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Was bringt die Zuckersteuer?

Kein Zuckerschlecken
Sie soll kommen. Und sie soll wirken: Die Zuckersteuer. Ab 2028 gilt voraussichtlich eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke, das hat das Kabinett entschieden. Was das für Ihren Alltag bedeuten würde, wer zahlt – und warum die Steuer eigentlich eine sehr alte Idee ist.
Das Wichtigste in Kürze
  • Ab 2028 plant die Bundesregierung eine Zuckerabgabe auf Erfrischungsgetränke; die finale Zustimmung des Bundestags ist für die Umsetzung noch erforderlich.

  • Die nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe wird bei Herstellern erhoben und meist über den Handel an die Endverbraucher weitergereicht.

  • Internationale Erfahrungen belegen eine Reduktion des Zuckergehalts, während die langfristigen Gesundheitsfolgen und sozialen Auswirkungen in der Fachwelt weiter diskutiert werden.

Wenn der Preis das Verhalten ändert

Zuckersteuer – der Name erweckt den Eindruck, dass alle zuckerhaltigen Produkte betroffen sind. Tatsächlich bleiben aber zuckerhaltige Produkte wie Süßigkeiten von dieser Regelung ausgeschlossen. Die Zuckersteuer betrifft nur gesüßte Getränke. Die Bundesregierung plant die Einführung einer Abgabe auf Softdrinks für das Jahr 2028, nachdem freiwillige Maßnahmen der Industrie nicht den gewünschten Erfolg brachten.

Am 29. April 2026 hat das schwarz-rote Kabinett den Weg freigemacht. Noch muss der Bundestag zustimmen, doch die politische Dynamik ist klar: Limonaden, Colas, Eistees, Energydrinks – wer sie herstellt oder importiert, soll ab 2028 eine gestaffelte Steuer (je nach Zuckergehalt) zahlen.

0Euro

jährlich sollen der gesetzlichen Krankenversicherung zugutekommen.

Ziel ist es, den Zuckerkonsum zu senken, gesundheitliche Risiken zu reduzieren und so langfristig die Kosten im Gesundheitssystem zu begrenzen.

Historisches Déjà-vu
Die Zuckersteuer gab es schon einmal

Die Zuckersteuer ist keine neue Idee. Bereits 1841 führte der Deutsche Zollverein eine Abgabe auf Zucker ein. In den 1930er Jahren erreichte sie eine enorme wirtschaftliche Bedeutung: Bis zu 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts stammten aus dieser Steuer – umgerechnet wären das heute rund 23 Milliarden Euro jährlich.

  • Allerdings: Die Zuckersteuer galt in der Vergangenheit für den gesamten Zuckerkonsum, nicht nur für Getränke. Sie umfasste auch Produkte wie Süßwaren, Gebäck und andere Lebensmittel, die Zucker enthalten.

Erst 1993 wurde die Zuckerbesteuerung in Deutschland abgeschafft. Der Grund für das Aus war vor allem der hohe bürokratische Aufwand, der in keinem gesunden Verhältnis mehr zu den sinkenden Einnahmen stand. Zudem drängte die Harmonisierung des EU-Binnenmarktes auf den Abbau solcher speziellen Verbrauchssteuern. Der entscheidende Unterschied heute liegt im Ziel:

  • Während die Abgabe früher als reine Fiskalsteuer vor allem Einnahmen für den Staat brachte,
  • dient sie heute als Lenkungssteuer für gesündere Entscheidungen beim Konsum.

Die aktuelle Debatte ist damit weniger ein Neuanfang als vielmehr eine Rückkehr: mit einem neuen Fokus auf Gesundheit statt Haushaltseinnahmen.


Wie die Zuckersteuer funktioniert

Das Modell folgt einem klaren Prinzip: Je höher der Zuckergehalt in Getränken, desto höher die Steuer. Getränke mit weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter bleiben steuerfrei. Im Kern zielt die Abgabe auf Getränke mit zugesetztem Zucker: Limonaden, Eistees, Energydrinks. Konkret sieht der Vorschlag so aus:

Die Steuerhöhe soll jährlich an die Inflation angepasst werden. Ausgenommen sind 100-Prozent-Fruchtsäfte und Getränke, die mit Süßstoffen statt Zucker hergestellt werden. Auch Wasser, ungesüßte Produkte oder Milch bleiben außen vor.

Die bittersüße Wahrheit: So viel Zucker steckt drin

Ein Würfelzucker entspricht etwa 3 Gramm Zucker. Wer das im Kopf behält, schaut auf Getränke schnell mit anderen Augen, denn bei vielen steckt deutlich mehr drin als vermutet.

Ein Energydrink oder eine Cola liefern pro 0,33 Liter rund 35 Gramm Zucker. Das entspricht fast 12 Stück Würfelzucker. Fruchtsaft schneidet mit 30 Gramm kaum besser ab, 10 Würfelzucker stecken in einem kleinen Glas. Am wenigsten Zucker enthält Eistee mit 28 Gramm, also gut 9 Würfelzucker.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass Erwachsene täglich nicht mehr als 25 Gramm freien Zucker zu sich nehmen sollten; das sind etwa 8 Würfelzucker. Eine Dose Cola überschreitet diese Tagesmenge bereits.

Zum Beispiel Cola

Was das für den Geldbeutel bedeutet, zeigt ein einfaches Beispiel: Eine 0,33-Liter-Dose Cola, die etwa 35 Gramm Zucker enthält, fällt somit in die höchste Steuerstufe. Denn: Der Zuckeranteil entspricht 10,6 Gramm Zucker pro 100 Milliliter und liegt damit über 8 Gramm (s. Tabelle).

1 Liter Cola würde somit um 32 Cent teurer; für eine Dose Cola ergibt das:

  • 0,33 l × 32 Cent = rund 11 Cent mehr pro Dose.
  • Für Gelegenheitskäufer wird die Erhöhung also kaum spürbar; aber für Vielkonsumenten kann sich das summieren.

Wer zahlt am Ende?

Die Zuckersteuer ist keine prozentuale Abgabe auf den Verkaufspreis, sondern ein fixer Betrag pro Liter; diese wird beim Hersteller erhoben. Hersteller zahlen die Abgabe also zunächst selbst – geben diese dann aber über den Handel weiter.

  • Das bedeutet: Ob eine Cola im Discounter 79 Cent kostet oder im Spätverkauf 2,50 Euro – der Steueranteil bleibt gleich. Teurer wird das Getränk grundsätzlich nur um die erhöhte Steuer (beispielsweise in beiden Fällen um 11 Cent). Allerdings können Händler die Steuer zum Anlass nehmen, ihre Preise insgesamt stärker anzuheben als nötig. Das wäre dann eine unternehmerische Entscheidung und keine Folge der Steuer selbst.

Am Ende landen die Mehrkosten also bei den Verbrauchern und Verbraucherinnen.

Genau das ist beabsichtigt. Denn die Steuer soll lenken: Wer weniger kauft, spart. Gleichzeitig entsteht Druck auf die Industrie. Hersteller reagieren darauf und senken den Zuckergehalt ihrer Produkte, um die Steuer zu umgehen. Der Anreiz, Produkte zu reformulieren, ist also direkt eingebaut.

Was bringt die Steuer dem Staat?

Das geschätzte jährliche Aufkommen von 450 Millionen Euro ist im Vergleich zum Gesamthaushalt bescheiden. Zum Verständnis: Die gesetzlichen Krankenkassen verzeichnen jährlich Ausgaben von weit mehr als 300 Milliarden Euro. Die Zuckersteuer ist also kein Kassenschlager – schon gar nicht, wenn die Menschen ihr Verhalten umstellen und dadurch weniger zuckerhaltige Getränke gekauft werden und entsprechend weniger Steuern eingenommen werden. Die Zuckersteuer ist ein Baustein in einem größeren Sparpaket für das Gesundheitssystem, das auch höhere Alkohol- und Tabaksteuern sowie eine Plastikabgabe vorsieht.

Die eigentliche Wirkung soll woanders entstehen: Wer weniger Zucker konsumiert, erkrankt seltener an Adipositas, Diabetes Typ 2 und Karies. Das spart langfristig Behandlungskosten, die heute die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler der Krankenversicherungen tragen.

Die Mittel sollen gezielt eingesetzt werden, etwa für Prävention, gesündere Schulverpflegung oder die Entlastung des Gesundheitssystems. Krankheiten wie Typ-2-Diabetes oder Adipositas verursachen bereits heute hohe Kosten.

Dolce Vita war gestern: So läuft die Zuckersteuer heute im Ausland

Deutschland ist spät dran. Mindestens 116 Länder weltweit haben bereits eine Zuckersteuer auf Getränke eingeführt, darunter viele europäische Länder wie Großbritannien, Frankreich, Mexiko, Irland, Portugal und Norwegen.


  • Das britische Beispiel gilt als besonders prägend: Der Soft Drinks Industry Levy trat 2018 in Kraft – und zeigte Wirkung, noch bevor er gültig wurde. Viele Hersteller reduzierten freiwillig den Zuckergehalt. Studien zeigen einen deutlichen Rückgang des Zuckerkonsums, besonders bei Kindern und Jugendlichen.

  • In Mexiko, wo die Steuer 2014 eingeführt wurde, sank der Konsum zuckerhaltiger Getränke in den ersten Jahren um rund 6 Prozent.

  • Frankreich, das bereits 2012 eine Vorreiterrolle einnahm, verzeichnete unmittelbar nach der Einführung einen Absatzrückgang bei zuckerhaltigen Limonaden von rund 3 bis 4 Prozent. Nach der Verschärfung der Steuer im Jahr 2018, die eine stärkere Staffelung nach Zuckergehalt einführte, intensivierte sich dieser Effekt.

  • In Polen (Einführung 2021) war der Effekt sehr deutlich. Im ersten Jahr nach Einführung der „Abgabe auf gesüßte Getränke“ sank der Absatz von zuckerhaltigen Softdrinks um fast 20 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Verkäufe von Wasser und ungesüßten Getränken massiv an.

Die Beispiele zeigen: Die Steuer verändert Verhalten – wie stark, hängt vom Land und der Ausgestaltung ab.

Warum die Steuer umstritten bleibt

Ob die Steuer tatsächlich die Volkskrankheit Übergewicht besiegt, bleibt unter Fachleuten umstritten. Denn: Die neue Steuer konzentriert sich hauptsächlich auf gezuckerte Getränke und wirkt nicht auf alle zuckerhaltigen Produkte wie etwa Süßwaren, Fertiggerichte, Eiscreme oder Saucen, was ihre umfassende Wirkung auf die gesamte Ernährung in Frage stellt.

Während Belege dafür existieren, dass der Zuckergehalt in den Getränken massiv gesunken ist und die Menschen weniger flüssigen Zucker zu sich nehmen, gibt es daher noch keinen eindeutigen Beweis, dass dadurch auch die allgemeinen Übergewichtsraten in der gesamten Bevölkerung sinken. Deshalb wird auch hinterfragt, ob eine Abgabe auf einzelne Produktgruppen ausreicht, um das Ernährungsverhalten nachhaltig zu verändern. Zudem weisen Kritiker darauf hin,

  • dass die Industrie oft auf Süßstoffe ausweicht und Adipositas ein zu komplexes Problem ist, um es allein durch eine Getränkesteuer zu lösen.
  • Weitere Stimmen argumentieren auch, dass besonders Haushalte mit geringem Einkommen von möglichen Mehrkosten betroffen sind. Ein Punkt, der kontrovers bewertet wird.
  • Außerdem greife die Steuer zu stark in individuelle Konsumentscheidungen ein.
  • Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die wirtschaftlichen Folgen für Hersteller und Handel. Besonders kleinere Unternehmen könnten durch neue Rezepturen, zusätzliche Bürokratie und Kosten stärker belastet werden.

Doch es gibt breite Unterstützung aus dem Gesundheits- und Verbraucherschutzbereich. So begrüßten die Organisation Foodwatch, die Deutsche Diabetes Gesellschaft und der Ärzteverband die Entscheidung ausdrücklich. Die Befürworter betonen vor allem zwei Effekte:

  • geringere Krankheitskosten und
  • zusätzliche Mittel für Prävention und Gesundheitsvorsorge.

Mehr als nur ein Aufpreis

Im Alltag wird sich vor allem eines verändern: der Preis bestimmter Getränke. Wer selten zu Softdrinks greift, wird kaum etwas merken. Wer regelmäßig konsumiert, spürt den Unterschied deutlicher.

Langfristig könnten sich aber auch die Produkte selbst verändern. Weniger Zucker, neue Rezepturen, mehr Alternativen – genau das ist politisch gewollt. Hersteller haben nun bis 2028 Zeit, ihre Rezepturen anzupassen. Es ist gut möglich, dass viele Produkte bis dahin leicht weniger süß werden, ohne dass der Preis steigt.

Ob die Zuckersteuer ihr Ziel erreicht, hängt davon ab, wie Menschen und Unternehmen reagieren. Die Erfahrungen anderer Länder zeigen jedoch: Der Effekt kann größer sein, als es ein paar Cent mehr im Supermarkt vermuten lassen.

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Stand: 05.05.2026

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