Was die Gas- und Strompreisbremse bedeutet

Kundinnen und Kunden von Gas und Fernwärme sparen den Dezemberabschlag

Die Bundesregierung plant, die Kostensteigerungen für Strom und Gas zu bremsen und die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten. Im Dezember sollen daher die Abschlagszahlungen für Gas und Fernwärme einmalig übernommen werden.

Ein dampfender Topf mit Deckel

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Staat bezahlt voraussichtlich die Abschlagszahlungen für Dezember von Gas- und Fernwärmekunden und -kundinnen.
  • Die Gaspreisbremse greift zum Februar oder März 2023. 80 Prozent des Vorjahresverbrauches werden dann nicht mehr als 12 Cent/kWh kosten.
  • Gedeckelt werden sollen auch die Strompreise. 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs haben dann einen Höchstpreis von 40 Cent/kWh.

Deutschlands Gaskunden und -kundinnen dürfen auf eine Gaspreisbremse hoffen. Auch Strom soll halbwegs bezahlbar bleiben. Das haben Bund und Länder beschlossen. Demnach wird es eine vergünstigte Basisversorgung geben. Sie solle zum März 2023 in Kraft treten und voraussichtlich auch rückwirkend für den Februar angewendet werden. Zudem übernimmt der Staat die Abschlagszahlungen von Gas- und Fernwärmekunden und -kundinnen im Dezember.

Ziel sei es, Privathaushalte und Unternehmen vor zu hohen Strom- und Gaspreisen zu schützen, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz bei einer Pressekonferenz des Bundeswirtschaftsministeriums. Aufgespannt werden solle der Abwehrschirm zunächst bis 2024.

Staat übernimmt die Abschlagszahlungen für Dezember

Laut Vorschlag, den Bundeswirtschaftsministerium, Kanzleramt und Finanzministerium erarbeitet haben, übernimmt der Staat die Abschlagszahlung für Dezember von allen Gas- und Fernwärmekunden und -kundinnen. Dies gilt auch für kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 1,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) Gasverbrauch im Jahr. Die Energiepreise waren zwar generell infolge des Kriegs in der Ukraine gestiegen, die von Erdgas aber besonders stark, obgleich sie mittlerweile wieder deutlich unter ihrem Höhepunkt liegen.

Wie die Gaskunden und -kundinnen die Soforthilfe erhalten

Um das Geld zu erhalten, müssen Kundinnen und Kunden nichts weiter tun. Die Abrechnung soll über die Versorger erfolgen. Für die Entlastung beim Gas ist der Jahresverbrauch und der für Dezember 2022 vertraglich geltende Preis entscheidend. Der Jahresverbrauch wird durch 12 geteilt und mit dem Dezemberpreis multipliziert.

Für Fernwärme ist die Regelung etwas anders. Hier wird laut Gesetzesentwurf der Septemberabschlag mit einem pauschalen Anpassungsfaktor multipliziert, um das Preisniveau des Dezembers in etwa widerzuspiegeln.

Insgesamt soll die Maßnahme mehrere Milliarden Euro kosten. Der Entwurf muss noch vom Bundeskabinett verabschiedet und anschließend vom Bundestag beschlossen werden.  

So funktioniert die Gaspreisbremse

Private Haushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen sollen von März 2023 bis April 2024 nicht mehr als 12 Cent pro Kilowattstunde zahlen müssen. Zumindest für einen gewissen Basisverbrauch, der bei 80 Prozent des Vorjahresverbrauch liegen soll. Dem Statistischen Bundesamt zufolge bezahlten Haushalte im ersten Halbjahr 2022 etwa 8 Cent/kWh für Gas. Neukunden bezahlen jedoch mit Stand Anfang November etwa 21 Cent, wie das Vergleichsportal Verivox ermittelt hat.

Fernwärme soll auf 9,5 Cent je kWh gedeckelt werden. Als Vorjahresverbrauch wird die Prognose genommen, die die Versorger für ihre Abschlagszahlungen im September genutzt haben.

Auch die Industrie wird den Plänen zufolge vor hohen Preisen geschützt. Für sie solle ab Januar der Gaspreis auf 7 Cent je kWh gedeckelt werden.

Das bringt die Strompreisbremse

Bereits ab Januar 2023 sollen die Strompreise auf 40 Cent je kWh begrenzt werden. Das gilt für private Haushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen bis zu einem Verbrauch von 80 Prozent des Vorjahreswertes.

Im ersten Halbjahr 2022 kostete Strom die Verbraucherinnen und Verbraucher 33,5 Cent je kWh. Neukunden zahlten zuletzt (Anfang November) etwa 43 Cent je kWh.

Für Industrieunternehmen soll der Preisdeckel bei 13 Cent für 70 Prozent des früheren Verbrauchs liegen. Um die Kosten zu decken, sollen zumindest teilweise die höheren Profite der Stromproduzenten abgeschöpft werden.

Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. Die konkreten Gesetzentwürfe folgen in den kommenden Tagen und müssen danach noch von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden. Ob die Preisbremsen auch rückwirkend für Februar 2023 gelten werden, ist noch nicht sicher, es werde aber „angestrebt“, hieß es.

Energiesparen weiter wichtig

Auch mit dem Gas- und Strompreisdeckel wird Energie voraussichtlich weiter teurer sein als im Vorjahr. Energie bleibt knapp. Die Preisbremsen sind daher so ausgestaltet, dass der Anreiz für jede und jeden erhalten bleibt, Energie einzusparen.

Jede Kilowattstunde, die über 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs liegt, muss zum marktüblichen Preis bezahlt werden, der deutlich über dem gedeckelten Wert liegen kann. Zudem ist bei Gas die heizintensive Winterzeit nur zum Teil vom Deckel erfasst. Wer im Dezember, Januar und eventuell auch noch Februar mit Gas und Fernwärme heizt, tut dies zum ungedeckelten Preis.

Wie haben für Sie zusammengestellt, wie Sie Energie sparen können. Hier lesen Sie außerdem Tipps, mit denen Sie die hohen Kosten zumindest ein wenig abfedern können.

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Gasumlage kommt nicht

Zusammen mit der Einigung auf den Gaspreisdeckel fiel die Entscheidung, die Gasumlage doch nicht einzuführen. Sie hätte zum 1. Oktober greifen sollen. Alle, die Gas verbrauchen, hätten dann 2,419 Cent je Kilowattstunde zusätzlich zahlen sollen, um die Verluste bestimmter Energieunternehmen teilweise aufzufangen. Dadurch sollte die Versorgung mit Gas in Deutschland gesichert werden. Mit der Verstaatlichung unter anderem des Energieunternehmens Uniper wurde dieses Problem jedoch anderweitig angegangen. 

(Stand: 03.11.2022)


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