
Die Preise für Benzin und Diesel kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Super E10 ist Mitte September 2026 mit 2,27 Euro je Liter so teuer wie noch nie, Diesel kostet 2,45 Euro. Der Hauptgrund: die explodierenden Ölpreise durch die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten.
Doch die Entwicklung hat eine größere Bedeutung als nur für den nächsten Tankvorgang. Hohe Kraftstoffpreise fressen Kaufkraft, drücken Unternehmensgewinne und treiben die Inflation an. Im August stieg die Inflation in Deutschland auf 2,9 Prozent – im Euroraum sogar auf 3,3 Prozent. Außerdem könnte sich der Ölpreis-Schock auch auf Ihre private Geldanlage auswirken.
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, erklärt, welche Faktoren für Konsumenten tatsächlich relevant sind – und verrät, wie Sie nun Ihr Geld schützen können.

3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Herr Dr. Kater, wie viel Ölpreis-Schock hält die deutsche Wirtschaft aus – und ab wann wird es wirklich gefährlich?
Eine Rezession steht nicht unmittelbar an, aber die hohen Energiepreise haben das Potenzial, die Konjunktur zu verlangsamen. Denn es ist wahrscheinlich, dass sie über den Winter anhalten oder sich sogar noch verschlimmern. Ob tatsächlich eine Rezession eintritt, hängt zum ersten von der Höhe des Energiepreisanstiegs ab. Schwierig wird es bei Rohölpreisen über 140 US-Dollar pro Barrel für mehrere Wochen. Ferner hängt es davon ab, ob weitere Belastungen neben den Energiepreisen auch von Exportnachfrage, Zinsen, Beschäftigung und Konsum noch dazukommen.
Was wird für Verbraucher und Unternehmen jetzt konkret teurer – und wo lässt sich der Kostenschock überhaupt noch abfedern?
Wenn Energie dauerhaft teurer bleibt, müssen Haushalte und Unternehmen ihre Ausgaben- und Produktionsstrukturen anpassen. Viele Privathaushalte werden ihren Konsum etwas zurückfahren müssen. Dafür steigen allerdings auch die Anreize, an der Energiewende weiterzuarbeiten und hier zu investieren, für Haushalte wie für Unternehmen. Insbesondere Unternehmen werden sich weiter anpassen: Energie einsparen, aber auch Kosten weitergeben, Lieferwege optimieren, Prozesse elektrifizieren – oder am Ende auch den Standort verlagern.
Und was bedeutet der Preisschock für die private Geldanlage: Wo lauern Risiken – und welche Anlagen können sie abfedern?
Auch hier gilt wie bei allen Risiken, dass ein robust diversifiziertes Portfolio den besten Schutz darstellt. Aktien können bei Inflationsraten im niedrigen einstelligen Bereich einen guten Inflationsausgleich bieten, insbesondere Unternehmen mit solider Bilanz, wiederkehrenden Umsätzen und Preissetzungsmacht. Auf der Anleiheseite wird es seit Langem wieder interessanter für die Geldanlage: Die Renditen sind mittlerweile so gestiegen, dass Anlagen in Rentenpapiere wieder richtige Ertragsbeiträge liefern können, trotz Inflation. Und nicht zuletzt: Sachwerte wie Immobilien, Infrastruktur oder ausgewählte Rohstoffengagements können ergänzen.
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Stand: 17. September 2026



