Warum Holz zurzeit so teuer und knapp ist

5 interessante Fakten zum Preisanstieg bei Fichte, Kiefer und Co.

Die Preise für Holz sind im letzten Jahr dramatisch gestiegen. Handwerksbetriebe klagen über Materialmangel, Bauvorhaben müssen gestoppt werden oder ziehen sich in die Länge. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig: Neben Exportrekorden und erhöhter Nachfrage im Inland trägt auch eine Beschränkung des Holzschlags zur Knappheit bei. Wir zeigen Ihnen fünf interessante Fakten zum Holz-Hype.

Haus im Bau mit Holz

Das Wichtigste in Kürze:

  •  In den USA hat sich der Holzpreis innerhalb des letzten Jahres fast versechsfacht.
  • Auch in Deutschland berichten Handwerksbetriebe von enormen Preissteigerungen – je nach Region und Holzart sind Verteuerungen von mehr als 100 Prozent zu beobachten.
  • Im Jahr 2020 exportierte Deutschland eine Rekordmenge Rohholz ins Ausland; der größte Abnehmer ist die Volksrepublik China.
  • Eine Rechtsordnung begrenzt momentan die Menge an Fichtenholz, die in Deutschland geschlagen werden darf.
  • Auch andere wichtige Rohstoffe, wie etwa Kupfer, werden immer knapper. 

1. Holz wird immer teurer

Aufgrund der hohen Nachfrage im Markt hat sich der Holzpreis in den USA im Vergleich zum Vorjahr fast versechsfacht. Im April 2020 kosteten 1.000 Board Feet (umgerechnet 2,36 m³) Bauholz noch 252 US-Dollar (etwa 206 Euro). Der aktuelle Holzpreis liegt für die gleiche Menge bei 1.670 US-Dollar (etwa 1.367 Euro).

Doch nicht nur in den USA bricht der Holzpreis zurzeit alle Rekorde: Auch in Deutschland stieg er dank der hohen Nachfrage seit letztem Herbst um mindestens 15 bis 20 Prozent an. Besonders Handwerksbetriebe bekommen dies zu spüren. So zeigen Umfrageergebnisse des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), dass viele Betriebe je nach Holzart regionale Preissteigerungen von mehr als 50 Prozent beobachten. Auch wird von Holzprodukten berichtet, die sich um mehr als 100 Prozent verteuert haben.

Ein Problem nicht nur für Betriebe: Wer momentan ein Eigenheim baut, muss mit zum Teil wesentlich höheren Materialkosten rechnen – und mit sehr langen Wartezeiten. 

2. Deutschland exportiert Holz in Rekordmengen

Ein Grund, warum Holz in Deutschland so knapp geworden ist (und damit teurer), ist das Exportgeschäft. Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) exportierte Deutschland allein im letzten Jahr Holz im Wert von 845 Millionen Euro. Insgesamt verließen im Jahr 2020 rund 12,7 Millionen Kubikmeter Rohholz das Land. Der größte Abnehmer im Ausland: die Volksrepublik China. Mit 6,4 Millionen Kubikmeter ging 2020 rund die Hälfte des Rohholz-Exports nach Fernost. Eine deutliche Steigerung im Vergleich zu früheren Jahren – 2015 gingen zum Beispiel nur 10,1 Prozent nach China.  

Auch die USA importieren mittlerweile verstärkt Holz aus Deutschland. Hauptlieferant der US-Amerikaner ist zwar Kanada – allerdings konnte das Land aufgrund von Waldbränden und Strafzöllen (auferlegt durch die Regierung Trump) zuletzt nur geringere Mengen in die USA liefern. Dank der gestiegenen Nachfrage und der hohen Qualität des Sortiments ist Deutschland zwischenzeitlich zum zweitgrößten Holzlieferanten der USA aufgestiegen. 

Mehr Export als Import

Ein langfristiger Vergleich zeigt außerdem: Deutschland exportiert mittlerweile wesentlich mehr Rohholz als es importiert. So hat sich die Menge an ausgeführtem Rohholz seit 2015 mehr als verdreifacht. Dagegen ist im selben Zeitraum die eingeführte Menge um ein Drittel zurückgegangen. Auch dieser Umstand trägt zu einer verstärkten Verknappung bei. 

3. Die Corona-Pandemie hat den Holzverbrauch der Deutschen angekurbelt

Nicht nur die hohe Exportmenge hat den Holzmarkt im letzten Jahr strapaziert. Auch der Holzverbrauch der Deutschen ist seit Beginn der Coronakrise gestiegen. Aufgrund der Pandemie blieb vielen Menschen mehr Zeit für DIY-Projekte. Dabei besonders beliebt: Bauen und Renovieren mit Holz. Allerdings kommen zurzeit auch Hobbyschreiner schnell an ihre Grenzen – selbst kleine Holzmengen für Arbeiten an Haus und Garten sind nur schwer zu beschaffen. Dazu kommt: Selbst der Preis für Holz von geringer Qualität (zum Beispiel Brennholz) ist deutlich gestiegen. 

4. Beliebte Holzarten können nur begrenzt geschlagen werden

Zwar wurde im Jahr 2020 eine Rekordmenge an Holz geschlagen – allerdings gelten auch hier Beschränkungen. Besonders betroffen davon sind beliebte Nadelhölzer wie Fichten, Kiefern oder Tannen. Sie machen nicht nur einen großen Anteil am inländischen Holzverkauf und exportiertem Rohholz aus, sondern werden auch besonders viel geschlagen: Mehr als 87 Prozent des Holzeinschlags entfällt auf diese Gruppe. Aus diesem Grund wurde eine Rechtsordnung erlassen, die den Fichteneinschlag in der Zeit vom 1. Oktober 2020 bis 30. September 2021 begrenzt. Eine enorm wichtige Maßnahme – zum einen, um Wälder und Nadelholz zu schützen; zum anderen, um die Lieferung des Rohstoffes auch in Zukunft gewährleisten zu können.

Auch wenn sich Waldbesitzer in Deutschland über die hohe Nachfrage freuen – finanziell profitieren können sie davon kaum. Sie verdienen zwar mehr an jedem Festmeter Holz. Allerdings sind es die Holzhandelskonzerne, die das daraus gewonnene Schnittholz im Exportgeschäft für ein Vielfaches weiterverkaufen und so stark profitieren. 

5. Auch andere Rohstoffe werden knapper

Nicht nur Holz wird teurer und knapper – auch die Preise anderer Rohstoffe steigen in letzter Zeit rasant an. Eines davon ist Kupfer, ein wichtiger Grundstoff für elektrische Leitungen. Auch Dämmmaterialien sind aktuell nur schwer zu bekommen. Viele Bauvorhaben müssen deshalb gestoppt werden oder ziehen sich in die Länge.

Eine Entspannung der Situation ist aktuell nicht in Sicht. Mit dem Rückgang der Corona-Infektionszahlen und einer damit verbundenen Öffnung von Geschäften wie Baumärkten und Möbelhäusern ist im Sommer mit einer weiterhin erhöhten Nachfrage nach Endprodukten und Rohstoffen wie Holz zu rechnen. 

(Stand 20.05.2021)


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