Von wegen kostenlos! Wie Sie im Internet mit Ihren Daten zahlen

Wer von Ihren Informationen profitiert - und wie Sie sich schützen können

Google, Facebook oder WhatsApp: Wenn Unternehmen ihre Dienste „kostenlos“ anbieten, finden sie oft andere Wege, um trotzdem Geld zu verdienen. Wie? Alleine die Informationen, die diese Firmen über Sie haben, lassen sich zu Geld machen.

Weiß Google, wo Sie wohnen? Wenn es auf dem Weg zur Arbeit einen Stau gibt, erinnert Sie schon beim Frühstück eine Nachricht auf dem Smartphone daran, dass Sie früher losfahren sollten. Was wissen die Internet-Unternehmen noch über Sie? Und was bringt Ihnen das?

Welche Daten sammeln Unternehmen?

Grundsätzlich hinterlässt jeder Ihrer Online-Klicks eine Spur. Theoretisch können  Ihre Schritte im Internet deshalb nachverfolgt werden. Auf welchen Webseiten waren Sie unterwegs? Was ist Ihre IP-Adresse? Auch welchen Browser Sie nutzen, ist leicht ersichtlich.

 

Aus Ihrem Surfverhalten lässt sich ebenfalls einiges ablesen: Ihr Geschlecht, Alter, Wohnort, Familienstand und natürlich Ihre Vorlieben.

 

Google zum Beispiel speichert Ihre Daten. Wie das aussieht? Auf dem Google Dashboard können Sie nachsehen, welche Daten das Unternehmen bereits über Sie gesammelt hat. Neben Ihrem Online-Verhalten kann Google zum Beispiel über Ihr Smartphone Ihren „Standortverlauf“ nachverfolgen. Das Unternehmen weiß dann, wann Sie wo sind und waren. Das lässt Rückschlüsse darauf zu, wohin Sie gehen werden. Über Ihre Geschwindigkeit schließen Google und andere Unternehmen – zum Beispiel Apple – auf die Verkehrsmittel, die Sie nutzen.

 

Überraschend kann auch ein Klick auf „Einstellungen für Werbung verwalten“ im Google Dashboard sein. Dort stoßen Sie auf die Interessen, die Sie laut Google haben.

 

Kostenlose Social-Media-Kanäle wie Facebook speichern jedes Ihrer Likes und erstellen auf dieser Grundlage ein Persönlichkeitsprofil. Ein einziges „Gefällt mir“, das Sie Ihrer Lieblings-Band schenken, sagt nicht viel über Sie aus.  Doch viele Aktivitäten gemeinsam verraten Facebook jede Menge über Ihre Person. Zum Beispiel, ob Sie gerade glücklich oder emotional eher instabil sind.

 

Wussten Sie das? Facebook kann mithilfe der vielen Daten außerdem sehr sicher vorhersehen, wer bald ein Paar wird – oder wer sich bald trennen wird.

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Welche Folgen kann es haben, wenn Unternehmen viele Ihrer Daten kennen?

Ihre Daten werden von Facebook und Google aktuell vor allem genutzt, um zielgerichtete Werbung schalten zu können. Je mehr Daten über Sie vorliegen, desto genauer können Anzeigen auf Sie abgestimmt werden. Und desto wahrscheinlicher klicken und kaufen Sie. So finanzieren Google und Facebook die für Sie kostenlosen Dienste – über Werbung.

 

Google und Facebook können die gesammelten Daten außerdem an andere Unternehmen weiterverkaufen. Persönliche Daten wie Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse verkauft Google laut eigenen Angaben nicht. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass jemand aufgrund der anderen Daten auf Ihre Identität schließen kann.

 

Was andere Unternehmen mit den Daten machen könnten? In den USA bekamen zum Beispiel iPhone-Nutzer vom Online-Reiseportal Orbitz höhere Preise für dieselben Hotels angezeigt als Nutzer anderer Smartphones. Tatsächlich waren die iPhone-Nutzer eher bereit, mehr Geld für ihre Übernachtungen auszugeben.

 

Außerdem werden in den USA teilweise bereits Social-Media-Analysen herangezogen, um die Kreditwürdigkeit einer Person festzustellen. Statt Ihre Bonität nur bei Anbietern wie Credit History (vergleichbar mit der Schufa) zu prüfen, schauen sich komplexe Programme Ihre Spuren in den sozialen Netzwerken an. Wonach dort bewertet wird? Zum Beispiel, ob Sie viele Facebook-Freunde mit einem Uniabschluss haben, oder zu welcher Tageszeit Sie etwas posten. Jemand, der nachts um drei aktiv ist, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder keine Arbeit oder ist Student. Die Kreditwürdigkeit dieser Person wird daher negativ bewertet.

Was kann Datenhandel für die Zukunft bedeuten?

Niemand weiß heute, welche Gesetze es in Zukunft geben wird. Oder wie verantwortungsvoll Unternehmen im Umgang mit Daten handeln werden. Folgendes Gedankenexperiment zeigt jedoch gut, welche Gefahren der uneingeschränkte Handel mit persönlichen Informationen haben kann:

 

Was wäre beispielsweise, wenn die Daten Ihrer Schrittzähler-App an Ihren Arbeitgeber verkauft würden? Der könnte dann bei einem längeren Krankheitsausfall argumentieren, dass Sie selbst daran schuld seien – sollten Sie sich nicht ausreichend bewegt haben.

 

Oder wenn Ihr Krankenversicherer sehen könnte, welche Lebensmittel Sie einkaufen? Günstigere Versicherungstarife für Vegetarier gibt es bereits bei Anbietern in den Niederlanden. Könnte es ebenso Aufschläge für Menschen geben, die sich ungesund ernähren? In Deutschland ist das in den gesetzlichen Kassen bisher nicht erlaubt. Doch wer weiß, ob sich das in Zukunft ändert.

 

Spekulationen, sicher. Doch die Daten, die den Weg dafür bereiten könnten, werden bereits gesammelt.

Wie können Sie sich und Ihre Daten schützen?

Natürlich ist es schön, nur noch Werbung für die Produkte zu bekommen, die Sie interessieren. Wenn viele Unternehmen Ihre persönlichen Daten kennen, birgt das jedoch auch Risiken. Nicht nur ist es kritisch, dass Informationssammlungen über Sie existieren, von denen Sie in vielen Fällen nichts wissen.  Sie haben außerdem keine Kontrolle darüber, wie Unternehmen mit Ihren Daten umgehen.

 

Achten Sie deshalb darauf, was Sie im Internet von sich preisgeben. Sie können nicht sicher sein, dass Daten, die Sie in einem Kontext veröffentlichen, nicht in einem anderen Kontext wieder auftauchen.

 

Überprüfen Sie im Google Dashboard, auf Facebook und anderen von Ihnen genutzten Diensten und Plattformen regelmäßig Ihre Profil-Einstellungen. Eine ganze Reihe von Aktivitäten können Sie dort unterbinden, zum Beispiel dass Google Ihren Standortverlauf verfolgt.

 

Übrigens: Die Sparkassen achten besonders darauf, dass Ihre Daten sicher sind. Alle unsere Server stehen in Deutschland. Die Daten fallen daher unter die strengen deutschen Datenschutzgesetze. Mitarbeiter sind zudem zur Geheimhaltung verpflichtet.