Insolvenz: Ablauf, Tipps und Fallstricke

Welche Schritte Sie jetzt einleiten müssen

Wenn ein Unternehmen überschuldet ist oder seine Rechnungen nicht mehr zahlen kann, ist es insolvent. Was heißt das genau? Worauf muss ich achten? Und welche Alternativen gibt es? Hier finden Sie alles Wichtige rund um das Thema Insolvenz – einschließlich neuer Regelungen im Rahmen der Corona-Krise.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Ist ein Unternehmen zahlungsunfähig, können entweder der Schuldner oder der Gläubiger einen Insolvenzantrag stellen.
  • Auf Insolvenzverschleppung stehen hohe Geld- und sogar Gefängnisstrafen.
  • Um das Unternehmensvermögen zu sichern, kann das Gericht ein vorläufiges Insolvenzverfahren anordnen.
  • Die Art des Insolvenzverfahrens (Eigenverwaltung oder Schutzschirm) bestimmt Rechte und Pflichten des Unternehmens und des Insolvenzverwalters.
  • Liquidation statt Insolvenz: Ein Unternehmen kann sich auch selbst auflösen.
  • Im Zuge der Corona-Krise ist befristet eine neue Insolvenzregelung in Kraft getreten.
  • Die Privatinsolvenz ermöglicht eine Schuldenbefreiung nach sechs Jahren.

Schlechte Wirtschaftslage, falsche Entscheidungen der Geschäftsführung oder einbrechende Absätze: Fast alle Unternehmen haben irgendwann mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die zu finanziellen Engpässen und bei einigen dann letztendlich zur Zahlungsunfähigkeit führen.

Wann Sie Insolvenz anmelden sollten

Übereinander gestapelte Stühle

Ist ein Unternehmen einmal zahlungsunfähig, gerät es in eine Abwärtsspirale, die sich nur schwer stoppen lässt: Der Schuldenbetrag nimmt ständig zu, da sich die offenen Forderungen mehren. Dazu kommen Zinsen und Säumnisgelder.

Diese Situation lässt sich nur durch eine Unterbrechung der Spirale lösen: Das Unternehmen muss so rechtzeitig Insolvenz (früher auch Konkurs genannt) anmelden, wenn es noch die Möglichkeiten hat, sich zu sanieren.

Wie erkennen Sie die Anzeichen einer Insolvenz?

Die Universität Mannheim hat eine Studie über die wesentlichen Ursachen von Insolvenzen erstellt. Danach sind Anzeichen für eine Zahlungsunfähigkeit unter anderem:

  • Gehälter und Löhne können nicht mehr bezahlt werden.
  • Es bestehen Rückstände in den Sozialversicherungsbeiträgen von Mitarbeitern.
  • Lieferanten werden nicht mehr bezahlt.
  • Die Geschäftsführung hat eine eidesstattliche Versicherung abgegeben.
  • Es laufen bereits Vollstreckungsanträge.

Achtung: Verhindern Sie die Insolvenzverschleppung

Stellen Sie den Insolvenzantrag nicht rechtzeitig, kann ein Gericht Ihnen das als Insolvenzverschleppung auslegen. Hohe Geld- oder sogar Gefängnisstrafen drohen.

Auch nach einem Insolvenzantrag besteht noch die Möglichkeit, nach Investoren oder Käufer zu suchen, damit das Unternehmen weiter bestehen bleibt.

So geht’s: Ablauf des Insolvenzverfahrens

1. Insovenzantrag stellen

Kollegen sitzen gemeinsam an einem Tisch

Den Anfang des sogenannten Insolvenzverfahrens markiert die Einreichung des Antrags auf Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht. Er muss schriftlich erfolgen und eine Insolvenzursache enthalten. Gründe sind neben der akuten Zahlungsunfähigkeit auch die drohende Zahlungsunfähigkeit oder die Überschuldung des Unternehmens.

Die drohende Zahlungsunfähigkeit gilt aber nur dann als Insolvenzgrund, wenn Ihr Unternehmen einen Eigenantrag gestellt hat. Um festzustellen, ob tatsächlich einer dieser Gründe vorliegt, setzt das Gericht einen Gutachter ein, der die finanzielle Lage prüft.

Beachte: Gläubiger können ebenfalls den Antrag auf Insolvenz eines Unternehmens stellen. Dieser heißt Fremdantrag. Gläubiger können sowohl Privatpersonen als auch andere Unternehmen sein, die noch auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten – also offene Forderungen haben.

Verfügt Ihr Unternehmen nicht über ausreichend Vermögen, um die Kosten eines Insolvenzverfahrens zu zahlen, lehnt das Gericht den Antrag „mangels Masse“ ab. Zu den Verfahrenskosten zählt außer den Gerichtskosten die Bezahlung des Insolvenzverwalters.

2) Insolvenzmasse sichern

Um die Insolvenzmasse zu sichern, kann das Gericht ein vorläufiges Insolvenzverfahren anordnen und einen vorläufigen Insolvenzverwalter ernennen. Dafür vergibt es ein Aktenzeichen für das Verfahren.

Der vorläufige Verwalter führt wie ein Gutachter eine Bestandsaufnahme des Unternehmens durch. So sorgt er dafür, dass es bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens weiterarbeiten kann. Eine endgültige Entscheidung über die Eröffnung zieht sich meist über Wochen oder sogar Monate hin.

3) Einsetzen des Insolvenzverwalters

Eröffnet das Gericht letztendlich das Verfahren, überträgt es die Leitung des Unternehmens in der Regel dem Insolvenzverwalter. Dabei legt es auch dessen Kompetenzen fest.

  • Ein sogenannter starker Insolvenzverwalter hat die volle Befugnis über die Führung des Unternehmens. Die Geschäftsführung hat ein Verfügungsverbot. Sie darf keine eigenen Entscheidungen mehr treffen und nur noch sehr eingeschränkt mit Investoren und Gläubigern kommunizieren.
  • Bei der Besetzung eines sogenannten schwachen Insolvenzverwalters verfügt die Geschäftsführung zwar über das Vermögen, aber nur nach Zustimmung des Verwalters. Die Kommunikation mit Investoren und Gläubigern ist dann ebenfalls eingeschränkt, aber meist weniger stark.

4) Art des Insolvenzverfahrens festlegen

Noch vor dem vorläufigen Insolvenzverfahren kann Ihr Unternehmen die Eigenverwaltung beantragen.

Bei einem Verfahren in Eigenverwaltung setzt das Gericht keinen Insolvenzverwalter ein, sondern einen sogenannten Sachwalter. Er überwacht die Tätigkeiten des Unternehmens. Die Geschäftsführung ist weiter verfügungsbefugt und führt das Unternehmen weiter.

Der Vorteil: Das Verfahren ist deutlich günstiger, da der Sachwalter eine geringere Bezahlung erhält als der Insolvenzverwalter. Der Nachteil: Der Schuldner kann den größeren Handlungsspielraum ausnutzen und womöglich Vermögen zur Seite schaffen.

Das Schutzschirmverfahren wurde in Deutschland 2012 eingeführt. Es kombiniert die Eigenverwaltung mit einem Vollstreckungsstopp. In einer Zeit von maximal drei Monaten, der Schutzschirmzeit, arbeitet die Geschäftsführung einen eigenen Insolvenzplan aus, um das Unternehmen zu sanieren.

Während dieser Zeit haben die Gläubiger keinen Anspruch auf das Vermögen des Unternehmens. So kann es weiterhin die Gehälter an seine Mitarbeiter zahlen.

5) Insolvenzplan prüfen und abwickeln

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens teilt das Gericht per Beschluss mit. Anschließend werden der Berichtstermin und der Prüfungstermin festgelegt.

Der Berichtstermin ist eine Versammlung aller Gläubiger. Der Insolvenzverwalter erklärt ihnen die aktuelle wirtschaftliche Lage Ihres Unternehmens und die Gründe für die Zahlungsunfähigkeit. Bei diesem Termin wird auch der Insolvenzplan erörtert, der die Verwendung des Unternehmensvermögens regelt.

Dabei erfahren die Gläubiger, welche Konsequenzen die Bedienung ihrer Forderungen hätte. Denn um das Unternehmen zu sanieren, kann es nötig sein, dass sie auf einen Teil oder auf ihre gesamten Forderungen verzichten.

Letztendlich entscheidet das Gericht bei diesem Termin, ob das Unternehmensvermögen abgewickelt wird oder erhalten bleibt. Oft wird es verkauft, um mit dem Erlös die Ansprüche der Gläubiger zu bedienen. Ebenso kann es aber dazu kommen, dass der Verwalter einen Insolvenzplan mit Maßnahmen zur Sanierung des Unternehmens aufstellt.

Im Rahmen des Prüfungstermins erstellt der Insolvenzverwalter eine Verteilungstabelle nach Rang und Betrag der Forderungen der Gläubiger. Danach beginnt die Abwicklungsphase, auch Liquidationsphase genannt.

6) Alle Forderungen und Verbindlichkeiten aufteilen und begleichen

Während der Liquidationsphase zieht Ihr Unternehmen alle noch offenen Außenstände ein. Sie dienen dazu, gemeinsam mit der verbliebenen Insolvenzmasse soweit möglich alle Verbindlichkeiten zu begleichen.

In einem vom Gericht festgelegten Schlusstermin gibt der Insolvenzverwalter Rechenschaft über den Verfahrensverlauf. Anschließend muss das Gericht die Verwendung des verbliebenen Unternehmensvermögens bewilligen. Dabei stehen die Kosten des Verfahrens an erster Stelle. Sind sie beglichen, werden die Außenstände der Gläubiger bezahlt.

7) Unternehmen auflösen

Die endgültige Liquidation Ihres Unternehmens und seine Streichung aus dem Handelsregister erfolgt erst, wenn kein Vermögen mehr vorhanden ist.

Liquidation statt Insolvenz

Zeigefinger drückt auf roten Knopf

Wird Ihr Unternehmen zahlungsunfähig, können Sie die Insolvenz nur umgehen, indem Sie es selbst auflösen. Diese Variante heißt auch Liquidation. Dafür braucht es einen Gesellschafterbeschluss mit einer Drei-Viertel-Mehrheit.

Nach dem Auflösungsbeschluss besteht das Unternehmen vorerst rechtlich weiter. Es muss jedoch hinter dem Firmennamen den Zusatz „in Liquidation“ („i.L.“) oder „in Abwicklung“ („i.Abw.“) tragen. So ist für alle erkennbar, dass es sich auflöst.

Zugleich müssen Sie einen sogenannten Liquidator bestimmen und ihn ins Handelsregister eintragen lassen. Aufgabe des Liquidators ist es, alle laufenden Geschäfte einzustellen und dafür zu sorgen, dass das Unternehmen keine neuen Verbindlichkeiten eingeht.

Zugleich überwacht er die Bezahlung der noch bestehenden Verbindlichkeiten und macht offene Forderungen geltend. Darüber hinaus wird das Unternehmensvermögen liquidiert, also durch Verkauf in Geld umgewandelt. Seine Aufgabe ist auch die Meldung über die Auflösung am Registergericht.

Genauso wie der Insolvenzverwalter legt der Liquidator Rechenschaft über seine Tätigkeit ab. Dafür erstellt er eine Eröffnungsbilanz und eine Jahresabschlussbilanz mit Lagebericht. Darin erklärt er vor Gericht den Fortschritt der Auflösung des Firmenvermögens.

Sonderregeln in der Corona-Krise

Kartons stehen in Fabriktor

Die Corona-Krise hat immense Auswirkungen auf viele Unternehmen. Daher hat das Bundesjustizministerium das sogenannte „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ erlassen. Zwei Faktoren sind wesentlich:

  • Aussetzung der Insolvenzantragspflicht: Sie verschafft Unternehmen, die durch die Krise in Schieflage geraten sind, die Zeit, staatliche Hilfen zu beantragen und Sanierungsbemühungen voranzutreiben.
  • Rückwirkend in Kraft: Die Regelungen sind rückwirkend zum 1. März 2020 in Kraft getreten und galten vorerst bis Ende September 2020. Mit Koalitionsbeschluss wurden die Regelungen nochmals bis Ende Dezember 2020 verlängert. Das soll verhindern, dass die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für jene Unternehmen zu spät kommt, die von den Pandemie-Auswirkungen betroffen sind.

Die vorübergehende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht soll dazu beitragen, die wirtschaftlichen Folgen der Krise abzufedern. Diese Vorschriften flankieren die staatlichen Hilfsprogramme.

Das bedeutet Privatinsolvenz

Mann studiert Dokumente

Während der Gesetzgeber mit der Insolvenz meist die Zahlungsunfähigkeit einer juristischen Person, wie etwa eines Unternehmens oder eines Selbstständigen, bezeichnet, gibt es auch die Privatinsolvenz (auch Verbraucherinsolvenz genannt): Sie gilt für alle zahlungsunfähigen natürlichen Personen, die nicht selbstständig arbeiten. Dabei handelt es sich um ein vereinfachtes Insolvenzverfahren.

Bevor Sie Privat- oder Verbraucherinsolvenz beantragen können, müssen Sie versuchen, sich mit Ihren Gläubigern außergerichtlich zu einigen. Scheitert dieser Versuch, benötigen Sie darüber die Bescheinigung einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle. Erst dann können Sie das Insolvenzverfahren vor dem Insolvenzgericht beantragen.

Wohlverhaltensphase: Sechs Jahre lang Einnahmen abführen

Ist die Privatinsolvenz nach der Eröffnung des Verfahrens durch das Gericht und mit der Bestellung eines Insolvenzverwalters erfolgt, beginnt die sogenannte Wohlverhaltensphase. Sie dauert sechs Jahre. In dieser Zeit müssen Sie als Schuldner den pfändbaren Teil Ihrer Einnahmen an den Insolvenzverwalter abführen.

Er überweist einen Teil der Zahlungen für die Deckung der Verfahrenskosten. Den Rest gibt er nach festgelegten Anteilen an die Gläubiger weiter. Während der Wohlverhaltensphase muss der Schuldner gesetzliche Auflagen erfüllen. Dazu gehören unter anderem:

  • Herausgabe der Hälfte des geerbten Vermögens
  • Ausübung einer Erwerbstätigkeit beziehungsweise Bemühung um eine Tätigkeit
  • Anzeige von Wohnsitzwechseln
  • Gleichbehandlung aller Gläubiger (keine Sonderzahlungen)

Restschuldbefreiung: Streichung der noch ausstehenden Forderungen

Nach Abschluss der Wohlverhaltensphase folgt die Restschuldbefreiung: Sie werden als Schuldner von sämtlichen noch ausstehenden Forderungen befreit.

Damit verlieren die Gläubiger ihre Ansprüche auf noch verbliebene offene Forderungen. Mit der Restschuldbefreiung endet die Privatinsolvenz.

Informieren Sie sich über die Hilfsprogramme der KfW und der Bundesländer bei Ihrer Sparkasse.

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