Umweltbewusst, sozial engagiert und erfolgreich

So profitieren Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften

Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen eine Herausforderung. Schließlich muss sie auch wirtschaftlich vertretbar sein. Doch umweltbewusstes und soziales Engagement verursacht nicht nur Kosten. Mit der richtigen Strategie kann es sich langfristig bezahlt machen.

Nachhaltigkeit ist gefragt

Klimaneutral, umweltbewusst, nachhaltig, fair, sozial engagiert – welches Unternehmen würde nicht gern so von seinen Kunden und Geschäftspartnern wahrgenommen werden? Denn Nachhaltigkeit kommt an. Laut Verbrauchs- und Medienanalyse 2017 achten knapp 50 Prozent der befragten Kunden und Verbraucher beim Kauf von Produkten darauf, ob das Unternehmen sozial und ökologisch handelt. Lediglich für rund 17 Prozent spielt die Verantwortung des Unternehmens keine Rolle bei ihrem Einkauf.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Nachhaltigkeit kein kurzweiliger Trend ist, sondern eine Herausforderung, die uns alle betrifft. Das merken wir im Alltag: Die Deutschen trennen Müll, bauen Passiv-Eigenheime mit Solaranlagen oder kaufen Lebensmittel mit Fair-Trade-Siegel.

Umweltbewusst und fair: So geht’s

Für Unternehmen ist es nicht leicht, Nachhaltigkeit in den Arbeitsalltag zu integrieren. Sie muss in einem angemessenen Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit stehen. Und schließlich bedeuten größere und aufwändigere Maßnahmen kurzfristig vor allem eins: hohe Kosten.

Trotzdem wollen viele Betriebe möglichst verantwortlich handeln. Ein Unternehmen, das Nachhaltigkeit sehr konsequent verfolgt, ist die W. Neudorff GmbH KG aus Emmerthal in Niedersachsen. Neudorff stellt umweltschonende Pflanzenschutz-, Schädlingsbekämpfungs- und Tierpflegemittel für Hobbygärtner und den professionellen Gartenbau her. Und achtet dabei auf alle drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales.

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Das erklärte Ziel des Unternehmens ist es, wirksame, effektive, aber auch umweltfreundliche Produkte zu entwickeln. „Dabei setzen wir auf nachwachsende und natürliche Wirkstoffe“, sagt Silke Conrad, zuständig für das Nachhaltigkeitsmanagement bei Neudorff. Um sicherzustellen, dass alle Produkte in der Praxis überzeugen, werden sie in der betriebseigenen Versuchsgärtnerei getestet.

In puncto Energie setzt das Unternehmen auf Windgas, Wasserkraft, Solaranlagen und sein eigenes Blockheizkraftwerk. „Wir nutzen 100 Prozent Ökostrom an allen Standorten und vermeiden so unnötige CO2-Emissionen“, erklärt Conrad.

Der CO2-Ausstoß soll auch entlang der Lieferkette reduziert werden. Das Unternehmen ist an vier Standorten aktiv. Das Zentrallager befindet sich in der Mitte Deutschlands, um die Transportwege kurz zu halten. Bei Lieferanten gilt: regional vor international. Und um die eigenen Flug- und Geschäftsreisen zu verringern, wurde ein Videokonferenzsystem installiert. Wenn es dann doch nicht anders geht, bevorzugt Neudorff die Bahn als Verkehrsmittel.

Zusätzlich zu den eigenen Maßnahmen unterstützt der Mittelständler auch ökologische und soziale Projekte in der Region und in Afrika.

Einsparmöglichkeiten

Die W. Neudorff GmbH KG zeigt, dass Unternehmen vielfältige Möglichkeiten haben, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen. Für einige Maßnahmen sind erst einmal Ausgaben nötig. Doch hierbei können Unternehmen unter Umständen auch Fördermittel nutzen. So bieten beispielsweise die KfW und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Zuschüsse und günstige Darlehen für Unternehmen, die in ihre Energieeffizienz investieren

Und ein optimierter Energieverbrauch macht sich natürlich auch langfristig bezahlt. So können Firmen beispielweise durch eine professionelle Energieberatung und eine energetische Sanierung ihre Energiekosten um mehr als 20 Prozent reduzieren. 

Positives Arbeitgeber-Image

Wenn Unternehmen sich für Umweltschutz engagieren und soziale Verantwortung übernehmen, hat das auch einen starken Einfluss auf ihr Image. Und das nicht nur in der Kundenwahrnehmung.

Gerade junge Arbeitnehmer haben oftmals hohe Anforderungen an ihren Arbeitgeber. Sie legen Wert auf eine Work-Life-Balance, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine Studie von Nielsen ergab, dass rund 50 Prozent der befragten Arbeitnehmer, die bevorzugt für Unternehmen arbeiten, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, zwischen 21 und 34 Jahre alt sind.

Das hat auch Neudorff verstanden. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 250 Personen. Und die sollen möglichst zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sein.

„In Zeiten des Fachkräftemangels ist es besonders wichtig, sich sozial zu engagieren. Für die eigenen Mitarbeiter, aber auch um potenzielle neue Mitarbeiter zu gewinnen. Unser Engagement ist daher auch – aber nicht nur – ein wenig Eigennutz“, sagt Conrad.

Ein wichtiger Grundsatz bei Neudorff ist daher: gleiche Löhne für gleiche Arbeit. Alter, Geschlecht, Kultur, Sprache oder körperliche Beeinträchtigungen sollen bei der Personalauswahl keine Rolle spielen. Dem Unternehmen ist zudem die Gesundheit der Mitarbeiter besonders wichtig. Deshalb haben zum Beispiel alle Angestellten die Möglichkeit, für ihren alltäglichen Weg zur Arbeit ein Jobfahrrad zu leasen.

Die Versuchsgärtnerei der W. Neudorff GmbH KG
Die Versuchsgärtnerei der W. Neudorff GmbH KG

Stärkere Preismacht

Nachhaltige Produkte können sich jedoch nicht nur positiv auf das Image auswirken, sondern sich auch ökonomisch auszahlen. Sie können den Absatz steigern, und häufig sind Kunden bereit, mehr für sie zu zahlen.

Das bestätigt eine aktuelle Analyse der Landesbank Baden-Württemberg. Die Studie vergleicht die EBIT-Marge von nachhaltigen und weniger nachhaltigen Unternehmen. Die EBIT-Marge setzt den operativen Gewinn ins Verhältnis zum Umsatz. Da Finanzierungs- und Steuereffekte hierbei nicht berücksichtigt werden, sorgt die Kennzahl für eine bessere Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen.

Das Ergebnis: Im gesamten Konsum- und Handelssektor lagen die Margen der nachhaltigen Unternehmen tendenziell über denen der weniger nachhaltigen Konkurrenz. Besonders der Lebensmittel- und Getränkehandel erzielte höhere Margen, aber auch Textilunternehmen und Hersteller von Hygieneartikeln bestätigten dieses Bild.

Es gibt jedoch auch Branchen, in denen es kaum Unterschiede zwischen nachhaltigen und weniger nachhaltigen Unternehmen gibt. Besonders im B2B-Bereich ist das oft der Fall. Hier zählen meist andere Kriterien wie eine langjährige Geschäftsbeziehung oder die Qualität der Produkte.

Tu Gutes und sprich darüber!

Damit Unternehmen auch von den wirtschaftlichen Vorteilen ihres nachhaltigen Handelns profitieren können, ist vor allem eins nötig: Kommunikation. Schließlich sollen Kunden und Geschäftspartner auch von ihrem Engagement erfahren. Sie können beispielsweise Gütesiegel nutzen, ihren ökologischen Fußabdruck auf Verpackungen drucken oder einen Nachhaltigkeitsbericht im Internet publizieren.

Zu letzterem sind bestimmte Unternehmen seit 2017 sogar verpflichtet. Hintergrund ist eine EU-Richtlinie zur Erweiterung der nicht finanziellen Berichterstattung (CSR-Richtlinie). Sie wurde im März 2017 in deutsches Recht überführt.

Betroffen sind Betriebe, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen und eine Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro beziehungsweise einen Nettoumsatz von mehr als 40 Millionen Euro haben. Sie müssen einmal im Jahr umfassend über ihre Geschäftstätigkeit informieren. Auf diese Weise können Investoren, Geschäftspartner und Verbraucher bei ihren Entscheidungen nicht nur finanzielle Merkmale, sondern auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen.

Im Bericht müssen Unternehmen auf folgende Punkte eingehen:

  • Umweltbelange (Emissionen, Luftverschmutzung, Wasserverbrauch, Nutzung von erneuerbaren Energien …)
  • Arbeitnehmerbelange (Arbeitsbedingungen, Geschlechtergleichstellung, Arbeitnehmerrechte, Gesundheitsschutz, Sicherheit am Arbeitsplatz …)
  • Sozialbelange (sozialer Dialog auf kommunaler oder regionaler Ebene, Beitrag zur Entwicklung lokaler Gemeinschaften …)
  • Menschenrechte (Maßnahmen zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen …)
  • Korruption und Bestechung (Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung …)

Verfolgt ein Unternehmen in einem oder mehreren Punkten kein klares Konzept, muss es das im Bericht begründen.

Nachhaltigkeitsberichte lohnen sich auch für Mittelständler

Der Bericht ist nur für größere Unternehmen Pflicht. Es kann sich aber auch für mittelständische Unternehmen lohnen, künftig noch stärker auf Nachhaltigkeit zu setzen und dies kund zu tun. Schließlich müssen berichtspflichtige Betriebe die Angaben soweit wie möglich auch für ihre gesamte Lieferkette machen. Mittelständler, die sich sozial und ökologisch engagieren, steigern also ihre Attraktivität als Geschäftspartner und Zulieferer.

Auch die W. Neudorff GmbH KG kommuniziert ihre Erfolge: „Wir sind das erste Unternehmen unserer Branche, das im vergangenen Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht hat. Für unser Engagement wurden wir bereits mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem European Business Award“, berichtet Silke Conrad stolz.

Auf die Frage, ob sich das Unternehmen in Zukunft noch stärker für die Umwelt und Nachhaltigkeit einsetzen will, antwortet sie: „Man kann immer noch mehr machen. Also ja, natürlich haben wir weitere Ziele.“

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