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Zwei Kollegen bei der Arbeit an einem Stehpult und schauen auf eine Bildschirm. Im Raum befinden sich viele verschiedene grüne Pflanzen.

Green Growth: Neue Chancen für die deutsche Wirtschaft

Nachhaltiges Wachstum
Wie können wir die Lebensverhältnisse der Menschen weltweit verbessern und gleichzeitig Klima und Umwelt schützen? Green Growth – grünes Wachstum – soll dies ermöglichen. Die Idee: Die Wirtschaft so umzubauen, dass sie weniger Energie und Ressourcen verbraucht und gleichzeitig neue Wachstumsimpulse setzt. Davon profitieren auch deutsche Unternehmen.

GreenTech-Markt in Deutschland

Der GreenTech-Markt in Deutschland entwickelt sich zu einem zentralen Wachstumstreiber für Wirtschaft und Klimaschutz. Getrieben durch die Energiewende, strengere regulatorische Vorgaben und steigende Nachfrage nach Lösungen entstehen neue Chancen in Bereichen wie erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und klimafreundliche Mobilität. Deutsche Unternehmen verfügen dabei über eine starke industrielle und technologische Basis, stehen jedoch zugleich unter hohem Innovations- und Wettbewerbsdruck. Entscheidend wird sein, ökologische Wirkung, wirtschaftliche Skalierbarkeit und digitale Technologien konsequent miteinander zu verbinden.

Grünes Wachstum: Was ist das?

Der GreenTech-Markt steht beispielhaft für die Grundidee des Green-Growth-Ansatzes. Dabei geht es um ein alternatives Wachstumsmodell. Die Idee: Der aufgrund von Umwelt- und Klimaschutz erforderliche Umbau der Wirtschaft muss nicht zwangsläufig zu einem Wohlstandsverlust führen. Er kann im Gegenteil ein starker Treiber für das Wachstum der Wirtschaft und damit für Wohlstand und Lebensqualität sein.

Durch die Erschließung neuer grüner Märkte, durch umwelt- und klimaverträgliche Innovationen und durch ein erfolgreiches Management der Ökosystemleistungen lassen sich, so das Konzept, neue Geschäftsfelder erschließen.

Techniker schaut in die Kamera. Er steht auf einem Feld in einem Windpark mit Kletterausrüstung über der Schulter.

Wie groß ist das Potenzial von Green Growth?

Die deutschen Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent gegenüber 1990 sinken. Bis 2045 soll Deutschland Netto-Treibhausgasneutralität erreichen. Mit dem im März 2026 beschlossenen "Klimaschutzprogramm 2026" hat die Bundesregierung zudem ein Maßnahmenpaket vorgelegt, das mit 67 Maßnahmen bis 2030 zusätzlich mehr als 25 Millionen Tonnen CO2 einsparen soll.

Dazu sind umfangreiche Investitionen erforderlich: Der Umbau der Unternehmen erfordert massive Investitionen in Technik, Prozesse und Produkte. Die EU-Kommission schätzt, dass zur Erreichung der Klima- und Energieziele innerhalb der EU jährlich zusätzlich 180 bis 270 Milliarden Euro investiert werden müssen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat errechnet, dass allein in Deutschland bis 2050 zusätzliche Investitionen in Höhe von 1,5 bis 2,3 Billionen Euro erforderlich sind, um die Wirtschaft zu dekarbonisieren. Hier eröffnen sich umfangreiche Einsatzmöglichkeiten für GreenTech.

CO2-Emissionen

2014 markierte (vielleicht schon) einen globalen Wendepunkt: In diesem Jahr wuchs zum ersten Mal die globale Wirtschaftsleistung, während die CO2-Emissionen sanken. Das führte zu einer Entkopplung von Wachstum und Energieverbrauch. Auch in den Folgejahren blieben die CO2-Emissionen bei wachsendem globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zumindest stabil.

In Deutschland beobachten wir schon länger eine solche Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch und damit von den CO2-Emissionen. So stieg das Bruttoinlandsprodukt zwischen 1990 und 2015 um rund 45 Prozent, während der Primärenergieverbrauch um 11 Prozent sank. Hauptursachen hierfür waren der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz von Fertigungsprozessen und Produkten durch technischen Fortschritt.

Durch die verbesserte Energie- und Ressourceneffizienz konnten nicht nur die Produktionskosten in den Unternehmen gesenkt werden. Folge des sparsamen Umgangs mit den Ressourcen war auch eine deutliche Reduzierung der Umweltauswirkungen der Produktion. Dazu beigetragen hat allerdings auch die Verlagerung besonders umweltschädlicher Industrien in Länder mit oft niedrigeren Umweltstandards.

Kohlebergbau-Grube mit Baggern in einer Abendstimmung. Im Hintergrund ist ein Kraftwerk mit dampfenden Schloten zu sehen.

Warum Unternehmen jetzt aktiv werden müssen

Der Klimaschutz kennt nicht nur Gewinner. Schon heute ist absehbar, dass sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten grundlegend verändern wird.

In einigen Branchen steht das aktuelle Geschäftsmodell auf der Kippe: etwa bei den Betreibern fossiler Kraftwerke oder den mit Kohleabbau befassten Sektoren.

Andere Branchen werden die derzeit genutzten Anlagen und Technologien wie den fossilen Verbrennungsmotor nicht mehr in heutigem Umfang einsetzen können. Das wiederum beeinflusst die Geschäfts- und Ertragspotenziale von Unternehmen und damit ihre Bonität, Dividendenfähigkeit und auch die Aktienkurse.

Auch Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen müssen sich auf Veränderungen einstellen. Einige Berufe werden wegfallen, neue werden entstehen. Die Anforderungen an die Bereitschaft zur Neuorientierung und Qualifikation steigen.

Passende Finanzprodukte

Grünes Wachstum braucht auch passende Finanzierungsinstrumente. In den vergangenen Jahren sind hierzu mehrere Finanzprodukte entstanden. Beinahe schon etabliert sind Green Bonds, bei denen der Emissionserlös gezielt in Klima- und Umweltschutzprojekte investiert wird oder solche Projekte refinanziert werden.

Noch vergleichsweise neu sind entsprechende Ansätze auf der Finanzierungsseite. So werden beispielsweise bei Green Loans die aufgenommenen Mittel zweckgebunden in ökologische Projekte investiert. Bei Sustainability Linked Loans hängen die Finanzierungskonditionen davon ab, wie sich die ESG-Kennzahlen der Unternehmen entwickeln  –  etwa beim Klimaschutz.

Klima- und Nachhaltigkeitsziele der internationalen Staatengemeinschaft:

Im Jahr 2015 hat sich die internationale Staatengemeinschaft gleich auf zwei ambitionierte Ziele verständigt:

  1. Mit der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung wurden 17 Sustainable Development Goals (SDGs) beschlossen. Sie sollen bis 2030 weltweit zu mehr Wohlstand, sozialer Teilhabe und Umweltschutz beitragen.
  2. Mit dem Pariser Klimaabkommen wurde vereinbart, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Dafür soll in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen ausgestoßenen Treibhausgasen und deren Aufnahme durch natürliche oder technische Senken erreicht werden.

Green Growth: Vier Hauptziele

Wie kann man aber beide Ziele – die Verbesserung der auch materiellen Lebensbedingungen und das dafür erforderliche Wirtschaftswachstum und die Klimaziele – im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung in Einklang bringen?

Und dies, wenn man bedenkt, dass das Wachstum der Wirtschaft in der Vergangenheit regelmäßig mit einem steigenden Verbrauch von Ressourcen und Energie und damit mit steigenden CO2-Emissionen verbunden war?

Dazu entwickelte die OECD die Idee von Green Growth. Mit den Green Growth Indicators misst sie seit 2014 den Fortschritt bei der Umsetzung.

Die vier Hauptziele sind:

  1. Schaffung einer CO2-armen, ressourceneffizienten Wirtschaft
  2. Erhalt des Naturkapitals, insbesondere durch geschlossene Stoffkreisläufe
  3. Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung
  4. Umsetzung geeigneter Politikmaßnahmen und Nutzung der sich durch ein klima- und umweltverträgliches Wachstum ergebenden wirtschaftlichen Chancen

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