Yayoi Kusama – Mit dem Punkt in die Unendlichkeit

Der Berliner Gropius Bau widmet der japanischen Künstlerin eine Retrospektive der Superlative – mithilfe der Sparkassen

Leonardo da Vinci, Paula Modersohn-Becker, Picasso, Andy Warhol, Niki de Saint Phalle – alle bedeutenden Künstlerinnen und Künstler haben der Menschheit etwas geschenkt, das die Grenzen von Zeit und Kulturen auflöst. Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama hat den Punkt revolutioniert: Sie hat ihn unendlich gemacht.

Spiegel, Formen und Punkte

Punkte sind schon in der Jugend Yayoi Kusamas das zentrale Element ihrer Ausdrucksform – in jeder vorstellbaren Form. In bunt oder schwarz treten sie immer zu vielen auf: Groß und klein, gleichmäßig oder ungleichmäßig verteilt, in Traumlandschaften, unter sich oder in Strukturen, Mustern und mit Linien.

Die Künstlerin malt Punkte auf Leinwände, Pflanzen, große und kleine Skulpturen ebenso wie auf Wände und Menschen, Kürbisse und Spiegel. Immer untrennbar verbunden in einer Serie. Seit fast 70 Jahren erobert Kusama mit dieser Ausdrucksform die Welt. Sie selbst erklärt ihre Vorliebe für Punkte aus deren Symbolgehalt: „Ich habe sie zu einem Symbol von Liebe und Frieden gemacht“, sagte sie 2012 in einem Interview.

Angstzustände und Halluzinationen als Quelle der Inspiration

Yayoi Kusama kommt 1929 in Japan zur Welt. Seit ihrer Kindheit leidet sie an Angstzuständen und Halluzinationen. Ihre persönlichen Wahrnehmungen und Visionen werden später zu Quellen ihrer Inspiration.

Bereits mit 16 Jahren beginnt sie gemeinsam mit anderen Künstlerinnen und Künstlern auszustellen. Ende der 1940er Jahre absolviert sie – gegen den Willen der Eltern – ein Kunststudium in Kyoto. 1952, als Yayoi Kusama gerade einmal 23 Jahre alt ist, hat sie ihre erste Einzelausstellung in ihrer Heimatstadt Matsumoto. Nur ein Jahr später wird sie in die Pariser Académie de la Grande Chaumière aufgenommen, nimmt diesen Platz jedoch nicht an und eröffnet 1954 ihre erste Einzelausstellung in Tokio.

Frau in einem Spiegelraum

Punkte, nackte Menschen und brennende Flaggen

Drei Jahre später emigriert Kusama in die USA, um sich aus den Zwängen ihrer konservativen Familie zu befreien und weil sie sich dort eine größere künstlerische Freiheit als in ihrer Heimat erhofft.

In den 1960er Jahren ist die Japanerin Teil eines internationalen künstlerischen Netzwerks. Sie wird abwechselnd zur Konzeptkunst und zum Minimalismus gezählt, wurde aber auch schon als Surrealistin, Pop-Artist und feministische Künstlerin bezeichnet. In New York erfindet Kusama die Genres Installation und Happening mit und überführt diese künstlerischen Strategien Mitte der 1960er Jahre nach Europa und Deutschland. Sie lässt junge Menschen nackt auf öffentlichen Plätzen auftreten und verbrennt Flaggen.

Gruppe von vier Frauen

Unendlichkeit und Selbstauslöschung

Zur selben Zeit beginnt die Künstlerin ihre Ausstellungsprojekte jenseits der USA zu präsentieren. Sie zeigt ihre Arbeiten in Deutschland, unter anderem in Leverkusen. Bei diesen Ausstellungen rückt Kusama auch ihre Rolle als Pionierin des „Personal Branding“ in den Vordergrund: Sie inszeniert und vermarktet ihre künstlerische Persona und ihr multidisziplinäres Schaffen.

Mit ihren Punkten und Anspielungen auf die Natur gelingt es ihr, ein Gefühl von Unendlichkeit und Selbstauslöschung zu erzielen. Ihre Fantasien einer völligen Auflösung der Grenzen zwischen dem Individuum und seiner Umgebung übersetzt sie ab Mitte der 1960er Jahre in Spiegelinstallationen und sogenannten Infinity Rooms, also Räumen der Unendlichkeit.

Anfang der 1970er Jahre kehrt Kusama nach Japan zurück. Neben ihren Kunstprojekten schreibt sie Gedichte und Romane. Da sich ihr psychischer Zustand verschlechtert, entscheidet sie sich dazu, in einer psychiatrischen Anstalt zu leben. Als sie Anfang der 1980er Jahre beginnt ihre Kunst wieder auszustellen, führt das Ende der 1980er Jahre zu einem Kusama-Boom. 

Kusama Ausstellung Gropius Bau

Retrospektive im Gropius Bau

Ab Ende April 2021 widmet der Gropius Bau in Berlin Kusama die erste umfassende Retrospektive in Deutschland. Auf knapp 3.000 Quadratmetern umfasst sie neben zentralen Schaffensperioden aus über 70 Jahren auch eine Reihe aktueller Arbeiten, darunter einen neuen Infinity Mirror Room.

Ein wesentliches Anliegen dieser Retrospektive ist es, die Entwicklung von Yayoi Kusamas Schaffen von frühen Gemälden und Skulpturen hin zu immersiven Erlebnisräumen nachzuzeichnen: Die Betrachterinnen und Betrachter tauchen zunehmend in die persönliche Wahrnehmungswelt dieser Ausnahmekünstlerin ein.

Sparkassen-Finanzgruppe fördert die Kusama-Ausstellung – und erweitert Perspektiven

Die Ausstellung im Gropius Bau wird vom Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) gefördert. Bereits seit vielen Jahren verbindet den Gropius Bau und die Sparkassen-Finanzgruppe eine enge Partnerschaft; wichtige Förderprojekte waren unter anderem die Germaine Krull Ausstellung (2015), David Bowie (2014), Walker Evans (2014), Michael Schmidt (2013), Modell Bauhaus (2009), Man Ray (2008) oder August Sander (2003) und viele Villa Massimo-Nächte.

Seit vielen Jahrzehnten macht sich die Sparkassen-Finanzgruppe für die Förderung der Kunst stark und ist seit langem der größte nichtstaatliche Förderer von Kunst und Kultur in Deutschland. 

Dieses Engagement beruht auf der Überzeugung, dass auch das gesellschaftliche Umfeld stimmen muss, damit sich Regionen wirtschaftlich weiterentwickeln können. Kunst und Kultur spielen dabei eine zentrale Rolle: Perspektiven erweitern, Vorstellungswelten schaffen, neue Verbindungen herstellen und Verständigung fördern. Diese Aspekte sind ein wesentlicher Teil der Kraft von Kunst, die die Erneuerungskräfte unserer Gesellschaft befördern.

Die Sparkassen und ihre Verbundpartner übernehmen auf diese Weise zugleich Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft. Denn mit ihren Engagements stärken sie nicht nur Einzelne, sondern die Städte und Regionen, in denen sie zuhause sind, und damit die gesamte Gesellschaft: Weil es um mehr als Geld geht.

Kusama Polen

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