
Politische und gesellschaftliche Wetten sind in Deutschland verboten, die Teilnahme kann strafbar sein.
Es fehlt an Spielerschutz. Dagegen herrschen ein hohes Verlustrisiko, Suchtgefahr und unsichere Auszahlungen.
Legale Angebote erkennen Sie an einer deutschen Lizenz in der offiziellen Whitelist der Glücksspielbehörde.
Was steckt hinter den neuen Wettmärkten?
Ein Einsatz, eine Wette, ein möglicher Gewinn und das Gefühl, „es besser zu wissen als die anderen“. Digitale Wettmärkte greifen dieses Bedürfnis auf und verlagern es seit ein paar Jahren von Sportereignissen auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Statt auf das Ergebnis eines Fußballspiels zu tippen, wird nun auch auf Wahlausgänge, Gerichtsurteile oder Promi-Entwicklungen gesetzt. Die Einsätze werden online platziert, oft über internationale Plattformen.
So funktionieren Prediction Markets
Typisch für diese Märkte sind einfache Ja‑/Nein‑Fragen, zum Beispiel: „Kommt es bis zum Datum X zu einem bestimmten Gesetz?“ oder „Erreicht eine Währung einen bestimmten Kurs?“. Aber auch moralisch fragwürdige Wetten auf Krieg und Frieden oder den Einsatz von Atombomben stehen gleichberechtigt in den Listen.
Die Einsätze werden in kleine Anteile aufgeteilt, deren Preis sich ständig verändert. Steigt der Preis, heißt das, dass viele Teilnehmende das Ereignis für wahrscheinlich halten. So entsteht der Eindruck eines „Marktes für Wahrscheinlichkeiten“. Denn hier handelt es sich um klassisches Glücksspiel, das von Emotionen und Spekulation lebt.
Viele Nutzerinnen und Nutzer unterschätzen dabei, wie sehr Nachrichten, Soziale Medien und Diskussionen das eigene Urteil beeinflussen. Spontane Reaktionen auf Schlagzeilen können dazu führen, dass immer wieder nachinvestiert wird. Aus einem Experiment kann so eine Gewohnheit werden, die nicht nur Zeit, sondern vor allem Geld kostet.
Warum diese Wetten in Deutschland verboten sind
So neu der digitale Anstrich auch wirkt: Rechtlich werden Ereigniswetten auf Politik oder Gesellschaft in Deutschland als Glücksspiel eingeordnet. Und für Glücksspiel gilt ein klarer Grundsatz: Erlaubt ist nur, was ausdrücklich genehmigt wurde (§ 3 Abs. 1 GlüStV 2021). Alles andere ist verboten.
Eine Erlaubnis erhalten im Wettbereich in der Regel ausschließlich Angebote mit eindeutig überprüfbaren Ergebnissen, klaren Regeln und staatlicher Aufsicht – etwa lizenzierte Sportwetten auf definierte Sportereignisse. Gesellschaftswetten auf künftige Ereignisse außerhalb des Sports fallen nicht darunter (§ 4 Abs. 5 GlüStV) und gelten deshalb als nicht erlaubnisfähig.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) warnte 2025 explizit vor enstprechenden Plattformen, da solche Wetten rechtliche Risiken für Verbraucher und Verbraucherinnen bergen.
Beeinflussung des Wettausgangs
Zum einen sind die Ereignisse häufig unklar definiert oder nur schwer objektiv feststellbar. So gab es beispielsweise viele Beschwerden von Menschen, die auf eine Invasion Venezuelas durch die USA gewettet hatten. Der Wettanbieter wertete den Einsatz der USA Anfang Januar 2026 aber nicht als Invasion – die Wettenden verloren ihren Einsatz.
Zum anderen können einzelne Akteure mit hohen Einsätzen und öffentlicher Aufmerksamkeit die Wahrnehmung der „Wahrscheinlichkeiten“ beeinflussen. Gerade bei politischen Themen kann das zu Interessenkonflikten führen: Wer viel Geld auf einen bestimmten Ausgang gesetzt hat, hat ein unmittelbares Interesse daran, Stimmung zu machen. Für Menschen in Deutschland bedeutet das: Sowohl die Veranstaltung solcher Wetten ohne Erlaubnis als auch deren Nutzung kann strafbar sein. Hinzu kommt, dass viele dieser Plattformen im Ausland sitzen, teils mit Kryptowährungen arbeiten und sich der deutschen Aufsicht entziehen. Für Teilnehmende ist es dann kaum möglich, ihre Rechte durchzusetzen – etwa, wenn Gewinne nicht ausgezahlt oder Konten gesperrt werden.
Die unterschätzten Risiken für Ihr Geld
Auf den ersten Blick wirken digitale Wettmärkte wie ein spielerischer Umgang mit Nachrichten. Auf den zweiten Blick zeigt sich: Das Risiko liegt fast vollständig bei den Teilnehmenden, nicht bei den Plattformen. Ein zentrales Problem ist der fehlende Spielerschutz. Anders als bei regulierten Angeboten gibt es meist keine verpflichtenden Limits, keine verpflichtenden Identitätsprüfungen mit Blick auf Alterskontrollen und keine anerkannten Regeln zur Prävention von Spielsucht. Wer emotional reagiert, kann sehr schnell mehr Geld einsetzen, als ursprünglich geplant war – insbesondere, wenn Einzahlungen per Kreditkarte, E‑Wallet oder Kryptowährung in Sekundenbruchteilen möglich sind.
Hinzu kommt die psychologische Dynamik. Ereignisse aus Politik und Gesellschaft begleiten uns im Alltag: Nachrichten, Push-Meldungen und Social Media sorgen für dauernde Updates. Wer gleichzeitig Geld auf bestimmte Verläufe gesetzt hat, erlebt jede Meldung als Gewinn- oder Verlustsignal. Das kann Stress auslösen, zu impulsiven Entscheidungen führen und den Alltag erheblich belasten.
Nicht zu unterschätzen ist außerdem das Datenrisiko. Für die Nutzung der Plattformen werden häufig persönliche Daten, Zahlungsinformationen oder Wallet‑Adressen benötigt. Ob diese Informationen ausreichend geschützt sind, ist von außen schwer zu beurteilen. Geht ein Anbieter vom Netz oder gerät in rechtliche Schwierigkeiten, können Einsätze, Gewinne und Daten dauerhaft verloren sein.
Woran Sie legale Angebote erkennen und wie Sie sich schützen
Wer sicher gehen möchte, sollte sich an einem einfachen Grundsatz orientieren: Erst prüfen, dann zahlen. Seriöse Glücksspielangebote mit Sitz in Deutschland verfügen über eine gültige staatliche Erlaubnis und sind verpflichtet, diese transparent zu kommunizieren. Häufig finden Sie entsprechende Hinweise gut sichtbar im unteren Bereich der Startseite oder im Impressum. Darüber hinaus gibt es eine offizielle Positivliste („Whitelist“) der Glücksspielbehörde. Nur Angebote, die dort aufgeführt sind, verfügen über die notwendige Genehmigung. Taucht ein Anbieter nicht in dieser Liste auf oder fehlt ein klarer Hinweis auf eine deutsche Lizenz, ist Zurückhaltung angebracht.
Ein weiteres Warnsignal sind Versprechen von „sicherem Gewinn“, aggressives Marketing oder der Versuch, Verluste mit Bonusaktionen oder „Einzahlungs-Boosts“ zu kompensieren. Solche Mechanismen zielen darauf ab, Nutzerinnen und Nutzer länger zu binden und zu immer neuen Einsätzen zu motivieren.
Warum Vorsicht geboten bleibt
Digitale Wettmärkte wirken auf den ersten Blick wie ein modernes Experiment an der Schnittstelle von Information, Statistik und Spannung. In der Praxis aber sind die Wettenden jenen ausgeliefert, die über Insiderinformationen verfügen oder den Ausgang eines Ereignisses beeinflussen können.
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Stand: 11.02.2026



