Was bringt uns die Elektromobilität?

E für alle: Die Anzeichen für einen Boom mehren sich

Nach weit mehr als 100 Jahren Verbrennungsmotor deutet sich eine Kehrtwende an: Die Elektromobilität bietet die Chance, die Abhängigkeit vom Öl und den Ausstoß schädlicher Gase deutlich zu reduzieren. Eine aktuelle Studie attestiert der deutschen Autoindustrie sogar die Technologieführerschaft bei Elektroautos.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Schon vor mehr als hundert Jahren entwickelten visionäre Ingenieure in Deutschland batteriebetriebene Autos.
  • Eine internationale Studie stellt der Elektromobilität in Deutschland ein sehr gutes Zeugnis aus: Bei Fahrzeugentwicklung und -produktion belegt die hiesige Industrie den ersten Platz.
  • Bei den Zulassungszahlen hat Deutschland 2019 den E-Vorreiter Norwegen überholt.
  • Ende 2019 gab es 24.000 öffentliche E-Zapfsäulen - das ist die Hälfte mehr als 2018.
  • Die Batterie ist bislang noch der größte Kostenfaktor eines E-Autos: Ihr Preis beträgt rund 40 Prozent des Gesamtpreises.
  • Die Ladestation zu Hause kostet zurzeit 500 bis 2.500 Euro.

Überraschende Studienergebnisse zur E-Mobilität

Strom statt Benzin: Deutschland war einmal das Zentrum der Elektromobilität. Schon vor mehr als hundert Jahren entwickelten hier visionäre Ingenieure batteriebetriebene Autos. Zurzeit fahren auf deutschen Straßen zwar nur 0,26 Prozent aller Autos mit Strom. Aber aktuelle Zahlen und Entwicklungen deuten darauf hin, dass bald ein Durchbruch ansteht.

Die von den Unternehmensberatungen Roland Berger und fka durchgeführte Studie „Index Elektromobilität 2019“ kommt zu folgendem Ergebnis: Deutschland steht deutlich besser da, als viele Menschen vermuten. Sie stellt der hiesigen Industrie auch im internationalen Vergleich ein sehr gutes Zeugnis aus. Demnach hat sie sich bei der Fahrzeugentwicklung und -produktion im Vergleich zu 2018 vom zweiten auf den ersten Platz verbessert.

Frankreich (im vergangenen Jahr Spitzenreiter in dieser Wertung) sei hingegen auf Platz vier zurückgefallen. Die gute Bewertung der deutschen Autoindustrie in diesem Teilaspekt geht laut Studie auf die verstärkte Entwicklung kompakter, günstiger Elektroautos zurück.

Zulassungen: Deutschland weiter als E-Vorreiter Norwegen?

In puncto Zulassungszahlen für Elektroautos und Plug-in-Hybride hat Deutschland im ersten Halbjahr 2019 sogar Norwegen überholt: Plug-in-Hybride sind Autos mit Verbrennungsmotor, die an der Steckdose geladen werden – deswegen auch Steckdosenhybride genannt.

In Norwegen fuhren zwar bereits zu Jahresbeginn sieben Prozent aller Autos mit Strom. Aber die Zulassungsstatistik des Kraftfahrbundesamtes zeigt: In den ersten sieben Monaten 2019 wurden 37.000 Elektroautos in Deutschland angemeldet. Das sind 187 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Hinzu kommen knapp 20.000 Plug-in-Hybride. Das ist weit mehr als beim skandinavischen Vorreiter.

Ladensäulen für E-Autos

Ein Stromstecker in einem Elektroauto

Ohne Elektroautos keine Ladesäulen – und ohne Ladesäulen keine Elektroautos: Das Aufladen war bisher für viele Menschen der Grund, sich kein Elektroauto zu kaufen. Doch die Zahl der öffentlichen elektrischen Ladesäulen, Ladepunkte genannt, ist deutlich gestiegen.

Nach Zahlen des Energieverbandes BDEW gab es Ende 2019 knapp 24.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Im Vergleich zum Dezember 2018 war das eine Steigerung um fast die Hälfte.

Drei Viertel dieser Ladepunkte stellen Unternehmen der Energiewirtschaft bereit. Außerdem bieten Parkhaus- und Parkplatzbetreiber, Supermärkte, Hotels und Sparkassen diese Infrastruktur an.

Laut „Masterplan Ladeinfrastruktur“ der Bundesregierung sollen bis 2030 insgesamt eine Million öffentliche Ladepunkte entstanden sein.

Energietanken zu Hause

Für die Ladestation zu Hause, die Wallbox, gibt es Fördermöglichkeiten durch die KfW-Bankengruppe, einige Bundesländer und Kommunen sowie von Stromanbietern. Ihr Preis ist abhängig von Ausstattung und Leistung. Er liegt zwischen 500 und 2.500 Euro zuzüglich Montage.

Das Stromtanken zu Hause ist im Alltag bequem zu handhaben. Abends nach der Arbeit das E-Auto ans Stromnetz anschließen. Morgens ist es voll aufgeladen und einsatzbereit.

Schadstoffausstoß: klimaorientierte EU-Vorgaben

Neben dem Ausbau der Lade-Infrastruktur sind die Obergrenzen der Abgase ein wichtiges Thema: Die Autokonzerne müssen die Grenzwerte der Europäischen Union (EU) von 40 Mikrogramm Stickoxide pro Kubikmeter einhalten. Ab 2020 greifen sie – und hohe Strafen drohen.

Das heißt, der Durchschnittswert für Kohlendioxid-Emissionen aller Modelle im Angebot eines Autobauers darf 95 Gramm CO2 pro Kilometer nicht überschreiten. Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Litern Diesel oder 4,1 Litern Benzin auf 100 Kilometer.

Ohne elektrische Antriebssysteme ist dieser Wert nicht zu erreichen. Daher haben die Konzerne weltweit in den vergangenen Jahren neue Modelle entwickelt.

Stadtflitzer bis Oberklasse: die neuen Elektroautos

Etablierte und neue Autobauer stellen ihre Fahrzeuge vor und gehen damit in Serie. Und: Mit dem E-Bike und dem elektrischen Lastenfahrrad erobern zudem zeitgemäße und günstige Alternativen den Markt.

Für ein Mehr an Nostalgie in der Stadt sorgt der Microlino. Wie schon das Kultauto Isetta in den 50er Jahren hat der kompakte Zweisitzer aus der Schweiz eine Fronttür. Parkplatzprobleme kennt auch der e.GO Life nicht. Dieser in Aachen entwickelte Viersitzer ist trotz seiner 3,35 Metern Länge sogar recht geräumig.

Den neuen Umweltbonus der Bundesregierung eingerechnet ist der e.GO Life ab 11.000 Euro zu haben. Bei einer Anmeldung bis Ende 2020 entfällt für Elektroautos die KfZ-Steuer für zehn Jahre. Für Plug-in-Hybride gibt es keine Steuervorteile.

In der Mittelklasse schickt vor allem Volkswagen Elektromodelle an den Start: Den Auftakt macht der VW I.D. Neo ab 30.000 Euro. Auch der legendäre VW-Bus „Bulli“ kehrt in einer E-Version wieder zurück.

Der Produktion der Oberklasse-Fahrzeuge von Daimler, BMW und Co. fiebern Fans weltweit entgegen. Für den Porsche Taycan gab es im Juli 2019 schon 30.000 Vorbestellungen, obwohl er voraussichtlich erst 2021 zu kaufen ist.

Elektromobilität: weit mehr als E-Autos

In Deutschland verbinden wir mit dem Begriff Mobilität in erster Linie Automobilität. Doch auch mit dem Elektrofahrrad gelangt man von A nach B. Bei hohem Verkehrsaufkommen sogar entspannter. Bei Bedarf erhöhen die Nutzer einfach die Unterstützung des eingebauten Elektromotors.

Oder mit dem E-Lastenrad: Bislang war die Nutzung des Lastenfahrrads aufgrund seines Gewichts eher athletischen Menschen vorbehalten. Mit Einführung der elektrischen Variante kommen nun alle in den Genuss, ihren Einkauf inklusive Getränkekisten damit zu erledigen.

Je nach Modell finden auf dem Lastenrad sogar bis zu vier Kinder Platz. Und: Für das E-Lastenfahrrad lässt sich ebenfalls vielerorts eine Förderung beantragen.

Investition in eine umweltschonende Zukunft?

Ein Berater im Autohaus

Es ist zwar umstritten, wie umweltfreundlich Elektrofahrzeuge tatsächlich sind. Aber in Kombination mit erneuerbaren Energien verringern sie den CO2-Ausstoß im Betrieb erheblich.

Die staatliche Förderung macht den Umstieg auf ein Elektroauto attraktiv und auch die Ladeinfrastruktur wird deutlich ausgebaut. Wer mit dem E-Auto in erster Linie zum Arbeitsplatz und zum Einkaufen fährt, profitiert von dem Umstieg.

Darüber und auch über eine mögliche Finanzierung sprechen Sie am besten mit Ihrem persönlichen Sparkassenberater. Dieser wird Ihnen mit einem sinnvollen Kreditvorschlag entgegenkommen. Viele Sparkassen haben auch speziell ausgebildete Energieberater, die Ihnen fachliche Tipps geben können.

Weg vom Öl: 5 Fragen und Antworten zur Elektromobilität

Elektromobile Fahrzeuge werden ganz oder teilweise elektrisch angetrieben, so wie schon seit Jahrzehnten der Bahnverkehr auf der Schiene. Seit einigen Jahren gibt es nicht mehr nur Elektroautos, sondern auch andere Fahrzeuge wie E-Fahrräder oder Nutzfahrzeuge.

Die Bandbreite reicht dabei von vollelektrischen Fahrzeugen bis zu solchen, bei denen der Elektroantrieb nur einen Teil zum Antrieb beisteuert. Das sind die sogenannten Hybride.

Alle diese Fahrzeuge haben eins gemeinsam: Im Fahrbetrieb sind sie effizient, leise und stoßen keine Schadstoffe aus. Das ist vor allem in stark belasteten Innenstädten ein großer Vorteil.

In einer aufladbaren Batterie wird elektrische Energie gespeichert. Inverter genannte Gleichstrom-Wechselstrom-Konverter transformieren den Gleichstrom der Batterie in Wechselstrom für den Antrieb des Motors.

Je effektiver diese Umwandlung, desto länger fährt das Auto mit einer Ladung Batteriestrom. Ein Elektromotor wandelt elektrische schließlich in mechanische Energie um: Der E-Motor bezieht diese Energie, um Magnetfelder zu erzeugen. Durch deren anziehende und abstoßende Kräfte wird eine Drehbewegung erreicht.

Ein Elektrofahrzeug fährt ohne CO2-Ausstoß. Der Betrieb ist aber nur klimaneutral, wenn der genutzte Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Denn Elektrofahrzeuge verbrauchen pro 100 Kilometer Fahrstrecke je nach Fahrzeuggröße und Fahrstil zwischen 10 und 20 Kilowattstunden (kWh) Energie. Das ist vergleichbar mit etwa ein bis zwei Liter Dieselkraftstoff.

Das ist sehr sparsam und liegt am hohen Wirkungsgrad des elektrischen Systems. Ein Nachteil ist aber, dass die Erzeugung des Stroms meist noch durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe geschieht.

Im deutschen Strommix (fossile, nukleare und erneuerbare Energien) liegt der durchschnittliche CO2 -Ausstoß pro kWh bei ca. 570 Gramm. Berücksichtigt man die Stromerzeugung und die Verluste der Stromleitung, verursacht ein Elektrofahrzeug zwischen 65 und 130 Gramm CO2 pro Kilometer.

E-Autos sind leiser, genauso sicher und besser für das Klima als andere Antriebe. Die Batterien sind zum Großteil recycelbar. Durch ihre technische Optimierung werden die Reichweiten steigen, die Materialkosten sinken und die Preise fallen.

Die Ladeinfrastruktur und die erneuerbaren Energiequellen müssen weiter ausgebaut werden. Der Abbau der für die Batterien nötigen Materialien muss ebenfalls verbessert werden. Es geht darum, den Schaden am Ökosystem gering zu halten und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Weder die Elektromobilität noch andere Technologien funktionieren komplett ohne Ressourcen, deren Abbau und den Einsatz von Energie. Die umweltfreundlichsten Arten der Fortbewegung werden weiterhin das Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel und vor allem die eigenen Füße sein.

Elektrofahrzeuge kosten in der Anschaffung meist mehr als vergleichbare herkömmliche Fahrzeuge. Aber die Kosten für den Strom sind niedriger und werden sich bei steigendem Benzinpreis im Verhältnis weiter verringern.

Experten rechnen auch mit sinkenden Fahrzeugpreisen. Dabei ist die Batterie bislang der größte Kostenfaktor eines Elektrofahrzeugs. Bezogen auf den Gesamtpreis beträgt der Batterie-Anteil bis zu 40 Prozent.

Bei der täglichen Nutzung entstehen pro 100 Kilometer zwischen 10 und 20 kWh je nach Fahrzeugtyp, Fahrstil und Streckenprofil. Das ergibt bei einem Strompreis von 30 Cent/kWh drei bis sechs Euro. Das sind bis zu 50 Prozent weniger als bei einem Benziner.

Außerdem haben Elektromotoren weniger bewegliche Teile. Die Faustregel ist: Was sich bewegt, verschleißt. Es muss gewartet, repariert oder ersetzt werden. So reduzieren sich bei reinen Elektrofahrzeugen die Wartungs- und Reparaturkosten gegenüber herkömmlich angetriebenen Fahrzeugen deutlich.

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