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Ein Flugzeug fliegt über einen karibischen Strand. Man sieht nur den Schatten des Flugzeugs auf dem Strand.

Sinkende Steuer, fragile Kerosin-Versorgung: Was Flugreisende erwartet

Flugpreise unter Druck
Ab in den Urlaub – wenn der Flieger kommt. Hohe Kerosinpreise, geopolitische Spannungen und ein angespannter Luftverkehr sorgen derzeit für Verunsicherung bei Reisenden. Ein Lichtblick: Die Ticketsteuer sinkt.
Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Kerosinversorgung gilt aktuell als gesichert, dennoch sorgen geopolitische Risiken weiterhin für Verunsicherung bei Reisenden.

  • Entlastung bei der Ticketsteuer trifft auf steigende Kosten im Luftverkehr.

  • Die Senkung der Luftverkehrssteuer soll in erster Linie den deutschen Luftverkehrsstandort stärken.

Kerosin-Sorgen wirbeln Reisepläne durcheinander

Warnungen vor knappem Kerosin bringen die Reisepläne vieler Menschen ins Wanken. Ob Flug stornieren, früher buchen oder gleich auf Bahn und Auto umsteigen – Urlauberinnen und Urlauber reagieren laut einer Umfrage sehr unterschiedlich.

Fast jeder Fünfte betroffen

Die Debatte über einen möglichen Kerosinmangel infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten sorgt in Deutschland für Verunsicherung. Fast jede fünfte befragte Person gab an, aus diesem Grund bereits selbst einen Flug storniert oder umgebucht zu haben – oder von einer Stornierung durch die Airline betroffen gewesen zu sein, wie eine Umfrage im Auftrag des Abrechnungsdienstleisters SAP Concur ergab.

Fluggastrechte bei hohen Kerosinkosten

Wird ein Flug wegen hoher Kerosinkosten gestrichen, gelten die EU-Fluggastrechte weiterhin. Reisende haben Anspruch auf Erstattung, Umbuchung oder Rückbeförderung sowie Betreuung am Flughafen und Ausgleichszahlungen bei kurzfristigen Stornierungen, teilte die Europäische Kommission mit.

Anders sei die Lage bei echtem Treibstoffmangel: Dieser kann als außergewöhnlicher Umstand gelten. In diesem Fall können Fluggesellschaften von Ausgleichszahlungen befreit sein.

Viele steigen auf Bahn und Auto um

Insgesamt hat eine klare Mehrheit ihr Reiseverhalten bereits angepasst: 62 Prozent der Befragten reagieren auf drohende Engpässe. 46 Prozent weichen auf Bahn oder Auto aus, 39 Prozent buchen früher als sonst, 31 Prozent verschieben Reiseentscheidungen vorerst.

Trotz Spannungen am Golf
Versorgung mit Kerosin wohl gesichert

„Alarmismus bei Kerosin hilft nicht“: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte bereits im April vor Alarmismus gewarnt und für den Fall eines Kerosinmangels Gegenmaßnahmen angekündigt.

Aussagen von Flughafenbetreibern und Airlines deuten derzeit darauf hin, dass die Treibstoffversorgung für den Luftverkehr in Europa stabil ist. So hat der Chef der Fraport AG, Stefan Schulte, Flugreisenden eine entspannte Urlaubsplanung zugesichert, auch angesichts der Spannungen im Nahen Osten und der gesperrten Straße von Hormus – eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten für Energieträger. Schulte sehe die Kerosinversorgung in Europa und Deutschland für den Sommer, und voraussichtlich bis Jahresende, als gesichert an, erklärte er dem „Handelsblatt“.

  • Passagiere müssten sich keine Sorgen um Engpässe machen. Sollte es doch zu regionalen Problemen kommen, werde umgebucht oder das Geld erstattet.
  • Die Befürchtung, im Ausland festzusitzen, sei unbegründet, da Länder wie Indien und China professionell mit Reserven arbeiteten.

Auch Lufthansa sieht derzeit keine Risiken für die Treibstoffversorgung im Sommer. An den eigenen Drehkreuzen sowie an weiteren Flughäfen gebe es keine Hinweise auf mögliche Engpässe, erklärte Vorstandsmitglied Dieter Vranckx. Sollten Lieferungen ausbleiben, könnten diese durch Importe aus den USA und Afrika ausgeglichen werden. Zudem hätten europäische Raffinerien ihre Kerosinproduktion bereits auf das maximale Niveau erhöht.

Darüber hinaus geht aus veröffentlichten Leitlinien der EU-Kommission hervor, dass Branchenvertreter derzeit die vorübergehende Nutzung einer anderen Kerosinart in Europa prüfen, um die Versorgung auch bei möglichen Engpässen aufrechterhalten zu können.

Hoffnungsschimmer am Horizont

Nach all den Sorgen um mögliche Flugausfälle rückt nun eine andere Frage in den Fokus: Könnten Tickets bald zumindest etwas günstiger werden? Ein Signal der Entlastung kommt aus Berlin: Der Bundestag hat die Senkung der Luftverkehrssteuer – auch als Ticketsteuer oder Luftverkehrsabgabe bezeichnet – zum Juli 2026 beschlossen. Doch ob Reisende davon wirklich etwas im Portemonnaie merken, ist längst nicht sicher.

Was bedeutet die Senkung der Luftverkehrssteuer für die Ticketpreise?

Besteuert werden grundsätzlich alle Abflüge von einem deutschen Flughafen. Kosten für Steuern und Gebühren werden von den Airlines meist unverändert an die Passagiere weitergegeben. Aktuell kostet die Ticketsteuer je nach Flugziel zwischen 15,53 Euro und 70,83 Euro pro Ticket.

Ab dem 1. Juli 2026 sollen die Steuersätze zwischen 13,03 Euro und 59,43 Euro je Flugticket liegen. Ob Flugtickets dadurch wieder etwas günstiger werden, hängt auch davon ab, ob die Airlines die Ersparnis angesichts stark gestiegener Kerosinpreise an ihre Kundschaft weiterreichen. Eine Verpflichtung, die Senkung weiterzugeben, besteht nicht.

Kosten auf einen Blick
Ersparnis nach Strecke

Wenn ab 1. Juli 2026 die Ticketsteuer gesenkt wird, ist die Höhe abhängig vom Zielflughafen.

  • Bis 2.500 Kilometer: für Flüge innerhalb Deutschlands oder in andere EU-Länder sollen künftig nur noch 13,03 Euro statt 15,53 Euro pro Person und Reise fällig werden (Einsparpotenzial 2,50 €).
  • Bis 6.000 Kilometer: Auf der Mittelstrecke sinkt die Ticketsteuer auf 33,01 Euro (Einsparpotenzial 6,33 €).
  • Mehr als 6.000 Kilometer: Für Langstreckenflüge über 6.000 Kilometer zahlen Fluggäste künftig 59,43 Euro pro Person und Reise (Einsparpotenzial 11,40 €).

Steuerbefreit sind lediglich Flüge von Kindern, die das zweite Lebensjahr noch nicht vollendet haben – sofern ihnen kein eigener Sitzplatz zugewiesen wurde – und Flüge zu rein hoheitlichen, militärischen oder medizinischen Zwecken.

Wichtig: Diese Einsparungen können jedoch schnell durch höhere Kerosinkosten, Flughafenentgelte oder Zusatzgebühren aufgezehrt werden. Diese Kosten beeinflussen die Endpreise deutlich stärker als die Steuer selbst. Auch haben Fluggesellschaften infolge des Iran-Krieges nicht nur ihre Zuschläge für Treibstoff, sondern auch ihre Gebühren für zusätzliche Dienstleistungen oder Umbuchungen erheblich angehoben.

Weshalb die Ticketsteuer jetzt gesenkt wird

Seit 2011 hat die Luftverkehrssteuer dem Staat Milliardeneinnahmen gebracht. Durch die Senkung verzichtet der Bund künftig auf rund 350 Millionen Euro jährlich.

Ziel ist es vor allem, den Luftverkehrsstandort Deutschland zu stärken. Deutschland hat mit die höchsten Standortkosten für Luftverkehr in Europa. Hohe Abgaben und Gebühren haben Airlines zuletzt zunehmend belastet. Viele verlagern Kapazitäten ins Ausland.

Die Senkung soll diesen Trend bremsen. Sie setzt zudem ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD um und macht die Erhöhung aus dem Jahr 2024 rückgängig.

Branche und Umweltverbände reagieren gespalten

Die Luftverkehrsbranche fordert über die geplante Steuersenkung hinausgehende Entlastungen. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) bezeichnet die Absenkung der Ticketsteuer als „notwendigen ersten Schritt“, der jedoch nicht ausreiche, um Wettbewerbsnachteile in Europa auszugleichen. BDL-Präsident Jens Bischof mahnt dabei besonders die Senkung von Flugsicherungskosten und effizientere Luftsicherheitskontrollen an.

Auch der Flughafenverband ADV kritisiert, dass die Maßnahme keine ausreichende Signalwirkung für eine nachhaltige Trendwende habe.

Umweltverbände hingegen verurteilen die Steuersenkung scharf. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nennt sie „ein völlig falsches Zeichen“ und plädiert stattdessen für höhere Abgaben, um Lärm- und Schadstoffemissionen des Flugverkehrs auszugleichen. Greenpeace bezeichnet den Bundestagsbeschluss als „marktwirtschaftlich unsinnig“ und „klimapolitisch Irrsinn“.

Was die Steuerdebatte und Krisen für Flugreisende bedeutet

Für Urlauberinnen und Urlauber könnten Flugtickets etwas günstiger werden – der große Preisunterschied wird aber meist ausbleiben. Haben Sie schon gebucht, müssen Sie keine Sorge haben, dass der Ticketpreis nachträglich aufgrund steigender Treibstoffkosten verändert wird. Der Ticketpreis für Verbraucherinnen und Verbraucher muss von Anfang an klar sein, wie die EU-Kommission klarstellte. Bei Pauschalreisen könnten unter Umständen andere Regeln gelten.

Fluggäste sollten auch in Zukunft weiterhin die Preise beobachten und auf Rabatte achten. Surfen Sie möglichst anonym und löschen regelmäßig Ihre Cookies. Dadurch verhindern Sie höhere Preise, die auf Ihrem bisherigen Suchverhalten (eine Form von Dynamic Pricing) basieren.

Wer flexibel ist, kann sparen, etwa durch frühes Buchen oder alternative Abflughäfen. Hier finden Sie unsere Tipps, wie Sie beim Buchen sparen können.

Gleichzeitig lohnt sich ein genauer Blick: Gerade auf kurzen Strecken sind Bahn oder Fernbus oft nicht nur klimafreundlicher, sondern auch stressärmer.

Stand: 29. Mai 2026

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