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Eine Person steckt heimlich ein Produkt in ihre Jacke, während sie sich in einem Laden befindet

So schützen Sie Ihr Unternehmen vor Milliardenschäden

Diebstahl im Handel nimmt zu
Täglich verschwinden Waren im Wert von knapp 12 Millionen Euro aus deutschen Geschäften. 2025 entstand durch Kundschaft, Beschäftigte und organisierte Gruppen ein Schaden von mehr als 4,3 Milliarden Euro. Womöglich ist Ihnen so etwas auch schon passiert. Erfassen Sie die Risiken in Ihrem Geschäft und leiten Sie gezielte Maßnahmen ab.
Stand:31. Juli 2026
Das Wichtigste in Kürze
  • Kundendiebstahl verursachte 2025 mehr als 3 Milliarden Euro Schaden im Handel.

  • Konzentrieren Sie sich zunächst auf den Schutz vor Kundendiebstahl. Hier entsteht der größte Teil der Verluste.

  • Darüber hinaus verursachten Mitarbeiterdiebstahl sowie Verluste durch Liefer- oder Servicepersonal mehr als 1 Milliarde Euro Schaden.

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Ladendiebstähle blieben laut einer Hochrechnung 2025 in Deutschland unentdeckt. (EHI-Studie Inventurdifferenzen 2026). 

Kleine Waren, großer Schaden: Diebstahl erreicht Rekordniveau

Kaffee in die Tasche, Parfum unter die Jacke, Spirituosen im Rucksack: Aus vielen kleinen Griffen wird insgesamt ein Milliardenschaden. 2025 entwendeten Kundinnen und Kunden, Beschäftigte sowie Liefer- und Servicekräfte Waren im Wert von mehr als 4,3 Milliarden Euro. Das waren 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt. Für die Untersuchung wurden 103 Unternehmen mit insgesamt 21.225 Verkaufsstellen befragt.

Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Schäden durch Diebstahl um knapp 29 Prozent, beim Kundendiebstahl sogar um gut 41 Prozent.

Viele Händler sind der Ansicht, dass die aktuelle politische Lage und die wirtschaftlichen Aussichten viele Verbraucher und Beschäftigte unter finanziellen Druck setzen und somit zu mehr Gelegenheitsdiebstählen führen.
Frank Horst, Leiter Forschungsbereich Inventurdifferenzen und Sicherheit, EHI Retail Institute

Etwa ein Drittel aller Diebstähle entfällt nach EHI-Angaben auf organisierte Täter- und Täterinnengruppen (rund 1 Milliarde Euro Verluste). Sie stehlen gezielt kleine, hochpreisige und gut weiter verkaufbare Produkte, teils offenbar nach festen Bestelllisten.

Zugleich berichten Händler und Unternehmerinnen von mehr Gelegenheitsdiebstählen. Die Ursachen sind vielfältig: Steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftlicher Druck und Personalmangel könnten die Entwicklung begünstigen.

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um so viel sind die Schäden beim Kundendiebstahl zwischen 2020 und 2025 gestiegen (EHI-Studie Inventurdifferenzen 2026).

Warum Diebstähle zunehmen – und was das für Ihr Geschäft bedeutet

Zugleich erschwert Personalmangel die Prävention: Wo weniger Beschäftigte auf der Fläche präsent sind, bleiben Schwachstellen eher unbemerkt.

Hinzu kommen nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) ein schwindender Respekt vor fremdem Eigentum und eine geringere Akzeptanz rechtlicher Regeln. Außerdem registriert der HDE eine gewisse Anzeigemüdigkeit, weil die Strafverfolgung am Ende nichts oder zu wenig bewirkt.

Schwachstellen im eigenen Geschäft erkennen

Bevor Händlerinnen und Geschäftsinhaber gezielte Maßnahmen planen, sollten sie die eigenen Abläufe prüfen: Wo, wann und bei welchen Artikeln entstehen Verluste? Besondere Aufmerksamkeit verdienen laut Studie Produkte, die sich leicht einstecken oder weiterverkaufen lassen:

  • Lebensmittelhandel

    Kaffee, Energydrinks, Babynahrung, Fleisch- und Wurstprodukte, Käse, Nüsse, Öle, Schokolade, Alkohol und Tabakwaren.

  • Bekleidungshandel

    Jeans, Sneaker, T-Shirts, Hemden sowie Accessoires wie Gürtel, Schals, Brillen, Modeschmuck und Handtaschen.

  • Drogerien

    Düfte, Kosmetik, Rasierklingen und Babynahrung.

  • Elektronikhandel

    Smartphones, Bluetooth-Kopfhörer, Speichermedien, Konsolen- und Videospiele sowie Druckerpatronen.

  • Baumärkte

    hochwertige Akkuwerkzeuge, Akkus und Ladegeräte, Handwerkzeuge sowie digitale Messgeräte.

Tipp: Dokumentieren Sie regelmäßig Inventurdifferenzen nach Warengruppen und Kassenabweichungen. So erkennen Sie Muster und können gezielt nachsteuern. Auch Hinweise aus dem Team helfen, Schwachstellen zu erkennen.

Gefährdete Waren strategisch platzieren

Prüfen Sie in Ihrem Geschäft, welche Artikel besonders diebstahlgefährdet sind. Platzieren Sie diese:

  • in gut einsehbaren Bereichen,
  • in Kassennähe,
  • gegebenenfalls in Vitrinen oder nur auf Nachfrage verfügbar,
  • Etiketten, Alarmclips und gesicherte Regalböden erhöhen zusätzlich die Hürde.

Bei Kaffee können unsichtbare Sicherungen Alarm auslösen, wenn gleichzeitig viele Packungen entnommen werden.

Schutz muss jedoch verhältnismäßig bleiben: Wer zu viel wegschließt, verschlechtert das Einkaufserlebnis.

Präsenz zeigen und Beschäftigte schützen

Wer als Beschäftigter regelmäßig durch die Verkaufsfläche geht und Kundinnen und Kunden aktiv Hilfe anbietet, signalisiert: Hier wird hingeschaut. Das schreckt ab. Auffälligkeiten sollten Beschäftigte nicht allein einschätzen, sondern im Team besprechen und nach klaren internen Regeln weitermelden.

Beschäftigte dürfen sich nie selbst gefährden. EHI-Experte Frank Horst warnt vor mehr Übergriffen und aggressiveren Tätern. Bei Bedrohung gilt: Abstand halten, Unterstützung holen und im Notfall die Polizei alarmieren. Waren lassen sich ersetzen. Die Gesundheit der Beschäftigten im Zweifel nicht.

Mitarbeitende schulen und Technik sinnvoll einsetzen

Trainieren Sie Ihre Teams regelmäßig darin,

  • risikoreiche Warengruppen und typische Situationen zu erkennen,
  • Kundinnen und Kunden offen und serviceorientiert anzusprechen,
  • im Verdachtsfall sicher und rechtlich sauber zu handeln,
  • Notfälle zu melden und zu dokumentieren,
  • Übergaben, Retouren und Kassenprozesse zuverlässig zu kontrollieren.

Dabei lohnt sich ein fester Ablaufplan: Wer informiert die Marktleitung? Wann wird ein Sicherheitsdienst hinzugezogen? Wie werden Beobachtungen festgehalten? Klare Zuständigkeiten vermeiden Hektik und schützen Beschäftigte davor, in belastenden Situationen allein entscheiden zu müssen. Schulungen schaffen Handlungssicherheit. 

Technische Maßnahmen wie Kameras, elektronische Warensicherung, Alarmtechnik und digitale Bestandskontrollen können diese Arbeit ergänzen, aber nicht ersetzen.

Videoüberwachung muss klar als solche kenntlich gemacht und die Datenschutzvorgaben eingehalten werden.

Selbstbedienungskassen gut begleiten

Selbstbedienungskassen erhöhen laut EHI-Studie zwar die Verluste, sind aber nicht der Haupttreiber für Inventurdifferenzen. Viele nicht bezahlte Artikel gehen auf Bedienfehler zurück. Verständliche Hinweise, schnell erreichbare Beschäftigte und technische Plausibilitätsprüfungen helfen, Fehler zu vermeiden und Manipulationen zu erkennen – ohne ehrliche Kundschaft unnötig auszubremsen.

Organisierte Gruppen und interne Risiken im Blick behalten

Organisierte Tätergruppen handeln oft arbeitsteilig und testen gezielt Sicherheitslücken aus. Wer solche Muster erkennt – etwa wiederholte Vorfälle, verdächtige Erkundungstouren oder plötzlich häufige Verluste bei bestimmten Produkten – sollte das dokumentieren, intern weitergeben und bei konkreten Verdachtsfällen Polizei und Sicherheitsdienste einschalten.

Auch interne Verluste dürfen Händler nicht ausblenden: Beschäftigte verursachten nach EHI-Hochrechnungen rund 910 Millionen Euro Schaden, Lieferanten und Servicekräfte weitere 370 Millionen Euro.

Verlässliche Warenannahmen, getrennte Zuständigkeiten bei Kasse und Retouren, regelmäßige Bestandskontrollen und begrenzte Lagerzugänge wirken hier beispielsweise vorbeugend.

Die meisten Diebstähle bleiben unentdeckt

Die Polizeiliche Kriminalstatistik zählte 2025 rund 383.096 angezeigte Ladendiebstähle während der Geschäftszeit. Das waren 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Bild täuscht jedoch gewaltig: Nach EHI-Einschätzung bleibt der größte Teil unentdeckt oder wird nicht angezeigt: Rechnerisch waren es 2025 etwa 24,8 Millionen Fälle mit einem durchschnittlichen Warenwert von 123 Euro. Das entspricht dem 65-Fachen. Auf jeden angezeigten Diebstahl kommen also rechnerisch etwa 64 unentdeckte oder nicht angezeigte.

Erfassen Sie Vorfälle daher systematisch, prüfen Sie Muster und erstatten Sie bei wiederholten oder organisierten Taten Anzeige.

Investition in Sicherheit als Teil Ihrer Unternehmensplanung

Der Einzelhandel gab im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden Euro für Maßnahmen gegen Diebstahl aus, etwa für Ladendetektive, Testkäufe, Warensicherung und Videoüberwachung. Viele Betriebe können diesen Aufwand jedoch kaum finanzieren. Der Handelsverband Deutschland fordert deshalb politische Schritte, um Ladendiebstahl stärker einzudämmen.

Ein Sicherheitskonzept aus mehreren Bausteinen

Diebstahl lässt sich nicht vollständig verhindern, aber Sie können das Risiko für Ihr Unternehmen deutlich senken. Ein wirksames Sicherheitskonzept kombiniert:

  1. gezielten Schutz risikoreicher Waren,
  2. klare Abläufe und Kontrollen,
  3. regelmäßige Schulungen Ihres Teams,
  4. sinnvolle technische Maßnahmen.

Wichtig dabei: Der Schutz Ihrer Beschäftigten hat immer Vorrang vor der Ware.

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