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Schiff ahoi! Kreuzfahrten boomen, doch welche Reiseart passt zu wem?

Reisen per Schiff
Flusskreuzfahrt oder Hochsee? Expedition oder Luxusreise? Die Wahl der Kreuzfahrtart entscheidet über Reiseerlebnis, Kosten und Zielgruppe. 4,2 Millionen Deutsche waren 2025 auf Kreuzfahrt, so viele wie nie zuvor. Was hinter dem Rekord steckt und welche Kreuzfahrtart für wen die richtige ist.
Stand:21. Juli 2026
Das Wichtigste in Kürze:
  • Der Markt wächst seit Jahren: Frühbucherrabatte machen Kreuzfahrten heute für mehr Zielgruppen erschwinglich als je zuvor.

  • Ob Fluss, Hochsee, Expedition oder Luxus: Die Kreuzfahrtarten unterscheiden sich grundlegend in Schiffsgröße, Reisefokus und Preis.

  • Entscheidend sind Faktoren wie Budget, Reisebegleitung, Seegangstoleranz und die Frage, ob das Schiff selbst oder das Ziel im Vordergrund stehen soll.

Volle Fahrt voraus: Deshalb wächst der Kreuzfahrtmarkt

Der deutsche Kreuzfahrtmarkt hat sich von einem Nischenprodukt für wohlhabende Senioren zu einem der dynamischsten Massenmärkte im europäischen Tourismus entwickelt. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 ist der Markt um satte 34 Prozent gewachsen. Jeder 16. deutsche Urlauber wählt bei einer längeren Urlaubsreise inzwischen eine Kreuzfahrt.

Reisende suchen zunehmend nach Komplettlösungen, bei denen Unterkunft, Transport, Verpflegung und Unterhaltung in einem Preis gebündelt sind. Kreuzfahrten bieten genau das und profitieren damit von einem veränderten Reiseverhalten, das auf Planbarkeit und Bequemlichkeit setzt. Der Boom hat vor allem diese 3 Ursachen:

  • Das Angebot ist deutlich breiter geworden: Kreuzfahrten sprechen heute nicht mehr nur Senioren an, sondern durch spezialisierte Schiffe und Themenreisen auch immer mehr Familien, Singles und jüngere Zielgruppen.

  • Der Preisdruck hat zugenommen. Frühbucherrabatte und Last-Minute-Angebote machen Hochseekreuzfahrten inzwischen günstiger als mancher Pauschalurlaub.

  • Die Pandemie hat einen Nachholeffekt ausgelöst, der die Zahlen seit 2022 Jahr für Jahr nach oben treibt.

Kurs Nord: Wo die Deutschen am liebsten an Bord gehen

Der Kreuzfahrt-Boom der vergangenen Jahre schlägt sich auch in einer klaren geografischen Vorliebe der deutschen Urlauber nieder. Zwar gelten die Karibik oder das Mittelmeer weltweit als absolute Klassiker, doch die Passagiere aus Deutschland zieht es vor allem in kühlere Gewässer direkt vor der Haustür. Die Kombination aus komfortabler Anreise zu den deutschen Abfahrtshäfen und spektakulären Naturlandschaften hat den Norden zur unangefochtenen Spitzenregion im deutschen Markt gemacht.

Das zeigt sich auch im europäischen Vergleich: Mittlerweile startet jeder sechste Kreuzfahrer in Europa seine Reise direkt von einem deutschen Hafen aus. Von Häfen wie Hamburg, Kiel, Warnemünde oder Bremerhaven nehmen die Schiffe vor allem Kurs auf die norwegischen Fjorde oder das Baltikum.

Von ruhig bis abenteuerlich: Kreuzfahrt ist nicht gleich Kreuzfahrt

Es gibt im Wesentlichen fünf verschiedene Kreuzfahrtarten: Flusskreuzfahrten, Hochseekreuzfahrten, Expeditionskreuzfahrten, Kreuzfahrten auf Binnenseen und Luxus-/Boutique-Kreuzfahrten. Jede richtet sich an eine andere Zielgruppe und bietet ein grundlegend anderes Reiseerlebnis – von ruhig und kulturell bis zu abenteuerlich und abgelegen. Die Wahl der richtigen Art hängt dabei weniger vom persönlichen Geschmack ab als von konkreten Faktoren: Budget, Reisebegleitung, körperliche Verfassung und die Frage, ob das Schiff selbst oder das Ziel im Vordergrund stehen soll.

Was ist der Unterschied zwischen den Kreuzfahrtarten?

Die Art der Kreuzfahrt bestimmt sich durch 3 Faktoren:

  1. Das Gewässer

    Fluss, Meer, Arktis

  2. Die Schiffsgröße

    Boutiqueschiff mit 50 Passagieren bis Megaschiff mit Platz für 7.000 Passagiere

  3. Der Reisefokus

    Kultur, Natur, Unterhaltung, Luxus

Hochseekreuzfahrten: Das Komplettpaket auf dem offenen Meer

Hochseekreuzfahrten führen auf das offene Meer. Mittelmeer, Karibik, Norwegen und Südostasien gehören zu beliebten Routen. Die Schiffe fassen mehrere tausend Passagiere und bieten ein breites Angebot an Bord: Restaurants, Pools, Theater, Kasinos und Kinderbereiche.

  1. Das Programm an Bord steht im Mittelpunkt. An sogenannten Seetagen ohne Hafenstopp übernimmt die Bordunterhaltung die zentrale Rolle. Buchbar sind die Reisen wahlweise als All-inclusive-Paket oder à la carte. Zu beachten ist: Auf dem offenen Meer ist Seegang möglich, was für seekrankheitsanfällige Personen relevant ist.

  2. Diese Reiseform eignet sich für alle, die viel Auswahl an Bord schätzen und mehrere Regionen in einer Reise verbinden wollen. Familien und gemischte Reisegruppen profitieren besonders vom vielfältigen Angebot.

  3. Zwei Fehler begegnen Reisenden besonders häufig: Erstens werden Landausflüge zu spät gebucht; beliebte Touren sind an den Anlegehäfen schnell vergriffen. Zweitens unterschätzen viele Reisende die tatsächlichen Gesamtkosten. Der Grundpreis deckt in der Regel weder Getränke noch Ausflüge oder Trinkgeld ab, was die Reise spürbar teurer machen kann als zunächst kalkuliert.

Flusskreuzfahrten: Mitten durch Europa und die Welt

Flusskreuzfahrten führen auf Binnenwasserstraßen. In Europa sind Rhein, Donau, Elbe und Mosel die klassischen Routen, weltweit zählen Nil, Amazonas und Mekong dazu.

  1. Die Schiffe sind klein, meist mit 100 bis 200 Passagieren und legen fast täglich in einem neuen Ort an. Statt Balkonen gibt es in der Regel große Panoramafenster. Das Programm ist kulturell ausgerichtet: Ausflüge zu Städten, Schlössern und Weinregionen stehen im Vordergrund. Da die Fahrt auf ruhigem Binnengewässer stattfindet, entfällt der Seegang.

  2. Diese Reiseform eignet sich besonders für Erstreisende sowie für alle, denen Kulturerlebnisse wichtiger sind als Bordunterhaltung. Wer eine ruhige Reise ohne Kasino oder große Abendshows sucht, ist hier richtig.

  3. Niedrigwasser wird bei der Buchung häufig unterschätzt. Auf Rhein und Donau kann es im Sommer zu Ausweichrouten oder Umsteigemanövern kommen. Die Bedingungen im geplanten Reisezeitraum sollten daher vorab geprüft werden. Ein zweiter häufiger Fehler: Die Kabinengröße wird mit Hochseeschiffen verglichen. Flussschiff-Kabinen sind deutlich kompakter, weshalb ein Blick auf den Grundriss vor der Buchung sinnvoll ist.

Expeditionskreuzfahrten: Natur pur an unzugänglichen Orten

Expeditionskreuzfahrten führen in Regionen, die mit herkömmlichen Schiffen nicht erreichbar sind: Antarktis, Arktis, Galapagos, Papua-Neuguinea oder Spitzbergen.

  1. Die Schiffe sind klein, mit 50 bis 200 Passagieren, und je nach Zielgebiet eisbrechertauglich oder flachgehend gebaut. An Bord begleiten Naturführer, Biologen und Geologen die Reisenden. Anlandungen erfolgen per Schlauchboot, sogenannten Zodiacs, an Orten ohne regulären Hafen. Ein Unterhaltungsprogramm sucht man vergeblich: Keine Shows, kein Kasino. Die Natur selbst ist das Programm.

  2. Diese Reiseform ist die richtige Wahl, wenn Naturerlebnisse wie Gletscherwanderungen, Pinguinkolonien oder tropischer Urwald das eigentliche Reiseziel sind. Körperliche Aktivität gehört dazu: Wandern, Kayaken und Schnorcheln sind fester Bestandteil. Zum Budget: Expeditionskreuzfahrten zählen zu den teuersten Reiseformen überhaupt.

  3. Die notwendige Ausrüstung wird häufig unterschätzt. Daunenjacke, wasserdichte Hosen und Gummistiefel sind in vielen Zielgebieten unerlässlich und sollten vor Abreise geprüft werden. Hinzu kommt: Anlandungen können wetterbedingt kurzfristig ausfallen. Wer darauf nicht vorbereitet ist, wird enttäuscht sein. Flexibilität ist bei dieser Reiseform keine Option, sondern Voraussetzung. 

Luxus- & Boutique-Kreuzfahrten: Kleine Schiffe, persönliche Betreuung

Luxus- und Boutique-Kreuzfahrten setzen auf kleine Schiffe mit hohem Serviceniveau. Hier kennt man jeden Gast beim Namen. Im Vordergrund steht nicht die Vielfalt des Angebots, sondern die Qualität jedes einzelnen Details.

  1. Das Verhältnis von Personal zu Passagieren liegt häufig bei 1:1. Landausflüge und Getränke sind bei vielen Anbietern bereits im Preis enthalten. Die Gastronomie an Bord ist anspruchsvoller als bei anderen Kreuzfahrtformen. Statt großer Touristenhäfen werden kleinere, abseits gelegene Anlegeplätze angesteuert.

  2. Diese Reiseform passt, wenn Komfort, Privatsphäre und persönlicher Service Vorrang haben. Die Atmosphäre an Bord ist ruhig und auf Erwachsene ausgerichtet. Als Orientierung: Das Gesamtbudget liegt realistisch bei 3.000 bis 5.000 Euro pro Person für sieben Tage.

  3. Wer den hohen Preis mit einem vollständigen All-inclusive-Paket gleichsetzt, sollte die Leistungen vorab genau prüfen: Was konkret enthalten ist, variiert je nach Anbieter und Kabinenkategorie erheblich. Ein zweiter Fehler ist die Erwartung eines umfangreichen Bordprogramms. Luxuskreuzfahrten bieten Qualität, keine Quantität.

Budget-Check an Bord
Wo liegen versteckte Kosten? Vollpension vs. All-inclusive

Der Grundpreis einer Kreuzfahrt ist selten der Endpreis. Was an Bord wirklich inklusive ist, und wo versteckte Kosten lauern, hängt vom Tarifmodell ab.

  • Vollpension: Die Hauptmahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen) in den Haupt- und Buffetrestaurants sind im Reisepreis enthalten. Jedes Wasser, jeder Kaffee und jedes Glas Wein außerhalb der Standard-Getränkestationen wird extra berechnet.
  • All-inclusive: Schließt zusätzlich ein definiertes Getränkepaket und oft auch die Servicepauschale (Trinkgelder) ein.

Das Kleingedruckte zählt: Der Begriff „All-inclusive“ ist in der Kreuzfahrtbranche nicht einheitlich geschützt. Oft sind Premium-Cocktails, Kaffeespezialitäten und der Besuch von Spezialitätenrestaurants trotz All-inclusive-Tarif aufpreispflichtig. Ein genauer Blick in die Leistungsbeschreibung der Reederei spart bares Geld.

Spezialreiseformen zu Wasser: See-, Fähr- und Themenkreuzfahrten

Neben den klassischen Kreuzfahrtarten gibt es Reiseformen, die sich auf spezifische Gewässer, Inhalte oder Zielgruppen konzentrieren.

  • Kreuzfahrten auf Binnenseen

    Auf Gewässern wie dem Bodensee, dem Genfer See oder den Großen Seen in Kanada und den USA werden Tagesrundfahrten und mehrtägige Reisen angeboten. Sie eignen sich als risikoarmer Einstieg in die Kreuzfahrtwelt oder als kurze Auszeit.

  • Themenkreuzfahrten

    Hier steht ein inhaltlicher Schwerpunkt im Mittelpunkt: Musikreisen mit Jazz- oder Klassikprogramm, Kochkurse, Yoga-Retreats oder Weinreisen. Das Schiff ist dabei weniger Ziel als Rahmen. Diese Form spricht Reisende an, die eine Kreuzfahrt mit einem konkreten Interesse verbinden wollen.

  • Fährreisen mit Erlebnischarakter

    Fähren zwischen Norwegen, Island oder den griechischen Inseln werden zunehmend als Kurzkreuzfahrten vermarktet. Das Bordprogramm ist schlanker als bei klassischen Kreuzfahrten, der Preis dafür deutlich günstiger. Eine sinnvolle Alternative für alle, die das Reisen auf dem Wasser ausprobieren wollen, ohne ein großes Budget einzusetzen.

Welche Kreuzfahrtart passt zu wem?

Die Antwort ist nicht immer offensichtlich, denn die Entscheidung hängt von mehr ab als dem Geschmack. Gerade Schiffsgröße, Reisefokus, Budget und Zielgruppe spielen zusammen. Die folgende Übersicht zeigt auf einen Blick, wo die entscheidenden Unterschiede liegen. 

Zahlungsmittel
Bezahlen auf Kreuzfahrten

An Bord: Bargeld wird auf fast allen Kreuzfahrtschiffen nicht akzeptiert. Beim Check-in erhält jeder Gast eine Bordkarte (gleichzeitig Zimmerschlüssel, Ausweis und Zahlungsmittel). Alle Ausgaben an Bord, Getränke, Ausflüge, Einkäufe, werden darauf gebucht. Beim Einchecken muss ein Zahlungsmittel hinterlegt werden: Kreditkarte, EC-Karte oder ein Bargelddepot. Am letzten Abend folgt die Gesamtabrechnung.

An Land: Das Bordkonto gilt natürlich nur an Bord. An Land wird eine internationale Kreditkarte (Visa oder Mastercard) benötigt – in den meisten Häfen im Mittelmeer, der Ostsee oder Nordamerika ist kontaktloses Zahlen problemlos möglich. Für Taxifahrten, Trinkgelder oder Märkte empfiehlt sich ein kleiner Bargeldbetrag in der Landeswährung (Geldautomaten im Hafenterminal, Wechselstuben an Bord haben in der Regel deutlich schlechtere Kurse).

Was kostet welche Kabine?

Die Kabinenpreise variieren je nach Lage, Größe und Ausstattung erheblich.

  • Innenkabinen ohne Fenster beginnen bei rund 600 Euro pro Person/für 7 Tage und sind die günstigste Option.

  • Außenkabinen mit Meerblick liegen etwa 10 bis 25 Prozent darüber. Balkone kosten 30 bis 60 Prozent mehr als Innenkabinen; auf landschaftlich spektakulären Routen wie den norwegischen Fjorden lohnt sich der Aufpreis am meisten.

  • Suiten sind mindestens doppelt so teuer wie Innenkabinen.

Auf Fluss- und Expeditionsschiffen gibt es kaum noch Innenkabinen; der Einstiegspreis beginnt dort direkt beim Niveau einer Außen- oder Balkonkabine, oft ab 1.500 Euro pro Woche.

Diese 3 Faktoren treiben den Preis besonders:

  1. Der Einzelkabinenzuschlag: Alleinreisende zahlen auf eine Doppelkabine meist 70 bis 80 Prozent Aufschlag, auch wenn erste Reedereien inzwischen günstigere Single-Kabinen anbieten.

  2. Die Kabinenlage: Je höher das Deck und je weiter mittschiffs, desto ruhiger das Fahrverhalten – und desto teurer die Kategorie. Kabinen ganz vorne oder achtern sind wegen Wellengeräuschen oder Motorvibration oft günstiger.

  3. Der Schiffstyp: Luxus- und Expeditionsreisen kosten oft weit über 400 Euro pro Tag, während günstige Hochseereisen bereits ab 60 Euro täglich buchbar sind.

Schritt für Schritt zur richtigen Kreuzfahrtart

Als Faustregel gilt: Je kleiner das Schiff, desto intensiver das Naturerlebnis. Entscheidend ist aber nicht immer die Schiffsgröße, sondern die Ausrichtung des Anbieters: Expeditionsreedereien schicken kleine Schiffe in die Antarktis, Luxusreedereien schicken kleine Schiffe in exklusive Häfen. Das Schiff sieht von außen ähnlich aus; das Reiseerlebnis könnte kaum unterschiedlicher sein.

  • Fokus

    Steht Natur oder Kultur im Vordergrund? Dann eher Fluss- oder Expeditionskreuzfahrt. Wer Unterhaltung und Komfort an Bord sucht, ist bei Hochsee- oder Luxuskreuzfahrten besser aufgehoben.

  • Schiffsgröße

    Kleine Schiffe unter 300 Personen bieten Nähe und Intensität – große ab 1.000 Personen bieten Vielfalt und Anonymität. Beides hat seinen Platz, aber selten für dieselbe Person.

  • Seegang

    Wer empfindlich auf Wellenbewegungen reagiert, sollte ausschließlich Flusskreuzfahrten in Betracht ziehen. Alle anderen Formen fahren auf offenem Gewässer.

  • Budget

    Unter 1.500 Euro: Hochsee oder Fähre; 1.500–3.000 Euro: Fluss oder Themenreise. Mehr als 3.000 Euro: Luxus oder Expedition.

Klimaziele
Wie grün ist die Kreuzfahrt?

Kreuzfahrten gehören zu den emissionsintensivsten Reiseformen – die Branche weiß das und investiert zunehmend in sauberere Technologien: Mehrere Reedereien haben konkrete Klimaziele formuliert, einige mit Zieljahr 2050 für klimaneutralen Betrieb. Der Neubaustandard hat sich verschoben: Kaum ein Kreuzfahrtschiff, das heute vom Stapel läuft, fährt noch ohne LNG-Antrieb (Flüssigerdgas, das Schwefeloxide und Feinstaub stark reduziert) oder zumindest Shore-Power-Anschluss (Landstrom, der es Schiffen ermöglicht, im Hafen die eigenen Motoren abzuschalten). Einzelne Anbieter setzen bereits auf hybridbetriebene Schiffe mit Batterieunterstützung; etwa für emissionsfreies Manövrieren in sensiblen Gewässern wie Fjorden.

Was Reisende konkret prüfen können:

  • Landstromanschluss: Nutzt das Schiff im Hafen Landstrom statt eigener Generatoren?
  • Abwasserbehandlung: Verfügt das Schiff über ein Advanced Wastewater Purification System (bordinterne Abwasserreinigungsanlage)?
  • Routenwahl: Kleinere Häfen sind oft weniger belastet – Expeditions- und Boutique-Anbieter meiden Kreuzfahrt-Hotspots bewusst.
  • Zertifizierungen: Das Green Award Zertifikat oder der RINA-Standard geben seröse Hinweise auf Umweltstandards an Bord.

Klimaziele der Reedereien sind bislang überwiegend freiwillige Selbstverpflichtungen ohne unabhängige Prüfung. Verbindliche EU-Regelungen für die Schifffahrt sind in Vorbereitung, greifen aber noch nicht vollständig. 

Gebucht ist nicht gleich erlebt: Zwischen Erwartung und Bordwirklichkeit

Eines haben fast alle Kreuzfahrtarten gemeinsam: Der Buchungspreis und der tatsächliche Reisepreis liegen oft weit auseinander. Erst an Bord entscheidet sich, was eine Kreuzfahrt wirklich kostet.

Die größte Überraschung an Bord ist selten der Seegang – sondern die Lücke zwischen Prospekt und Wirklichkeit. Wer die häufigsten Irrtümer kennt, reist mit realistischen Erwartungen ab und kommt mit einem besseren Erlebnis zurück.

Häufig gestellte Fragen zu Kreuzfahrten

  1. Flusskreuzfahrten bieten den stressfreiesten Einstieg in diese Reiseform. Die überschaubare Schiffsgröße mit oft weniger als 200 Passagieren verhindert das Gefühl, auf einer schwimmenden Kleinstadt verloren zu gehen. Da das Ufer meist in Sichtweite bleibt, entfällt die Angst vor Seekrankheit vollständig. Zudem liegt das Schiff fast jeden Tag direkt in Stadtzentren; lange Transfers ins Inland entfallen. Besonders bewährt für Einsteiger sind die klassischen Routen auf Rhein und Donau (etwa die Strecke von Amsterdam nach Budapest oder von Passau nach Wien).

    Als zweite Option eignen sich Kurzkreuzfahrten im Mittelmeer oder der Ostsee von drei bis fünf Tagen auf großen Hochseeschiffen. Diese Schnupperreisen ermöglichen es, das Leben an Bord eines Megaliners, das Unterhaltungsangebot und die eigene Seetauglichkeit mit minimalem Risiko zu testen – ohne eine Woche oder mehr zu investieren.

  2. Die Wahl der Reederei verschiebt diese Preisspannen massiv. Rechnet man die Kosten auf einen Tagespreis pro Person (inkl. Vollpension) herunter, gliedern sich die Tagespreise je nach Schiffstyp in etwa so:

    • Günstiges Segment / Sonderangebote: ca. 60 bis 120 € pro Tag.
    • Mittleres Segment (Standard-Hochsee): ca. 100 bis 200 € pro Tag.
    • Premium-Reedereien / Flusskreuzfahrten: ca. 200 bis 400 € pro Tag.
    • Luxus- & Expeditionsreisen: oft weit über 400 € (bis zu 2.000 €) pro Tag.


  3. Die Kabinenpreise variieren je nach Lage, Größe und Ausstattung erheblich. Innenkabinen ohne Fenster sind die günstigste Option, Außenkabinen mit nicht zu öffnendem Fenster liegen im mittleren Preissegment. Kabinen mit eigenem Balkon kosten spürbar mehr. Entgegen verbreiteter Annahme sind Balkone auf modernen Fluss- und Expeditionsschiffen im Premium-Segment heute Standard. Suiten, insbesondere auf Luxusschiffen, können den Grundpreis der Reise schnell vervielfachen.

    Faustregel: Je höher das Deck und je weiter mittschiffs die Kabine liegt, desto ruhiger das Fahrverhalten bei Seegang und desto teurer die Kategorie. Kabinen ganz vorne oder ganz achtern sind wegen Wellengeräuschen oder Motorvibration oft günstiger.

  4. Hochseekreuzfahrten auf modernen Megalinern eignen sich am besten für Familien: professionelle Kinderbetreuung, Erlebnispools und familienfreundliche Preismodelle sind Standard. Wichtig dabei: Kinderprogramme starten meist ab 3 Jahren, für Babys unter 6 Monaten gelten bei vielen Reedereien Reiseverbote.

    Nicht jedes Hochseeschiff ist gleich: große Familienschiffe bieten Aquaparks und Klettergärten, klassische Schiffe richten sich eher an Erwachsene. Viele Reedereien lassen Kinder bis zu einem bestimmten Alter kostenlos oder stark vergünstigt im Zimmer der Eltern mitreisen.

    Fluss-, Luxus- und Expeditionskreuzfahrten haben in der Regel kein Kinderprogramm und richten sich primär an Erwachsene.

  5. Wenn körperliche Einschränkungen bestehen, das Budget begrenzt ist oder man verlässliches Internet braucht. Auch bei starker Neigung zu Seekrankheit oder dem Wunsch nach einem verbindlichen Fahrplan ist davon abzuraten, da Wetter und Eis die Route täglich spontan verändern können.

  6. Nein, Kreuzfahrten gehören zu den emissionsintensivsten Reiseformen. Der Betrieb eines schwimmenden Hotels rund um die Uhr macht den Unterschied zu anderen Urlaubsformen. Neuere Schiffe setzen auf LNG (Flüssigerdgas), das Schwefeloxide und Feinstaub stark reduziert und CO₂ um etwa 20 Prozent senkt; das gilt in der Fachwelt aber nur als Brückentechnologie. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Hafenbetrieb: Viele Schiffe lassen ihre Motoren auch im Hafen laufen, weil die Infrastruktur für Landstrom fehlt und stoßen dabei Schadstoffe direkt in Städten aus. Wer Nachhaltigkeit priorisiert, sollte gezielt Anbieter wählen, die Landstrom im Hafen nutzen, strenge Abwasserreinigung betreiben und in alternative Antriebe investieren.

  7. Vollpension deckt Frühstück, Mittag- und Abendessen ab. All-inclusive schließt zusätzlich Getränke (oft auch Alkohol), manchmal Ausflüge und Trinkgeld ein. Der Begriff ist jedoch nicht einheitlich definiert und sollte im Buchungsangebot genau geprüft werden.

  8. Das Schiff wartet nicht. Wer den Abfahrtszeitpunkt verpasst – etwa, weil ein Landausflug länger dauert als geplant – muss auf eigene Kosten zum nächsten Anlaufhafen nachreisen. Das kann je nach Route mehrere hundert Euro kosten. Eine Reiserücktritts- oder Reiseabbruchversicherung mit entsprechender Deckung ist daher dringend empfohlen.

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