
Immer mehr Menschen können Online-Einkäufe nicht mehr bezahlen und rutschen in die Schuldenfalle.
Die Nachfrage nach Kleinkrediten, wie etwa „Buy now, pay later“-Angeboten, setzt sich vor allem im Online- und Versandhandel fort.
Bei Überschuldung gibt es diverse Hilfsangebote und Beratungsstellen; zudem verschärft ein Gesetz die Vergabepraxis.

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Lange war die Überschuldung von Privatpersonen rückläufig. Doch 2025 trat die Trendwende ein: Erstmals seit 2018 stieg die Zahl überschuldeter Menschen wieder merklich an – auf 5,67 Millionen, eine Zunahme von 111.000 gegenüber dem Vorjahr. Der größte Auslöser für Überschuldung nach Erkrankung, Sucht oder Unfall war über alle Altersklassen hinweg auch 2024 der Verlust des Arbeitsplatzes, zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis).
Klick, Kauf, Schulden? Offene Rechnungen beim Onlinehandel
Anders sieht es beim Onlineshopping aus: Dort nimmt der Anteil der verschuldeten Menschen in Deutschland zu. Gut ein Drittel der Verschuldeten hatte offene Rechnungen bei Online- und Versandhändlern.
Frauen und Jüngere sind anteilig stärker betroffen
Im Jahr 2024 wiesen knapp 36 Prozent der Frauen in Schuldnerberatungen Zahlungsrückstände bei Online- und Versandhändlern auf, bei Männern waren es 24 Prozent. Die durchschnittliche Online-Shopping-Schuldenlast von Frauen lag mit 834 Euro beinahe doppelt so hoch wie die von Männern mit 463 Euro.
Auch jüngere Überschuldete sind besonders von Verbindlichkeiten bei Online- und Versandhändlern betroffen: Im Jahr 2024 wiesen 40 Prozent der beratenen 20- bis 24-Jährigen entsprechende Zahlungsrückstände auf. Im Vergleich dazu lag der Anteil bei den 55- bis 64-Jährigen nur bei 23 Prozent.
Viele Menschen haben Schulden – sei es der Dispokredit, die offene Rückzahlung des Bafögs oder geliehenes Geld bei Freunden. Das ist in den meisten Fällen nicht problematisch. Anders wird es, wenn die Schulden sich so stark anhäufen, dass jemand seinen regelmäßigen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann und in die Überschuldung abrutscht. In Deutschland gilt eine Privatperson als überschuldet, deren „Einkommen über einen längeren Zeitraum nach Abzug der Lebenshaltungskosten trotz Reduzierung des Lebensstandards nicht zur fristgerechten Schuldentilgung ausreicht,“ heißt es beim Familienministerium. Kurz: Wenn jemand trotz Sparens und weniger Ausgaben seine Schulden nicht mehr zahlen kann.
Jetzt kaufen, später bezahlen: Der Zahlungsaufschub kann gefährlich werden
Sogenannte „Buy now, pay later“-Bezahlangebote liegen im Trend und werden von vielen Händlern im Onlinegeschäft angeboten. Der aktuelle Schufa Risiko- und Kredit-Kompass 2025 zeigt:
- Im Jahr 2024 wurden erstmals mehr als 10 Millionen neue Ratenkreditverträge abgeschlossen – jeder zweite davon war ein Kleinkredit unter 1.000 Euro. Somit hat sich die Anzahl laufender Kleinkredite seit 2020 sogar nahezu verdreifacht.
- Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei den mittleren Altersklassen zwischen 35 und 44 Jahren, bei denen die Zahl laufender Ratenkredite von rund 4,1 Millionen (2020) auf 5,2 Millionen (2024) gestiegen ist.
Die folgende Grafik zeigt den Anteil der Altersgruppen mit Zahlungsrückständen durch Onlinekäufe:
Risiko bei „Pay later“: Heute bequem, morgen unübersichtlich
Vor allem in Zeiten, in denen die Haushaltskasse schneller leer ist, können Zahlungsmöglichkeiten, bei denen die jetzt bestellte Ware erst zu einem späteren festgelegten Zeitraum bezahlt werden muss, gerade recht kommen. Doch „pay later“ kann schnell zum Gegenteil von bequem werden.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen warnt, dass durch solche Zahlungsmethoden parallel mehrere Mikrokredite bei verschiedenen Anbietern entstehen können. Die Kontrolle über offene Rechnung zu behalten, wird dann immer herausfordernder. Dies führt zu einer zunehmenden Anhäufung von Schulden, die letztlich in Überschuldung enden kann.
Was bedeutet „Buy now, pay later“ (BNPL) genau?
Wird BNPL in Onlineshops oder Geschäften als Zahlungsmöglichkeit angeboten, können Konsumentinnen und Konsumenten ihre getätigten Einkäufe zu einem späteren Zeitpunkt bezahlen. Das heißt sie müssen die Rechnung bei BNPL in der Regel erst nach vier Wochen oder – wenn gewünscht in Raten – weit später begleichen.
Meistens laufen die Angebote für BNPL nicht über die Shops selbst, sondern über Zahlungsdienstleister wie Klarna, PayPal oder Riverty, die die Transaktionen für die Händler abwickeln.
Entscheiden Sie sich beim Shoppen für eine BNPL-Option, gibt es je nach Anbieter verschiedene Modelle:
- Rechnungsmodell: Bei dieser Option wird der gesamte Betrag für die erhaltene Ware in der Regel nach 14 oder 30 Tagen von Ihrem Konto abgebucht – ähnlich dem altbekannten Kauf auf Rechnung. Der Unterschied ist hierbei, dass bei BNPL-Angeboten fast immer ein Drittanbieter dazwischengeschaltet ist, der den Zahlungsaufschub auch in Shops ermöglicht, die selbst keinen Kauf auf Rechnung anbieten. In diesem Fall kümmert sich der Anbieter um die Abwicklung. In den meisten Fällen können Sie, wenn Sie wollen, schon früher bezahlen.
- Ratenzahlungsmodell: Bei dieser Option erfolgt die Rückzahlung der monatlichen Raten meist über einen Zeitraum von bis zu 48 Monaten. Bei BNPL können Sie den Rechnungsbetrag schon bei geringen Beträgen in Raten aufteilen, ganz ohne Kreditantrag. Diese Ratenzahlung kostet allerdings oft Geld in Form von Zinsen und/oder Gebühren, die je nach Anbieter unterschiedlich hoch sein können.
Schutz vor Überschuldung: Das reformierte Verbraucherkreditrecht in Deutschland
Die Verbraucherkreditrichtlinie der EU regelt den Umgang mit Kleinkrediten genau und will so Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Ver- und Überschuldung durch Kredite schützen. Der Bundestag hat im April 2026 eine umfassende Reform des Verbraucherkreditrechts verabschiedet – eines der größten verbraucherpolitischen Vorhaben der vergangenen Jahre. Damit setzt Deutschland eine EU-Richtlinie um, die Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Verschuldung schützen und für mehr Transparenz bei Kreditgeschäften sorgen soll.
- „Buy now, pay later“ wird strenger geregelt: Zahlungsmethoden wie „Jetzt kaufen, später bezahlen“ gelten künftig als Verbraucherkredite. Damit wird auch hier eine Kreditwürdigkeitsprüfung Pflicht. Hintergrund: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher verlieren beim Online-Shopping den Überblick über offene BNPL-Rechnungen.
- Strengere Kreditprüfung ohne Datensammlung aus dem Privatleben: Kredite dürfen nur vergeben werden, wenn ihre Rückzahlung wahrscheinlich ist.
- Mehr Schutz bei Zahlungsschwierigkeiten und beim Dispo: Kreditgeber müssen bei finanziellen Problemen frühzeitig Lösungen anbieten – etwa längere Laufzeiten oder Stundungen. Vor einer Kündigung sind solche Anpassungen verpflichtend. Dispokredite dürfen zudem nur noch mit einer Frist von mindestens zwei Monaten beendet werden.
Beratung und Hilfe bei Überschuldung
In Deutschland gehen schätzungsweise nur rund 10 bis 15 Prozent Überschuldeten zu einer sozialen Schuldnerberatungsstelle, um ihre finanzielle Situation zu verbessern – viel zu wenige.
Haben sich auch bei Ihnen Schulden angehäuft, die Sie nicht mehr gestemmt bekommen, sollten Sie sich so früh wie möglich an eine Schuldnerberatung in Ihrer Nähe wenden. Sie finden diese im Schuldnerberatungsatlas . In Deutschland gibt es mehr als 1.000 zugelassene Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen.
Übrigens: Bei den meisten gemeinnützig arbeitenden Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen, wie zum Beispiel von der Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie oder vom Deutschen Roten Kreuz, bekommen Sie die Hilfe kostenfrei. Alternativ können Sie sich auch an die Verbraucherzentralen wenden. Dort finden Sie auch eine Checkliste, wie Sie bei Schuldnerberatungen unseriöse Angebote erkennen.
Wichtige Informationen zur Beratung und zu den nötigen Unterlagen finden überschuldete Verbraucherinnen und Verbraucher auch auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V.
Hinweis: Bei den meisten gemeinnützig arbeitenden Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen, wie zum Beispiel von der Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie oder vom Deutschen Roten Kreuz, bekommen Sie die Hilfe kostenfrei. Alternativ können Sie sich auch an die Verbraucherzentralen wenden. Dort finden Sie auch eine Checkliste, wie Sie bei Schuldnerberatungen unseriöse Angebote erkennen.
Wichtige Informationen zur Beratung und zu den nötigen Unterlagen finden überschuldete Verbraucherinnen und Verbraucher auch auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V.
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Stand 23.04.2026



