
Dax: 25.900 Punkte, Euro Stoxx 50: knapp 6.400 Punkte, Dow Jones gut 53.000 Punkte – die Kurse einiger der wichtigsten Börsenindizes weltweit haben in den vergangenen Wochen einen Rekord nach dem anderen gebrochen. Während sich erfahrene Anlegerinnen und Anleger über die satten Zuwächse freuen, fragen sich andere Menschen, ob sie jetzt noch einsteigen können, oder ob der Zug bereits abgefahren ist. Gleichzeitig wächst die Sorge: Wer jetzt kauft, zahlt vielleicht zu teuer und sitzt beim nächsten Rücksetzer auf Verlusten.
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, erklärt, warum neue Höchststände und anschließende Korrekturen zum normalen Zyklus an den Finanzmärkten gehören und warum es weniger entscheidend ist, den vermeintlich richtigen Moment zu treffen und was bei Investition in Aktien und Fonds wirklich zählt.

3 Fragen zu Geld an
Dr. Ulrich Kater
Herr Dr. Kater, was bedeuten Börsenrekorde und ist ein Einstieg während eines Hochs automatisch zu spät?
Vor gut 12 Jahren sprang der Dax erstmalig über die Marke von 10.000 Punkten. Aus heutiger Sicht wäre das ein ausgezeichneter Einstiegszeitpunkt gewesen, wie übrigens sämtliche anderen früheren Allzeithochs auch. Dafür gibt es einen Grund: Aktienkurse spiegeln die Gewinnentwicklung der Unternehmen wider. Solange die Weltwirtschaft im Trend wächst, und solange es Inflation gibt, werden Unternehmensgewinne und damit auch Aktienkurse im langfristigen Durchschnitt – unter Schwankungen – steigen.
Natürlich gibt es auch Beispiele dafür, dass Börsenrekorde mit deutlich überbewerteten Aktienmärkten einhergingen. Und nach dem Platzen dieser Aktienmarkt-Blasen zunächst einmal substanzielle Indexrückgänge zu beobachten waren, manchmal sogar für lange Zeit. Aktuell sind die globalen Aktienmärkte mit Blick auf die fundamentale Bewertung, abzulesen beispielsweise am Kurs-Gewinn-Verhältnis, insgesamt nur leicht überbewertet.
Schwankungsreiche Börsen sind angesichts der vielfältigen Risiken auf der Welt zwar weiterhin zu erwarten. Doch spricht die stabil um 3 Prozent wachsende Weltwirtschaft dafür, dass die Unternehmen auch in Zukunft trendmäßige Umsatz- und Gewinnsteigerungen vermelden können. Bei großen Einmalanlagen mag es bessere Einstiegszeitpunkte als Börsenrekorde geben. Aber mit einer Stückelung des Betrages und Investitionen über einige Monate oder Quartale fährt man auch in Rekordzeiten eine gute Strategie. Für die langfristige Aktienanlage ist es also nie zu spät!
Wie gefährlich sind Gefühle bei der Geldanlage – und wie behalte ich einen kühlen Kopf?
Gefühle sind menschlich, manchmal führen sie zu irrationalen Entscheidungen. Gefährlich werden sie bei der Geldanlage, wenn Angst, Gier oder Herdenverhalten Ihre Entscheidungen stärker steuern als Ihre Strategie. Studien aus der Behavioral Finance zeigen, dass emotionale Fehlentscheidungen im Schnitt 1 bis 4 Prozent Rendite pro Jahr kosten können. Generell ist es wenig zielführend, sich über Regierungen einzelner Länder zu ärgern und deshalb die dortigen Aktien zu meiden.
Auch Sorgen und Ängste hinsichtlich neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz sollten nicht die möglichen Produktivitätseffekte und Gewinnpotenziale der davon profitierenden Unternehmen ausblenden. Das wird dem Portfoliogedanken bei der Wertpapieranlage nicht gerecht. Einen kühlen Kopf behalten Sie, wenn Sie Ihre Geldanlage konsequent strukturieren und möglichst viele spontane Entscheidungen aus dem Prozess herausnehmen. Hilfreich sind unter anderem eine klar formulierte Anlagestrategie mit Zielen, Zeithorizont und Risikobudget sowie feste Regeln für Käufe und Verkäufe.
Wie kann ich jetzt noch sinnvoll in Aktien und Fonds einsteigen?
In diesen herausfordernden Zeiten der digitalen Transformation, des demografischen Wandels und der geopolitischen Unwägbarkeiten ist es bei der Geldanlage sinnvoll, sich auf einige grundlegende Ansätze zu besinnen. Erstens: Regelmäßiges Anlegen mit Fondssparplänen, um beispielsweise den Launen von einzelnen Regierungschefs und den hohen Kursschwankungen an den Märkten zu begegnen. Und um keine schwierigen Entscheidungen bezüglich des optimalen Anlagedatums treffen zu müssen. Zweitens: Breite Streuung im Portfolio, sowohl bezüglich der Anlageregionen beziehungsweise Länder, als auch bezüglich der Branchen und auch der Anlageklassen.
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Stand: 16.07.2026



