Rekordeinbruch bei den deutschen Exporten

Wie geht es jetzt weiter?

Die deutschen Exporte sind im April wegen der Corona-Rezession so drastisch zurückgegangen wie noch nie. Laut Weltbank wird die globale Wirtschaft um 5,2 Prozent in diesem Jahr einbrechen. Das trifft nicht nur die Industriestaaten hart, sondern auch die armen Länder. Dr. Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Deka hat Antworten.

Ein Gabelstapler mit Containern
Dr. Kater
3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Chefvolkswirt der Deka

Deutsche Firmen verkauften im April 31,1 Prozent weniger Waren ins Ausland als ein Jahr zuvor. Dies sei der größte Rückgang seit Beginn der Außenhandelsstatistik 1950, wie so das Statistische Bundesamt mitteilte. Wie sehr müssen wir uns sorgen?

Mit dem Coronavirus geriet die Weltwirtschaft blitzartig in eine historisch tiefe Rezession. Und das gewissermaßen angeordnet, durch die Lockdown-Maßnahmen, über alle Regionen der Welt. Das war schon lange fühlbar und unstrittig, bevor die realwirtschaftlichen Daten der amtlichen Statistik dies belegen konnten. Haken dran.

Die tatsächlichen Daten zur Tiefe des wirtschaftlichen Einbruchs sind jetzt schon fast nicht mehr interessant. Ob das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um einen Prozentpunkt mehr oder weniger schrumpft, ist für die Finanzmärkte irrelevant geworden. Das liegt daran, dass zur Bewältigung der Corona-Krise seitens der Geld- und Finanzpolitik unglaublich viel Geld ausgegeben wird.

Entscheidend ist die Geschichte, die für die kommenden Monate erzählt und an den Märkten gespielt wird. Die Geschichte lautet: In den Industrieländern ist das Coronavirus zurückgedrängt. Die Beschränkungen werden sukzessive gelockert. Die Volkswirtschaften werden wieder hochgefahren. Die Geld- und Finanzpolitik unterstützt tatkräftig den Wiederaufbau. Von Seiten der Konjunktur und der Unternehmen werden im zweiten Halbjahr bessere Nachrichten kommen. Es geht also aufwärts, die Erholung ist auf einem guten Weg. Haken dran.

Ist damit jetzt wieder alles gut?

Nein. Es ist noch bei weitem nicht alles gut. Die Erholung läuft, aber die letzten Meter werden schwer. Kommen die Konsumenten wieder in Kauflaune? Werden die Unternehmen wieder an Wachstum denken statt an Kotensenkungen?

Dazu kommt, dass die Ausbreitung des Coronavirus in den Schwellenländern derzeit viel dramatischer verläuft als zu Beginn der Krise in den Industrieländern. Und die Volkswirtschaften fahren nach dem verordneten Stillstand viel langsamer wieder hoch als erwartet, begleitet von einer sehr zähen Nachfrageentwicklung.

Dann holen uns die alten Themen ein: US-Präsident Trump hat innenpolitische Schwierigkeiten, die er mit handelspolitischer Kraftmeierei zu überspielen versucht. Die Verhandlungen zwischen den Briten und der Europäischen Union laufen wenig konstruktiv, und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Brexit zum Jahreswechsel doch noch ohne Vertrag erfolgen wird.

Die Aktienmärkte setzen also derzeit sehr auf das Prinzip Hoffnung. Langfristig allerdings bleiben Aktien für die private Vermögensanlage unverzichtbar. Da ist es gar nicht so entscheidend, ob man jetzt einsteigt oder noch warten will, bis es noch ein wenig billiger wird.

Worauf müssen wir also setzen?

An den Börsen werden die zukünftigen Gewinne der Unternehmen gehandelt. Tempo und Ausmaß der Aktienmarkterholung – der Deutsche Aktienindex Dax hat bis Anfang Juni etwa drei Viertel seiner erheblichen Einbußen zwischen Mitte Februar und Mitte März aufgeholt – legen eine Konsolidierung im Sommer nahe. Zunächst wird wegen der genannten Unsicherheiten noch einmal durchgeatmet. Schlussendlich aber wird sich das konjunkturelle Erholungsszenario durchsetzen. 


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