
Kundendiebstahl verursachte 2025 mehr als 3 Milliarden Euro Schaden im Handel.
Konzentrieren Sie sich zunächst auf den Schutz vor Kundendiebstahl. Hier entsteht der größte Teil der Verluste.
Darüber hinaus verursachten Mitarbeiterdiebstahl sowie Verluste durch Liefer- oder Servicepersonal mehr als 1 Milliarde Euro Schaden.

0,0Millionen
Kleine Waren, großer Schaden: Diebstahl erreicht Rekordniveau
Kaffee in die Tasche, Parfum unter die Jacke, Spirituosen im Rucksack: Aus vielen kleinen Griffen wird insgesamt ein Milliardenschaden. 2025 entwendeten Kundinnen und Kunden, Beschäftigte sowie Liefer- und Servicekräfte Waren im Wert von mehr als 4,3 Milliarden Euro. Das waren 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt. Für die Untersuchung wurden 103 Unternehmen mit insgesamt 21.225 Verkaufsstellen befragt.
Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Schäden durch Diebstahl um knapp 29 Prozent, beim Kundendiebstahl sogar um gut 41 Prozent.
Etwa ein Drittel aller Diebstähle entfällt nach EHI-Angaben auf organisierte Täter- und Täterinnengruppen (rund 1 Milliarde Euro Verluste). Sie stehlen gezielt kleine, hochpreisige und gut weiter verkaufbare Produkte, teils offenbar nach festen Bestelllisten.
Zugleich berichten Händler und Unternehmerinnen von mehr Gelegenheitsdiebstählen. Die Ursachen sind vielfältig: Steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftlicher Druck und Personalmangel könnten die Entwicklung begünstigen.

0Prozent
Warum Diebstähle zunehmen – und was das für Ihr Geschäft bedeutet
Zugleich erschwert Personalmangel die Prävention: Wo weniger Beschäftigte auf der Fläche präsent sind, bleiben Schwachstellen eher unbemerkt.
Hinzu kommen nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) ein schwindender Respekt vor fremdem Eigentum und eine geringere Akzeptanz rechtlicher Regeln. Außerdem registriert der HDE eine gewisse Anzeigemüdigkeit, weil die Strafverfolgung am Ende nichts oder zu wenig bewirkt.
Schwachstellen im eigenen Geschäft erkennen
Bevor Händlerinnen und Geschäftsinhaber gezielte Maßnahmen planen, sollten sie die eigenen Abläufe prüfen: Wo, wann und bei welchen Artikeln entstehen Verluste? Besondere Aufmerksamkeit verdienen laut Studie Produkte, die sich leicht einstecken oder weiterverkaufen lassen:
Lebensmittelhandel
Kaffee, Energydrinks, Babynahrung, Fleisch- und Wurstprodukte, Käse, Nüsse, Öle, Schokolade, Alkohol und Tabakwaren.
Bekleidungshandel
Jeans, Sneaker, T-Shirts, Hemden sowie Accessoires wie Gürtel, Schals, Brillen, Modeschmuck und Handtaschen.
Drogerien
Düfte, Kosmetik, Rasierklingen und Babynahrung.
Elektronikhandel
Smartphones, Bluetooth-Kopfhörer, Speichermedien, Konsolen- und Videospiele sowie Druckerpatronen.
Baumärkte
hochwertige Akkuwerkzeuge, Akkus und Ladegeräte, Handwerkzeuge sowie digitale Messgeräte.
Tipp: Dokumentieren Sie regelmäßig Inventurdifferenzen nach Warengruppen und Kassenabweichungen. So erkennen Sie Muster und können gezielt nachsteuern. Auch Hinweise aus dem Team helfen, Schwachstellen zu erkennen.
Gefährdete Waren strategisch platzieren
Prüfen Sie in Ihrem Geschäft, welche Artikel besonders diebstahlgefährdet sind. Platzieren Sie diese:
- in gut einsehbaren Bereichen,
- in Kassennähe,
- gegebenenfalls in Vitrinen oder nur auf Nachfrage verfügbar,
- Etiketten, Alarmclips und gesicherte Regalböden erhöhen zusätzlich die Hürde.
Bei Kaffee können unsichtbare Sicherungen Alarm auslösen, wenn gleichzeitig viele Packungen entnommen werden.
Schutz muss jedoch verhältnismäßig bleiben: Wer zu viel wegschließt, verschlechtert das Einkaufserlebnis.
Präsenz zeigen und Beschäftigte schützen
Wer als Beschäftigter regelmäßig durch die Verkaufsfläche geht und Kundinnen und Kunden aktiv Hilfe anbietet, signalisiert: Hier wird hingeschaut. Das schreckt ab. Auffälligkeiten sollten Beschäftigte nicht allein einschätzen, sondern im Team besprechen und nach klaren internen Regeln weitermelden.
Beschäftigte dürfen sich nie selbst gefährden. EHI-Experte Frank Horst warnt vor mehr Übergriffen und aggressiveren Tätern. Bei Bedrohung gilt: Abstand halten, Unterstützung holen und im Notfall die Polizei alarmieren. Waren lassen sich ersetzen. Die Gesundheit der Beschäftigten im Zweifel nicht.
Mitarbeitende schulen und Technik sinnvoll einsetzen
Trainieren Sie Ihre Teams regelmäßig darin,
- risikoreiche Warengruppen und typische Situationen zu erkennen,
- Kundinnen und Kunden offen und serviceorientiert anzusprechen,
- im Verdachtsfall sicher und rechtlich sauber zu handeln,
- Notfälle zu melden und zu dokumentieren,
- Übergaben, Retouren und Kassenprozesse zuverlässig zu kontrollieren.
Dabei lohnt sich ein fester Ablaufplan: Wer informiert die Marktleitung? Wann wird ein Sicherheitsdienst hinzugezogen? Wie werden Beobachtungen festgehalten? Klare Zuständigkeiten vermeiden Hektik und schützen Beschäftigte davor, in belastenden Situationen allein entscheiden zu müssen. Schulungen schaffen Handlungssicherheit.
Technische Maßnahmen wie Kameras, elektronische Warensicherung, Alarmtechnik und digitale Bestandskontrollen können diese Arbeit ergänzen, aber nicht ersetzen.
Videoüberwachung muss klar als solche kenntlich gemacht und die Datenschutzvorgaben eingehalten werden.
Selbstbedienungskassen gut begleiten
Selbstbedienungskassen erhöhen laut EHI-Studie zwar die Verluste, sind aber nicht der Haupttreiber für Inventurdifferenzen. Viele nicht bezahlte Artikel gehen auf Bedienfehler zurück. Verständliche Hinweise, schnell erreichbare Beschäftigte und technische Plausibilitätsprüfungen helfen, Fehler zu vermeiden und Manipulationen zu erkennen – ohne ehrliche Kundschaft unnötig auszubremsen.
Organisierte Gruppen und interne Risiken im Blick behalten
Organisierte Tätergruppen handeln oft arbeitsteilig und testen gezielt Sicherheitslücken aus. Wer solche Muster erkennt – etwa wiederholte Vorfälle, verdächtige Erkundungstouren oder plötzlich häufige Verluste bei bestimmten Produkten – sollte das dokumentieren, intern weitergeben und bei konkreten Verdachtsfällen Polizei und Sicherheitsdienste einschalten.
Auch interne Verluste dürfen Händler nicht ausblenden: Beschäftigte verursachten nach EHI-Hochrechnungen rund 910 Millionen Euro Schaden, Lieferanten und Servicekräfte weitere 370 Millionen Euro.
Verlässliche Warenannahmen, getrennte Zuständigkeiten bei Kasse und Retouren, regelmäßige Bestandskontrollen und begrenzte Lagerzugänge wirken hier beispielsweise vorbeugend.
Die meisten Diebstähle bleiben unentdeckt
Die Polizeiliche Kriminalstatistik zählte 2025 rund 383.096 angezeigte Ladendiebstähle während der Geschäftszeit. Das waren 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Bild täuscht jedoch gewaltig: Nach EHI-Einschätzung bleibt der größte Teil unentdeckt oder wird nicht angezeigt: Rechnerisch waren es 2025 etwa 24,8 Millionen Fälle mit einem durchschnittlichen Warenwert von 123 Euro. Das entspricht dem 65-Fachen. Auf jeden angezeigten Diebstahl kommen also rechnerisch etwa 64 unentdeckte oder nicht angezeigte.
Erfassen Sie Vorfälle daher systematisch, prüfen Sie Muster und erstatten Sie bei wiederholten oder organisierten Taten Anzeige.
Investition in Sicherheit als Teil Ihrer Unternehmensplanung
Der Einzelhandel gab im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden Euro für Maßnahmen gegen Diebstahl aus, etwa für Ladendetektive, Testkäufe, Warensicherung und Videoüberwachung. Viele Betriebe können diesen Aufwand jedoch kaum finanzieren. Der Handelsverband Deutschland fordert deshalb politische Schritte, um Ladendiebstahl stärker einzudämmen.
Ein Sicherheitskonzept aus mehreren Bausteinen
Diebstahl lässt sich nicht vollständig verhindern, aber Sie können das Risiko für Ihr Unternehmen deutlich senken. Ein wirksames Sicherheitskonzept kombiniert:
- gezielten Schutz risikoreicher Waren,
- klare Abläufe und Kontrollen,
- regelmäßige Schulungen Ihres Teams,
- sinnvolle technische Maßnahmen.
Wichtig dabei: Der Schutz Ihrer Beschäftigten hat immer Vorrang vor der Ware.
Hier dreht sich alles ums Geld. Mit uns bleiben Sie auf dem Laufenden und erfahren alles über clevere Spartipps, lukrative Anlagemöglichkeiten, smarte Altersvorsorgen und News aus der Finanzwelt. Denn: Wissen zahlt sich aus!



