
Iran blockiert weiterhin die Straße von Hormus, die Ölpreise steigen seit Ausbruch des Krieges drastisch um 35 Prozent, die Inflation in Deutschland springt auf 2,7 Prozent.
Da es keine Verhandlungsergebnisse zwischen den USA und dem Iran gibt, ist damit zu rechnen, dass der Krieg deutlich länger dauert.
Die Europäische Zentralbank (EZB) muss abwägen, die Leitzinsen wieder zu erhöhen, um ein weiteres Ansteigen der Inflation einzudämmen.
Öl-Chaos am Persischen Golf
Der Iran-Krieg befindet sich nunmehr in seiner fünften Woche. Die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt – ist für die meisten Frachter nahezu unpassierbar geworden. Vor Ausbruch des Konflikts wurden hier etwa 20 Prozent des globalen Öls und ein erheblicher Teil des Flüssigerdgases (LNG) transportiert. Jetzt ist der Schiffsverkehr dort nahezu völlig eingeschränkt: Der Iran kontrolliert die Durchfahrten streng und gestattet sie nur sehr selektiv, oft als strategisches Druckmittel gegenüber anderen Staaten.
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) versuchen, mit vorhandenen Pipelines einen Teil ihrer Öllieferungen umzuleiten. Doch diese Kapazitäten reichen lediglich für etwa ein Viertel des früheren Transportvolumens. Die unmittelbaren Folgen sind gravierend: Die Rohölpreise sind auf 110 US-Dollar pro Fass (Barrel) gestiegen – ein Plus von rund 35 Prozent seit Kriegsbeginn. Gleichzeitig sind Gasexporte aus Katar nahezu zum Erliegen gekommen, nachdem iranische Angriffe eine zentrale Verflüssigungsanlage schwer beschädigt haben.
Nicht nur Öl: Hormus-Blockade trifft Lieferketten hart
Die Straße von Hormus ist nicht nur für Rohöl entscheidend: Rund 30 Prozent des weltweiten Harnstoffs (unter anderem entscheidend für Dünger) passieren diese Route. Der Iran ist einer der größten Exporteure, jetzt fehlt ein Drittel der globalen Düngermenge. Die Folgen: Düngerpreise explodieren um 50 bis 70 Prozent, Landwirte düngen weniger, Ernten werden um 5 bis 10 Prozent schrumpfen. Historische Erkenntnisse zeigen, dass sich die Brotpreise um mehr als 20 Prozent verteuern werden.
Bereits spürbar ist auch der Mangel an Helium, 80 Prozent der weltweiten Versorgung stammen aus Katar. Die Exportanlagen des Landes wurden durch iranische Angriffe schwer beschädigt. Helium dient als Kühlmittel in der Halbleiter- also Chipfertigung. Ohne seinen Einsatz kommt die Produktion von Smartphones, Automobil-Elektronik und medizinischer Bildgebung wie MRT-Geräten zum Erliegen. Bereits jetzt melden Chip-Hersteller Engpässe, die sich innerhalb von Wochen auf den gesamten Automobil- und Technologiebereich ausweiten könnten.
Gleichzeitig fehlen Plastikgranulate für Verpackungen, Autoteile und Verbrauchsgüter, da Raffinerieprodukte aus dem Persischen Golf nicht mehr nach Asien geliefert werden können. China meldet bereits einen Produktionsrückgang von 15 Prozent bei Kunststoffen. Die Kombination aus Düngermangel, Verpackungsengpässen und höheren Transportkosten erklärt die zusätzlich erwarteten Steigerungen der Lebensmittelpreise um weitere 4,5 Prozent.
Keine Gespräche zwischen dem Iran und den USA
Gegenseitige Angriffe haben die Energieinfrastruktur in der gesamten Region hart getroffen. Selbst nach einem Ende der Kämpfe dürften die Reparaturen einige Zeit dauern. US-Präsident Donald Trump hat die Lage zusätzlich eskaliert, indem er direkte Angriffe auf Irans Ölanlagen angekündigt und den Einsatz von Bodentruppen in Aussicht gestellt hat.
Iran droht mit massiver Vergeltung, darunter Sabotageakte an der Wasser- und Energieversorgung benachbarter Staaten. Direkte Verhandlungen über eine Deeskalation im Persischen Golf bleiben weiterhin aus: Trump hatte zwar einen „Deal am Verhandlungstisch“ signalisiert. Doch die Regierung in Teheran lehnt unter Berufung auf die US-Militärpräsenz jeden Dialog ab.
Inflation in Deutschland jetzt bei 2,7 Prozent
In Deutschland sind die wirtschaftlichen Folgen des Krieges bereits deutlich spürbar. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat für März 2026 eine Inflationsrate von 2,7 Prozent veröffentlicht. Das ist ein Sprung um 0,9 Prozentpunkte gegenüber Februar. Besonders dramatisch entwickeln sich die Energiepreise mit einem Plus von 42 Prozent, während Lebensmittel bislang um 5,1 Prozent teurer geworden sind.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin hat seine Wachstumsprognose für 2026 deutlich nach unten korrigiert: Statt der ursprünglich erwarteten 1,2 Prozent rechnet man nun nur noch mit 0,6 Prozent BIP-Wachstum, bei einer dauerhaft erhöhten Inflation von 2,8 Prozent.
Europäische Zentralbank in der Zwickmühle
Die Stimmung in den Unternehmen hat sich in der gesamten Eurozone deutlich verschlechtert: Der vorläufige gebündelte Einkaufsmanager-Index (Composite-PMI) für März liegt bei 50,2 Punkten, ein Rückgang um 1,7 Punkte gegenüber dem Vormonat. Damit kann sich der Index nur knapp über der Schwelle von 50 Punkten halten, die auf eine Zunahme von wirtschaftlichen Aktivitäten hindeutet.
Der Dienstleistungssektor schrumpft auf 49,8 Punkte (-2,1), während die Industrie sich bei schwachen 51,6 Punkten (+0,4) behauptet. Deutschland und Frankreich notieren deutliche Minuswerte, Italien und Spanien dürften in den kommenden Tagen ähnliche Entwicklungen melden.
Die Europäische Zentralbank hat ihre Inflationsprognose für 2026 nach oben korrigiert: Nun rechnet sie mit 2,6 Prozent statt der ursprünglich prognostizierten 1,9 Prozent. Der Leitzins bleibt vorerst bei 2 Prozent, doch zahlreiche Analysten erwarten eine Erhöhung auf 2,5 Prozent. EZB-Chefin Christine Lagarde sieht sich in einer schwierigen Déjà-vu-Situation: Während des Ukraine-Kriegs hatte die EZB die Inflationsdynamik massiv unterschätzt, was zu einem Anstieg der Teuerung auf über 10 Prozent führte.
Nun signalisiert sie: Treffen die von Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizierten Lohnsteigerungen von 3,5 Prozent ein, oder kommt es zu einer breiten Preisüberwälzung auf Verbraucherpreise, drohen rasche Leitzinserhöhungen. Die Finanzmärkte reagieren entsprechend nervös: Der wichtigste deutsche Aktienindex Dax hat allein in der vergangenen Woche 4 Prozent verloren, während sich Rohstoff- und Energiewerte in die Höhe schrauben.
Mittelstand in tiefer Krise
Im deutschen Mittelstand wirkt die Kombination aus US-Zöllen, globalen Lieferketten-Störungen und dem explosiven Energiepreis-Boom wie ein Dreifachschlag: Exportorientierte Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) im Maschinenbau und der Chemiebranche melden bereits Produktionsrückgänge von bis zu 6 Prozent. Transportkosten haben sich binnen weniger Wochen verdoppelt.
In der Landwirtschaft erwartet der Verbraucherpreisindex für Lebensmittel ein Plus von 4,5 Prozent. Supermärkte melden bereits erste Engpässe bei Grundnahrungsmitteln. So sind auch Privathaushalte schmerzhaft betroffen. Sie spüren den Preisschock am deutlichsten an der Zapfsäule: Superbenzin kostet nun durchschnittlich 2,20 Euro pro Liter, Heizgaspreise sind um 28 Prozent gestiegen.
„Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Rezession liegt aktuell bei 20 Prozent“
Wie sich der Irankrieg nun vor allem auf die deutschen Haushalte, Unternehmen und private Geldanlagen auswirken könnte? Das erklärt Wirtschafts- und Finanzexperte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe.

3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Herr Dr. Kater, wie wird es mit dem Iran-Krieg weitergehen in den kommenden Wochen und Monaten? Droht Deutschland eine neue Rezession?
Bei so komplexen Ereignissen wie geopolitischen Konflikten ist die Entwicklung niemals gewiss. Selbst die beteiligten Entscheider wissen oft nicht, was morgen geschieht. Deswegen sind Notenbanken und Kapitalmarktteilnehmer dazu übergegangen, die möglichen Entwicklungen in Szenarien auszudrücken. In unserem aktuellen Hauptszenario zum Iran-Krieg bleibt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus noch Monate gestört, der Ölpreis bleibt hoch und die Weltwirtschaft leidet. Dieses Szenario gewichten wir mit 70 Prozent Wahrscheinlichkeit.
In unserem derzeitigen Negativszenario mit 20-prozentiger Wahrscheinlichkeit kommt es zu massiven Militärschlägen, langanhaltender Energieknappheit und möglichen globalen Rezessionen, besonders in Europa und Asien. Nur im Positivszenario, das wir mit 10 Prozent für wahrscheinlich halten, führt eine diplomatische Lösung zu schneller Entspannung und Normalisierung des Ölmarkts. Ausschließlich im Negativszenario wäre eine Rezession in Deutschland die Folge.
Was bedeutet das konkret für Menschen und Wirtschaft in Deutschland?
Die Menschen in Deutschland müssen sich ein Jahr lang auf höhere Energiepreise einstellen, was vor allem Heiz- und Spritkosten betrifft. Die Folge ist, dass die Volkswirtschaften weniger Energie verbrauchen und auf andere Energieträger ausweichen. Auch die Anreize zur Verwendung regenerativer Energien steigen an. Generell belasten allerdings höhere Preise die Kaufkraft der Haushalte und dämpfen das Wirtschaftswachstum.
Was sollten Privatanlegerinnen und -anleger bei ihrer Geldanlage berücksichtigen?
Bisherige Anlagestrategien privater Haushalte sollten beibehalten und insbesondere Aktien-Sparpläne fortgeführt werden. Allerdings ist die Risikoeinschätzung des Krieges im Nahen Osten angesichts der Dimension des Militäreinsatzes und der generell fragilen Lage in der Region fortlaufend zu überprüfen. Dafür ist eine intensive Beobachtung der Lage notwendig. Viele Anlegerinnen und Anleger sind damit natürlich schon aus Zeitgründen überfordert. In dieser Lage ist daher die Rolle der Vermögensverwalter umso wichtiger.
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Stand: 2.04.2026



