Corporate Governance – um was es geht und warum sie wichtig ist

Über die Bedeutung und den Erfolg verantwortungsvoller Unternehmensführung

Corporate Governance ist ein wichtiger Teil jeder Unternehmensführung. Sie umfasst nicht nur rechtliche Fragen, sondern auch ethische Verantwortung. Wir erklären, was das für deutsche Unternehmen bedeutet – und wo sie noch aufholen müssen. 

Ein Unternehmen muss einfach rund laufen, um erfolgreich zu sein.
Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance, Deka Investment
In einem Fenster eines Unternehmens spiegeln sich Bäume

Was bedeutet Corporate Governance?

Corporate Governance bedeutet „Grundsätze der Unternehmensführung“. Besser gesagt: verantwortungsvolle Unternehmensführung. Corporate Governance gibt den rechtlichen und faktischen Rahmen dazu vor. Sie definiert also, wie ein Unternehmen geleitet und überwacht wird.

Wie dieser Ordnungsrahmen genau aussieht, bestimmen vor allem der Gesetzgeber – mit seinen strafrechtlichen und zivilrechtlichen Gesetzen – und der Eigentümer, also das Unternehmen selbst. Die konkrete Ausgestaltung obliegt dem Aufsichtsrat beziehungsweise Vorstand. Sie erarbeiten dazu ein unternehmensspezifisches Corporate-Governance-System.

Illustration: Ene Waage mit Geld und Werten

Warum ist verantwortungsvolle Unternehmensführung wichtig?

Nur eine verantwortungsbewusste und auf nachhaltige Wertschöpfung ausgerichtete Führung und Kontrolle macht Unternehmen erfolgreich. Offenheit und Transparenz sind ein wichtiger Teil der Corporate Governance. Management oder Mitarbeiter könnten missbräuchlich oder gar kriminell handeln. Durch das Corporate-Governance-Regelwerk weiß ein Unternehmen, wie es damit umgehen und wie es sanktionieren soll.

Ziel ist es, mit einem Corporate-Governance-Modell das Vertrauen von Kapitalgebern, Finanzmärkten, Geschäftspartnern und öffentlichen Medien zu gewinnen. Unternehmen engagiert zu führen und ein verantwortungsvolles Management durchzusetzen, ist harte Detailarbeit.

Doch der Aufwand lohnt sich: „Unternehmen, die mit einer nachhaltigen Perspektive geführt werden, meiden in der Regel bestimmte Risiken, die aus einer kurzfristigen Profitorientierung entstehen“, unterstreicht Ingo Speich. „Das macht sie stabiler.“

Gut zu wissen

Der Deutsche Corporate Governance Kodex (abgekürzt DCGK) ist ein Regelwerk, das vor allem Empfehlungen und Anregungen für börsennotierte Unternehmen enthält, die auf eine gute Unternehmensführung zielen. Das Thema angemessene Unternehmensführung hat seit den 1990er Jahren an Bedeutung gewonnen.

Erstmals verfasst 2002, gilt der DCGK heute als Maßstab für eine gesunde Unternehmensführung in Betrieben jeder Größenordnung. Es steht jedem Unternehmen frei, sich an die Maßnahmen im DCGK zu halten und sie gegebenenfalls zu ändern. 

Eine Geschäftsfrau blickt in die Kamera

Wie sollte ein Aufsichtsrat aussehen?

Ein Aufsichtsrat muss in der Lage sein, den Vorstand bei seinen operativen Aufgaben zu beraten und zu beaufsichtigen. Er spielt also für die Transparenz eine entscheidende Rolle. Damit er das Management wirklich kontrollieren kann, muss er vor allem kompetent und unabhängig sein.

Wichtig ist deshalb, dass die Mitglieder des Aufsichtsrats

  • ausreichend Zeit für diese Aufgabe mitbringen,
  • unabhängig und
  • zeitlich befristet im Amt sind.

Sinnvoll ist es zum Beispiel, mindestens die Hälfte der Positionen im Aufsichtsrat mit unabhängigen Vertretern zu besetzen. Das sollten keine ehemaligen Vorstandsmitglieder des Unternehmens oder Vertreter größerer Aktionäre sein.

Aufsichtsratsmitglieder sollten außerdem jeweils maximal vier Mandate innehaben. Nur so können sie ihren Aufgaben noch gerecht werden. Um die Leistungsfähigkeit beizubehalten und die richtigen Kompetenzen im Aufsichtsrat zu haben, sollten sie sich im Idealfall alle drei Jahre zur Wiederwahl stellen. 

Illustration: Eine diverse Gruppe vor einem Chart

Wo müssen deutsche Unternehmen noch aufholen?

Viele deutsche Unternehmen haben im internationalen – und auch im europäischen – Vergleich bei verschiedenen Kompetenzfeldern Verbesserungsbedarf. Denn:

  • In deutschen Aufsichtsräten sind Frauen noch deutlich unterrepräsentiert.
  • Deutsche Aufsichtsräte sind noch zu wenig international durchmischt.
  • Aufsichtsräte benötigen mehr starke Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsexpertinnen. 

Corporate Governance
Expertengespräch mit
Ingo Speich
Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance, Deka Investment
„In den Köpfen herrscht noch das Bild der alten weißen Männer“

Warum ist Corporate Governance wichtig?

Ein Unternehmen muss einfach rund laufen, um erfolgreich zu sein. Mit verantwortungsvoller Unternehmensführung beugt es Risiken vor. Dazu gehören Klage-, Reputations- oder Ereignisrisiken. 

Wie funktioniert das?

Nur durch eine gute Corporate Governance kann der Vorstand richtig agieren. Wenn Sie einen starken Vorstand haben, läuft dieser immer Gefahr, über die Zeit zu selbständig zu werden. Er braucht ein Regulativ. Das Regulativ des Vorstands ist der Aufsichtsrat, das Regulativ des Aufsichtsrats die Hauptversammlung. 

Wie sollte die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat idealerweise aussehen?

Der Aufsichtsrat darf nicht zu eng am Vorstand dran sein, aber auch nicht zu weit weg. Er muss eine gewisse Distanz haben, um frei urteilen zu können. Auf der anderen Seite muss er auch im Thema sein, um den Vorstand zu beaufsichtigen.

Für uns als Aktionär ist wichtig, dass der Aufsichtsratsvorsitzende die notwendige Autorität hat und eine sehr fachlich-sachliche Diskussion geführt wird. Wie das operativ läuft, hängt vom Unternehmen und dessen Kultur ab. 

Sie sind schon sehr lange in diesem Bereich aktiv. Wie hat sich Corporate Governance verändert?

Wenn man die Frage auf die drei Organe bezieht: Die Hauptversammlung wurde sukzessive um ihre Rechte beschnitten. Bis hin zur virtuellen Hauptversammlung aktuell aufgrund der Corona-Krise.

Die Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden und des Aufsichtsrats hingegen wurde enorm gestärkt. Gleichzeitig wuchs auch das Risiko, das er trägt. Der Aufsichtsrat muss heutzutage viel aktiver sein: gegenüber dem Vorstand, den Medien und den Investoren.

Der Vorstand wiederum hat es schwerer. Die durchschnittliche Zugehörigkeit zu einem Vorstand nimmt immer mehr ab. Das heißt, es wird schnelllebiger. Zurzeit sind es circa 5,1 Jahre, die ein Vorstandsmitglied im Schnitt bleibt. 

Welche Fehler machen Unternehmen in Bezug auf Corporate Governance am häufigsten?

Sie sind zu träge. Mehr Bewegung in Aufsichtsrat und Vorstand würde manchen Unternehmen guttun. Geschäftsmodelle ändern sich schnell, gerade jetzt in Krisenzeiten. Damit müssen neue Kompetenzen an Bord. Deutsche Unternehmen halten zu lange an Vorständen und Aufsichtsräten fest.

Wir haben außerdem immer noch starke Netzwerke, die die Aufsichtsräte bestimmen. Häufig geht das Thema Vertrauen vor Kompetenz. Das ist vor allem für uns außenstehende Aktionäre kritisch: Es entstehen Klumpen in den Netzwerkstrukturen. Das führt zum so genannten Overboarding, das heißt zu einer Häufung von Mandaten. Die jeweiligen Personen können ihren Mandaten nicht mehr nachkommen. 

Wo müssen deutsche Unternehmen aufholen?

Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Internationalität. Unsere Aufsichtsräte sind viel zu sehr auf Deutschland fokussiert, das ganze Thema Diversität und Heterogenität ist zu wenig ausgeprägt. Zwar haben wir in Deutschland eine Frauenquote. Aber divers meint ja nicht nur Geschlecht, sondern auch Herkunft, Ausbildung oder Kultur. In den Köpfen herrscht noch zum großen Teil das Bild der so genannten alten weißen Männer. 

Illustration: Jemand schaut mit einer Lupe auf Geschäftszahlen

Aktive Governance der Deka

Die Deka, das Wertpapierhaus der Sparkassen, hat als Vermögensverwalter eine treuhänderische Verantwortung gegenüber den ihr anvertrauten Anlagegeldern. Für die Deka hat deshalb die Vertretung der Interessen und Stimmrechte ihrer Anleger gegenüber den Aktiengesellschaften einen hohen Stellenwert. Sie legte deshalb schon vor geraumer Zeit einen Schwerpunkt im Bereich Corporate Governance.

Hinter diesen Grundsätzen steckt der Wille der Deka, sich, falls nötig, auch kritisch mit den Unternehmen auseinanderzusetzen. Dabei setzt sie vor allem auf den direkten Dialog mit dem Management.

So ergreift sie auf vielen Hauptversammlungen engagiert das Wort. Eine Stimme mit Gewicht: Die Deka gehört bei vielen DAX-Unternehmen zu den größten 10 Anteilseignern und vertritt insgesamt mehr als vier Millionen Anleger.

Bei ihren Auftritten vertreten die Deka-Experten die Forderung nach einer nachhaltigen, langfristig ausgerichteten Unternehmensentwicklung und sprechen Defizite an. Zum Beispiel bei Daimler und VW aktiv das Thema CO2-Emissionen oder bei Wirecard und Lufthansa das Thema Unternehmensführung.

Was die Deka mit ihrem Abstimmungsverhalten im Detail erreichen will, hat sie in ihren „Grundsätzen der Abstimmungspolitik“ definiert. Pate standen dabei unter anderem die Analyse-Leitlinien für Hauptversammlungen des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI). 

Sie interessieren sich für Corporate Governance und nachhaltige Geldanlagen? Wir beraten Sie gern.

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