Wirtschaft kommt schneller aus dem Corona-Tief als gedacht

Vergleich der Krisenverläufe zeigt: Einschnitt bisher nur mittelschwer

Deutsche Konjunkturexperten sind zuversichtlich, dass die wirtschaftliche Erholung früher einsetzt als erwartet. Schon im kommenden Jahr soll die Wirtschaft wieder um vier Prozent wachsen.

Hinweisschild mit Corona-Verhaltensregeln

Das Wichtigste in Kürze:

  1. Die deutsche Wirtschaft ist auf Erholungskurs.
  2. Die Ökonomen der Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen für 2020 angehoben.
  3. Sie rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt nach dem historischen Einbruch schon in diesem Jahr wieder deutlich wächst.
  4. Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung sind erfolgreich.
  5. Auch der Vergleich mit den beiden vergangenen Rezessionen zeigt, dass die deutsche Wirtschaft auf einem guten Weg ist.

Tiefster Wirtschaftseinbruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte

Die deutsche Wirtschaft ist wieder im Aufwind: Bei der Auftragslage, den Umsätzen und der Produktion stehen die Zeichen seit Mai wieder überwiegend auf Erholung.

Wirtschaftsexperten rechnen nunmehr damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach dem historischen Einbruch im zweiten Quartal wieder deutlich wachsen wird. Von März bis Juni hatten zunächst alle Konjunkturforscher ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt immer weiter gesenkt, nachdem die Wirtschaftsleistung im April 2020 im Vergleich zum März um rund 70 Prozent eingebrochen war.

Damit war die Rezession im April so tief wie kein Wirtschaftseinbruch jemals zuvor in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Für das gesamte Jahr 2020 rechnete etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) Ende Juni noch mit einem Einbruch des deutschen BIP um 7,8 Prozent.

Wo stehen wir?

Infografik mit Verlauf der Corona-Rezession
Am Kurvenverlauf der Grafik lässt sich entnehmen, wie sich das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Laufe dieses Jahres entwickelt hat.

Experten korrigieren Prognosen nach oben

Aber die Erholung ab Mitte Mai verlief weitaus kräftiger als erwartet: Im dritten Quartal dürfte das BIP etwa 90 Prozent der Höhe von Ende 2019 erreicht haben – und damit einen Großteil des Einbruchs wieder wettmachen.

Daher korrigieren Konjunkturexperten seit einigen Wochen ihre Prognosen wieder nach oben: Sie erwarten für 2020 nun ein Minus zwischen 4,7 und 6,2 Prozent.

Das Münchener Ifo-Institut rechnet nach dem Einbruch von 9,7 Prozent im Frühjahr im Sommerquartal sogar mit einem Wachstum von 6,6 Prozent. Auch im bevorstehenden vierten Quartal soll es zu einem deutlichen Plus reichen.

„Die jüngsten Restriktionen bremsen die Mobilität und die wirtschaftliche Aktivität kaum spürbar“, erklärt Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, die Erholung. „Viele Konjunkturindikatoren haben sich sogar mit hohem Tempo aus dem tiefen Rezessionstal herausbewegt.“ Doch sei damit zu rechnen, dass die Erholungsgeschwindigkeit in den kommenden Monaten spürbar nachlassen werde, fügt er einschränkend hinzu.

Im Jahr 2021 soll die Wirtschaft hierzulande etwa dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge wieder um 4,1 Prozent zulegen und 2022 um weitere drei Prozent. Die DIW-Forscher gehen davon aus, dass das BIP zum Jahreswechsel 2021/2022 sein Vorkrisenniveau erreicht haben wird.

Erfolgreiche wirtschaftspolitische Maßnahmen der Bundesregierung

Dass die deutsche Wirtschaft bislang besser durch die Krise gekommen ist als befürchtet, liegt den Konjunkturexperten verschiedener Wirtschaftsforschungsinstitute zufolge unter anderem an den Maßnahmen der Bundesregierung: Vor allem die Kurzarbeit habe einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert.

2020 werden ihnen zufolge zwar rund 500.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Sie sind sich aber einig, dass diese Zahl angesichts der Tiefe der Corona-Rezession eher gering sei. Außerdem werde der private Konsum die Konjunktur stützen: Das Konjunkturpaket der Bundesregierung werde das diesjährige BIP um 40 Milliarden Euro erhöhen.

Vergleich der Corona-Rezession mit der Finanz- und der Dotcom-Krise

Kurvenverlauf dreier Rezessionen
Die drei Kurven vergleichen den zeitlichen Erholungsverlauf der aktuellen Corona-Rezession mit den beiden vorangegangenen Rezessionen in Deutschland.

Erholung verläuft schneller als nach Finanzkrise

Mit Blick auf die beiden großen vorangegangenen Rezessionen ordnen die Wirtschaftsexperten den Verlauf der Corona-Krise als mittelschwer ein.

Nach dem Platzen der New Economy Bubble, auch als Dotcom-Blase bekannt, glitt die deutsche Wirtschaft zwar ebenfalls in eine Rezession ab und benötigte knapp zwei Jahre, um wieder ihr Vorkrisenniveau zu erreichen. Das Minus fiel aber deutlich geringer aus.

Mit der weltweiten Finanzkrise 2008 brach die deutsche Wirtschaft sehr viel nachhaltiger ein: Das BIP verlor über drei Quartale in Folge und benötigte dann knapp acht Quartale (also fast zwei Jahre), um sein Vorkrisenniveau zu erreichen.

Im Vergleich dazu prognostizieren die Konjunkturforscher nach der Corona-Krise – wenngleich der Einbruch sehr viel größer ausfiel – mit rund sechs Quartalen eine schnellere Erholung.


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