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Leverage-Effekt: Mehr Eigenkapitalrendite durch Fremdkapital

Hebeleffekt einfach erklärt
Indem Sie den Anteil an Fremdkapital erhöhen, können Sie möglicherweise die Eigenkapitalrendite verbessern. Das ist der Leverage-Effekt (auch: Hebelwirkung). Wir zeigen Ihnen, wann das funktioniert und wie Sie ihn berechnen.
Das Wichtigste in Kürze
  • Durch den Einsatz von Fremdkapital können Sie möglicherweise die Rendite Ihres Eigenkapitals erhöhen. 

  • Entscheidend ist, dass die Rendite der Investition (bezogen auf das gesamte Kapital) höher ist als die Fremdkapitalkosten.

  • Je höher der Verschuldungsgrad, desto höher wird andererseits das Risiko: Sie bekommen entweder keine Kredite mehr oder zu schlechteren Konditionen.

Definition: Was ist der Leverage-Effekt?

Der Leverage-Effekt beschreibt, inwiefern die Möglichkeit besteht, die Eigenkapitalrentabilität durch die Aufnahme von Fremdkapital zu erhöhen. Dafür gilt die Voraussetzung: Die Fremdkapitalrentabilität muss unter der Gesamtkapitalrendite liegen.

Klingt kompliziert? Einfacher gesagt: Der Leverage-Effekt hilft Ihnen, folgende Fragen zu beantworten:

  • Lohnt es sich mehr, wenn Sie eine geplante Investition aus Eigenkapital tätigen?
  • Oder lohnt es sich mehr, wenn Sie dafür Fremdkapital, etwa einen Kredit, aufnehmen?

Begriffsabgrenzung: Diese weiteren Begriffe sollten Sie kennen

Sie haben es in der obigen Definition bereits gesehen: Wer sich näher mit dem Leverage-Effekt beschäftigt, kommt um einige Begriffe nicht herum. Wir erklären sie im Folgenden und geben jeweils ein vereinfachtes Beispiel:

  • Eigenkapitalrentabilität

    Die Eigenkapitalrentabilität (auch: Eigenkapitalrendite) sagt aus, in welchem Verhältnis das für eine Investition eingesetzte Eigenkapital zum Gewinn des Unternehmens steht. Sie erkennen daran also, wie stark sich das für die Investition eingesetzte Eigenkapital in einem bestimmten Zeitraum verzinst hat. Sie können sie berechnen, indem Sie den Gewinn durch das Eigenkapital teilen und mit 100 multiplizieren. Es ergibt sich ein Prozentsatz.

    Beispiel: Unternehmen A erzielt einen Gewinn von 100.000 Euro. Es hat Eigenkapital in Höhe von 2.000.000 Euro eingesetzt. Die Eigenkapitalrentabilität liegt bei 100.000 / 2.000.000 x 100 = 5 Prozent. Im betrachteten Zeitraum hat sich das eingesetzte Eigenkapital also mit 5 Prozent verzinst.

  • Gesamtkapitalrentabilität (auch: Gesamtkapitalrendite):

    Sie sagt aus, in welchem Verhältnis das eingesetzte Gesamtkapital (Eigenkapital und Fremdkapital) zum Gewinn eines Unternehmens steht. Sie gibt also Aufschluss darüber, wie stark sich das gesamte Kapital in einem bestimmten Zeitraum verzinst hat. Sie können sie berechnen, indem Sie den Gewinn durch das Gesamtkapital teilen und mit 100 multiplizieren. Es ergibt sich ein Prozentsatz.

    Beispiel: Unternehmen A erzielt einen Gewinn von 100.000 Euro. Es hat Eigenkapital in Höhe von 1.000.000 Euro und Fremdkapital in Höhe von 1.000.000 Euro eingesetzt. Das Gesamtkapital beträgt also 1.000.000 Euro Eigenkapital + 1.000.000 Euro Fremdkapital = 2.000.000 Euro Gesamtkapital. Die Gesamtkapitalrentabilität liegt dementsprechend bei 100.000 / 2.000.000 x 100 = 5 Prozent. Im betrachteten Zeitraum hat sich das eingesetzte Gesamtkapital also mit 5 Prozent verzinst.

  • Fremdkapitalrentabilität

    Bei dieser Kennzahl der Rentabilität handelt es sich um die Kosten (hauptsächlich Zinsen), die ein Unternehmen für sein Fremdkapital bezahlt.

    Beispiel: Ein Unternehmen nimmt einen Kredit von 1.000.000 Euro auf. Dafür muss es 3 Prozent Zinsen zahlen. Die Fremdkapitalrentabilität liegt bei 3 Prozent.

  • Verschuldungsgrad

    Er gibt das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital an. Sie können dazu folgende Formel verwenden: Fremdkapital / Eigenkapital = Verschuldungsgrad

    Beispiel: Ein Unternehmen hat Eigenkapital in Höhe von 1.000.000 Euro eingesetzt. Es nimmt einen Kredit von 2.000.000 Euro auf. Der Verschuldungsgrad ist 2.000.000 / 1.000.000 Euro = 2.

So funktioniert der Leverage-Effekt

Auf den ersten Blick kann die Berechnung des Leverage-Effekts kompliziert aussehen. Doch es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Denn Sie können damit ein möglichst günstiges Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital für Ihre Rendite bestimmen. Am einfachsten lässt sich das erkennen, indem wir in 3 Szenarien die Eigenkapitalrentabilität berechnen und vergleichen. Dafür können Sie folgende Formel verwenden:

Formel zur Berechnung des Leverage-Effekts

Gesamtkapitalrentabilität + (Gesamtkapitalrentabilität-Fremdkapitalrentabilität) x Verschuldungsgrad = Eigenkapitalrentabilität

Beispiel zur Berechnung des Leverage-Effekts

Unternehmen A erzielt mit einer Investition von 2.000.000 Euro einen Gewinn von 100.000 Euro. Die Investition wird in Szenario 1 mit Eigenkapital finanziert.

In Szenario 2 verwenden wir für dieselbe Investition jeweils zur Hälfte Eigen- und Fremdkapital. Für das Fremdkapital (Kredit) muss das Unternehmen 3 Prozent an Zinsen zahlen.

In Szenario 3 verwenden wir für dieselbe Investition dreimal so viel Fremdkapital wie Eigenkapital: Wir nehmen also einen Kredit in Höhe von 1.500.000 Euro auf und nutzen nur 500.000 Euro Eigenkapital. Der Kreditgeber kann aufgrund der Kredithöhe nicht dieselben Konditionen anbieten wie in Szenario 2. Wir müssen jetzt 6 Prozent Zinsen zahlen.

Es ergibt sich:

In Szenario 1 ergibt sich eine Eigenkapitalrentabilität von 5 Prozent. In Szenario 2 finanzieren wir zur Hälfte aus Eigen- und Fremdkapital, wofür das Unternehmen 3 Prozent an Zinsen zahlen muss. Diese Kosten bleiben jedoch unter der Gesamtkapitalrentabilität von 5 Prozent. So ergibt sich ein positiver Leverage-Effekt: Die Eigenkapitalrentabilität ist jetzt mit 7 Prozent deutlich höher.

In Szenario 3 sind die Zinsen, die das Unternehmen für das Fremdkapital bezahlen muss (6 Prozent), höher als die Gesamtkapitalrentabilität (5 Prozent). Dadurch wirkt der Hebel jetzt gegen uns: Die Eigenkapitalrentabilität beträgt nur noch 2 %. Wir sprechen von einem negativen Leverage-Effekt.

Fazit: Bei den 3 betrachteten Szenarien ist die Eigenkapitalrentabilität in Szenario 2 mit 7 Prozent am höchsten. Das bedeutet: Durch diese Mischung aus Eigen- und Fremdkapital verzinst sich das eingesetzte Eigenkapital am stärksten. Dieses Szenario ist für das Unternehmen also am rentabelsten.

Diese Chancen und Risiken sollten Sie beachten

Anhand der Leverage-Formel können Sie also prüfen, ob Sie Ihre Eigenkapitalrendite durch die Aufnahme von Fremdkapital steigern können oder nicht. Dadurch können Sie für Ihre Investitionen gezielt ein günstiges Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital eruieren. Dieses gilt dann unter gegebenen Risiken und Konditionen. Neben dieser Chance sollten Sie jedoch auch 2 Risiken berücksichtigen:

  1. Je mehr Fremdkapital Sie aufnehmen, desto höher wird der Verschuldungsgrad. Damit steigt das Risiko. Sie bekommen schlechtere Kreditkonditionen oder schließlich sogar eine Kreditabsage. Das erklärt, warum Sie die Eigenkapitalrentabilität durch Fremdkapital nicht beliebig hoch steigern können. Ab einem gewissen Punkt ist die Gesamtkapitalrentabilität geringer als die Fremdkapitalrentabilität. Der Leverage-Effekt wirkt sich jetzt negativ aus.
  2. Außerdem muss in der Praxis der Gewinn, den Sie mit der Investition erreichen können, selbstverständlich nicht linear steigen, wenn Sie die Investition erhöhen. Beispiel: Wenn Sie mit einer Investition von 10.000 Euro 1.000 Torten verkaufen können, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass Sie mit 20.000 Euro Einsatz doppelt so viele Torten verkaufen können. Oder vielleicht nicht zum selben Preis.

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Häufige Fragen zum Leverage-Effekt

  1. Leverage bedeutet auf Deutsch Hebelwirkung. Die Leverage-Formel zeigt, ob sich durch die Aufnahme von Fremdkapital statt dem Einsatz von Eigenkapital die Eigenkapitalrendite steigern lässt oder nicht. Dafür werden verschiedene Szenarien verglichen, um zu sehen, ob und gegebenenfalls, inwiefern es sich lohnen kann, einen höheren Anteil an Fremdkapital im Vergleich zum Eigenkapital aufzunehmen. Weil sich zum Beispiel die Zinskosten für Fremdkapital erhöhen können, je mehr Fremdkapital aufgenommen wird, lässt sich anhand verschiedener Szenarien mit der Formel das optimale Verhältnis von Fremdkapital und Eigenkapital berechnen.

  2. Der Leverage-Effekt wirkt, solange die Fremdkapitalrentabilität unter der Gesamtkapitalrendite liegt.

  3. Der Leverage-Effekt lässt sich am einfachsten erkennen, indem Sie in mehreren Szenarien die Eigenkapitalrentabilität berechnen und vergleichen. Dafür können Sie folgende Formel verwenden: Gesamtkapitalrentabilität + (Gesamtkapitalrentabilität-Fremdkapitalrentabilität) * Verschuldungsgrad = Eigenkapitalrentabilität

  4. Unternehmen nutzen den Leverage-Effekt, um das optimale Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital für eine maximale Eigenkapitalrendite zu bestimmen.

  5. Kredite stellen Risiken dar, weil die Kosten auch anfallen, wenn sich die Investition weniger lohnt als erwartet. Wenn die Zinsen höher sind als die Gesamtkapitalrendite, verringert sich die Eigenkapitalrendite. In diesem Fall sprechen wir von einem negativen Leverage-Effekt.

    Das kann der Fall sein, wenn …:

    • ...der Umsatz niedriger ist als erwartet, weil zum Beispiel der Verkaufspreis des Produkts am Markt gesunken ist.
    • … die Fremdkapitalzinsen steigen.
  6. Der Leverage-Effekt kann sich nicht nur bei Investitionen von Unternehmen auswirken, sondern auch bei der Geldanlage in Aktien. Dabei kaufen Investorinnen oder Investoren mit Fremdkapital, etwa einem Kredit, Aktien. Das ist hochriskant. So können sich zwar unter Umständen Gewinne verstärken, wenn Anlegerinnen oder Anleger eine Aktienposition mit geliehenem Geld oder mit einem Produkt mit Hebel eingehen. Aber auch die Verluste können sich stärker auswirken. Der Effekt kann also die Rendite zwar erhöhen, aber auch zu hohen Verlusten führen.

  7. Vermieterinnen und Vermieter können beim Kauf einer Immobilie mitunter ebenfalls vom Leverage-Effekt profitieren. Das ist der Fall, wenn sie mit einer höheren Kreditaufnahme (dem Fremdkapital) eine größere Rendite auf ihren eigenen Einsatz (das Eigenkapital) erzielen. Um den Effekt erzielen zu können, gilt die Voraussetzung: Die Fremdkapitalrentabilität muss dafür unter der Gesamtkapitalrendite liegen. Das bedeutet: Das Fremdkapital muss weniger kosten, als sie an der Immobilie verdienen.

    Das Risiko hierbei: Für das aufgenommene Fremdkapital fallen die Kosten (Fremdkapitalzinsen) auch dann an, wenn die Immobilie einmal nicht vermietet ist. Bei Leerstand kommt allerdings kein Geld rein. Dann wirkt sich der höhere Fremdkapitalanteil schnell negativ aus.

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