Der Tausch der Disziplinen

Olympioniken trainieren Höchstleistungen in neuen Sportarten

Nur wenige Monate vor den Olympischen und Paralympischen Spielen in Tokio treffen sich vier Ausnahmetalente des deutschen Spitzensports, um ein Experiment zu wagen. Zwei von ihnen probieren sich in den Disziplinen der anderen beiden aus, um etwas ganz Grundlegendes zu zeigen: Um neue Herausforderungen zu bestehen und Höchstleistungen zu erzielen, kommt es nicht nur auf das eigene Können, Disziplin und einen starken Willen an. Es bedarf auch kompetenter und zuverlässiger Unterstützung.

„Du willst doch nicht etwa schon aufgeben?!“, ruft Reno aufmunternd durch die Halle. „Wir haben doch gerade erst angefangen.“ „Nein, will ich nicht. Aber das ist doch deutlich schwerer, als ich erwartet hatte“, antwortet Luise und atmet tief durch. Dann holt sie sich den Ball, zielt – und zielt wieder am Tor vorbei.

Luise Malzahn ist Judoka und war Fünfte bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Vor den Spielen in Tokio hat sie sich auf ein Experiment eingelassen, zu dem sie die Sparkassen-Finanzgruppe eingeladen hat: den Tausch der Disziplinen.

Judoka Luise Malzahn (links) und Goalballer Reno Tiede

Anstatt im weißen Anzug eine Gegnerin mit geübten Griffen auf die Matte zu werfen, steht sie mit einer Dunkelbrille vor den Augen in einer Halle in Berlin-Lichtenberg und versucht, einen 1,25 Kilogramm schweren Klingelball in ein neun Meter breites und 1,30 Meter hohes Tor zu befördern. Doch das ist gar nicht so leicht. Denn aufgrund der Brille kann sie nichts sehen. Absolut nichts.

Goalball heißt die Disziplin, in der sie sich zum ersten Mal ausprobiert. Ihr Coach und zugleich Gegner im Tor ist Reno Tiede. Er ist seit seiner Kindheit sehbehindert. Genau ein Prozent beträgt sein restliches Sehvermögen. Goalball spielt er seit seiner Schulzeit. Im Jahr 2009 nahm er mit der deutschen Nationalmannschaft an seiner ersten Europameisterschaft teil. Damals holten sie den achten Platz. 2016 belegte er mit dem Team den sechsten Platz bei den Paralympischen Spielen in Rio, 2018 wurden sie Vize-Weltmeister und 2019 zum ersten Mal Europameister.

Glöckchen erleichtern Orientierung

Seit 1976 gehört Goalball als Sport für Menschen mit Sehbehinderung zum Programm der Paralympics. Zwei Dreier-Teams spielen mit dem Klingelball. Dabei tragen die Spielerinnen und Spieler immer eine Dunkelbrille – so wie nun Luise Malzahn. Goalball ist ein sehr temporeicher Sport. Abwehr- und Angriffsaktionen wechseln sich ständig ab.

Das erfordert sowohl gute Kondition und Reaktion als auch Konzentration. Die Glöckchen im Ball ermöglichen es, die Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung einzuschätzen.

Tipps vom Profi

Das Spiel mit dem Goalball ist für Luise Malzahn ganz neu. Aber sie hat die Einladung zum Tausch der Disziplinen mit Freude angenommen. Denn sie lässt sich immer wieder gern auf neue Herausforderungen ein. Sie ist eine der erfolgreichsten Judoka Deutschlands.

Seit dem Beginn ihrer Laufbahn als Leistungs- und Spitzensportlerin hat sie weit über 900 Kämpfe bestritten und davon fast 800 gewonnen. Ihre Siegquote beträgt 80 Prozent. Sie hat zahlreiche Medaillen bei Welt-, Europa- und Deutschen Meisterschaften sowie bei Grand Slams und Grand Prix erstritten.

Jetzt steht sie in der Lichtenberger Halle und lässt sich von Reno hilfreiche Tipps geben. Ihr Ziel: Sie will es innerhalb eines Tages schaffen, mindestens drei Tore zu erzielen. „Allein könnte ich das niemals schaffen“, betont sie. „Musst du auch nicht“, sagt Reno. „Ich habe auch die Unterstützung meines Teams gebraucht, bis ich endlich den ersten Ball im Tor hatte. Das dauert.“

Von der Matte aufs Dreimeterbrett

Ringer Eduard Popp (links), Sparkassen-Olympiamoderator Philipp Reinheimer und Wasserspringerin Tina Punzel

Nur ein paar Kilometer weiter, im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, steht Eduard Popp in einer Schwimmhalle auf dem Dreimeterbrett, um einen anderthalbfachen Salto zu springen. Auch zum ersten Mal.

Der Weltklasse-Ringer hat sich ebenfalls dazu bereit erklärt, den Tausch der Disziplinen zu versuchen. Trainerin des Olympia-Fünften von Rio ist Tina Punzel, fünffache Europameisterin im Wasserspringen. Sie tritt sowohl im Kunst- als auch im Turmspringen sowie im Drei-Meter-Synchronspringen an. Bei den Olympischen Spielen in Rio belegte sie Rang 7 im Synchronspringen.

Tina steht lächelnd am Beckenrand, als Eduard auf dem Brett kehrt macht und die Leiter wieder nach unten steigt, anstatt ins Wasser zu springen. „Wir üben das erst mal trocken mit Trampolin und Matten“, sagt sie zu ihm. Eduard nickt. Ähnlich wie Luise wünscht er sich immer wieder Herausforderungen im Leben. Aber auch er weiß, dass es gute Trainerinnen beziehungsweise Trainer und Vorbilder braucht, um neue Ziele zu erreichen. Und ein Salto vom Dreier ist für ihn, dessen Disziplin auf dem Boden stattfindet, eine große Herausforderung.

Zur Weltspitze – mit der richtigen Unterstützung

Die vier Athletinnen und Athleten haben ein gemeinsames Ziel: Bei den Olympischen beziehungsweise Paralympischen Spielen in Tokio anzutreten, um zu beweisen, dass sie in ihren Disziplinen zur Weltspitze gehören. Für jede und jeden von ihnen ist die Teilnahme an der weltweit größten Sportveranstaltung der Beweis einer langen leidenschaftlichen und disziplinierten Karriere.

Sie alle haben viele Jahre auf der Matte, im Wasser oder am Ball trainiert, bevor sie ihre ersten Medaillen errangen. Dabei sind sie sich einig, dass sie ihre Erfolge nur deswegen erzielen konnten, weil sie von Anfang an die Unterstützung wichtiger Personen wie ihre Eltern sowie Trainerinnen und Trainer, aber auch die ihrer Vereine, Förderer und Sponsoren hatten.

Sparkassen-Finanzgruppe: Von Anfang an gemeinsam

Einer der wichtigsten Förderer im deutschen Sport ist die Sparkassen-Finanzgruppe. Seit 2008 ist sie „Top Partner Team Deutschland “, seit 2013 auch Top Partner Team Deutschland Paralympics. Ganz gleich ob Olympische Jugendspiele, Olympische oder Paralympische Spiele, Deutsche, Europa- oder Weltmeisterschaften – wenn Athletinnen und Athleten Höchstleistungen erbringen, tun sie dies mit einer starken und verlässlichen Partnerin an ihrer Seite.

Denn die Sparkassen und ihre Verbundpartner unterstützen den Sport schon seit vielen Jahrzehnten als wichtiger Förderer . Jährlich stellen sie rund 90 Millionen Euro zur Verfügung – im Breiten- und Spitzensport, im Behindertensport und in der Nachwuchsförderung. Talente der Spitzenklasse wie Eduard, Luise, Reno und Tina profitieren davon ebenso wie Volksläufe, Eliteschulen des Sports und Vereine.

Aufgrund dieser langjährigen Nähe zum Sport kennen die Sparkassen die vielfältigen Herausforderungen der Athletinnen und Athleten und wissen die Exzellenz in ihren jeweiligen Disziplinen zu würdigen. Sie verstehen auch, dass es kontinuierlicher und zuverlässiger Förderung bedarf, um zu den Besten weltweit zu gehören. Am Beispiel von Luise und Eduard zeigt sich, was alles möglich ist, wenn man hilfreiche und kompetente Hilfe hat.

Formvollendet und souverän

Fünffache EuroEuropameisterin im Wasserspringen Tina Punzel

Nach dem Training im Trockenen schreitet Eduard zuversichtlich zum Sprungbecken. Erst steigt er auf das Einmeterbrett und übt den Sprung mehrmals, bis er ihn einwandfrei beherrscht. Dann klettert er die Leiter zum Dreimeterbrett hinauf. Vorn an der Spitze des Bretts angekommen, federt er ab und vollzieht den anderthalbfachen Salto genauso formvollendet wie vom Einmeterbrett.

In der Halle in Lichtenberg greift sich Luise wieder den Ball und setzt die Dunkelbrille auf. Zuvor ist Reno mit ihr die wichtigsten Punkte des Goalballspiels durchgegangen. Sie haben gemeinsam die richtige Körperhaltung und verschiedene Wurftechniken trainiert. Er hat ihr dabei geholfen, ein besseres Gefühl für die Höhe und Breite des Tors zu bekommen. Und er hat ihr einige wertvolle Tipps gegeben, um ihn als Torwart auszutricksen.

Sie setzt an und schleudert den Klingelball geradewegs auf das Tor. Aber Reno hält. Einmal, zweimal und auch beim dritten Mal verteidigt er erfolgreich das Tor. Doch die Judoka lässt sich nicht entmutigen. Wieder holt sie sich den Ball, fokussiert und zielt auf das Tor.

Reno erreicht ihn mit den Fingerspitzen – doch er hat keine Chance. Luises Wurf ist dieses Mal so stark, dass er ihn nicht ausreichend abwehren kann. Der Ball landet im Netz. Und Luise ist überglücklich, dass es ihr nun gelungen ist. Nicht dreimal, wie sie es sich vorgenommen hatte. Aber einmal – und das sehr souverän.