Kreativ durch die Krise

Wie Sparkassen kulturellen Einrichtungen in Not helfen

In der Komischen Oper Berlin fielen die Vorstellungen aus und das Schuhmuseum Kleve musste alle Führungen absagen ­– die Corona-Pandemie hat kleine und große Kulturstätten im ganzen Land getroffen. Die Sparkassen vor Ort haben schnell reagiert und ihre Kunst- und Kulturförderung aufgestockt. Beispiele von Rhein und Spree. 

Kleine Museen am Rhein

„Sonst führen wir viele Gruppen durch unsere Ausstellung“, erzählt Theo Knips vom Schuhmuseum in Kleve. „Vor allem diese Eintrittsgelder fehlen uns nun für den Erhalt unseres ehrenamtlich geführten Museums.“

Kleve, die Kleinstadt an der deutsch-niederländischen Grenze, war einst Hochburg der Schuhindustrie. Heute stehen Maschinen und Erinnerungsstücke im Museum auf dem Werksgelände, auf dem früher Kinderschuhe der Marke „Elefanten“ produziert wurden.

„Dieses Jahr werden wir möglicherweise nicht mehr öffnen, da Besuche unter den aktuell geltenden Hygienebedingungen bei uns nicht möglich sind. Dazu kommt, dass die meisten aktiven Mitglieder unseres Vereins zur Risikogruppe gehören“, sagt der Vorsitzende Knips. „Über die Spende der Sparkasse haben wir uns gefreut. Sie hilft uns sehr.“

Schuhmuseum: In einer Schuhwerkstatt liegen Schuhe auf Arbeitstischen
Im Klever Schuhmusem steht die Geschichte des Schusterhandwerks im Fokus. Wegen Corona ist das Haus geschlossen. Fotocredit: Theo Knips

Schnelle Hilfe für Museen in Not

Ursprünglich wollte die ortsansässige Sparkasse Rhein-Maas eine Reihe von kleinen Museen bei ihrem Auftritt während der „Kreis Klever KulTourtage“ unterstützen. Die waren für Mai geplant. Dann kam das Corona-Virus, die Kulturtage wurden abgesagt und die Museumsbetreiber standen plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen.

Die Sparkasse handelte rasch und entschied, den Museen in Not mit einer Spende aus den Erträgen der Sparkassen-Lotterie „PS-Sparen“ zu helfen: „Wir wollten ganz gezielt kleinen Museen unter die Arme greifen, die nur dank ehrenamtlichem Engagement bestehen“, erklärt Ludger Braam von der Sparkasse Rhein-Maas. „Sie sind genauso wichtig für die kulturelle Vielfalt in unserer Region wie die überregional bekannten Museen, mit denen wir Partnerschaften pflegen.“

Inzwischen wieder geöffnet hat „Mannis kleines Museum“ in Emmerich, der Nachbarstadt von Kleve. „Mehr als zwei Personen dürfen aber nicht gleichzeitig rein“, sagt Horst Balkmann. Er ist Vorsitzender des Vereins, der in der Innenstadt das kleine Ladenlokal mit dem Archiv zur Stadtgeschichte führt.

„Die Leute kommen, um etwas über ihre Familie zu erfahren oder in den Akten eines Unternehmens aus der Region zu recherchieren.“ Mehr als 500 Ordner mit Unterlagen und Fotos hatte das Emmericher Urgestein Manfred Otten über Jahrzehnte zusammengetragen. Nach seinem Tod führte der neu gegründete Verein das Museum weiter. 

„Mannis kleines Museum“: eine Wand mit Ausstellungsbildern
Mannis kleines Museum im Emmerich hat inzwischen wieder geöffnet. Hier dreht sich alles um die Historie der Stadt. Fotocredit: Horst Balkmann

„Wir sind auf Spenden angewiesen“

„Eintritt nehmen wir nicht, doch die Besucher werfen meist etwas Geld ins Schwein. Wir sind auf Spenden angewiesen“, erklärt Balkmann. „Dass wir unter den 20 von der Sparkasse geförderten Projekten sind, ist toll.“

Ganz geschlossen war Mannis kleines Museum auch während der Corona-Hochphase nicht: Passanten konnten die wechselnden Exponate in dem liebevoll gestalteten Schaufenster bestaunen. „Alle sechs bis acht Wochen dekorieren wir um. Gerade steht die Firma Lohmann im Fokus. Das war ein Schokoladenhersteller hier in der Stadt“, erzählt Horst Balkmann.

Das Schaufenster von Mannis kleinem Museum wird alle paar Wochen neu dekoriert. Schaufenster: „Mannis kleines Museum“
Fotocredit: Andre Wins

Sparkassen sind größter nicht-staatlicher Kulturförderer

Von der kleinen Schaufensterbühne in Emmerich zur großen Opernbühne in Berlin ist es gar kein großer Schritt: Beide Institutionen gehören zur vielfältigen Kulturlandschaft Deutschlands. Und beide werden von den Sparkassen unterstützt.

Die Sparkassen-Finanzgruppe ist nach der öffentlichen Hand der größte Förderer von Kunst und Kultur in Deutschland. 133,6 Millionen Euro erhielten Kunstprojekte, Kunstvereine und Festivals im Jahr 2019. In der Krise stockten viele Sparkassen und die dazugehörigen Stiftungen die Mittel für Kultursponsoring auf und stellten Soforthilfen bereit.

Opernmitarbeiter nähen Masken für Pfleger und Ärzte

Als die Corona-Pandemie die Spielzeit in der Komischen Oper Berlin vorzeitig beendete, begannen viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Nase-Mund-Bedeckungen für Altenheime, Arztpraxen, Kitas und Kooperationspartner zu nähen. Auch die Berliner Sparkasse, seit mehreren Jahren Sponsor der Oper, erhielt Masken für die Mitarbeiter in den Filialen.

„Für uns als Haus war die Produktion eine echte Herausforderung“, sagt Verena Thole-Kamps, Leiterin Fundraising und Sponsoring bei der Komischen Oper Berlin. „Die Herstellung der Masken erfordert eine ganz andere Arbeitsweise, als wir sie kennen. Es ist Akkordarbeit, die viele unserer Mitarbeiter mit spärlicher Ausstattung und großem Einsatz von zu Hause geleistet haben.“

Nicht nur die Fachkräfte aus der Kostümwerkstatt setzten sich an ihre Nähmaschinen, auch Kollegen aus der Technik und anderen Bereichen machten mit. Zunächst nutzten sie die Stoffvorräte der Oper, später bestellten sie zusätzliches Material.

Eine rote selbst genähte Maske
Auch die Berliner Sparkasse wurde von der Komischen Oper Berlin mit Masken versorgt – natürlich in Sparkassen-Rot. Fotocredit: Komische Oper Berlin

Kinder können auf digitale Entdeckungstour gehen

Eine weitere Idee aus der vorstellungsfreien Zeit: Die Komische Oper Berlin lädt Kinder und ihre Familien mit einer Reihe von sechs Mitmach-Videos zu einer musikalischen Entdeckungstour durch das Opernhaus ein. Mit dabei sind Ensemblemitglieder, Orchestermusiker und Bühnentechniker. Denn auch in der Corona-Zeit möchte die Oper auf digitalem Wege Kinder an Musik und Theater heranführen. Für das letzte Video der Reihe können Kinder und ihre Familien bis zum 31. August 2020 eigene Clips einschicken. Hier geht es zur Videoreihe inklusive »Gebrauchsanweisung« für die Dreharbeiten zu Hause.

Seit vielen Jahren setzt sich die Komische Oper gemeinsam mit der Berliner Sparkasse unter dem Motto „Kultur für das vielfältige Berlin“ für die musikalisch-kulturelle Bildung von Kindern aus allen Bevölkerungsschichten ein. Klar, dass die Sparkasse auch das Videoprojekt finanziell gefördert hat.

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Euro

spendete die Sparkasse dem Förderkreis Freunde der Komischen Oper Berlin e. V.

Freunde der Komischen Oper Berlin sammeln für freischaffende Künstler

Weitere Gelder gingen an freischaffende Künstlerinnen und Künstler. Längst nicht alle Menschen, die regelmäßig für die Oper arbeiten, sind dort angestellt. Das Haus beschäftigt auch Soloselbstständige, zahlt ihnen pro Vorstellung eine Gage. Diese Gruppe hat die Corona-Schließung besonders hart getroffen.

Um finanzielle Härten abzufedern, sammelte der Förderkreis Freunde der Komischen Oper Berlin e. V. Spenden für die selbstständigen Künstler. Die Berliner Sparkasse beteiligte sich mit 10.000 Euro.

Ab September öffnen sich die Türen der Komischen Oper Berlin  wieder für das Publikum. „Wir werden flexibler produzieren und mehr improvisieren als sonst“, kündigt Intendant Barrie Kosky bei der Vorstellung des neuen Programms an. Dass seine Mitarbeiter das können, haben sie mit ihrer Maskenproduktion für den guten Zweck bewiesen.