Exportfactoring

Forderungsverkauf als Alternative zu langen Zahlungszielen bei Auslandsgeschäften

Immer mehr Unternehmen verkaufen ihre Forderungen gegenüber Kunden im Ausland an einen Factoring-Anbieter. Sie können dadurch ihren Kunden großzügige Zahlungsziele bieten, erhalten dennoch zügig ihr Geld und verschaffen sich so Spielraum für neue Kundenaufträge. 

David Mohn gewährt seinen Kunden im Ausland lange Zahlungsziele. Mitunter extrem lange. „Wir können uns die langen Zahlungsziele nur leisten, weil wir die Forderungen frühzeitig an die Deutsche Factoring Bank verkaufen“, sagt der Chef der Mohn GmbH in Meinerzhagen, die Firmen weltweit bei ihrer Produkt- und Betriebshygiene unterstützt.

Der Verkauf kostet Geld. Doch Mohn gibt zum einen das Zahlungsrisiko an den sogenannten Factor ab. Zum anderen kann er seinen Geldeingang perfekt planen. „Wir haben nach Rechnungsstellung innerhalb von drei Tagen den Betrag auf dem Konto“, so Mohn.

Factoring liegt im Trend

Immer mehr global aufgestellte Unternehmer entscheiden sich dafür, ihre Forderungen zu verkaufen. Das zeigt die Statistik des Deutschen Factoring-Verbands. Das Volumen der aufgekauften Auslandsforderungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren annähernd verdreifacht. Lag es 2007 bei 22,5 Milliarden Euro, waren es 2016 bereits 64,5 Milliarden Euro.

Für Jürgen Schad, Leiter Internationaler Produktservice der S-International Baden-Württemberg Nord GmbH & Co. KG, ist die Entwicklung verständlich. „Factoring hat sein Image in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Vor allem die junge Generation steht diesem Finanzierungsinstrument sehr aufgeschlossen gegenüber“, betont er. 

Einkaufsvorteile gewinnen, längere Zahlungsziele gewähren

Der Verkauf von Forderungen bringt den Firmen entscheidende Vorteile. Zum einen können sie ihren Kunden serviceorientiert lange Zahlungsziele gewähren. Factoring ist daher ein Instrument der Absatzfinanzierung.

„Exportorientierte Firmen haben vielfach mit Rechnungsfälligkeiten von 60, 90 oder sogar 180 Tagen zu kämpfen. In Südeuropa oder den USA ist das durchaus üblich“, erklärt Uwe Müller, Geschäftsführer der Deutschen Factoring Bank in Bremen.

Zum anderen können Unternehmen die gewonnene Liquidität dazu nutzen, selbst bei ihren Lieferanten Einkaufsvorteile zu erzielen und beispielsweise Skonto zu ziehen. „Im Prinzip lässt sich so also indirekt der Ertrag steigern“, sagt Müller.

Der echte Forderungsverkauf wirkt sich positiv auf die Bilanz aus – mit erfreulichen Effekten auf die Ratingnote. Folgefinanzierungen werden günstiger und sind einfacher zu realisieren. Aufgrund der neuen Barmittel kann das kurzfristige Fremdkapital zurückgefahren werden oder andere Finanzierungen können in Anspruch genommen werden.

Schwerpunkt OECD-Länder

„Das gestiegene Interesse an Exportfactoring dürfte nicht nur auf die Vorteile und das verbesserte Image zurückzuführen sein, sondern auch darauf, dass die Risiken beim Export in vielen Ländern ansteigen“, sagt Müller. In vielen Staaten hat sich die Zahlungsmoral verschlechtert, zum Beispiel in China. Erst nach durchschnittlich 89 Tagen werden dort Rechnungen beglichen. Das ist der höchste Stand seit neun Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Juli 2017 veröffentlichte Euler-Hermes-Studie zum weltweiten Zahlungsverhalten.

Mit dem frühzeitigen Forderungsverkauf können Sie das Risiko eines Zahlungsausfalls auf den Factor verlagern. Die Deutsche Factoring Bank, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Leasing Gruppe und ein Unternehmen  der Sparkassen-Finanzgruppe, kauft weltweit Forderungen von Firmenkunden auf. Der Schwerpunkt liegt in Europa und den OECD-Ländern wie etwa Australien, Neuseeland, Japan, Südkorea, Kanada, den USA oder Mexiko.

Die Forderungen werden entweder über bereits bestehende Kreditversicherungen oder direkt über die Deutsche Factoring Bank abgesichert. Bei Unternehmen aus anderen Ländern, etwa Argentinien, Brasilien, Chile, Singapur oder Thailand, kann die Absicherung über das Branchennetzwerk FCI und in begrenztem Rahmen über eine Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung des Bundes greifen. FCI ist ein vor mehr als 50 Jahren gegründetes Netzwerk international aufgestellter Factoring-Gesellschaften mit Sitz in Amsterdam. 

Die Bonität des Kunden ist entscheidend

Voraussetzung für jeden Forderungsankauf ist immer eine ausreichende Bonität des Kunden im Ausland sowie des inländischen Unternehmens. Beides wird von der Factoring-Gesellschaft genau geprüft. Dazu erstellen Sie als Unternehmer im ersten Schritt eine Liste mit Ihren Kunden. Die Factoring-Gesellschaft checkt für jeden einzelnen Abnehmer dessen wirtschaftliche Verhältnisse anhand des Zahlungsverhaltens sowie weiterer Auskünfte.

Danach gibt der Factor für jeden Kunden ein konkretes Limit an, bis zu dessen Höhe er bereit ist, Ihre Forderungen anzukaufen. „Wenn eine Factoring-Gesellschaft bei einem Kunden den Daumen senkt und nicht bereit ist, ins Risiko zu gehen, sollten Firmenchefs gewarnt sein“, sagt Schad. In solchen Fällen sind Probleme beim Zahlungseingang abzusehen. „Es kann die bessere Lösung sein, notfalls ganz auf den Auftrag zu verzichten. Oder aber, falls möglich, Vorkasse zu vereinbaren“, rät er.

Anders wird die Situation bei Stammkunden aussehen. Denn Sie werden daran interessiert sein, diese zu behalten. Schad: „Es wird am Ende zu verhandeln sein, ob alle Forderungen abgegeben werden oder nur ein Teil.“ Im Prinzip geht es darum, die Risiken eines Forderungsausfalls zu verteilen.

Beim sogenannten Ausschnittsfactoring verkauft der Chef dann nur den Bestand ausgewählter Schuldner. Schad: „Je mehr Forderungen der Factor aber übernimmt, desto geringer ist das Risiko und desto niedrigere Gebühren fallen an.“

Diese variieren je nach Forderungsumfang und Bonität der Parteien. Der durchschnittliche Rechnungswert liegt aktuell bei 1.500 Euro. Im Idealfall hat ein Unternehmen einen festen Abnehmerkreis. Kommt ein neuer Kunde hinzu, wird er unter die Lupe genommen.

Komplettservice ist gefragt

Antonio Berlinches übergibt seit mehreren Jahren alle seine Forderungen an die Deutsche Factoring Bank. Berlinches führt die Firma BBR Automotive. Die Zahl seiner ausländischen Kunden ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Da einige sich lange Fristen bei der Begleichung ihrer Rechnungen einräumten, entschied er sich fürs Exportfactoring.

„Wir sind jetzt in puncto Liquidität so gut aufgestellt, dass wir keine Probleme haben, unsere eigenen Kreditfinanzierungen zu stemmen“, sagt Berlinches. Einziger Wermutstropfen: Beim Exportfactoring wird eine Warenkreditversicherung notwendig, die einen möglichen Forderungsausfall abdeckt.

Berlinches wählte eine Full-Service-Lösung. Dabei wird neben der Übernahme des vollen Ausfallrisikos und der Finanzierung auch die Debitorenbuchhaltung einschließlich Inkasso, Mahnwesen und Rechtsverfolgung durch die Deutsche Factoring Bank wahrgenommen. Der Factor tritt bei dieser Variante gegenüber den Debitoren zudem offen auf.

„Wir haben keine Probleme damit. Auch im Ausland ist Factoring so etabliert, dass es von unseren Auftraggebern nicht negativ bewertet wird“, so Berlinches. Diese Form wird im Mittelstand häufig gewählt. Aus gutem Grund, denn es bestehen in den einzelnen Ländern unterschiedliche Regeln. Wer beim Export breit aufgestellt ist, braucht entsprechend viel Erfahrung.

Das Geld kommt schnell aufs Konto

Zumeist wird das Geld innerhalb von einem bis drei Tagen nach Übergabe der Rechnung auf Ihrem Firmenkonto gutgeschrieben. Dabei muss es sich um eine unbestrittene Forderung handeln. Das heißt: Falls ein Kunde Mängel angezeigt hat oder aus anderen Gründen nur mit einem Abschlag zahlen will, geht die Factoring-Gesellschaft nicht mit.

Das Problem trat bei Unternehmer Mohn bisher nicht auf. „Die Abwicklung läuft bei uns reibungslos“, so der Firmenchef. 

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