte, die für sie hergestellt werden, müssten daher oft aufwendiger und teurer produziert werden. Dies führe zu höheren Kosten, die an die Kundinnen weitergegeben werden müssten.

Ein weiterer Preistreiber bestehe darin, dass Frauen oft kleinere Größen benötigten als Männer. Dies könne zu höheren Produktionskosten führen, da sie schwieriger herzustellen seien. Möglich ist diese geschlechtsspezifische Preisgestaltung aber tatsächlich, weil Frauen bereit sind, für Gesundheit und Schönheit mehr zu bezahlen.

Gesellschaftlicher Wandel: Verbraucherschutz fordert Umdenken

Um dieser geschlechtsspezifischen Preisgestaltung entgegenzuwirken, fordern Wissenschaft und Verbraucherschutz ein generelles Umdenken. Dabei allein auf die Macht der Verbraucherinnen zu setzen, die statt zum teureren weiblichen zu einem günstigeren männlichen Produkt greifen könnten, sei aber zu kurz gegriffen: Wenn sie durch die Sozialisierung auf bestimmte Farben wie eben rosa beziehungsweise pink geprägt seien, werde es schwierig, einen solchen Boykott zu erzielen. Viel wirksamer sei es, generell einen gesellschaftlichen Wandel einzuleiten, lautet das Kernargument.

Dass dies möglich ist, zeigt sich unter anderem an Menstruationsprodukten wie Tampons, Binden oder Menstruationstassen. Seit Anfang 2020 werden sie mit 7 Prozent Umsatzsteuer und nicht mehr mit 19 Prozent besteuert. Hier haben sich zahlreiche Petitionen und eine große mediale Aufmerksamkeit ausgezahlt.

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Stand: 07.03.2024

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